Blitz

Loser 5 (2)

Beitragsfoto: Glühbirne | Blitz | © Bild von PIRO auf Pixabay

Es ist ziemlich schlechter Stil auf Verlierern (Neudeutsch: Losern) herumzuhacken. Wenn überhaupt, dann hat es mich gewundert, dass wir noch zu einer WM zugelassen werden. In einem Land, wo selbst das Fließband die Qualität eines Sanatoriumsaufenthaltes erreicht hat, sollte man keine allzu großen Erwartungen mehr bei Wettbewerben und Meisterschaften hegen.

Wären da nicht doch noch die weiterhin vielen Handwerker und ein paar Infanterieeinheiten, gäbe es wohl überhaupt keine echte Bewegung mehr bei uns.

Und wenn man nun doch wieder ein paar Schuldige benötigt, das Wetter geht aktuell immer. Und sollte es wieder etwas kühler werden, nimmt man einfach eine möglichst schwache Minderheit; Vollwaisen dürfte die aktuelle Regierung noch nicht benannt haben.

Denn, dass es einfach nur an uns allen selbst liegen könnte, das ist von vorne herein ausgeschlossen!


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Gipserkarren 5 (2)

Beitragsfoto: Glühbirne | Blitz | © Bild von PIRO auf Pixabay

Ein Großonkel von mir hatte in der Nordstadt ein gut gehendes Gipsergeschäft. Bis weit in die 1950er-Jahre hinein und vielleicht sogar darüber hinaus fuhr er oder ließ fahren mit seinem Gipserkarren durch die Stadt.

Vielleicht aber hatte er auch gleich mehrere davon. Ich weiß es nicht. Als er starb erbte ich seinen Gipserkarren. Ein richtiges Holzungetüm mit zwei riesigen eisenbeschlagenen Rädern. Was macht ein junger Familienvater, der eigentlich aus Koffern lebt und mit der Familie von einem Ort zum anderen zieht, mit einem Holzkarren?

Ich fand das Ganze so schräg, dass ich diesen Karren zusammen mit meiner besseren Hälfte vom ehemaligen Firmengelände — heute Wohnsilos — auf den Heilbronner Straßen, denn er war für unsere dörflichen Gehwege viel zu groß, von der Nordstadt in einen Garten der Südstadt schob und zog. Noch heute erinnern wir beide uns gerne daran und damit auch an meinen Großonkel, der ansonsten längst vergessen gewesen wäre.

Über die letzten Jahrzehnte stand er dann da, einfach so. Ein Kirschbaum wuchs mitten durch ihn durch, welcher nun dieses Jahr von mir gefällt wurde. Aber vom Karren liegen heute noch die Eisenteile in den Hecken, vielleicht wundert sich einmal ein Mensch darüber, wie diese dorthin gelangten und ein künftiger Experte wird vielleicht sogar auf einen keltischen Streitwagen tippen.

Auf jeden Fall war meine Idee — auch wenn ich das Ergebnis selbst viel zu selten bestaunen konnte — eine meiner besseren. Man (Frau vielleicht) darf den Zerfall nicht verschleiern, man muss ihn zeigen, nein, noch besser, richtig zur Schau stellen!

Bereits in den 1970er-Jahren erbte ich zwei wunderbare Eichenfässer von meinem Großvater, einem ehemaligen Küfer. Meine Idee war, diese dereinst einmal mit Wein zu füllen. Das Leben geht seine eigenen Wege.

Am Wochenende habe ich beide Fässer wieder in einem Keller entdeckt und nun zusammen mit dem Schwager und weil wir beide nicht mehr die jüngsten Exemplare sind unter Zuhilfenahme eines Schubkarrens in denselben Garten verfrachtet.

Und nun hoffe ich darauf, zumindest deren Zerfall noch eine ganze Weile mitverfolgen zu dürfen.


Blitz

Geschwätz 5 (2)

Beitragsfoto: Glühbirne | Blitz | © Bild von PIRO auf Pixabay

Wen interessiert mein Geschwätz von gestern? Niemand. Ich wäre schon zufrieden, wenn meine aktuellen Blog-Beiträge gelesen werden.

In Firmen, Institutionen oder Vereinen ist es schon etwas anderes, denn die müssen ihre Schriften archivieren; das dürfte das Schicksal von juristischen Personen sein. Natürliche Personen haben das natürliche Recht des Vergessens. Spätestens wenn der eigene Grabstein umgefallen ist, war es das. Dann gibt es noch ein kleines Schildchen von der Friedhofsverwaltung, dass die Grabstätte abgelaufen sei und wer immer sich noch zuständig fühlt, bitte mit der Verwaltung Verbindung aufnehmen soll.

Und so ist es auch nur ganz folgerichtig, dass auch Blog-Beiträge vergessen werden dürfen, sollen, können oder gar müssen. Warum werden diese dann in den CMS oder anderen Systemen bloß gespeichert oder gar von Internet Archiven auf Dauer — was immer dies auch sein mag — gesichert?

Wahrscheinlich einzig und alleine nur, weil man es kann. Ich gestehe dabei zu, dass es sicherlich auch Geschwätz-Messis gibt, die wirklich alles Gesagte oder Geschriebene ablegen, wahrscheinlich dann auch noch mehrfach. Was immer wieder dazu führt, dass man Tonnen von Briefen und zukünftig wohl auch von Festplatten und anderen Speichern zu Tage fördert, wo man das Geschwätz von längst vergessenen Individuen nachlesen oder noch schlimmer gar nachhören und -sehen kann.

Was wiederum zur aktuellen Geschichtsauffassung passt, die behauptet, dass der Nachlass vom Koch von Julius Caesar genau so wichtig sei wie der vom Tyrannen selbst. Hätte der Koch dies gewollt, wäre er wohl ein Caesar geworden.

Und so muss sich wohl auch jeder Blogger einmal die Frage stellen, was denn mit seinem Blog später einmal geschehen soll. Mehr muss man als Blogger dann aber auch nicht mehr tun, denn, wie bereits gesagt, das Geschwätz von gestern interessiert niemanden und damit auch nicht, ob man es doch noch irgendwo finden kann.

Und wer sich die Mühe macht, um altes Geschwätz wieder auszugraben, der ist selber schuld! Nachzulesen, dass es der Koch von Caesar später bedauerte oder vielleicht auch nicht, weil er diesem einmal in die Suppe gespuckt hat, hilft der Menschheit nicht wirklich weiter.