Flagge des Europarats und der EU

Europa zerbröselt 5 (6)

Beitragsfoto: Flagge des Europarats und der EU | © Pixabay

Aus gegebenem Anlass hatte ich bereits 2015 geschrieben, dass Europa brennt! Heute bin ich etwas schlauer und davon überzeugt, dass T. S. Eliot es viel früher und viel besser wusste. Bestimmt nicht nur rein zufällig hatte ich ebenfalls 2015 sein Gedicht „The Hollow Men“ hier im Blog gepostet.

„This is the way the world [Europe] ends
Not with a bang but with a whimper.“

T. S. Eliot (1925)

Bereits 2016 hatte ich meinen Blog-Beitrag „Europa brennt“ mit dem Gedicht „Europa is lost“ von Kate Tempest (heute Kae Tempest) musikalisch untermalt, was jüngst dazu führte, dass YouTube dieses Video immer wieder aus meinem Beitrag nimmt (wiederholte technische Probleme); reiner Zufall oder doch Teil des Kampfes gegen die individuelle Selbstbestimmung?

Europa, ganz egal von welchem Europa wir dabei eigentlich sprechen, zerbröselt! Allerdings von innen heraus und nicht wie viele es uns glauben machen wollen an den Rändern beginnend! Der Rand Europas, wo immer er auch sein mag, steht spätestens seit 2022 in lodernden Flammen.

Das Sterben Europas begann allerdings schon viel früher, 1914 könnte als ein prominenter Startpunkt angesehen werden. 1990 gab es noch kurz ein letztes Aufbäumen bevor es ganz ins Siechtum überging.

Und dieses Siechtum scheint nun langsam aber sicher sein erlösendes Ende zu nehmen, der Ausverkauf der letzten Reste Europas hat längst begonnen!

Dabei war die Europäische Idee ganz offiziell 1945 die Lösung zur Rettung unserer doch so kleinen Welt, und spätestens 1948 hatten sich die Europäer aufgemacht, um gemeinsam eine bessere Welt zu schaffen.

Mit dem damals viel besungenen vermeintlichen „Ende der Geschichte“ (Francis Fukuyama, 1989 / 1992) glaubte sogar ich daran, dass die Institutionalisten doch recht behielten und wir mit vielen kleinen Schritten tatsächlich in Richtung heile Welt unterwegs seien.

Dabei war dies nur der Startschuss für alle Totalitaristen dieser Welt, nun endlich wieder aus ihren Löchern zu kriechen und sich die Welt erneut mit großen Schritten zu unterwerfen. China, Russische Föderation, Indien, USA und demnächst sogar die EU werden wieder zu dem werden, was wir alle eigentlich schon immer waren: ein sehr großer Haufen ungebildeter, dummer, egoistischer Individuen, die am liebsten splitternackten Diktatoren hinterherrennen.

Inzwischen gehe ich sogar davon aus, dass die ewig systemrelevanten Personen unserer Welt bereits 1945 wieder damit begonnen haben, um das Rad der Geschichte erneut zurückzudrehen.

Da Demokratien nur mit möglichst mündigen Bürgern existieren können, mussten wir miterleben wie zuerst die Bildungsmöglichkeiten für alle zurückgebaut wurden; das Ganze hat man uns Bürgern dann als Bildung für alle verkauft.

Die in jeder offenen Gesellschaft vorhandene Mobilität, welche letztendlich auch zu „Multikulti“ führt, hat man derart gelenkt, dass eher die Schattenseiten von gesellschaftlichen Änderungen zum Tragen kamen, auf alle Fälle aber so von der Gesellschaft immer mehr wahrgenommen wurden.

Durch beides hat sich in den letzten Jahren in Europa eine Gemengelage herausgebildet, die die Vorteile von Demokratie, Europa und einer freien Welt immer mehr in den Hintergrund rückten und dabei immer mehr die Urängste der Menschen weckten und nährten.

Selbst die alleine schon aufgrund der Änderung in der Alterspyramide absolut notwendigen Zuzüge von Menschen hat man uns Bürgern als beginnende Verfremdung verkauft. Schlimmer noch, man hat ganz bewusst darauf verzichtet, Migration zum Wohle aller zu steuern und zu regeln. Ganz im Gegenteil, man hat ganz bewusst den Zuzug von traditionell antidemokratischen Bevölkerungsteilen (z. B. Spätaussiedler) gefördert und damit noch mehr Öl ins bereits köchelnde Feuer geschüttet.

Das Ganze wird uns Bürgern nun mit den längst und völlig überholten Nationalismen wieder als Erlösung und Rettung vor all diesen hausgemachten Problemen und den weiteren Herausforderungen dieser Welt verkauft. Ob Ungar, Deutscher, Brite oder Franzose, wir alle sind wieder davon überzeugt, dass wir uns jeder für sich alleine selbst retten werden können.

Und damit erfüllen wir mit den althergebrachten Allmachtsphantasien die letzte Bedingung, um Europa nun in Gänze ausplündern zu können!

Die Totalitaristen haben erneut zur Jagd geblasen, die russische Föderation hält sich bereits an den Rändern Europas schadlos, die Chinesen und nun auch die US-Amerikaner plündern derweil, was noch zu plündern ist und unsere eigenen systemrelevanten Personen bedienen sich wo sie nur können!

Nicht umsonst sprießen die Milliardäre nur so aus dem Boden! Und anstatt, dass wir Menschen weiter an einem friedlichen, demokratischen, föderalen und sozialen Europa als Blaupause für unsere Welt arbeiten und den Ewiggestrigen Paroli bieten, lechzen wir nach den regelmäßig veröffentlichten Hitlisten der bei uns vorhandenen Milliardäre und schlupfen auch noch jedem gerade verfügbaren Autokraten in den Hintern.

Kein Wladimir Putin kann an unseren Rändern nagen, wenn wir das nicht möchten. Kein Donald Trump und auch kein Xi Jinping können uns ausplündern, wenn wir das nicht möchten. Auch kein europäischer Politiker kann uns ausnehmen, wenn wir das nicht möchten!

Keine einzige Demokratie wird von außen zerstört. Jede Demokratie zerstört sich selbst; selten mit einem große Knall, meist nur mit einem leisen Winseln!

Unser Europa zerbröselt und überall machen sich die Leichenfledderer bereits zu schaffen!


Mädchen mit Europaflagge

Bundeskongress 4.3 (24)

Beitragsfoto: Mädchen mit Europaflagge | © Shutterstock

Ganz kurz einmal eine kleine Zeitreise. Schon zu Beginn des allerersten Bundeskongresses trafen die noch heute bestehenden Interessenlagen und Ideologien wild aufeinander. Kommunalisten, Funktionalisten und Konstitutionalisten hatten jeder für sich andere föderale Vorstellungen. Die Föderalisten und die Zentralisten sowieso. Die Sozialisten stritten mit den Nationalisten und die Liberalen mit den Konservativen. Hinzu kamen noch die unterschiedlichsten Landsmannschaften. Aber auch der Konflikt zwischen den jüngst vom Nazitum Bekehrten und jenen Föderalisten, denen die Gnade der späteren Geburt erteilt war — letzteres kristallisierte sich vor Ort als Konflikt mit der eigenen Jugend heraus!

Wohl aufgrund der Tatsache, dass Homosexualität offiziell noch verboten war und das weibliche Geschlecht beim Kongress längst noch nicht eine kritische Masse erreichte, gab es aber noch keine diesbezüglichen Auseinandersetzungen. Und da die Paneuropäer von Anfang an bis noch vor Kurzem Hausverbot hatten, damals auch noch keine interreligiösen Konflikte. Bis zum ersten ordentlichen Kongress hatte man sich zudem auf eine Überparteilichkeit geeinigt.

Das uns einigende Band des ersten Bundeskongresses war und ist es bis heute, dass alle Beteiligten darin übereinstimmen, dass man ein einiges Europa möchte! Die Krux von Anfang an, dass man nicht weiß, was man unter Europa verstehen möchte und auch nicht wie weit die Einigkeit letztendlich gehen soll.

Aber nun zurück zum Anlass dieses Blog-Beitrages, nämlich dem Konflikt zwischen der Verbandsjugend und den Erwachsenen. Wie geschrieben, es war noch kein Konflikt um Futtertröge, Privilegien oder Pfründe, weil der Verband selbst noch viel zu jung war, um eingetretene Pfade zu besitzen. Außerdem wurde er ausreichend von externen Kräften finanziert, die die Demokratie in Deutschland etablieren wollten.

[Auch heute wird unser Verband noch extern alimentiert, allerdings nun vom eigenen Staat, was zu einem kleinen aber feinen Unterschied führt: anfangs ging es um Treue zur Demokratie, heute um Staatstreue.]

Trotzdem rieben sich damals junge Menschen an den älteren Menschen, wobei ich hierbei als Ursache nur erkennen kann, dass die jüngeren den Gesinnungswechsel von sehr vielen älteren Mitgliedern nicht nachvollziehen konnten oder wollten. Gerne nehme ich weitere Ideen, warum es bereits auf dem allerersten Bundeskongress zu einem Konflikt zischen alt und jung gekommen ist, mit auf.

Interessant aber, dass man für diesen Konflikt und dies im Gegensatz zu allen anderen vorhandenen Konflikten sofort eine Lösung präsentierte. Bereits während des Kongresses wurde ein Jugendbeauftragter etabliert und da wohl nicht ausreichend, dieses Problem einfach aus dem Verband ausgegliedert — man gründete einen eigenen Jugendverband.

Wie wir wissen besteht dieses Problem noch bis heute und die älteren von uns konnten es inzwischen von beiden Seiten aus betrachten. Vielleicht einmal Zeit, um sich dieses Problem etwas näher anzuschauen.

Als Jugendlicher bestand ich selbst noch darauf, dass wir Jugendliche Jugendliche sind und keine alten Frauen und Männer in ihren Endzwanzigern oder gar Dreißigern!

Und ganz genau darin liegt der Hund noch heute begraben!

Die Teenager in unserem Verband benötigen eine Spielwiese, wo sie sich noch unter dem Welpenschutz stehend an allem und jedem reiben und üben können. Wie Lars Becker richtig schreibt: „Eine Jugendorganisation, die allzu angepasst ist, die erfüllt ihre Funktion nicht.

Was ist die Funktion einer eigenen Jugendorganisation?

Jeder Kreisverband benötigt in seinen eigenen Reihen junge Mitglieder (Jugendliche!), die sich dort auch austoben können und dabei vielleicht sogar eigene Ideen und Vorstellungen entwickeln. Damit reiben sie sich an den anderen Mitgliedern, was nie schadet!

Dadurch wachsen die Teenager in den Verband hinein und übernehmen langsam aber sicher die anstehende Arbeit und die damit einhergehenden Ämter im Verband.

Aber wie gesagt, wir reden von Jugendlichen im Alter von 14 bis maximal 21 Jahren! Spätzünder können nicht darauf bestehen, dass sie noch als Jugendliche angesehen werden und schon gar nicht darauf, dass sie einen extra Verband bekommen.

Faktum ist es leider, dass wir dies den Spätzündern bis zum 35. Lebensjahr dennoch ermöglichen. Danach nennen wir diese Mitglieder dann Seiteneinsteiger. Und dies ist m. E. schon immer das große Problem in unserem Jugendverband, wo die Spätzünder inzwischen dafür sorgen, dass die Jugend nicht mehr ausreichend in den Verband kommt.

Zurück aber zu den Jugendlichen in unserem Verband. Idealtypisch wachsen sie auf Kreisebene in die Verbandstrukturen hinein. Wer das tut, der ist in seinen Zwanzigern bereits Kreisvorstandsmitglied!

Warum dann aber ein Jugendverband und nicht nur Jugendgruppen in den Kreisverbänden?

Den Jugendlichen in unseren Kreisverbänden vor allem dann, wenn es zu wenige in den einzelnen Kreisverbänden gibt, hilft eine eigene Plattform, um sich zusätzlich untereinander über die Regionen hinweg auszutauschen: das ist dann die Jugendorganisation!

Und wenn diese sich dann auch noch am Mutterverband reibt, umso besser!

Und da diese Jugendorganisation dazu auch Strukturen entwickeln kann und tut, gibt es bereits schon etwas erfahrenere Jugendliche, die dies dann übernehmen. Das Leben zeigt, dass diese sich dann auch bereits in den Zwanzigern befinden können, wobei dies nur der Organisation geschuldet sein darf und ab den späten Zwanzigern eindeutig als grenzwertig betrachtet werden muss!

Da wir diese Grenzwerte schon sehr lange und dies massenhaft überschreiten — und dies im vollen Gegensatz zur gesellschaftlichen Entwicklung: Wahlrecht ab 16! — etablieren wir mit dem Jugendverband einen Nebenverband zur EUROPA-UNION, eine zweite Bundesliga sozusagen.

Und ich halte hier meine Behauptung aufrecht: einzig und alleine nur, um mehr Menschen ein Pöstchen zu sichern, denn inzwischen geht es in unserem Verband auch um Futtertröge, Privilegien und Pfründe.

Und damit geht es nicht mehr um unsere eigene Verbandsjugend, unsere hoffentlich bald wieder öfters in den Kreisverbänden vorhandenen Jugendlichen (Teenager!), sondern um „die große Politik!“

Aber welcher politisch und an Europa interessierte Teenager will sich von alten Frauen und Männern die Welt erklären lassen? Diesen reicht es voll und ganz, wenn sie ab und zu von einem Kreisvorsitzenden „belehrt“ werden. Und im Gegensatz zu den meisten Damen und Herren unserer „Jugendorganisation“ wissen wir Kreisvorsitzenden, dass wir alt sind!

Deswegen unser Interesse an engagierten jüngeren Mitgliedern, die als JEF-Vorsitzende noch die Jugend erreichen können! Und deswegen benötigen wir auch keine Verjüngung der EUROPA-UNION an sich, sondern eine Verjüngung unserer Jugendorganisation!

Eine Jugendorganisation, die sich um die Jugend kümmert und nicht permanent und vergeblich versucht, alten Menschen wie mir die Welt zu erklären!

Vielleicht war die Idee des ersten Bundeskongresses gar nicht so falsch, einen Jugendbeauftragten zu ernennen, der sich explizit um die Jugend kümmert. Ich werde dies einmal im „eigenen“ Kreisvorstand thematisieren, vielleicht erreichen wir durch einen engagierten jungen Menschen auch wieder die Jugendlichen vor Ort?

Was aber das offensichtlich bestehende „Generationenproblem“ innerhalb des Verbandes nicht löst! Wie wir es inzwischen aber wissen, löst man es durch eine Auslagerung des Problems auch nicht.

Übrigens

Die Zielgruppe unserer Jugendorganisation sind die Vierzehn- bis Sechszehnjährigen! Nicht Endzwanziger, deren letzter Ausweg „die große Politik“ ist!


Mädchen mit Europaflagge

Vorgeflüster 3.4 (48)

Beitragsfoto: Mädchen mit Europaflagge | © Shutterstock

In unserem Verband läuft es schon etwas länger unrund. Die Jugendorganisation ist nun völlig abgedriftet und wurde inzwischen von so ahnungs- wie auch hoffnungslosen Menschen übernommen, die damit nur versuchen, sich in ihren jeweiligen Parteien einen Namen zu machen. Das einzige, was die JEF inzwischen nur noch kann, ist, eine inhaltslose Genderdiskussion zu führen, Layout- und Logo-Diskussionen vom Zaun zu brechen und halb gare Initiativen in den Sand zu setzen.

Die Ursache für dieses jugendliche Fehlverhalten liegt nicht nur an COVID-19, das sicherlich ziemlich gestörte Gestalten hervorgebracht hat, sondern schwerpunktmäßig in der Unart drittklassiger Parteibonzen, sich einen überparteilichen Verband als Werbeplattform für ihr inhaltsloses Geblubber zunutze zu machen. Und da diese Berufspolitiker selten mit Inhalten überzeugen können, drohen sie jedes Mal mit dem Wegfall staatlicher Förderung, über die sie inzwischen voll und ganz entscheiden können.

Die JEF hingegen droht jüngst vehement mit einer Loslösung vom Mutterverband — seit ein paar Jahren kennen deren Vertreter nicht einmal mehr ihre eigene Vereinsgeschichte. Als ehemaliger JEF begrüße ich inzwischen die Trennung beider Verbände, deren Doppelmitgliedschaftabkommen auch nur ein weiteres Hirngespinst von Parteipolitikern war. Zuvor konnte man über Jahre hinweg auch so getrennt marschieren und dann gemeinsam das eine oder andere Vorhaben umsetzen. Bei halbwegs ansprechenden Veranstaltungen bekam die JEF zusätzlich eine finanzielle Unterstützung seitens des eigenen EU-Kreisverbandes. Wobei die übergeordneten Ebenen der JEF schon immer nur weitere Positionen für Parteipolitiker bieten sollten, übrigens wohl der eigentliche Grund, warum Parteien Jugendverbände bis zum Alter von 35 Jahren (!) haben.

Da ich schon immer davon überzeugt bin, dass man Reisende ziehen lassen soll und ebenfalls schon immer eine Trennung alleine anhand von Altersgrenzen für Blödsinn fand, wäre es vielleicht gar nicht schlecht, wenn diese COVID-19 und Partei-Geschädigten von dannen ziehen. Ich behaupte sogar, dass unsere Kreisverbände selber mehr und vielversprechendere Jugendliche gewinnen werden, die bisher von diesen „Alphatierchen“ nur abgeschreckt wurden.

Allerdings befürchte ich dabei, dass dies das Ende der JEF bedeutet — was aber kaum einer der Ehemaligen noch wirklich bedauern wird. Alternativ können die Kreisverbände bei Bedarf Jugendgruppen aufstellen, in denen die Mitglieder zwischen 14 bis 21 Jahren ganz frei experimentieren können; wer von diesen Spaß daran findet und auch etwas kann, der rückt sicherlich noch vor dem 21. Lebensjahr in den jeweiligen Kreisvorstand auf.

Schon etwas länger haben unsere Berufspolitiker den Europaverband zerstört, einzig und alleine, weil dieser für sie selber keinen Mehrwert mehr hatte! Politik war wohl schon immer ein dreckiges Geschäft.

Nichtsdestotrotz müssen wir Bürger uns darauf einlassen, wenn wir unsere Demokratie erhalten wollen und dürfen dabei die Hoffnung nicht aufgeben, dass es in der Politik auch anders geht.

Demokratien leben und müssen sich deshalb auch beständig ändern. In einer Demokratie kann es weder einen Status quo noch Rückschritte geben! Und so müssen wir Bürger alles daran setzen, dass wir die bestmöglichen Volksvertreter bekommen. Die besten, nicht die bequemsten oder willfährigsten, denn diese machen letztendlich nur alles kaputt.

Und so gilt es auch dieses Mal beim Bundeskongress in diesem Jahr Entscheidungen zu treffen! Für viele von uns Kreisvorsitzenden, die eigentliche Basis unseres Verbandes, kommt es sicherlich überraschend, dass der Präsident nicht mehr antritt.

Noch überraschender, dass nicht einmal das gesamte Präsidium in der Lage ist, den Delegierten des Bundeskongresses eine gangbare Lösung anzubieten, was bei dessen Dichte an Berufspolitikern aber auch zu erwarten war.

Vonseiten der Basis einen Verband ganz neu aufzustellen, ist dabei weder wünschenswert noch machbar — wir müssen die notwendigen Änderungen in Kompromissen langsam aber sicher durchsetzen, was hoffentlich schneller gehen wird als unsere Bemühungen um einen europäischen Bundesstaat. Wobei ich schon immer behaupte, dass wir längst die Vereinigten Staaten von Europa hätten, wenn wir in der Lage gewesen wären, kompetente Politiker zu wählen — wir alle aber haben uns viel zu oft für die Bequemlichkeit und das „Wasch mir das Fell aber mach mich nicht naß“ entschieden! Viel zu viele von uns auch für die Show und das Klimbim darum herum!

Beim Bundeskongress gibt es nun aktuell zwei Kandidaten, welche aber nicht nur einzeln betrachtet werden können, da sich die gesamte Konstellation im Präsidium und in der Bundesgeschäftsstelle ändern wird. Und da ich genügend Irrlichter im Verband kennengelernt habe, könnte es durchaus noch geschehen, dass weitere und dann völlig Verwirrte meinen, aus der Lamäng heraus einen bereits angeschlagenen Verband retten zu können.

Der erste Kandidat ist Anton Hofreiter, der bei mir die vergebliche Kandidatur von Franz-Josef Strauß als Präsident der EUROPA-UNION in Erinnerung ruft, welcher allerdings im Gegensatz zu Anton Hofreiter ein ausgewiesener Europäischer Föderalist war.

Auch wenn ich Anton Hofreiter im Bundestag im Gegensatz zu seiner eigenen Partei als gut und authentisch empfunden habe, lernte ich ihn bei der EUROPA-UNION als Menschen mit Starallüren kennen, der weder den Verband noch dessen Mitglieder wirklich schätzt. Als abgehalfterter Berufspolitiker sucht er nun eine neue Beschäftigung.

Als Kreisvorsitzender habe ich Herrn Anton Hofreiter mehrfach zu den Hertensteiner Gesprächen eingeladen und erhielt nicht einmal eine Antwort. Dieses Mal, als ich bei ihm gleich über mehrere grüne Kanäle nachhakte, bloß um sicherzustellen, dass sich Bündnis 90/Die Grünen nicht gänzlich aus der Europapolitik verabschieden, viel zu spät eine lapidare Absage über einen Mitarbeiter.

Inzwischen heuchelt Anton Hofreiter in seinem Bewerbungsschreiben: „Zusammenhalt und ein gutes Miteinander sind mir dabei sehr wichtig. Ich bin bereit, mir Zeit zu nehmen für eine respektvolle Zusammenarbeit des Bundesverbands mit den Landes- und Kreisverbänden und setze mich ein für eine gute Kommunikation mit den Mitgliedern.“

Aber nicht nur, dass Anton Hofreiter die völlig falsche Entscheidung wäre, auch fehlt ihm ein erfahrener Generalsekretär, was dazu führen würde, dass der gesamte Bundesverband noch weiter an den Abgrund heranrückt.

Und zum Schluss noch ein weiterer Ausschlussgrund, für den Anton Hofreiter allerdings nichts kann. Er kommt aus Bayern. Vor Jahren habe ich mich als Kreisvorsitzender gegen den damaligen Präsidenten für die Rückkehr des bayerischen Landesverbandes in die EUROPA-UNION starkgemacht, die Rückkehr später begrüßt und die Zusammenarbeit mit den Bayern immer gesucht und dabei auch Allianzen geschmiedet.

Und dies, bis ich erfahren musste, dass der bayerische Landesverband entgegen den Absprachen und Beschlüssen falsch spielt! Bis heute führen sie u. a. ihre eigenen Mitgliederzahlen nicht transparent und schon gar nicht nachprüfbar auf. Bis heute zahlen sie weniger als der Rest der Republik. Und bis heute verstoßen sie gegen Verbandsbeschlüsse, wie, dass sie die Zusammenarbeit mit der Paneuropa-Union forcieren und für diese werben — was schon für sich alleine verbandsschädigend ist.

Die zweite Kandidatin ist Andrea Wechsler, welche viele von uns baden-württembergischen Kreisvorsitzenden eigentlich als künftige Landesvorsitzende haben wollten, jüngst erst zu einer der stellvertretenden Landesvorsitzenden wählten und nur schweren Herzens nach Berlin weiterziehen lassen. Dies, weil wir um die Bedeutung eines funktionierenden Präsidiums wissen und uns Baden-Württembergern der Gesamtverband tatsächlich am Herzen liegt — wir haben schon mit dem Verlust der Europaebene zu kämpfen!

Andrea Wechsler ist zudem eine Politikerin mit Zukunft und was mir als Mitglied wie auch als Kreisvorsitzender wichtig ist, sie hört tatsächlich zu, beantwortet nicht nur die E-Mail von Kreisvorsitzenden, sondern unterstützt diese auch, wo und wann immer sie dies kann. Und selbstverständlich war sie wieder bei den Hertensteiner Gesprächen — ganz offiziell einem der diesjährigen beiden Schwerpunkte unseres Bundesverbandes — mit dabei!

Zudem kann Andrea Wechsler auf die Zusammenarbeit mit dem bisherigen Generalsekretär Christian Moos bauen, in diesen für den Verband schwierigen Zeiten ein nicht zu vernachlässigendes Pfund, mit dem man durchaus wuchern kann. Nicht nur wir Baden-Württemberger arbeiten bereits seit Jahren ganz gut mit Christian Moos zusammen, sondern auch die allermeisten weiteren Landesverbände.

Die Wahl des künftigen Präsidenten, wobei ich sehr hoffe, dass es erstmals eine Präsidentin werden wird, sicherlich aber nicht, weil sie eine Frau ist (!), ist eine Richtungswahl in sehr schwierigen Zeiten.

Andrea Wechsler wird als Präsidentin vor sehr vielen und schwierigen Herausforderungen stehen, hoffentlich dann in den kommenden Jahren ein dazu passendes Präsidium finden und die EUROPA-UNION insgesamt wieder in bessere Fahrwasser manövrieren.

Ich glaube, sie hat das notwendige Zeug dazu und vor allem auch die ehrliche Absicht für unseren Verband und die Europäische Idee zu arbeiten.

Wenn es ihr dazu noch gelingt, unseren Verband wieder etwas unabhängiger von der Berufspolitik zu machen, dann stehen uns allen — vielleicht auch der JEF — wunderbare Zeiten bevor.

„You almost have to feel sorry for him [Donald Trump]. He tried, did his best to cancel me. Instead, he forced millions of people to watch the show. That backfired bigly. He might have to release the Epstein files to distract us from this now.“ 

Jimmy Kimmel, 23.9.2025