Blitz

TL;DR / AI;DR 4.7 (6)

Beitragsfoto: Glühbirne | Blitz | © Bild von PIRO auf Pixabay

Man muss nicht selber immer alles wissen, aber man sollte zumindest jemanden kennen, der es wissen könnte. Für die etwas introvertierteren Menschen unter uns bieten sich dazu Enzyklopädien, Büchereien oder gar das Internet eigentlich ganz gut an — man sollte nur wissen, wie man diese richtig nützt; Medienkompetenz nennt man dies heute wohl.

Etwas extravertiertere Mitbürger greifen da gerne zum Telefon oder einem ähnlichen Kommunikationsmittel und fragen jene Menschen, von denen sie zu wissen glauben, dass sie eine ziemlich gute Antwort erhalten. Ich selbst nutze gerne beide Möglichkeiten und finde damit meist auch das Gesuchte.

Dieses Mal half mir Detlef Stern dabei, das obige Rätsel zu lösen — vorab hatte ich selber ganz offensichtlich an den falschen Stellen geguckt.

Der Hintergrund dieser Geschichte ist, dass nunmehr selbst Blogger nicht mehr selber bloggen, nachdem bereits Journalisten nicht mehr selbst schreiben — ein Blick in die heutigen Zeitungen dürfte genügen.

Was ist aus uns Menschen bloß geworden, wenn selbst unsere eigenen Meinungen nicht mehr unsere eigenen Meinungen sind?

Könnte aber durchaus sein, dass es schon immer so war, nur dass die heutige Technologie uns dies nun erst so richtig vor Augen führen kann.

Auf alle Fälle aber hier im Blog kocht der Chef noch selbst! Und er steht zudem noch dafür selber und dies mit seinem richtigen Namen ein — ist allerdings auch nur meine eigene Meinung, die ich hier kundtue und solange ich die hier noch kundtun darf, müsste unsere Welt noch halbwegs in Ordnung sein.

So hoffe ich nun darauf, dass ich jetzt kein TL;DR als Antwort erhalte.

„Zwischen dem allgemein verbreiteten Wahnsinn und dem, den man der ärztlichen Therapie anvertraut, liegt nur der eine Unterschied, dass der letztere auf einer Krankheit, der erstere auf falschen Vorstellungen beruht.“

Seneca, 15. Buch, 94. Brief (2023: 887)

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Rückzug 5 (7)

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Nachdem man nun feststellen konnte, dass die US-Wirtschaft nicht groß und stark genug ist, um gleich von drei kriminellen Clans, der Trump-Familie, der GOP und Elon Musk, ausgeplündert zu werden, hat man sich darauf geeinigt, dass der Clan, welcher ohne eine Regierungsbeteiligung die größten Überlebenschance hat, nun ein wenig kürzer tritt.

Wie wir es nun weltweit lesen können, wird sich Elon Musk wieder mehr auf seine eigenen Firmen konzentrieren.

Und bald dürfen wir es selbst erleben, wie wir allesamt hocherfreut wieder die Tesla-Häuser stürmen und den Laden leerkaufen und wer sich tatsächlich von X abgemeldet hatte, wird sich nun schnell wieder beeilen, um Teil der Musk-Community zu werden.

Wir Menschen sind schon ein lustiges Völkchen. Erst lassen wir uns bis aufs letzte Hemd von einem Verbrecher ausnehmen und sobald dieser, weil er uns nichts mehr wegnehmen kann, von uns ablässt, wir ihn wegen seiner Nettigkeit noch mehr anhimmeln.

Ich habe bisher immer über geprügelte Ehefrauen, die bis zum Schluss an ihrem ganz persönlichen Monster festhalten, den Kopf geschüttelt.

Nun stelle ich fest, wir alle sind keinen Deut besser!


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Prominenz 4.6 (8)

Beitragsfoto: Glühbirne | Blitz | © Bild von PIRO auf Pixabay

Ob wir es wollen oder nicht, zwar ist es nicht das Ende unserer Welt, dafür aber das Ende unserer Zivilisation, welchem wir allesamt entgegenschauen.

Getriggert von einem unbedeutenderen New York Times Artikel über Prominente, der sich daran erbaute, dass unsere Prominenz wirklich alles darf, wobei der betroffene Journalist, der keinen Unterschied zu einem bloßen Spanner erkennen ließ, nicht einmal die Frage aufwarf, ob es denn überhaupt in Ordnung gehe, dass man als Promi automatisch über Recht und Ordnung steht, komme ich nun zu der Auffassung, dass wir tatsächlich allesamt vor dem Ende unserer eigenen Zivilisation stehen.

Ohne Frage gilt der Grundsatz für uns Menschen, dass wir vor Gott und dem Gesetz alle gleich seien nicht mehr! Auf dieser vermeintlichen Tatsache bauten sämtliche neuzeitlichen Gesellschaftsverträge und garantierten uns Menschen noch bis vor Kurzem stets die bestmögliche Welt, in der wir leben konnten.

Ganz ohne Frage gilt nun und nicht erst seit Donald Trump (!) die Tatsache, dass es definitiv zwei Arten von Menschen gibt, egal wo wir uns auf dieser Welt befinden, nämlich jene Menschen, die prominent sind und jene, die man nicht kennt.

So wie man sehr bald in unserer Menschengeschichte nicht mehr wusste, warum jemand überhaupt Herrscher über Menschen wurde oder war, so kann einem heute auch niemand mehr sagen, warum ein Mensch prominent wurde oder ist. Wie früher fällt dies manchmal auch den selbst Betroffenen auf und so fühlen sich manche davon bemüßigt, Gott oder besser noch gleich mehrere Götter dafür verantwortlich zu machen — wir Menschen ändern uns als Individuen einfach nicht.

Sämtliche Gesellschaftsverträge gelten inzwischen nur für die nicht prominenten Gesellschaftsteile und bewahren uns davor, ganz offiziell in eine Art Anarchie abzugleiten; noch funktioniert der Selbsterhalt von Massen halbwegs.

Sollten Sie selbst zumindest auf lokaler Ebene einen Promistatus erreicht haben, dann freuen sie sich aber bitte nicht zu früh. Denn wenn Sie zum Morden und Vergewaltigen noch in den Keller müssen, dann gehören sie doch noch nicht so ganz mit dazu.

Die echte Prominenz darf inzwischen vor laufender Kamera und ganz öffentlich alles nur Erdenkliche tun und lassen, ohne jemals auch nur Gefahr zu laufen, negative Konsequenzen erdulden zu müssen.

Das Einzige, was ein Prominenter heute noch befürchten muss, ist, dass er seinen Promistatus verlieren könnte. Denn dann fallen Gott, Gesetz wie auch die gesamte Menschheit so richtig über ihn her.

Das ganz normale Leben kennt nämlich keine Gnade.

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