Beitragsfoto: Weinberg
Es gab einmal einen Weinberg, der wurde in den 1980er-Jahren stillgelegt, weil die Reben für damalige Verhältnisse abgewirtschaftet hatten. Ende der 1980er-Jahre war es dann für mich Gelände, für das ich zahlreiche Ideen hatte. Anfang der 1990er-Jahre wurde er dann ein naturnaher Garten, wobei ich wusste, dass Boden gut 30 Jahre benötigt, um sich von unserer Landwirtschaft zu erholen.
Seit dem letzten Jahr gucke ich mir das Gelände wieder etwas genauer an. Gute 30 Jahre Unberührtheit führten dazu, dass sich Hartriegel und ein paar Wildkirschen ansiedeln konnten. Das Roden macht zwar Spaß, mehr geht allerdings weiterhin nicht; sähen und pflanzen vergebliche Liebesmühe.
Da sich bereits eine ganze Menge Altholz angesammelt hat, versuche ich mich immer wieder an Tothecken. Und nun auch an einer Käferburg. Eine 30 bis 60 cm tiefe Kuhle in den Boden buddeln für einen Infanteristen sicherlich kein Problem. Fehlanzeige! Nach ein paar Tagen erreichte ich maximal 20 cm Tiefe und stellte dabei fest, dass Stahlbeton mehr Lebensqualität verspricht als Weinbergboden. Neben totem Boden fand ich nur Plastik, jenes Plastik, das unsere Winzer schon seit Jahrzehnten so gerne mit untergraben — dürfte wohl billiger als Kies sein.
Heute habe ich nun ein wenig improvisiert und die Käferburg steht — nur die Harten kommen in den Garten! Ich bin zwar noch im Besitz eines Sprengscheins, habe dann aber doch darauf verzichtet durch Sprengungen die notwendige Tiefe zu erreichen. Inzwischen soll es plastikfressende Mikroben geben und so besteht Hoffnung, dass sich bei mir nun auch Betonkäfer ansiedeln.
Vor auch wieder ca. 20 Jahren hatte ich ein paar gute Gespräche mit einem deutschen Großbauern in Afrika. Er erklärte mir frank und frei sein Erfolgsrezept. Ankauf von unberührter Natur. Völlige Ausbeutung des Bodens und jährliche Kontrollen seiner Qualität. Sobald diese unter ein bestimmtes Limit gelangte, Motivation der lokalen Behörden ein Landwirtschaftsprojekt für die Einheimischen aufzulegen. Parzellierung und Verkauf des toten Bodens mit maximalem Gewinn. Danach Neukauf von unberührter Natur. Noch zweimal und er wollte sich in der Schweiz zur Ruhe setzen.
Unsere Wengerter setzen sich traditionell im Gemeinderat zur Ruhe, denn die sind wenigstens Lokalpatrioten. Mit dem toten Boden darf ich mich noch eine ganz Weile rumärgern — obwohl, Herausforderungen halten jung, ein Sitz im Gemeinderat sicherlich nicht.
Fun Fact am Rande. Plötzlich treibt wieder eine Rebe im ehemaligen Weinberg. Profis in der Verwandtschaft ließen mich wissen, dass es sich dabei um eine Unterlagsrebe handelt. Sollten einmal Trauben erscheinen sind die sicherlich aus Stahl oder gar aus Plastik.





