Johnnie Walker 4.8 (4)

Mitte der 1980er-Jahre hatte mich eine neue Sammelleidenschaft gepackt, nämlich Scotch nicht nur zu trinken, sondern auch immer wieder ein Fläschchen davon zur Seite zu legen. Ab 1990 war es dann der Single Malt, der mich besonders faszinierte und bei dem ich versuchte, möglichst vielen unterschiedlichen Sorten habhaft zu werden. Diese Sammelleidenschaft hielt gut 25 Jahre an, sodass ich doch die eine oder andere Flasche dieser im Holzfass gereiften Spirituose ergattern konnte.

Nun, da ich gerade dabei bin, meine Bestände zu sichten, werde ich diese gleich auch einmal sortieren und hier ab und zu dann auch einige davon präsentieren. Am besten fange ich mit einem der „drei bekanntesten Freunde“ an, dem Johnnie Walker, einem schottischen Blend, der heutzutage zum Getränkekonzern Diageo gehört und lange Jahre hinweg als einer der am meisten gekauften Whiskys galt. 

Vielen ist das Firmenlogo der „Striding Man“ bekannt, auch wenn sie noch nie in ihrem Leben selbst Whisky getrunken haben, denn dieses Logo begleitet die Marke seit 1925 und ist inzwischen eigentlich überall zu sehen bzw. schon einmal gesehen worden. Jene, die in ihren jungen Jahren Marius Müller-Westernhagen hörten, kennen sein Lied Johnny W. vom Album „Mit Pfefferminz bin ich dein Prinz“ aus dem Jahr 1978 und waren vielleicht damals versucht, das Original einmal etwas näher kennenzulernen. Aus dieser Zeit stammt wahrscheinlich auch der erste Satz dieses Beitrages, dem mit den drei guten Freunden.

Auch den etwas jüngeren unter uns ist sicherlich noch das „Moorhuhn“ bekannt, welches als Computerspiel ab 1998 ganze Bürogemeinschaften stilllegte und in den verschiedensten Versionen noch heute auf Mobiltelefonen und Rechnern zu finden ist. Dieses Computerspiel war anfangs eine Werbeaktion für diesen Whisky.

In einem vorherigen Beitrag hier in meinem Blog schreibe ich über ein Buch von Haruki Murakami. Dieser lässt in einem anderen Roman, seinem Buch Kafka am Strand aus dem Jahr 2002, eine dämonische Macht in der Gestalt und dem Outfit von Johnnie Walker auftreten.

Anfangs wurde Johnnie Walker wohl nur als mindestens dreijähriger Blend, eine gesetzliche Regelung, die zu Beginn des Ersten Weltkrieges in Kraft trat und eine Mindestzeit von drei Jahren für die Fasslagerung vorsieht, getrunken. Noch heute ist dies die Hauptmarke und wird inzwischen als Red Label geführt.

Zum Einstieg und auch für das Zwischendurch empfehle ich das Red Label, notfalls kann man diesen Whisky auch mit anderen Getränken mischen, ohne dabei ein allzu schlechtes Gewissen zu bekommen. Wem der Johnnie schmeckt, der kann sich dann auch einmal den länger gelagerten Sorten widmen, wobei ich aber zu bedenken gebe, dass man beginnend mit dem Double Black vielleicht doch einmal versucht, Single Malts kennenzulernen, die dann ähnlich teuer sind.

Dies erkennend hat Johnnie Walker auch einmal einen Pure Malt angeboten und bietet inzwischen für die Fans der Marke weitere Labels an, die zumindest im Preis gut mit den teuersten Single Malt mithalten können.

Ich trinke den Johnnie, egal welche Marke, immer wieder gerne und in einer Bar vor allem dann, wenn ich nicht erkennen kann, wie lange die anderen angebotenen Marken bereits geöffnet sind; dies hat er mit seinen beiden Freunden Jim Beam und Jack Daniel’s gemeinsam.

Die Flaschen von Johnnie Walker, die ich noch in meiner eigenen Sammlung habe, sind schon so lange dort, dass dieser Whisky noch im letzten Jahrtausend destilliert wurde und damit den Geschmack der guten alten Zeit bewahrt; alleine der Anblick dieser Flaschen lässt mich in Gedanken dann auch immer wieder in die 1980er und 1990er-Jahre zurückkehren. Diese kurzen Zeitreisen sind für viele auch der Grund, warum sie so gerne zu einem Glas Whisky greifen.

„There is more friendship in a half pint of whiskey than in a churn of buttermilk.“

Irisches Sprichwort

Service Medals

Orden und Ehrenzeichen 5 (4)

Beitragsfoto: Einsatzmedaillen der EU

Beim Ausmisten habe ich unter anderen die oben gezeigten Medaillen gefunden, welche ich nach all den Jahren einfach nicht mehr zuordnen kann. Dabei kam ich bei ihrer Betrachtung ein wenig ins Grübeln und so ist auch dieser Blog-Beitrag entstanden.

Für einen Menschen haben solche Orden und Ehrenzeichen umso mehr eine Bedeutung, je mehr man selber glaubt, dass man sie auch verdient hat. Zwei Dinge darf man dabei aber nicht machen, nämlich erstens darüber nachzudenken, in welch hohen Stückzahlen solche Staatssymbole tatsächlich produziert werden, und zweitens hinzuschauen, wer alles sonst noch mit dem gleichen Orden oder Ehrenzeichen ausgestattet wurde.

Für den jeweiligen Herausgeber solcher Staatssymbole ist es auf jeden Fall ein Gewinn, denn sie dienen seiner Selbstdarstellung und transportieren dessen Werte, aber vor allem sparen sie dem jeweiligen Staat oder Land eine Menge Geld, denn mit diesen Orden und Ehrenzeichen werden Verdienste abgegolten, die man monetär kaum oder zumindest sehr teuer bezahlen müsste.

Deshalb wundert es mich sehr, dass bisher ganz offensichtlich noch keiner auf die Idee kam und eine COVID-19-Medaille gestiftet hat. Wahrscheinlich bin ich da doch noch etwas rückständig, weil es den dafür Verantwortlichen in unseren Ländern wohl gelungen ist, den potenziellen Empfängern solcher Ehrenzeichen klar zu machen, dass gemeinsames Klatschen und abendliche Ständchen viel besser und noch kostengünstiger sind als die Distribution von kleinen an Bändern befestigten Metallstückchen à la einer Oderflut-Medaille; von einer besseren Bezahlung oder Entlohnung ganz zu schweigen.

Dabei steckt in der Verteilung von Orden und Ehrenzeichen weiterhin großes Potenzial, welches wir bei uns in Europa bis heute noch gar nicht so richtig ausgeschöpft haben. Diese Potenziale könnte man anlässlich der derzeitigen weltweiten COVID-19-Krise heben und zu einer neuen Blüte führen.

Angefangen von den Vereinten Nationen über den Europarat und die Europäische Union — da hätten wir schon drei — könnten alle 27 EU Mitgliedstaaten und dazu noch die Länder, Departements oder Regionen jeweils eigene Medaillen stiften. Dabei käme dann ein halbwegs gut vernetzter Mensch auf etliche solcher Auszeichnungen, und bei zukünftigen Parteitagen oder auf Festen stolzieren dann die Teilnehmer wie dereinst sowjetische Generale durch die Gegend. Auf jeden Fall würde sich eine Menge Leute auf den nächsten COVID-19-Ausbruch oder eine andere Pandemie freuen, da sie dann Gelegenheit hätten, um noch bestehende Lücken auf der mit stolz geschwellten Brust zu schließen.

Auch könnte man in reinster bundesdeutscher Tradition der damit einhergehenden „Gleichmacherei“ dadurch begegnen, dass man verschiedene Stufen dieser Ehrenzeichen einführt und die jeweiligen Bundesminister für Gesundheit bei Amtsantritt mit der COVID-19-Medaille mit Eichenlaub, Schwertern und Diamanten auszeichnet. Die anderen Minister, Politiker oder Beamte erhalten davon dann abgestufte Versionen, abhängig von ihrer jeweiligen Nichtbeteiligung. Diese könnten sich dann in altbewährter Manier die jeweiligen Auszeichnungen gegenseitig verleihen und kämen je nach Grad der Vernetzung ebenfalls auf ihre Kosten.

Und wer jetzt glaubt, man könne das nicht mehr toppen, den verweise ich auf die Möglichkeit, weitere Errungenschaften des realen Sozialismus zu heben und z. B. die Ministerpräsidenten nach durchgestandener Krise zu Helden der Bundesrepublik Deutschland zu ernennen.

Wenn wir das alles medial richtig aufbereiten, werden die kommenden Krisen zum Kinderspiel und ganz Europa wird sich auf neue Wellen von COVID-19 freuen.

Sollten Ihnen als Sammler von Militaria die oben gezeigten Medaillen gefallen und Ihr Interesse geweckt haben, dann nehmen Sie mit mir Verbindung auf; ich kann diese Ehrenzeichen zwar nicht verleihen, aber durchaus verkaufen.

„When there is a lack of honor in government, the morals of the whole people are poisoned.“

Herbert Hoover, in der New York Times (9. August 1964)

Pferdeschädel

Aus gegebenem Anlass 5 (3)

Beitragsfoto: Pferdeschädel | © Pixabay

Gerade wenn man sich unablässig bemüht, die Dinge zum Laufen zu bekommen und dabei über Monate, vielleicht sogar Jahre hinweg, das Gefühl hat, nicht weiter zu kommen, dann wäre es wirklich einmal an der Zeit, um anzuhalten und zu versuchen, das ganze Geschehen aus der Distanz oder gar aus der Vogelperspektive heraus zu betrachten.

Der allseits bekannte Sisyhos soll um das Jahr 1 400 v. Chr. gelebt haben und König zu Korinth und Sohn des Aiolos gewesen sein. Bekannt ist weiterhin, dass er sich durch große Weisheit ausgezeichnet haben soll.

Sisyphos’ Strafe, weil er offensichtlich nicht nur mit Weisheit, sondern auch noch mit ausreichend Bauernschläue ausgestattet gewesen war, besteht nun darin, seit seinem Tod, der ihn in die Unterwelt verfrachtete, fortwährend einen Felsblock einen steilen Hang hinaufzurollen. Ihm entgleitet dieser Stein jedoch stets kurz vor Erreichen des Gipfels und er muss immer wieder von vorne anfangen.

Homer hat dies bereits in der Odyssee berichtet, und man darf deshalb hoffen, dass sich der Felsbrocken inzwischen ein wenig abgenutzt hat.

Wer jetzt glaubt, es könnte nicht mehr schlimmer kommen, den möchte ich an Naranath Bhranthan erinnern, der dies offensichtlich freiwillig und unermüdlich macht, da er sich jedes Mal aufs Neue freut, wenn er den Felsbrocken den Berg hinunterrollen sieht.

Am Schlimmsten dürfte es aber sein, wenn man selbst bereits zu Lebzeiten ein totes Pferd reitet und dies zudem nicht wahrhaben möchte. Schon die Lakota kannten diesen Umstand und empfahlen das Folgende:

When you discover that you are riding a dead horse, the best strategy is to dismount.

Weisheit der Lakota

Nichtsdestotrotz haben wir uns in Europa und der Westlichen Welt insgesamt andere Strategien zugelegt, die wir bis heute unermüdlich anwenden und dazu noch den jeweils anderen als die best mögliche anempfehlen wollen.

Einige dieser Strategien finden Sie hier:

– EL: buying a stronger whip;

– MT: changing riders;

– UK: saying things like: “This is the way we always have ridden this horse.”

– SE: appointing a committee to study the horse;

– IE: arranging to visit other sites to see how they ride dead horses;

– FR: increasing the standards to ride dead horses;

– PT: appointing a team to revive the dead horse;

– DE: creating a training session to increase our riding ability;

– FI: comparing the state of dead horses in today’s environment;

– HU: change the requirements, declaring that, “This horse is not dead.”

– BE: hire contractors to ride the dead horse;

– LU: harnessing several dead horses together for increased speed;

– ES: declaring that, “No horse is too dead to beat.”

– EU: providing additional funding to increase the horse’s performance;

– US: do a study to see if contractors can ride it cheaper;

– IT: buying a product to make dead horses run faster;

– AT: declaring that the horse is “better, faster and cheaper” dead;

– NL: forming a quality circle to find uses for dead horses;

– CY: revisiting the performance requirements for horses; saying this horse was procured with cost as an independent variable;

– PL: promoting the dead horse to a supervisory position.

Jetzt müsste man nur noch jemanden finden, der einem zeigt, wie man eigentlich am Besten von einem toten Pferd absteigt. Für die Lakota war dies wohl kein Problem und so normal, dass es keiner weiteren Erklärung bedurfte.

Aber so lange wir nicht wissen, wie man gesund von einem Gaul oder gar Roß herunterkommt, reiten wir wohl weiterhin und jeder auf seine eigene Art und Weise … tote Pferde.

„A horse! a horse! my kingdom for a horse!“

William Shakespeare, King Richard III