Konzert

Zerstreuung 4.6 (8)

Beitragsfoto: Konzert | © Bild von Pexels auf Pixabay

Detlef Stern hat einmal gesagt, dass er beim Korrigieren gerne die Beatles hört und so war ich nun versucht, nicht nur in bessere Stimmung zu gelangen, sondern damit auch ein wenig Zerstreuung zu finden.

Neben den Seminararbeiten liegt weiterhin ein Buch, welches ich so ganz nebenbei lese und das irgendwie ganz gut zu den besagten Arbeiten passt. Schnell und flüssig zu lesen, wobei das Meiste bereits schon einmal geschrieben wurde. Bei Büchern kommt es aber auch darauf an, wer es schreibt und so bin ich weiterhin gespannt darauf, wie die eine oder andere Sache von der Autorin gesehen, betrachtet oder gar interpretiert wird.

Und da ich gerade lese, dass Lucy eigentlich gar nicht Lucy hieß, was man von einem Australopithecus afarensis auch nicht erwarten kann, war das Musikvideo zur Zerstreuung auch schon gefunden.

Neu für mich war, dass die Beatles an Lucys Namen schuld sind — einer muss bei uns doch immer schuld sein! Überrascht war ich dann doch ein wenig, nämlich als ich erfuhr, dass Lucy eigentlich Dinkinesh heißt. Ich kann mir das nur damit erklären, dass Locals Lucys Namensarmband beim Fund einfach so unterschlagen haben.

Das Lied „Lucy In The Sky With Diamonds“ befindet sich auf der Platte „Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band“ (1967), eine Platte, die ich insgesamt sehr empfehlen kann.

Die Autorin hat ihr Buch nach eigenen Angaben geschrieben, weil sie selbst ein solches Buch gerne vor Jahren selber gelesen hätte — mir fallen dabei sofort zwei Standardwerke ein, eins davon auch von einer Schwarzafrikanerin geschrieben, nur für den Fall, dass das für die Autorin von Bedeutung ist.

Und so ist es nur folgerichtig, dass mir vieles, was ich im Buch lese, bereits bekannt vor kommt, aber wie gesagt, es ist immer wieder spannend, wie ein Sachverhalt aus einer anderen Sicht(weise) heraus betrachtet wird. Dass wir alle aus Afrika stammen, wird aktuell von niemandem mehr bestritten. Douglas Adams konnte sich mit seiner Theorie einfach nicht durchsetzen — er ist viel zu früh von uns gegangen.

Interessant vielleicht dazu noch die Information, dass derzeit darüber debattiert wird, wo in Afrika genau der Ursprung von uns Menschen liegt. Für manche Forscher scheint es wichtig zu sein, ob dieser Ursprung nun im englischsprachigen oder im französischsprachigen Teil Afrikas zu finden ist.

Ach ja, wenn man Bücher liest, entdeckt man immer wieder auch etwas völlig Überraschendes. Dabei meine ich nicht die leidige Diskussion darüber, wer nun tatsächlich Afrikaner ist und wer nicht, und schon gar nicht, wenn man dies an einer Hautfarbe festmachen möchte! Da wir aber bekanntlich alle aus Afrika stammen, dann sicherlich auch die Rassisten und Chauvinisten unter uns.

Neu für mich war, dass weitere dereinst noch während meines eigenen Studiums anerkannte Fachbegriffe nun nicht mehr en vogue sind. Bei manchen wie z. B. Europide, Mongolide und Negride war es auch höchste Zeit! Aber es wundert mich doch ein wenig, wenn man, wie in diesem Buch, von Begriffen wie nymphoman oder polygam absieht und beides durch den Begriff „seriell monogam“ ersetzt — wie schon gesagt, wer Bücher liest, lernt nie aus. Schön wäre es, wenn dies auch noch für Seminararbeiten zuträfe.

Aber da ich sowohl noch im besagten Buch wie auch in den Arbeiten lese, könnte es zu der einen oder anderen Überraschung kommen.

Nachtrag 12.1.2025

Ich wurde darauf aufmerksam gemacht, dass ich das Elton John Cover aus 1974 nicht „unterschlagen“ dürfte. Ob dieses nun auch besser als das Original ist, sei einmal dahingestellt.

Interessanter Weise soll John Lennon bei der Aufnahme mitgewirkt haben, wobei das Cover meines Wissens aber nur als Single veröffentlicht wurde.

„Wer nicht mit am Tisch sitzt, steht bekanntlich auf der Speisekarte!“

Zeinab Badawi (2024: 467)

Holozän

Über Zettel 4.7 (6)

Beitragsfoto: Buch auf Rechner

Beim Aufräumen meines Büros stieß ich erst auf ein paar Zettel und sogleich darauf auch noch auf das passende Buch. Damit hatte sich meine Suche nach einem geeigneten Zettelkasten (Chris Aldrich) erledigt und so reduziere ich mich weiterhin auf meine digitale Version (Detlef Stern) — wäre wohl auch kaum genügend Platz im Raum.

Das Buch, welches beim Einsortieren mein Interesse geweckt hatte, ist eine Erzählung von Max Frisch aus dem Jahr 1979 und trägt den Titel „Der Mensch erscheint im Holozän“. Es lag schon etwas länger auf einem Bücherstapel.

Wer sich mit Zettel(kästen) beschäftigt, der sollte sich dieses Buch einmal ansehen. Es ist sehr schnell gelesen und dürfte zudem Interesse für die Lektüre von Max Frischs „Montauk“ wecken; wer dieses Buch bereits gelesen hat, der findet nun dessen Fortsetzung.

Und auch das Fazit des Buchs ist schnell erzählt: „Alt wird man überall.“ (Max Frisch, 1981: 42).


Leadership

Leadership 5 (5)

Beitragsfoto: Buch auf Rechner

Das Buch Leadership von Henry Kissinger in Händen haltend, bin ich versucht, sogleich an John F. Kennedys Buch „Profiles in Courage“ (1956) zu denken. Kissingers Buch erschien bereits 2022, ich habe allerdings gewartet, bis die Paperback-Version zur Verfügung stand. Wenn Kissinger ein Buch schreibt, dann kommt es zumindest bei mir auf die Liste — zuletzt sicherlich nur noch, weil ich bereits schon einige seiner anderen Bücher gelesen hatte (Gewöhnung). Der zweite Gedanke war dann, warum muss Kissinger weiterhin noch Bücher schreiben?

Dann wurde das Buch doch noch interessanter als ursprünglich vermutet und ist in meinen Augen ein gelungener Abgesang auf die Meritokratie, welche wohl die letzte Hälfte des vergangenen Jahrhunderts prägte. Ich gehe sogar soweit zu behaupten, dass es Kissingers Warnung vor einer Mediokratie ist, in der wir uns bereits längst befinden. Aber nicht im Sinne von Medienherrschaft, wie man es im Abspann seines Buches herauslesen könnte, sondern im Sinne einer Herrschaft der Mittelmäßigkeit!

Aber gleich zu Anfang seines Buches findet man die besten Zitate: „Any society, whatever its political system, is perpetually in transit between a past that forms ist memory and vision of the future that inspires ist evolution.“ (2024 [2022]: XV).

Schön auch, dass er den Ersten und Zweiten Weltkrieg zusammenfasst und als zweiten europäischen Dreißigjährigen Krieg bezeichnet. Über seine Auslegung von Strategie lässt sich sicherlich ebenfalls streiten. Seine Auswahl von sechs Personen ist wohl der Tatsache geschuldet, dass er diese im Gegensatz zu John F. Kennedys acht Personen selber kannte. Seine Beschreibung dieser sechs Personen nett zu lesen, wobei auch sicherlich neue Details zu erfahren sind. Ob man diese Details dann aber überhaupt wissen muss oder sollte, bleibt dem Leser überlassen.

Das wirklich Spannende am Buch ist es aber, dass Henry Kissinger sich und seine eigene Verantwortung völlig aus dem Spiel lässt. Dabei ist er doch selbst eine Ikone des Berufspolitikers und letztendlich damit auch für den schleichenden Untergang unserer Demokratien mit verantwortlich. Besonders seine Nachkommen haben das Berufspolitikerwesen in eine Art von „Aristokratie“ umgewandelt, allerdings ohne sich damit der eigenen Verantwortung und Begrenztheit überhaupt noch selbst bewusst zu werden.

Damit wurde das Vertrauen der Wähler in die Demokratie und ganz besonders in deren (Volks)vertreter immer weiter unterminiert und führte letztendlich dazu, dass inzwischen Kriminelle und Scharlatane wie ein Donald Trump weltweit wählbar sind und auch noch gewählt werden!

Zum Abschluss seines Buches (vorletzter Satz) lässt er einen Stoiker (!) zu Wort kommen. „The Stoic philosopher Epictetus wrote long ago, ‘We cannot choose our external circumstances, but we can always choose how we respond to them’“ (2024 [2022]: 416).

Die Wähler wählen inzwischen verstärkt antidemokratisch oder zumindest aber die letzten demokratischen Pfeifen (aka Spaßmacher)!

Es wäre nun wirklich an der Zeit, dass die letzten verbliebenen echten demokratischen Politiker und ganz besonders deren Parteien reagieren und ihre Politaristokraten in die Wüste schicken, bevor wir Wähler das allerletzte Wort haben werden!