Augenpaar

Hohle Menschen 5 (9)

Beitragsfoto: Augenpaar | © Pixabay

Neben The Waste Land, einem Gedicht aus dem Jahr 1922, ist The Hollow Men von 1925 wohl T. S. Eliots bekanntestes Gedicht, dessen Aussage, dass die jetzige Welt nur das andere Reich des Todes sei, jeden aufhorchen lassen sollte. 

Wem das untenstehende Gedicht „Die hohlen Männer“ gefällt, der möge auch das oben verlinkte Gedicht „The Waste Land“ lesen, das wie folgt beginnt: „APRIL is the cruellest month, breeding Lilacs out of the dead land, mixing Memory and desire, stirring Dull roots with spring rain.

The Hollow Men

Mistah Kurtz – he dead
A penny for the Old Guy

I

We are the hollow men
We are the stuffed men
Leaning together
Headpiece filled with straw. Alas! 
Our dried voices, when
We whisper together
Are quiet and meaningless
As wind in dry grass
Or rats’ feet over broken glass
In our dry cellar

Shape without form, shade without colour, 
Paralysed force, gesture without motion;

Those who have crossed
With direct eyes, to death’s other Kingdom 
Remember us – if at all – not as lost 
Violent souls, but only
As the hollow men
The stuffed men.

II

Eyes I dare not meet in dreams 
In death’s dream kingdom 
These do not appear:
There, the eyes are
Sunlight on a broken column 
There, is a tree swinging 
And voices are
In the wind’s singing
More distant and more solemn 
Than a fading star.

Let me be no nearer
In death’s dream kingdom 
Let me also wear

Such deliberate disguises
Rat’s coat, crowskin, crossed staves 
In a field
Behaving as the wind behaves
No nearer –

Not that final meeting 
In the twilight kingdom

III

This is the dead land
This is cactus land
Here the stone images
Are raised, here they receive
The supplication of a dead man’s hand 
Under the twinkle of a fading star.

Is it like this
In death’s other kingdom 
Waking alone
At the hour when we are 
Trembling with tenderness 
Lips that would kiss
Form prayers to broken stone.

IV

The eyes are not here
There are no eyes here
In this valley of dying stars
In this hollow valley
This broken jaw of our lost kingdoms

In this last of meeting places
We grope together
And avoid speech
Gathered on this beach of the tumid river

Sightless, unless
The eyes reappear
As the perpetual star 
Multifoliate rose
Of death’s twilight kingdom 
The hope only
Of empty men.

V

Here we go round the prickly pear 
Prickly pear prickly pear
Here we go round the prickly pear 
At five o’clock in the morning.

Between the idea 
And the reality 
Between the motion 
And the act
Falls the Shadow
For Thine is the Kingdom

Between the conception 
And the creation 
Between the emotion 
And the response
Falls the Shadow
Life is very long

Between the desire 
And the spasm 
Between the potency 
And the existence 
Between the essence 
And the descent 
Falls the Shadow
For Thine is the Kingdom

For Thine is 
Life is
For Thine is the

This is the way the world ends 
This is the way the world ends 
This is the way the world ends 
Not with a bang but a whimper.

„We shall not cease from exploration, and the end of all our exploring will be to arrive where we started, and know the place for the first time.“

T. S. Eliot, The Waste Land (1922)

Adventsgedanken

Gedanken im Advent 5 (2)

Beitragsfoto: Beispielbild | © Pixabay

Mit großen Schritten nähern wir uns dem Jahresende und sind dabei kaum noch in der Lage, all die Missstände aufzuzählen, die uns in den letzten Tagen und Wochen so offensichtlich vor Augen geführt wurden und immer noch werden. Und den Nationalisten scheint es dieses Mal tatsächlich gelungen zu sein, Europa an sich in Haftung zu nehmen und zudem noch viele unserer Mitbürger davon zu überzeugen, dass unser gemeinsames Europa nicht in der Lage sei, um überhaupt die dringendsten Probleme zu lösen.

Hier ein paar Fakten: es sind nationale Parlamente, die ihre Länder und Bevölkerungen in den finanziellen Ruin getrieben haben; es sind nationale Regierungen, die ihren Wählern das Blaue vom Himmel versprochen haben; es sind nationale Regierungen, die ihren Verpflichtungen gegenüber der Umwelt, den Mitbürgern und der Staatengemeinschaft nicht nachkommen; es sind nationale Regierungen, die dafür Verantwortung tragen, dass die Küsten vor Afrika leergefischt, die Ressourcen und Äcker der Dritten Welt ausgebeutet und den Unternehmen vor Ort jegliche wirtschaftliche Grundlage entzogen wird; es sind nationale Regierungen, die zur Profitmaximierung ihrer eigenen Klientel dazu beitragen, dass weltweit die Natur aus den Angeln gehoben wird; es sind nationale Regierungen, die wenig bis gar nichts dazu beitragen, dass sich unsere Nachbarstaaten stabilisieren und demokratische Freiheitsbewegungen Fuß fassen können; es sind nationale Parlamente, die weder Konzept noch Gesetze haben, um die Folgen ihrer eigenen Handlungen oder Unterlassungen schultern zu können; und es sind die nationalen Regierungen und Parlamente, die jetzt die Europäische Union oder zumindest einzelne Mitgliedsstaaten dafür in die Generalhaftung nehmen wollen. 

Haben wir aus der Vergangenheit wirklich nichts gelernt? 

Selbst Grenzbefestigungen der schlimmsten Diktaturen halten Menschen nicht auf; Gewaltherrschern und Verbrecherorganisationen ist durch gutes Zureden alleine nicht beizukommen; und eine Abschottung nach innen und außen ist nicht nur wirtschaftlich katastrophal.

Wir Deutschen müssten es eigentlich noch besser wissen. Unsere Demokratie, unsere Sicherheit und unser Wohlstand sind in erster Linie der Zusammenarbeit mit und der Unterstützung durch unsere Nachbarländer, dem Zuzug von Millionen Neubürgern – angefangen von den Vertriebenen über die Gastarbeiter bis hin zu den Migranten aus allen Herren Ländern – und der Tatsache zu verdanken, dass wir den „Nationalismus“ durch den europäischen Gedanken der Kooperation ersetzt haben. Unsere neue Offenheit und die Bereitschaft über Grenzen hinweg zu agieren haben uns Deutsche nicht nur in der Welt rehabilitiert, sondern wurden für uns und unsere europäischen Nachbarn zu einem beispiellosen Erfolgsmodell. Europa ist heute für alle ein bisher nie dagewesener Ort der Sicherheit und der Möglichkeit zur Selbstentfaltung. Und bis dato ist dies noch Realität! 

Wir dürfen uns Europa und die Europäische Idee nicht abspenstig machen lassen. Wir müssen den Nationalisten, Populisten und Spesendemokraten entgegentreten. Wir müssen auch unseren weniger informierten Mitbürgern die Fakten vorlegen und näherbringen. Denn es ist die Angst der Uninformierten, die die Extremisten aller Couleur stark macht und ganze Bevölkerungsteile zu Übersprunghandlungen verführt! 

Eine informierte und von der europäischen Idee überzeugte Bürgerschaft wird auch weiterhin allen Herausforderungen begegnen können und diese auch meistern. Eine mündige Bürgerschaft wird auch erneut allen terroristischen Untaten Herr werden können und dabei gestärkt aus dem gemeinsam Erlebten hervortreten. Wenn wir hier in Europa den Despoten, Terroristen und Extremisten nicht trotzen können, wer soll es dann überhaupt bewerkstelligen?!

Auch gilt es, sich unserer transatlantischen Bande wieder mehr zu erinnern und diese weiter zu stärken, denn auch für über 500 Millionen Unionsbürger werden bald die sich bereits am Horizont abzeichnenden zukünftigen Herausforderungen alleine nicht mehr zu bewerkstelligen sein. Hierbei müssen wir zumindest gedanklich schon jetzt die Europäische Idee vertiefen und weiterentwickeln und dies ganz im Sinne von „Hertenstein 1946“, wo Visionäre bereits die Weltunion im Auge hatten.


Adventsgedanken

Adventszeit 2014 5 (11)

Foto: Beispielbild | © Pixabay

Das einzige Mal, bei dem mir die Freude an der Adventszeit völlig genommen wurde, war auf dem Balkan in den 1990ern. Dort musste ich miterleben, wie Neid, Missgunst oder auch nur reine Mordlust Menschen zu Unmenschen machte. Ich war mir eigentlich bis dieser Tage ziemlich sicher, dass ich eine solche „verlorene“ Adventszeit nicht mehr erleben werde.

Aber mitten in der jetzigen Vorweihnachtszeit und zudem hier in unserem eigenen Lande versammeln sich Menschen zu Tausenden, um eigentlich gegen alles zu demonstrieren, dabei werden sämtliche Feindbilder des deutschen Populismus bedient. Und noch schlimmer! Unter dem Deckmantel des anständigen Bürgers schart sich das rotbraune Gesindel zusammen, sicherlich auch von uninformierten Mitläufern begleitet und zieht gerade zur Weihnachtszeit — hic! — durch unsere Straßen, um unverhohlen allen Demokraten, Europäern und Christen unter uns den Kampf anzusagen; die dabei geheuchelte Islamophobie steht meines Erachtens stellvertretend für den noch fehlenden Mut wieder zu Pogromen gegen alle Gläubigen, ob Jude, Moslem oder Christ, aufzurufen.

Schlimmer noch! Populisten aller Volksparteien beginnen Sympathien für diese Art von Mitbürgern zu entwickeln. Ich hoffe nur, dass die Demokraten in den Parteien stark genug sind, diesen „Hindenburgaspiranten“ das Wasser abzugraben.

Sie sehen, auf das kommende Weihnachten werde ich mich nicht so richtig freuen können – man muss wohl schon froh darüber sein, wenn in unserem Land zu Heiligabend keine Obdachlosen- oder Flüchtlingsheime brennen oder unsere Politiker in diesen Tagen keinem Land den Krieg erklären.

Sie erkennen aber auch, dass es für uns Europäische Föderalisten immer wichtiger wird, verstärkt Flagge zu zeigen und dabei aber auch dem aufkeimenden Unrecht wirkungsvoll entgegenzutreten – wir dürfen den Hasspredigern dieser Welt nicht das Feld überlassen!

Wir müssen verstärkt werben und zwar für unsere Ideale und Werte, für Frieden, für Freiheit, für Demokratie, für Europa, für Föderalismus, für Menschen- und Bürgerrechte, für Bildung, für Nächstenliebe, für Solidarität, für Religionsfreiheit … –- es gibt so viel Gutes, für das es sich lohnt, vehement einzutreten, und es gibt viel, sehr viel zu verlieren!

„Many young people, it is true, do not seem to value freedom. But some of us still believe that with­out freedom, human beings cannot become fully hu­man and that freedom is therefore supremely valuable.“

Aldous Huxley, Brave New World Revisited (1958)