Bauernbefreiung

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Beitragsfoto: Lesezeichen | © kertlis von Getty Images

Es gibt sie doch noch die guten Nachrichten. Und schon befinde ich mich gedanklich wieder in meiner politischen Jugendzeit, als wir Mitte der 1970er-Jahre nicht nur marktwirtschaftlich mehr Liberalismus forderten, sondern auch politisch mehr Freiheiten und mehr gelebte Demokratie. Und schon damals das Ganze garniert durch eine nachhaltige Umweltschutzpolitik.

Wir lasen nicht nur über die Folgen der Umweltzerstörung, weiter sinkender Geburtenraten und einen aus dem Ufer laufenden Sozialstaat, der eher den Reichen nutzte als den Bedürftigen half, sondern auch über die Möglichkeiten, um Butterberge und Milchseen nachhaltig abzubauen.

Und nun kaum ein halbes Jahrhundert später fordern Wissenschaftler des Kronberger Kreises die Abschaffung aller Subventionen für Landwirte.

Katja Gelinsky schreibt dazu in der FAZ (22.10.2026, 19:46 Uhr), dass Wissenschaftler alle Agrarsubventionen abschaffen wollen.

„Die Subventionen für die Landwirtschaft sollten „allesamt“ abgeschafft werden, beginnend mit den Förderprogrammen von Bund und Ländern. Auf europäischer Ebene biete die Neuordnung der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) ab dem Jahr 2028 die Gelegenheit, die Zahlungen der EU auslaufen zu lassen. Die Empfehlungen sind Teil einer Studie, die Mitglieder des Gremiums am Donnerstag vorgestellt haben. „Wir leben in einer Zeit, in der es wirklich neue Prioritäten gibt und in der alles auf den Prüfstand muss“, sagte der Präsident des Ifo-Instituts, Clemens Fuest, einer der Autoren der Studie. …

Die empfohlene Liberalisierung werde auch keineswegs zwangsläufig zum wirtschaftlichen Niedergang der Landwirtschaft führen, heißt es in der Studie. Das zeigten die Erfahrungen in Neuseeland. Die weitgehende Abschaffung der Agrarsubventionen Mitte der 1980er-Jahre habe sich dort im Nachhinein als großer Erfolg erwiesen. Es habe sich eine produktive, exportstarke Landwirtschaft entwickelt; negative soziale Folgen seien vergleichsweise begrenzt geblieben.“

Wir bei uns in Deutschland verschleppen schon immer sehr gerne sämtliche Herausforderungen dieser Welt bis diese zu unlösbaren Problemen heranreifen und dann rufen wir wieder allesamt nach der Diktatur und dem starken Mann, weil dies schon immer so war und wir alle erneut keine andere Alternative hätten.

Und davon wissen wir alle selbstverständlich später auch nichts mehr, so wie wir nie wussten, dass, wenn man jahrzehntelang in Saus und Braus lebt und dabei auch noch die Natur völlig ruiniert sowie auf eigene Kinder zugunsten eines bequemen Lebens verzichtet, die Rechnung am Ende nicht aufgehen wird.

Wir sollten nicht nur die Bauern, sondern uns alle befreien! Ohne aber dabei gleich wieder totalitaristische Wallungen zu bekommen. Eine Herausforderung nach der anderen annehmen und jeweils dafür eine möglichst geeignete und nachhaltige Lösung zu finden, wäre schon einmal ein Anfang.

Wir werden es leider bis zum bitteren Ende mit Heinrich Hafferloher halten und uns wie Baby Schimmerlos in unser alternativloses Schicksal begeben — was die letzten 50 Jahre doch ganz gut geklappt hat.


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