Blitz

Gipserkarren 5 (2)

Beitragsfoto: Glühbirne | Blitz | © Bild von PIRO auf Pixabay

Ein Großonkel von mir hatte in der Nordstadt ein gut gehendes Gipsergeschäft. Bis weit in die 1950er-Jahre hinein und vielleicht sogar darüber hinaus fuhr er oder ließ fahren mit seinem Gipserkarren durch die Stadt.

Vielleicht aber hatte er auch gleich mehrere davon. Ich weiß es nicht. Als er starb erbte ich seinen Gipserkarren. Ein richtiges Holzungetüm mit zwei riesigen eisenbeschlagenen Rädern. Was macht ein junger Familienvater, der eigentlich aus Koffern lebt und mit der Familie von einem Ort zum anderen zieht, mit einem Holzkarren?

Ich fand das Ganze so schräg, dass ich diesen Karren zusammen mit meiner besseren Hälfte vom ehemaligen Firmengelände — heute Wohnsilos — auf den Heilbronner Straßen, denn er war für unsere dörflichen Gehwege viel zu groß, von der Nordstadt in einen Garten der Südstadt schob und zog. Noch heute erinnern wir beide uns gerne daran und damit auch an meinen Großonkel, der ansonsten längst vergessen gewesen wäre.

Über die letzten Jahrzehnte stand er dann da, einfach so. Ein Kirschbaum wuchs mitten durch ihn durch, welcher nun dieses Jahr von mir gefällt wurde. Aber vom Karren liegen heute noch die Eisenteile in den Hecken, vielleicht wundert sich einmal ein Mensch darüber, wie diese dorthin gelangten und ein künftiger Experte wird vielleicht sogar auf einen keltischen Streitwagen tippen.

Auf jeden Fall war meine Idee — auch wenn ich das Ergebnis selbst viel zu selten bestaunen konnte — eine meiner besseren. Man (Frau vielleicht) darf den Zerfall nicht verschleiern, man muss ihn zeigen, nein, noch besser, richtig zur Schau stellen!

Bereits in den 1970er-Jahren erbte ich zwei wunderbare Eichenfässer von meinem Großvater, einem ehemaligen Küfer. Meine Idee war, diese dereinst einmal mit Wein zu füllen. Das Leben geht seine eigenen Wege.

Am Wochenende habe ich beide Fässer wieder in einem Keller entdeckt und nun zusammen mit dem Schwager und weil wir beide nicht mehr die jüngsten Exemplare sind unter Zuhilfenahme eines Schubkarrens in denselben Garten verfrachtet.

Und nun hoffe ich darauf, zumindest deren Zerfall noch eine ganze Weile mitverfolgen zu dürfen.


Blogger

29.6.02026 5 (6)

Beitragsfoto: Blogger |© cottonbro studio auf Pexels

Vermischtes

Beim Entrümpeln habe ich am Wochenende u. a. meine Reiseschreibmaschine gefunden, mit welcher ich noch meine ersten Seminararbeiten geschrieben habe. So lange bis ich mir einen damals noch sündhaft teueren Nadeldrucker leisten konnte, den ich dann auch noch mit Endlospapier betrieb. Nun hat die Schreibmaschine ein neues Zuhause gefunden — meine Lieblingsschwester freute sich.

Mein sündhaft teuerer Nadeldrucker wurde von mir bereits entsorgt als meine bessere Hälfte einen Laserdrucker mit in die Ehe brachte, und ich meinen Drucker, die Druckertreiber und meine neuen DR DOS und MS-DOS Rechner immer schwerer zusammenbrachte. Was aus den gefühlten Tonnen Endlospapier wurde, weiß ich schon gar nicht mehr.

Was ich nun mit einem Adler-Monstrum mache, das gleich daneben stand, weiß ich hingegen noch nicht. Hätte mir fast einen Bruch gehoben und wusste sofort wieder, warum ich überhaupt eine Reiseschreibmaschine hatte. Chris Aldrich hätte vielleicht Bedarf, wenn da nicht der Transport wäre. Obwohl, ob er überhaupt etwas mit deutscher Hightech anzufangen wüsste.

Auch Detlef Stern hadert aktuell etwas mit seiner Umwelt „Eat your own dog food“, was sicherlich nicht an den Temperaturen liegen dürfte. Er hat unser letztes Kaffeehausgespräch in seinem Beitrag weiterentwickelt und mit Immanuel Kant, Marc Aurel, Karl May und Platon garniert, wobei sich mir das mit Platon hierbei dann doch nicht so ganz erschließt — wird er mir wohl beim nächsten Mal erklären können. Spongebob geht immer, wobei ich auch hierbei den kleinen Insider nicht erkenne — mein eigenes Studium ist auch schon etwas länger her; da gab es weder einen Spongebob noch Bikini Bottom, von einem Patrick [kleiner Insider] ganz zu schweigen.

Thomas Rau macht derweil auf Ingeborg Bachmann aufmerksam, deren Bücher sich auch noch in einem zu entsorgenden Regal befinden dürften. Den Dokumentarfilm werde ich mir sicherlich einmal zusammen mit meiner besseren Hälfte gönnen, wenn sie nicht zuvor schon mit ihrer Damenclique ins Kino pilgert.

Hertensteiner Gespräche

Bin gerade mit potentiellen Moderatoren für die 10. Hertensteiner Gespräche im Austausch. Gerne erinnere ich daran, dass es für uns und auch die Gespräche an sich ganz gut wäre, wenn man sich schon jetzt dazu anmeldet. Abzuwarten, ob es an diesem Tag nicht doch noch etwas Attraktiveres um die Ecke kommt, ist zwar heutzutage nur allzu menschlich aber wenig zielführend — für keinen von uns.

Ich muss nun an die Weinfasserzählung denken, wo alle zum Schluss nur Wasser bekommen. Der Grund dafür ist, dass ich gestern zwei Weinfässer aus den 1950er-Jahren nun in einem Garten der Natur zurückgebe. Johannes 2 kehrt das Ganze um und macht uns allen damit doch noch etwas Hoffnung. Das Problem dabei, kaum ein Organisator einer Veranstaltung wird ein Jesus sein; ich bin es auf alle Fälle nicht. Und so bekommen die Teilnehmer bei den Hertensteiner Gesprächen weiterhin genau das, was sie selbst mitbringen. Gut, das mit dem Essen und den Getränken haben wir dann doch zur Zufriedenheit aller wieder vorab geregelt.

Die gute Laune, Gesprächsbereitschaft, Neugierde, Interesse und noch bessere Ideen müssen von den Teilnehmern allerdings weiterhin selber mitgebracht werden.

Mit Thomas Michl nimmt bereits ein zweiter Blogger an den Gesprächen teil und wer weiß, vielleicht entwickeln sich daraus weitere spannende Side talks.

Während ich diese Zeilen hier schreibe habe ich mit Peter Beschnidt eine weiteren Gesprächskreis festgezogen und mich bereiterklärt, das Thema Geopolitik bei der Landesversammlung im Juli zu übernehmen. Derweil kümmere ich mich auf einem Zweitrechner um die Familiengeschäfte — das gute Wetter bringt mich einfach auf Touren.

Wochenstart

Der Start in die Woche gelang mir mit dem meseno-Bus recht gut. Unterwegs die neue Brücke und die Sanierungsarbeiten an den alten Schräglagen nebenan bestaunt. Was mich dabei immer wieder erstaunt ist, dass es ganz offensichtlich keinen Plan gibt, wie man neue Bauwerke bis zu deren Ende in ein paar Jahrzehnten begleitet.

Man stellt einfach Bauwerke in die Landschaft und wundert sich dann immer wieder darüber, dass auch diese irgendwann ihr Lebensende erreicht haben. Jedes Bauwerk hätte es mehr als verdient, dass es eine Art von Lastenheft erhält, das möglichst offen einsehbar für die Allgemeinheit zur Verfügung steht. Darin wird dann auch zwingend dessen Wartung und Kontrollen vorgeschrieben.

Und im Falle, dass unsere Behörden etwas ganzheitlicher denken, gäbe es noch jeweils ein militärisches Kapitel im Lastenheft, das sämtliche sicherheitsrelevanten Aspekte mit abdeckt.

Als ich mit dem meseno-Bus im Regen durch die Landschaft fuhr, konnte man ganz gut beobachten, wie selbst neue Infrastruktur, wenn diese nicht gewartet wird, das Funktionieren einstellt. Zugewachsene Kanaldeckel in der Stadt sorgen für oberirdischen Wasserabfluss oder verstärken diesen für den Fall, dass eine städtische Nachverdichtung ohne Planung erfolgte.

Das Problem dürfte an den jeweiligen Entscheidungsträgern in unseren Rathäusern und Gemeinderäten liegen, die sehr gerne bei der notwendigen Infrastruktur und vor allem bei deren Unterhaltung sparen und unsere Steuergelder lieber für Prunkbauten und Festivitäten ausgeben, denn dabei können sie so richtig glänzen. Und wir Bürger lechzen regelrecht danach, um völlig verantwortungslose Gesellen zu wählen, möglichst jene, die ihre Inkompetenz bereits seit Jahrzehnten zur Schau stellen.

Volksvertreter, die vielleicht sogar noch still und heimlich ihre Aufgaben erledigen und verantwortlich mit unseren Steuergeldern umzugehen wissen, die sind uns allen völlig suspekt und werden schnellstmöglich wieder abgewählt.

Donald Trump ist ein sehr leuchtendes Beispiel und zeigt uns sehr gut, dass es keine Grenzen für solche Menschen gibt. Sämtliche Spekulationen darüber, wann die US-Wählerschaft endlich genug von diesem Treiben hat, sind reines Wunschdenken. Und diese Donald Trumps sitzen in allen unseren Demokratien, bei den kleinsten Rathäusern angefangen bis hin ins Europäische Parlament.

Eigentlich sollten die Demokratien dafür sorgen, dass diese Art von Menschen einfach in der Masse sämtlicher Volksvertreter untergehen und sich damit die Schäden in Grenzen halten. Wie uns aber sämtliche Demokratien zeigen, werden diese Menschen auch in den Demokratien auf wundersame Weise nach oben gespült und treiben dabei ihr Unwesen nur noch viel wilder — unsere Demokratien scheinen gerade solche Menschen besonders zu schützen.

Die große Masse der Leser dürfte jetzt aktuell an Jens Spahn denken, wobei jeder von uns ganz ohne Probleme eine ellenlange Liste erstellen könnte.

Und schon wieder komme ich auf meine uralte Behauptung zu sprechen, dass unmündige Demokraten genau dafür sorgen, dass wir genau diese Art von Volksvertretern bekommen, die einzig und alleine für uns in einer Art moderner Ablasshandel als Berufsschuldige fungieren und uns Bürger von allen unseren Sünden freisprechen. Mein Punkt: verantwortliche Politiker kann es nur dann geben, wenn es auch zumindest mehrheitlich eine verantwortliche Wählerschaft gibt!

Übrigens, wir alle sind Schuld daran, dass das Wetter gerade solche Kapriolen schlägt! Viele zu viele unserer Volksvertreter werden uns aber in den Talkshows versichern, dass dies alleine die Schuld der Chinesen und der US-Amerikaner sei, vielleicht noch bei den Schwarzen läge, „weil die doch so viele Kinder machen“. Unter der Hand sind es bestimmt aber wieder die Juden, denn das funktioniert seit mehr als 2 000 Jahre ganz gut bei uns — und genau deswegen wählen wir unsere Politiker.


Lesezeichen

Alles anders 3.7 (3)

Beitragsfoto: Lesezeichen | © kertlis von Getty Images

Thomas Schmid | Weblog

Alles soll anders werden. Warum der AfD mit „guter Politik“ kaum beizukommen ist (letztmals aufgerufen am 27.6.2026 um 15:55 Uhr)

„Nehmen sich die herkömmlichen Parteien eines Themas an, das die Anhänger der Anti-Parteien umtreibt, wird das von diesen nicht honoriert. Das ist nicht schwer zu erklären. Es hat sich, werden AfD-Wähler denken, also gelohnt, die Migration bis ins Existenzielle zu dramatisieren. Warum soll man sich dann im Moment erster Erfolge von der Partei abwenden und wieder auf die alten Pferde setzen? Jetzt erst recht: Never change a winning team. …

Sie kennt keinen Gradualismus, keinen Pragmatismus. Alles muss anders werden. …

Die AfD ist nicht bescheiden. Sie verspricht im Grunde die Neugründung der Republik. Wie die aussähe, bezeugt das Wahlprogramm der Partei für Sachsen-Anhalt.  …

Als die Bundesrepublik Gestalt angenommen hatte, galt ein Versprechen, das von Generation zu Generation wie selbstverständlich weitergereicht wurde: Dir wird es besser gehen als deinen Eltern. Die Zukunft leuchtete, es gab gute Gründe, in sie aufzubrechen. 

Heute leuchtet die Zukunft nicht mehr. Vor die Zukunft haben sich auf beängstigende Weise die multiplen Krisen der Gegenwart geschoben, die dem halbwegs berechenbaren weltpolitischen Gleichgewicht der Nachkriegszeit ein Ende gemacht haben.“


Ein guter Erklärungsversuch, der sich mit meinen eigenen Beobachtungen und auch ganz gut mit meinen bisherigen Blog-Beiträgen deckt.

Man kann AfD-Wähler nicht mit Fakten begegnen, da sie diese nicht mehr benötigen, denn sie haben eine eigene Realität erschaffen, die zwar keine neue Welt garantiert aber dafür die alte Welt in Schutt und Asche legt.

Was weder einem Führer oder seinem Volk etwas ausmacht, denn deren Ideologie sagt dann ganz einfach, man hätte es nicht verdient und der eigene Untergang ist nur folgerichtig.

Die nationalsozialistische Idee ist in sich menschenverachtend und -feindlich — für alle ohne einzige Ausnahme, bis auf den Führer und sein unmittelbares Gefolge; ansonsten würde dieses Schneeballsystem der Unvernunft auch nicht funktionieren.

Danke an Thomas Michl für den Tipp.