9.6.02021

Busspur

Dieses Mal flanierte ich die Wilhelmstraße entlang stadtauswärts. Gemäß der unzähligen Verkehrszeichen gibt es dort eine Busspur, welche anhand weiterer Verkehrszeichen auch für Taxen freigegeben ist. Was aber alle anderen Verkehrsteilnehmer offensichtlich nicht davon abhält, genau diese Busspur ebenfalls zu nutzen. Ein Taxifahrer, der durch hupen auf sein Nutzungsrecht aufmerksam machen wollte, wurde ebenso ignoriert, wie der Stadtbusfahrer, der in der Straßenmitte mit dem normalen Verkehr mit schwamm und versuchte zumindest in Höhe der nächsten Bushaltestelle auf die Busspur zu gelangen.

Mein Tipp an die zuständigen Mitbürger: wenn man die gesamte Stadt mit immer mehr Verkehrszeichen, bunten Spuren und sonstigen Gadgets ausstattet, wobei kaum einer noch den Sinn oder Nutzen nachvollziehen kann, braucht man sich nicht wundern, wenn jeder zum Schluss macht, was er will — in Fachkreisen nennt man so etwas Überregulierung.

Verkehrsachsen

Straßen wie die Saarlandstraße oder die Sontheimer Straße sind Verkehrsachsen, die eine Stadt ab einer bestimmten Bevölkerungszahl einfach benötigt, und ganz besonders dann, wenn durch die Stadt hindurch auch Bundesstraßen führen. Nicht zuletzt dienen sie dem Durchgangsverkehr und sind zudem städtische Erschließungsstraßen, die den Verkehr in die Stadt hinein lenken, verteilen und wieder hinaus führen. Insbesondere jene Verkehre, die der Versorgung der Stadt an sich dienen und meist mit Lastkraftwagen in allen Größen bestritten werden. Hinzu kommen die Entsorgungs- und öffentlichen Nahverkehre — manche Großstädte verstärken solche Verkehrsachsen zudem mit Straßenbahnen.

Absolut notwendig sind solche Verkehrsachsen für die Rettungsdienste, wie Feuerwehr und Samariter, die über solche Verkehrsachsen schneller von einem Stadtteil zum anderen gelangen und sich nicht durch die Staus von einer verkehrsberuhigten Zone in die andere quälen müssen.

Selbst dann, wenn man Heilbronn zur verkehrsberuhigten, autofreien und radfahrfreundlichen Stadt erklärt, muss man diese Verkehrsachsen weiterhin vorhalten und mit zunehmender Einwohnerzahl auch weiter ausbauen (siehe Saarlandstraße). Ein Autobahnring, Lieferdrohnen oder gar unterirdische Verteilersysteme werden in den nächsten 500 Jahren für unsere Stadt wohl nicht in Frage kommen.

Deswegen ist es mir völlig unverständlich, dass man den Ausbau bzw. die Erweiterung der Saarlandstraße seit gut 50 Jahren verhindert — welche u.a. auch der Erschließung des einzigen Krankenhauses dient –, oder wie heute in der Heilbronner Stimme, die Sontheimer Straße verkehrsberuhigen möchte.

Zukunft

Heute durfte ich Verhandlungen beiwohnen, deren Gültigkeit über das Jahr 2050 hinausgehen soll, was mir jetzt im Anschluss doch ein wenig zu denken gibt. Zumindest ist es nicht sehr wahrscheinlich, dass ich das Endergebnis selbst noch erleben werde. Man darf dabei getrost behaupten, dass alle Beteiligten zukunftsorientiert denken.

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