Ewige Flamme

Dem unbekannten Leser 5 (5)

Beitragsfoto: meine ewige Flamme | © Shutterstock

Über meine Leser weiß ich nicht sehr viel. Dies ist auch den permanenten Hinweisen von Detlef Stern geschuldet, der mich gerne daran erinnert, dass man nicht alles macht, auch wenn man es könnte. Dabei spielt er nicht auf ein moralisches Grundprinzip an, sondern erinnert mich immer wieder an die zunehmenden Auswüchse unserer Datenschutzgrundverordnung.

Manche meiner Leser antworten ab und zu auf meine Beiträge dabei aber sehr gerne per E-Mail oder bei einem persönlichen Treffen. Wenige nutzen die durch das Weblog bereitgestellten Möglichkeiten und schreiben einen entsprechenden Kommentar, beteiligen sich im jüngst bereitgestellten Forum oder hinterlassen mir eine Notiz auf dem Blog. Andere Leser wiederum haben ein Abonnement abgeschlossen und werden per E-Mail über neue Blog-Beiträge informiert.

Und das sind die Leser, über die ich mir selber ein eigenes Bild machen kann — übrigens ein sehr positives!

Die große Masse meiner Leserschaft bleibt für mich aber weiterhin im Dunkeln des Internets verborgen. Ich kann hier nur aufgrund von Zugriffszahlen und Länderzuordnungen bzw. den Aufrufen meiner „internationalen“ Weblog-Seiten erkennen, dass es diese Leser gibt. Auch werde ich darin, dass es diese Leser tatsächlich gibt, durch Anfragen von Werbefirmen und Dienstleistern bestätigt, die ansonsten von meinem Weblog keine Notiz nehmen würden.

Deshalb widme ich diesen Blog-Beitrag dem unbekannten Leser und entzünde für diesen stellvertretend für alle anderen das obige „ewige“ Licht.

Lieber unbekannter Leser!

Danke, dass es Sie gibt. Zwar weiß ich nicht, wer Sie sind oder wo Sie leben und arbeiten, dennoch dürften wir doch so einiges an Gemeinsamkeiten haben. Zumindest denken wir über unsere Welt sowie uns selber nach und hören dazu auch gerne die Meinungen anderer.

Ich wurde jüngst von Thomas Michl, einem meiner Leser, den ich persönlich kenne und sehr schätze, gefragt, was denn meine Erwartungshaltung an die Leser wäre? Ich teile dabei seine Meinung, dass sehr viele Mitbürger kritisch-reflektierend unterwegs sind. Leider aber nutzt dies der Gesamtheit wenig, wenn diese ihre Erkenntnisse oder Zweifel meist für sich behalten.

Douglas Adams hat dies sehr treffend in seinem Hörspiel „Per Anhalter durch die Galaxis“ formuliert, indem er ganz beiläufig erwähnte, dass noch kurz bevor die Vogonen unsere Welt zerstörten, ein Mensch die Lösung für sämtliche Probleme des Universums gefunden hatte. Und er lässt uns dann noch wissen, dass diese Lösung nicht „42“ ist.

Da ich Sie, lieber unbekannter Leser, nicht kenne, fällt es mir schwer, auch eine Erwartungshaltung an Sie zu formulieren. Aber freuen würde ich mich darüber, wenn Sie — wenigstens ab und zu — aus der Deckung kommen und Ihre Meinung zu den hier im Weblog angebotenen Meinungen, Vermutungen und Behauptungen kundtun.

Denn wenn wir Menschen etwas sind, dann eine Art von Kommunikationsraum, der dadurch existiert, dass möglichst viele unterschiedliche Meinungen und Ansichten aufeinandertreffen, sich aneinander reiben und wir dadurch trotz oder gerade wegen der daraus entstehenden Konflikte langsam, aber sicher ein gemeinsames Bild von der aktuellen Realität erhalten.

Und je besser wir miteinander kommunizieren, umso besser ist das aktuelle Bild von unserer eigenen Realität.

Lieber unbekannter Leser, ich weiß, dass dies nicht einfach ist, ganz besonders dann, wenn man selber seine eigenen Gedanken ins World Wide Web stellt, das diese zwar aufnimmt, aber auch wie ein Blitzableiter gleich ins digitale Nirwana weiterführt.

Und so freut es mich weiterhin, dass ich weiß, dass es Sie gibt. Und hoffe, dass manche meiner Gedankengänge Sie auch zum Widerspruch anregen und Sie dadurch für sich selber das Eine oder Andere neu denken können.

„Dürfte ich das Unwort des Zeitalters bestimmen, so käme nur eins in Frage: kommunizieren. Ein Autor kommuniziert nicht mit seinem Leser. Er sucht ihn zu verführen, zu amüsieren, zu provozieren, zu beleben. Welch einen Reichtum an (noch lebendigen) inneren Bewegungen und entsprechenden Ausdrücken verschlingt ein solch brutales Müllschluckerwort! Mann und Frau kommunizieren nicht miteinander. Die vielfältigen Rätsel, die sie einander aufgeben, fänden ihre schalste Lösung, sobald dieser nichtige Begriff zwischen sie tritt. Ein Katholik, der meint, er kommuniziere mit Gott, gehört auf der Stelle exkommuniziert. Zu Gott betet man, und man unterhält sich nicht, sondern man empfängt eine Heilige Kommunion. All unsere glücklichen und vergeblichen Versuche, uns mit der Welt zu verständigen, uns zu berühren und zu beeinflussen, die ganze Artenvielfalt unserer Regungen und Absichten fallen der Ödnis und der Monotonie eines soziotechnischen Kurzbegriffs zum Opfer. Damit leisten wir dem Nichtssagenden Vorschub, das unsere Sprache mit großem Appetit auffrisst.“

Bodo Strauß , Der Untenstehende Auf Zehenspitzen (2004: 41)

Sinnierende Frau

Zeit für ein Gedicht 5 (2)

Beitragsfoto: Sinnierende Frau | © Pixabay

In Zeiten, wo wieder einmal feucht fröhlich über die Apokalypse debattiert wird und man allen und jedem Gehör schenkt, von denen man annehmen muss, dass sie sich mit der Materie wenig bis überhaupt nicht auskennen, ist es — denke ich — an der Zeit, uns an Menschen zu erinnern, die von Krieg und vor allem dem Tod so richtig Ahnung haben.

Wo uns dieses Expertentum der völligen Inkompetenz inzwischen hingeführt hat, können wir derzeit ganz gut beobachten. Immer mehr beobachtende Menschen ziehen sich völlig angewidert von den aktuellen „Fachdebatten“ aus den Sozialen Medien zurück, und auch ich kann es kaum noch ertragen, wie gerade die üblichen Fahnenflüchtigen und Drückeberger um die Deutungshoheit von Militäreinsätzen streiten oder wie Friedensaktivisten die Vorzüge von Massenvernichtungswaffen predigen.

Ich finde es richtig ekelig zu wissen, dass gerade unzählige Mitmenschen keine 1 300 Kilometer von uns entfernt regelrecht abgeschlachtet werden und sich bei uns die meisten Menschen an dieser Situation weiden oder noch tragischer, ihre ganz eigenen Vorteile daraus ziehen wollen. Dabei bleibt kein Mensch bei uns, der Verantwortung trägt, ohne Schuld! Jeder von diesen Mitbürgern hat Blut an seinen Händen kleben.

Nun zurück zu einem jener Menschen, die wissen, was Krieg ist. Ein echter Held, sozusagen und mausetot.

Gerrit Engelke zählt noch heute zu den Arbeiterdichtern, der sich nicht nur nicht vor dem Kriegsdienst drückte, sondern zudem noch das Angebot ausschlug, sich an anderer Stelle um seine Heimat verdient zu machen — damit gehört er schon alleine und ganz eindeutig zu jenen Menschen, denen wir unseren höchsten Respekt zu zollen haben. Leider hat er selber den höchsten Preis für seinen Anstand zahlen müssen und liegt deshalb noch heute — hier hatte er etwas Glück im Unglück — auf dem Soldatenfriedhof von Étaples an der französischen Kanalküste.

Zu Engelkes bekannteren Werken gehören die Gedichte aus seiner Sammlung „Rhythmus des neuen Europa“.

Lassen wir aber jetzt Gerrit Engelke selber sprechen.

Nach schwerem Traum

Ich bin Soldat und steh im Feld
Und weiß von niemand in der Welt.
Drum kann ich diesen Regentag nicht feiern,
So kummerzärtlich, feucht und bleiern,
Da mir dein Bild zur Nacht den Schlaf zerschlug
Und mich in deine Nähe trug.

Ich bin Soldat und steh im Feld,
Gewehr im Arm, und fern der Welt.
Wär ich zu Haus, ich schlösse Tür und Scheiben
Und wollte lange einsam bleiben;
Im Sofawinkel sitzend mich versenken,
Geschlossnen Auges deiner denken.

Ich bin Soldat im trüben Feld.
Hier endet alte Menschenwelt.
Der Regen singt, die nassen Strähnen fließen.
Ich kann nichts tun – nur Blei verschießen.
Weiß nicht warum, tu’s doch als ob ich’s muss:
Ins graue Wetter kracht ein Schuss!

Ich wünsche uns allen, dass wir sehr schnell aus unseren eigenen Träumen erwachen, beginnen, der Realität ins Auge zu sehen und endlich damit anfangen, allesamt an einer friedlichen, freien und demokratischen Welt zu arbeiten.

Was passiert, wenn man über 70 Jahre lang nur dem eigenen Vorteil hinterherläuft, das können wir gerade alle miterleben — hoffentlich die meisten von uns weiterhin nur vom Spielfeldrand aus.

Vorsicht des Patrioten
Süß fürs Vaterland sterben! Doch möcht’ ich schließlich dabei sein,
Wenn man beim Siegesbankett seine Gefallnen beklagt.

Eduard von Bauernfeld

View over the city

Patreon — eine Idee aus Kalifornien 4.2 (5)

Beitragsfoto: Blick auf San Franzisko | © Pixabay

Wohl dem Surfen auf amerikanischen Websites und Weblogs geschuldet, bin ich auf Patreon gestoßen, eine Website, die sich die Unterstützung von Kreativen auf die Fahnen geschrieben hat.

Und als langjähriger und inzwischen auch von manchen Mitbürgern geschätzter Blogger zähle ich mich einfach einmal zu den Kreativen; zumindest kann man mir nicht absprechen, dass ich hin und wieder mit — sagen wir mal so — äußerst kreativen Ideen um die Ecke komme.

Und da ich bekanntlich gerne experimentiere und auch neuen Ideen gegenüber aufgeschlossen bin, probiere ich das mit dem Patronatentum einfach einmal aus. Meine Aktion der Kaffeespende, damit ich mit einem anderen Heilbronner Blogger nach einer COVID-19 bedingten Zwangspause in einem Kaffee gemeinsam über neue Projekte nachdenke, lief zwar ganz gut an, blieb aber letztendlich bereits in der Sprintphase stecken. Wobei zu befürchten ist, dass es nie zu einem Endspurt kommen wird. Was uns beide (@t73fde | @301062K51219) sicherlich nicht davon abhalten wird, demnächst wieder einmal zusammen einen Kaffee zu schlürfen. 

So bin ich jetzt einmal gespannt darauf, wie sich das mit dem Patronatentum entwickeln wird. So wie ich diese Patreon-Website verstanden habe, kann ich meine zukünftigen Unterstützer mit mehreren Angeboten locken. Zum einen werde ich wohl ein bis zweimal im Monat (wenn ich einer entsprechenden Empfehlung folge) für meine Patrone exklusive Weblog-Beiträge schreiben. Und zum anderen überlege ich mir, meinen Patronen auch eines meiner Bücher als kleines Präsent zu überreichen — in der Hoffnung, dass das jetzt nicht eher abschreckend wirkt.

Und wie sagte der deutsche Fußballkaiser Franz Beckenbauer schon so oft und gerne: „Schau’n mer mal.“

Nachtrag 20.8.2023

Schon etwas länger habe ich wieder davon Abstand genommen, mit solchen Tools wie Patreon zu arbeiten. Nicht weil diese nicht funktionieren, sondern einzig und alleine, weil sich für mich der Mehraufwand nicht lohnt.

Toller Tag

Schwerpunkt des heutigen Tages war die Geburtstagsfeier meiner besseren Hälfte. Zwar fiel der Grill aus, aber ich konnte mit einem Ersatzgrill aufwarten, sodass die Feier ungestört verlief. Und da das Wetter auch noch mitmachte, ein wunderbarer Tag mit noch wunderbareren Gästen. Danach ging es noch zur obligatorischen Tanzstunde.