Nationalismus

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Beitragsfoto: Rassemblement National | © Grégory ROOSE auf Pixabay

Um es einmal nach all den Blog-Beiträgen auf den Punkt zu bringen, Nationalismen funktionieren nicht mehr, zumindest nicht in Europa! Auch gibt es die dazu notwendigen Volksnationen kaum noch und wenn doch, dann in Größen, die heutzutage kaum noch eine bis keine Rolle mehr spielen.

Die Welt dreht sich schneller als wir glauben und wohl sämtliche Gesellschaften haben die Idee des Nationalismus schon sehr lange weit hinter sich gelassen, so lange, dass weniger politisch Interessierte jenen Scharlatanen nun hinterher laufen zu beginnen, die diese völlig antiquierte Idee wieder aus den Schubladen ziehen; wobei es sehr hilfreich ist, dass die letzten Auswirkungen von Nationalismen von kaum einem noch selbst erlebt werden mussten.

Schauen wir einmal näher auf Deutschland, beispielgebend für die anderen europäischen Staaten. Deutschland hat gut 80 Millionen Einwohner, wobei die größeren Bevölkerungsanteile (Baby-Boomer) so langsam aber sicher ins Rentenalter gleiten. Schon länger können wir bei uns unsere Bevölkerungsgröße nicht mehr selber aufrechterhalten und bereits in den 1970er-Jahren sprach man dabei von einer nicht mehr rückgängig zu machenden Entwicklung. Nicht nur deshalb, sondern weil es einfach Menschenart ist, wandern seit Jahrzehnten immer neue Bevölkerungsteile nach Deutschland ein.

Inzwischen ist Deutschland Heimat von Menschen aus weit über 130 Ländern, wobei sich die wenigsten davon als Deutsche im Sinne der Ethnie sehen: sie sind weiterhin u. a. Polen, Italiener, Türken, Serben, Bosnier, Kirgisen, Chinesen, Inder, Russen, Marokkaner oder Österreicher und lassen sich deshalb kaum bis gar nicht in eine deutsche Volksnation integrieren — hier wäre ein moderneres Nationalverständnis nötig gewesen, was aber jene Scharlatane, die heute wieder mit dem Nationalismus hausieren, gerade nicht verstehen können.

Erschwerend kommt noch hinzu, dass wir die Wehrpflicht nicht deswegen abgeschafft haben, weil sie zu teuer war, sondern einzig und alleine deshalb, weil die Mehrheit der Deutschen nicht mehr dazu bereit ist, „unser Land“ zu verteidigen. Jetzt wo wir erneut vor der Verteidigungsfrage stehen, befinden wir uns in einem tödlichen Dilemma, denn gerade jene, die sich mit allen Mitteln vor der Wehrpflicht gedrückt haben, kommen jetzt in das Alter, wo sie selbst nicht mehr dienen müssen (Baby-Boomer) und fordern nun immer vehementer eine Wehrpflicht ein. Die schlimmsten davon entdecken erneut ihr Gewissen, gehen auf Nummer sicher und „kaufen sich“ ihren Offiziersdienstgrad, um im Falle eines Krieges in möglichst von der Front abgelegenen Stäben überleben zu können — wieder auf Kosten der anderen Mitbürger.

Aber selbst wenn es künftig genügend Deutsche gäbe, die bereit dazu wären, um für ihr Land zu kämpfen, befinden wir uns in der traurigen Situation, dass die Mehrheit davon nicht dazu geeignet ist — der Wohlstand hat seinen Tribut längst eingefordert.

Als Nation stehen wir Deutschen gar nicht gut da. Und es kann uns dabei auch nicht trösten, dass unsere Nachbarländer diesbezüglich auch nicht — wenn überhaupt — besser dastehen. Angesichts des Krieges in der Ukraine, der von der Russischen Föderation gerne auf den Rest Europas ausgedehnt werden würde, fangen nun immer mehr Europäer an, sich um ihre Verteidigung Sorgen zu machen.

Wenn wir Europäer nun glauben, dass wir als Nationen — die Polen gehen gerade als erstes diesen Irrweg — unsere Länder noch verteidigen können, sind wir falsch beraten. Wir konnten dies bereits in den letzten beiden Weltkriegen nicht mehr und werden es deshalb auch heute — unter weit schwierigeren Bedingungen — nicht können!

Wenn wir aus diesem Schlamassel halbwegs vernünftig herauskommen wollen, müssen wir sehr schnell erkennen, dass Nationalismus nicht mehr funktioniert und wir ein anderes Gesellschaftsmodell benötigen: über Jahrzehnte hinweg haben wir Europäische Föderalisten für die Europäische Idee geworben!

Nur diese Idee könnte heute noch sicherstellen, dass wir einer Aggression von außen — ganz aktuell einer russischen — erfolgreich begegnen können: u. a. Deutsche, Polen, Italiener, Türken, Serben, Bosnier, Kirgisen, Chinesen, Inder, Russen, Marokkaner und Österreicher würden sich dann gemeinsam als Europäer gegen die russische Angriffe stemmen und ihr Europa verteidigen.

Und wie wir es gerade in der Ukraine gut sehen können, benötigen wir dabei immer noch und auch weiterhin die Hilfe der US-Amerikaner und Kanadier wie auch die der restlichen Westlichen Welt.

Die Globalisierung gepaart mit der Europäische Idee hat den meisten von uns über gut 70 Jahre Frieden und Wohlstand gebracht und genau dies könnten beide auch weiterhin tun, wenn wir uns nur allesamt und dieses Mal endgültig vom Nationalismus lossagen würden.

Gäbe es eine Transatlantische Union oder einen Europäischen Bundesstaat, müssten wir uns heute keine Gedanken über einen kommenden Krieg machen, wir hätten die Zeit, die Gelegenheit und die Finanzkraft, um den tatsächlichen Problemen und Herausforderungen der Welt zu begegnen.

So aber spielen die Nationalisten unter uns weiterhin Krieg und dies auf Kosten unserer Kinder und Enkel!


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