Blitz

Zäune 5 (1)

Beitragsfoto: Blitz | © Bild von PIRO auf Pixabay

Unsere Bundesregierung hat erneut all jene erhört, die in ihrem gesamten Leben unser Land nicht nur völlig an die Wand gefahren, sondern unserer Jugend auch noch eine halbwegs erträgliche Zukunft genommen haben.

Unsere Mediokratie — Herrschaft der Mittelmäßigkeit (!) — hat genau die Erfolge erzielt, die von Intellektuellen bereits vor Jahrzehnten an die Wand gemalt wurden.

Jetzt werden auf Teufel komm raus Zäune und Mauern um die EU und dann auch wieder um Deutschland herum gezogen, um der Kaputt-Mach-Generation bis zum letzten Atemzug noch ein schönes Leben auf Kosten der Umwelt und der großen Menschenmehrheit zu garantieren.

Und wenn dann die Festung Europa steht, werden unsere noch halbwegs rüstigen Leistungsrentner mit ihren Wohnmobilen durch die Bundeswehr — wozu hat man die denn sonst? — per Luftverladung über die Mauern hinweg in die Entwicklungsländer geflogen, um noch die wirklich letzten unbekannten Orte zu sehen, bevor man selbst das Zeitliche segnet und diese wunderbaren Orte endgültig verschwunden sind.

Und bis dahin tanzen alle den Tango Korrupti und singen im Chor nach uns die Sintflut!

Schöner hätte es auch kein Federico Fellini inszenieren können.


Blitz

Literaturerlebnis 5 (2)

Beitragsfoto: Blitz | © Bild von PIRO auf Pixabay

Mein traurigstes Literaturerlebnis hatte ich im K3. Schon länger hatte ich versucht, mir einmal selbst das ominöse Kleist-Archiv Sembdner anzuschauen, auch wenn ich mit Kleist wenig anzufangen wusste. Im Gegensatz zur Stadtbücherei war der Zugang zum Archiv meist verschlossen.

Eines Tages gelang mir dann aber doch der Zugang durch eine Hintertreppe und ich fand neben vielen verschlossenen Räumen auch ein paar verstaubte Regale mit Käthchen-Devotionalien. Das Spannende dabei, dass meine Eltern ein paar dieser Püppchen selbst einmal gekauft hatten, und ich somit dort auch etwas bereits Bekanntes vorfand.

Das Kleist-Archiv Sembdner stammt übrigens von einem Sammler namens Helmut Sembdner, der irgendwann mit all dem Kruscht nichts mehr anzufangen wusste, das Wertvolle seiner Sammlung schnell an Interessierte verkaufte und den ganzen Rest in einer Nacht-und-Nebel-Aktion der Stadt Heilbronn andrehte — warum kann wohl heute keiner mehr sagen, auf jeden Fall hatte Sembnder einen Dummen gefunden.

Bereits 1991 wurden wir Heilbronner über diesen Coup informiert und wie es der bloße Zufall so wollte ein städtischer Mitarbeiter über Jahre hinweg zur Betreuung dieser Sammlung freigestellt. Und es war wohl dieser Herr, Günther Emig, den ich dann dort vor Ort auch in einem Zimmer des Archivs vorfand.

Er war damals so mit seinen Recherchen und sonstigen Tätigkeiten beschäftigt, dass es ihm nicht gelang, mich von meinem immer noch anhaltenden Feuerproben-Frust zu befreien und auch nicht, mich zumindest etwas mit Heinrich von Kleist zu versöhnen.

Ganz in Gegenteil, dieser Besuch hatte mehr von einem Besuch in einem Beerdigungsinstitut und gab mir schon damals die Idee, zumindest die tatsächlichen Schätze des Archivs zu bergen und an das Deutsche Literaturarchiv in Marbach zu übereignen; eine Idee, die übrigens später dann auch Günther Emig hatte.

Den traurigen und wohl größten Rest kann man noch heute getrost auf den Vogelsang kippen und die Räumlichkeiten einer neuen Verwendung widmen, z. B. für die Stadtbibliothek.

Leider aber hat sich der Gemeinderat jüngst dazu entschieden, dieses „deutsche Kulturgut“ — warum auch immer — weiter in Heilbronn in Ehren zu halten, ähnlich wie die Stadtmodelle in der Ehrenhalle, von denen das teuerste jüngst zur BUGA gekaufte wohl verschollen ist.

Ich vermute, dass die Heilbronner Gemeinderäte nie das „Käthchen von Heilbronn“ lesen mussten oder ihnen ihre Eltern gar diese besagten Püppchen bewusst vorenthalten haben, was diese Heilbronner Käthchenmanie erklären könnte. Auf jeden Fall aber gehe ich davon aus, dass sich noch keiner unserer Gemeinderäte bisher in das Kleist-Archiv verirrt hat.


Nachtrag 11.5.2023

Die Heilbronner Stimme veröffentlichte heute einen Leserbrief von Günther Emig (11.5.2023: 21)

Schäbig

1992 bis 2000 als Direktor der Stadtbücherei, von 2000 bis 2018 als Direktor des Kleist-Archivs Sembdner, war es mein Job, aus den kümmerlichen Überresten einer vorher größtenteils bereits anderweitig verkauften Privatsammlung, die trotz meiner Warnung zu einem irrwitzig überhöhten Preis von der Stadt erworben worden war, etwas zu machen. Dies ist mir mit viel Glück gelungen auf Grund persönlicher Kenntnisse und Fähigkeiten. Als Internet-Pionier in den Geisteswissenschaften durfte ich mit Sondergenehmigung 1996 das Kleist-Archiv Sembdner ins Internet bringen. Der Internetauftritt hat nicht nur in der damaligen Computerwelt für eine Auszeichnung gesorgt, sondern auch Anerkennung bei den germanistischen Kollegen. Sämtliche Arbeiten, technisch wie inhaltlich, sind all die Jahre von mir geleistet worden. Dass mit der Wiedervereinigung die Karten in Sachen Kleist neu gemischt worden sind, konnte man beim Sembdner-Ankauf 1990 nicht unbedingt vorhersehen, wohl aber konnte man erkennen, dass sich in der Folge Bund, Land und Stadt Frankfurt (Oder) mit siebenstelligen Beträgen für das Frankfurter Kleist-Museum stark gemacht haben. Damit ist der Fokus schleichend von Heilbronn nach Frankfurt gewandert. Daraus wären Konsequenzen zu ziehen gewesen. Was bleibt? Ein bisschen Glanz aus vergangenen Zeiten, den man sich auch noch unberechtigt glaubt an den Hut stecken zu dürfen. Wie schäbig.

Günther Emig, Niederstetten

Blitz

Stabsarbeit 5 (1)

Beitragsfoto: Blitz | © Bild von PIRO auf Pixabay

Gute Stabsarbeit wäre auch in Verwaltungen nicht nur angebracht, sondern absolut notwendig. Dass dies keine neue Erkenntnis ist, zeigt ein Brief des ersten Inspekteurs des Heeres Generalleutnant Hans Röttiger, der sich am 6. August 1957 wie folgt an seine direkten Mitarbeiter wandte.

Leider haben wohl bis heute „Fehlfarben“ als auch Verwaltungsbeamte ihre Probleme damit. Und auch in Vereinsvorständen ist es ziemlich schwierig, um solch eine Arbeitsweise etablieren zu können. Auch dort begnügen sich sehr viele noch heute mit einer rein buchungsmäßigen Anwesenheit und sollten sie einmal tatsächlich anwesend sein, mit viel nutzlosem Geschwätz.

Was in Vereinen durchaus seinen gewissen Charme haben kann — zumindest habe ich dies in den letzten Jahrzehnten so erleben können — und man letztendlich dann alles selber oder zusammen mit ein paar wenigen Leistungsträgern macht, ist beim Militär letztendlich tödlich und sorgt in Verwaltungen dazu, dass diese einfach nur noch da sind — meist in einer XXL-Version — und maximal den Bürgern völlig zur Last fallen oder diese permanent belästigen.

Wem dieser Kommandeurbrief ebenso gefällt, der kann ihn gerne hier als PDF herunterladen.