Dämmerung

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Beitragsfoto: Heilbronner Weinberge

Heute möchte ich nicht über Heilbronn schreiben, auch wenn dies nahe läge, aber unsere Stadt ist entgegen der Verlautbarungen aus dem Rathaus und seiner Hofberichterstatter nicht der Nabel der Welt, sondern über einen europäischen fließenden Übergang der Lichtverhältnisse zu Anfang und Ende des lichten Tages im Wechsel zur Nacht.

Wir erinnern uns noch daran als gestandene Politiker wie Walter Hallstein, Jacques Delors oder Jean-Claude Juncker als Kommissionspräsidenten Europa durch schon immer wilde Fahrwasser steuerten. Wir erinnern uns auch daran, wie europäische rechte Kreise 2019 eine Berufspolitikerin regelrecht an die Macht putschten, die ihre Unfähigkeit bereits in zwei Ministerämtern nachgewiesen hatte, nämlich Ursula von der Leyen. Wir Deutschen völlig national beseelt waren froh, sie nach Europa abgeschoben („hochgelobt“) haben zu können. Getreu dem Motto aus uralter Zeit: „Hast Du einen Opa, schick in nach Europa!“ Und dort übt sich nun von der Leyen als europäische Hindenburg. Wir erinnern uns sicherlich auch noch daran, nämlich als 1933 Paul von Hindenburg, der heute einen Joe Biden als Jüngling dastehen ließe, einem Adolf Hitler den Weg bereitete.

Bereits 1974 wurden die Grundlagen für dieses europäische Manöver der Machtergreifung gelegt. Von Männern wie Winston Churchill und Charles de Gaulle weichgekocht, erschufen nationale Kreise entgegen aller Abmachungen und Verträge den Europäischen Rat, nicht um Europa weiter nach vorne zu bringen, sondern um einzig und alleine inzwischen wieder etablierten Kreisen den Einfluss und den Machterhalt zu sichern — die Renationalisierung Europas hatte damit begonnen.

Vielleicht meinten manche damals noch, dass es bei einer Renationalisierung („Europa der Vaterländer“) bleiben würde, da man zum einen aus der Geschichte gelernt hätte und zum anderen die antidemokratischen Kräfte in Europa eine überschaubare Minderheit seien.

Inzwischen aber haben sich die Machtverhältnisse eindeutig wieder „nach rechts“ hin zu einer Anti-Demokratie verschoben. Ich meine dabei nicht, weil wir Europäer keine Demokraten wären, sondern weil wir von etablierten Kreisen eher dahin geschoben und gezogen wurden, wobei uns unfähige demokratische Berufspolitiker, die einzig und alleine nur an sich und sich selbst denken, den Weg aus der Demokratie ebneten.

Menschen wie Donald Trump und Victor Orban haben inzwischen Kultstatus und können machen und tun, was sie möchten, so wie inzwischen viel zu viele Bürgermeister im gesamten Land. Und auch bei uns kommen Berufspolitiker mit allem durch, egal was, angefangen von den Maskendeals bis hin zu Cum-Ex oder gar dem Ausverkauf unserer gesamten Infrastruktur.

Und jene Politiker, die sich tatsächlich noch abmühen und unsere Demokratie wie auch Europa retten wollen, gehen einfach in den medialen Fluten des Demokratie- und Europa-Bashings unter, welches von illustren Gestalten wie einer Sarah Wagenknecht, Alice Weidel, Markus Söder oder Bernd Höcke geprägt und dominiert wird.

Der Wechsel zur Nacht wird kommen — so wie es für uns in ein paar Jahren auch wieder ein Morgengrauen geben wird (Merke: wer richtig verzweifelt sein will, benötigt immer auch einen Funken Hoffnung!) — und zwar mit der gestern begonnen Ratspräsidentschaft eines Victor Orbans, der ganz offen mit Wladimir Putin unter einer Decke steckt.

Kommende Woche wird Marine Le Pen jubeln, Geert Wilders lächelt bereits und Giorgia Meloni schmiedet längst neue Achsen. Die europäische Ostzone fühlt sich seit 1990 zum ersten Mal so richtig verstanden und drückt immer offener aus, was bei uns auch viel zu viele denken, nämlich, dass an der eigenen Dummheit, Faulheit und Ignoranz einzig und alleine die Juden Schuld seien — ok, und ein paar Flüchtlinge.

Wir Europäer haben schon immer aus unserer eigenen Geschichte gelernt! Morgen fällt die Ukraine und übermorgen die ganze Welt!


Aber er bleibt fürchterlich uns, und wir sehn nur
Nieder ins Grab, ob er gleich uns zur Vollendung
Führt, aus Hüllen der Nacht hinüber
In der Erkenntnisse Land!

Friedrich Gottlieb Klopstock, aus „die Zukunft“ (1798)

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Seitenaufrufe: 77 | Heute: 1 | Zählung seit 22.10.2023

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  • Während die einen seichte Unterhaltungspolitik zelebrieren und die „judäische Volksfront“ sich erbarmungslos mit der „Volksfront von Judäa“ herumstrittelt, übernimmt die dunkle Seite der Macht (in Heilbronn ist es die Schwarze Seite). Fast niemanden scheint das zu interessieren. Den Unterhaltungsjunkies fehlt es an Bildung, jede „Volksfront“ sieht nur die eigenen Pfründe. Kaum jemand denkt über die eigene Nasenspitze hinaus. Strategisches Denken? Fehlanzeige. Zumindest auf der hellen Seite, die so hell dann doch nicht ist. Hauptsache alles schön bequem kuschelig komfortabel und vordergründig nützlich. Im Zweifelsfall verweist man auf angebliche/mutmaßliche Fehler anderer. Ob ein Herr Strauß in den 50/60/70/80ern des letzten Jahrtausends etwas frag-würdiges gesagt und noch frag-würdiger gehandelt hat, das ist mir schnuppe. Der Mann ist tot. Taugt für manche höchstens als Freund- oder Feindbild, die dabei das Wesentliche übersehen.

    Ob man aus „der Geschichte lernen“ kann, ist müßig zu diskutieren. Es interessiert kaum jemanden. Jede Seite der Macht kann die Vergangenheit als Fallstudie nutzen. Natürlich sind die Mechanismen der Propaganda (aka Öffentlichkeitsarbeit oder Public Relations) allen bekannt.

    Was bleibt ist die Hoffnung und das manchmal vorhandene Streben nach einem (ethisch) guten Leben. Aber auch das ist nur Hoffnung. Hoffnung auf Einsicht, auf gutes Handeln anderer.

    Danke für den geistigen Anstoß, Heinrich.

  • Ich bezweifle, dass jemand was aus der Geschichte gelernt hat!
    Hat nicht der widerwärtige F. J. Strauß in den 50er den sinngemäß berühmten Satz „Wer jetzt nochmal ein Gewehr in die Hand nimmt, dem soll sie abfallen“ abgesondert und dann als Verteidigungsminister die erneute Aufrüstung der BRD vorangetrieben? Er holte sich dabei den Drehbuchautor des Nazihetzfilms „Der ewige Jude“ als Berater in sein Ministerium … Nix aus der Geschichte gelernt.