Hertensteiner Gespräche 2018

Gesprächseinstieg 4.8 (6)

Beitragsfoto: Hertensteiner Gespräche 2018

Dass die Vorbereitungen zu einem regelrechten Gesprächsmarathon sehr umfangreich sind, dürfte jedem einleuchtend sein. Aber auch viele der Referenten und Moderatoren bereiten bereits seit längerem ihre jeweiligen Gesprächskreise vor.

Und so kurz vor Beginn der aktuellen Gespräche werden beide Ebenen wieder miteinander verbunden. Die Hertensteiner Gespräche sind eine rein ehrenamtliche Angelegenheit und werden von allen Beteiligten so ganz nebenbei gestemmt. Und wie bei anderen Veranstaltungen auch, kommt es bis zum Beginn immer wieder zu Änderungen. Dieses Mal gab es bereits im Vorfeld mehr Änderungen als üblich, sodass wir gleich zu Beginn der Gespräche sämtliche bereits vor Monaten eingeplanten Reserven ins Feld führen mussten — was die Gespräche dieses Jahr noch viel spannender machen wird.

Heute, keine zwei Tage vor Beginn, mussten wir ein weitere Änderung im Ablauf vornehmen. Diese Änderung betrifft den Ausklang der Gespräche, welcher genau wie der Beginn und der angedachte Verlauf vorab geregelt sein muss. Die Hertensteiner Gespräche enden von Anfang an immer mit einem geselligen Beisammensein und zusätzlich für die Unermüdlichen mit einem Ausklang auf dem Heilbronner Weindorf. Dieses Jahr war das Weindorf bereits vorab zu Ende, sodass als „Ersatz“ eine Zusammenlegung von Europa-Ball und Gesprächen angedacht wurde — zwei Fliegen mit einer Klappe sozusagen. Schnell war klar, dass man dies nicht zeitgleich stemmen werden kann und so wurde die Idee einer Europa-Party geboren.

Jetzt aber werden wir unseren Teilnehmern eine „Inhouse-Lösung“ anbieten, denn es zeichnete sich nun ab, dass selbst die Party für viele Teilnehmer ein wenig zu viel des Guten ist, was nach gut acht Stunden vorgesehener Diskussionszeit und den bereits zuvor bei den Gesprächen gemachten Erfahrungen fast vergessen worden war. Und so bieten wir allen Gesprächsteilnehmern an, sich nach Ende der Gesprächsrunden in der Hausbrauerei des Parkhotels zu einem gemeinsamen Abendessen zu treffen und den Abend dann in der Bar 10 / 42 in luftiger Höhe endgültig ausklingen zu lassen.

Dieser Abschluss passt ganz gut zum Anfang der Gespräche, welche bereits am Freitagabend für die Organisatoren in der Bar 10 / 42 beginnen, die sich dann zum ersten Mal persönlich zusammensetzen können, um die letzten Vorbereitungen abzuschließen — hoffentlich ohne weitere Überraschungen; wobei auch dies einfach mit zum Charme der Hertensteiner Gespräche gehört.

Aber auch die Gesprächsteilnehmer sind inzwischen mit in die Gespräche eingebunden. Jean Marsia und Walther Heipertz haben bereits den Teilnehmern jeweils ihre ersten Aufschläge für den Gesprächskreisen „Die Wahlen zum Europäischen Parlament 2024. Auf dem Weg zur Konstituante?“ und „Europa jetzt – Encounter“ zur Verfügung gestellt. Der dritte Gesprächskreis des Morgens wird von Michael Georg Link MdB bestritten und hat die „EU und USA – Wie weiter mit den Transatlantischen Beziehungen?“ zum Thema.

Damit kommen bereits zu Beginn drei von vier föderalistischen Hauptströmungen zu Wort, die zudem drei wesentliche Herausforderungen der Europäischen Union thematisieren: die Westanbindung Europas, eine europäische Verfassung und der Unionsbürger an sich.

Sie sehen, die Hertensteiner Gespräche gehen gleich zu Beginn in die Vollen und werden über den Tag hinweg weiter an Brisanz gewinnen — bis zum Schluss gegen 18.00 Uhr werden die meisten aktuell in Europa bestehenden Herausforderungen thematisiert und zumindest andiskutiert worden sein.

Wenn ich nun Ihr Interesse geweckt habe, dann finden Sie das aktuelle Programm gleich hier.


3. Hertensteiner Gespräche

7. Hertensteiner Gespräche 5 (6)

Beitragsfoto: 3. Hertensteiner Gespräche

Heute Abend brachten meine bessere Hälfte und ich die Europa-Party Deco in die Tanzschule Brenner. Noch heute werden die gemeldeten Teilnehmer noch ein paar weitere inhaltlichen Details einschließlich des aktuellen Programm-Flyers erhalten.

Jean Marsia hat seinen Vortragstext auf Französisch und Deutsch zur Verfügung gestellt. Den deutschsprachigen Text findet man bereits auch im Forum. Walter Heipertz wird noch einen Einführungstext für seinen Gesprächskreis „Encounter“ beisteuern, damit sich die Gesprächsteilnehmer ein wenig vorbereiten können. Spätestens zum Ende des heutigen Tages müssten die Teilnehmer eine entsprechende E-Mail von mir erhalten haben.

Morgen Nachmittag gibt es noch eine abschließende Vorbereitungssitzung für die Moderatoren der Gesprächsrunden des Föderalistischen Forums. Dazwischen müssen noch die üblichen Gastgeschenke, Listen, Schilder und eine Art Moderatorenkoffer organisiert oder erstellt werden.

Inzwischen haben sich die Anmeldungen bei ca. 90 Teilnehmern stabilisiert und kurzfristig ausgefallene Redner und Moderatoren konnten ersetzt werden. Und so sind auch diese Hertensteiner Gespräche bereits im Vorfeld sehr spannend. Diese Spannung wird in den kommenden Tagen noch weiter ansteigen und zumindest für die Organisatoren mit Beginn der Gespräche ein wenig sinken — dann sind diese allerdings ebenfalls als Redner, Moderatoren oder Diskutanten gefragt und die Spannung steigt erneut an.

Der Idee der Hertensteiner Gespräche folgend, weiß keiner bis zum Schluss wohin die diesjährigen Gespräche führen werden — das entscheiden ganz alleine die Teilnehmer. Auf jeden Fall ist aber dafür gesorgt, dass die Teilnehmer während der Gespräche kleine Auszeiten nehmen oder sich, wenn gewünscht, in neuen Gesprächskreisen weiter austauschen können. Das Parkhotel bietet dazu die ideale Umgebung und wenn das Wetter mitspielt, mit der Terrasse eine weitere Möglichkeit, um die Gespräche voll und ganz zu genießen.

Ein Cisterscapes-Infostand mit Dietmar Gretter, der französische Generalkonsul Gaël de Maisonneuve und Dr. Lana Mayer von Europe Direct Stuttgart stehen schon jetzt zusätzlich für weitere Gespräche zur Verfügung. Auch sind weitere EUROPA-UNION Kreisvorsitzende ebenfalls bereit, ihre jeweiligen Kreisverbände und die dortige Vielfalt der ganzjährig angebotenen Veranstaltungen vorzustellen.

Neben sechs Stunden in sechs Gesprächskreisen, finden weitere Gespräche statt, sodass jedem Teilnehmer bis zu acht Stunden Gesprächs- und Austauschmöglichkeiten zur Verfügung stehen. Die vorangegangenen Gesprächsrunden haben gezeigt, dass diese Angebote genutzt werden und die meisten Teilnehmer am Abend mehr als zufrieden mit den Gesprächsergebnissen sind.

Nach einer kleinen Auszeit geht es dann zu einem gemütlichen Abend in die Tanzschule Brenner. EUROPA-UNION Mitglied Klaus Brenner hat dazu schon so Einiges für die Europa-Party vorbereitet.


Rassemblement National

Nationalismus 4.9 (7)

Beitragsfoto: Rassemblement National | © Grégory ROOSE auf Pixabay

Um es einmal nach all den Blog-Beiträgen auf den Punkt zu bringen, Nationalismen funktionieren nicht mehr, zumindest nicht in Europa! Auch gibt es die dazu notwendigen Volksnationen kaum noch und wenn doch, dann in Größen, die heutzutage kaum noch eine bis keine Rolle mehr spielen.

Die Welt dreht sich schneller als wir glauben und wohl sämtliche Gesellschaften haben die Idee des Nationalismus schon sehr lange weit hinter sich gelassen, so lange, dass weniger politisch Interessierte jenen Scharlatanen nun hinterher laufen zu beginnen, die diese völlig antiquierte Idee wieder aus den Schubladen ziehen; wobei es sehr hilfreich ist, dass die letzten Auswirkungen von Nationalismen von kaum einem noch selbst erlebt werden mussten.

Schauen wir einmal näher auf Deutschland, beispielgebend für die anderen europäischen Staaten. Deutschland hat gut 80 Millionen Einwohner, wobei die größeren Bevölkerungsanteile (Baby-Boomer) so langsam aber sicher ins Rentenalter gleiten. Schon länger können wir bei uns unsere Bevölkerungsgröße nicht mehr selber aufrechterhalten und bereits in den 1970er-Jahren sprach man dabei von einer nicht mehr rückgängig zu machenden Entwicklung. Nicht nur deshalb, sondern weil es einfach Menschenart ist, wandern seit Jahrzehnten immer neue Bevölkerungsteile nach Deutschland ein.

Inzwischen ist Deutschland Heimat von Menschen aus weit über 130 Ländern, wobei sich die wenigsten davon als Deutsche im Sinne der Ethnie sehen: sie sind weiterhin u. a. Polen, Italiener, Türken, Serben, Bosnier, Kirgisen, Chinesen, Inder, Russen, Marokkaner oder Österreicher und lassen sich deshalb kaum bis gar nicht in eine deutsche Volksnation integrieren — hier wäre ein moderneres Nationalverständnis nötig gewesen, was aber jene Scharlatane, die heute wieder mit dem Nationalismus hausieren, gerade nicht verstehen können.

Erschwerend kommt noch hinzu, dass wir die Wehrpflicht nicht deswegen abgeschafft haben, weil sie zu teuer war, sondern einzig und alleine deshalb, weil die Mehrheit der Deutschen nicht mehr dazu bereit ist, „unser Land“ zu verteidigen. Jetzt wo wir erneut vor der Verteidigungsfrage stehen, befinden wir uns in einem tödlichen Dilemma, denn gerade jene, die sich mit allen Mitteln vor der Wehrpflicht gedrückt haben, kommen jetzt in das Alter, wo sie selbst nicht mehr dienen müssen (Baby-Boomer) und fordern nun immer vehementer eine Wehrpflicht ein. Die schlimmsten davon entdecken erneut ihr Gewissen, gehen auf Nummer sicher und „kaufen sich“ ihren Offiziersdienstgrad, um im Falle eines Krieges in möglichst von der Front abgelegenen Stäben überleben zu können — wieder auf Kosten der anderen Mitbürger.

Aber selbst wenn es künftig genügend Deutsche gäbe, die bereit dazu wären, um für ihr Land zu kämpfen, befinden wir uns in der traurigen Situation, dass die Mehrheit davon nicht dazu geeignet ist — der Wohlstand hat seinen Tribut längst eingefordert.

Als Nation stehen wir Deutschen gar nicht gut da. Und es kann uns dabei auch nicht trösten, dass unsere Nachbarländer diesbezüglich auch nicht — wenn überhaupt — besser dastehen. Angesichts des Krieges in der Ukraine, der von der Russischen Föderation gerne auf den Rest Europas ausgedehnt werden würde, fangen nun immer mehr Europäer an, sich um ihre Verteidigung Sorgen zu machen.

Wenn wir Europäer nun glauben, dass wir als Nationen — die Polen gehen gerade als erstes diesen Irrweg — unsere Länder noch verteidigen können, sind wir falsch beraten. Wir konnten dies bereits in den letzten beiden Weltkriegen nicht mehr und werden es deshalb auch heute — unter weit schwierigeren Bedingungen — nicht können!

Wenn wir aus diesem Schlamassel halbwegs vernünftig herauskommen wollen, müssen wir sehr schnell erkennen, dass Nationalismus nicht mehr funktioniert und wir ein anderes Gesellschaftsmodell benötigen: über Jahrzehnte hinweg haben wir Europäische Föderalisten für die Europäische Idee geworben!

Nur diese Idee könnte heute noch sicherstellen, dass wir einer Aggression von außen — ganz aktuell einer russischen — erfolgreich begegnen können: u. a. Deutsche, Polen, Italiener, Türken, Serben, Bosnier, Kirgisen, Chinesen, Inder, Russen, Marokkaner und Österreicher würden sich dann gemeinsam als Europäer gegen die russische Angriffe stemmen und ihr Europa verteidigen.

Und wie wir es gerade in der Ukraine gut sehen können, benötigen wir dabei immer noch und auch weiterhin die Hilfe der US-Amerikaner und Kanadier wie auch die der restlichen Westlichen Welt.

Die Globalisierung gepaart mit der Europäische Idee hat den meisten von uns über gut 70 Jahre Frieden und Wohlstand gebracht und genau dies könnten beide auch weiterhin tun, wenn wir uns nur allesamt und dieses Mal endgültig vom Nationalismus lossagen würden.

Gäbe es eine Transatlantische Union oder einen Europäischen Bundesstaat, müssten wir uns heute keine Gedanken über einen kommenden Krieg machen, wir hätten die Zeit, die Gelegenheit und die Finanzkraft, um den tatsächlichen Problemen und Herausforderungen der Welt zu begegnen.

So aber spielen die Nationalisten unter uns weiterhin Krieg und dies auf Kosten unserer Kinder und Enkel!