Blitz

Gysi & Klöckner 4 (7)

Beitragsfoto: Glühbirne | Blitz | © Bild von PIRO auf Pixabay

Schlimmer kann man wohl kaum noch einen Bundestag konstituieren, einzig, dass man den AfD-Kandidaten nicht zum Vize gemacht hat, tröstet mich noch ein wenig.

Gregor Gysi hat nicht überrascht und sich wie ein Ossi wieder nur beschwert und lamentiert — als ob wir in der Bundesrepublik auch noch für die ekligen Zustände in der DDR verantwortlich gewesen wären.

Bei Julia Klöckner muss ich gezwungener Maßen, ob ich will oder nicht, immer wieder an Prinz Philip, den Duke von Edinburgh, denken, der einmal einen schottischen Fahrlehrer gefragt hat, wie er nur seine Fahrschüler bis zur Prüfung nüchtern hält.

Die Union wird es sicherlich wissen …

Fediverse Reactions

Blitz

Mittelschicht 5 (6)

Beitragsfoto: Glühbirne | Blitz | © Bild von PIRO auf Pixabay

Mit Statistiken konnte man schon immer alles schönreden bzw. schönschreiben. Heute gibt es dafür ganz nette Spielereien, wie z. B. den Mittelschichtrechner des Instituts der Deutschen Wirtschaft.

Böse, der jetzt denkt, warum kam dieses Schönheitstool nicht noch unter der alten Regierung an den Wähler? Da war auch alles noch auf Untergang gestimmt!

Nazis, Kommunisten, Unionsparteien, Wirtschaftsinstitute und -magnaten verlautbarten unisono, dass die Grünen die SPD und FDP in Geiselhaft hätten und erst Deutschland und dann die gesamte Welt zerstören.

Ich bin wirklich kein Freund der Grünen, aber diese haben tatsächlich einen Sauladen mit übernommen und mussten versuchen, das Beste daraus zu machen, während ihnen SPD und FDP beständig in die Seite grätschten.

Jetzt, wo die Grünen wieder weg vom Fenster sind — nicht ganz schuldlos! — und die alten Seilschaften wieder übernommen haben, wird alles tatsächlich in die richtige Richtung Gehende wieder rückgängig gemacht und der alte Sauladen wird reaktiviert — dieses Mal ist man nur ein wenig schlauer, ähnlich wie die GOP bei ihrem zweiten MAGA-Durchmarsch.

Jene Politiker, die sich dieses Mal nicht dumm und dämlich verdienen und als Multimillionär aus der Regierung ausscheiden, denen kann auch ein Friedrich Merz nicht mehr weiterhelfen. Auf alle Fälle aber kommen alle auch nur im Verdacht stehende Kriminelle wie etwa Olaf Scholz oder Andreas Scheuer ohne jegliche Blessuren davon — und sie müssen auch weiterhin nicht arbeiten, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten.

Und damit wirklich nichts mehr schiefgehen kann, erklärt man uns Bürgern, dass wir eigentlich alle reich sind, wenn nicht gar superreich und jeder von den künftigen Billionenschulden zumindest etwas abbekommt, aber auf alle Fälle nie nur einen einzigen Euro zurückzahlen muss. Und die alten gut 2,5 Billionen Euro GroKo-Schulden wurden bereits von der Union „als Peanuts“ (Deutsche Bank!) unter den Tisch gekehrt.

Recht hat Friedrich Merz darin, dass die neue alte GroKo keine große Koalition mehr ist, dazu bräuchte die Union inzwischen bereits die AfD — ansonsten aber bleibt alles beim Alten.

Auch beeilen sich nun sämtliche Experten uns zu erklären, dass Staatsschulden eigentlich keine Schulden sind, nur fiktive Rechnereien. Ich kann dieser Art zu rechnen durchaus folgen, zumindest so lange, bis diese fiktiven Rechnereien eine Währungsreform wieder einmal zwingend nötig machen.

Das Lustige daran wird sein, dass dann alle reichen Deutschen — also wir alle! — tatsächliche Milliarden Euro in der Brieftasche und auf dem Konto haben werden, aber nichts mehr damit anfangen können.

Noch lustiger ist, dass die waschechten Reichen derweil alle wertvollen Grundstücke, Patente, Anlagen und sonstigen wichtigen Dinge besitzen und gut und gerne auf alles Geld verzichten können. Und so werden wir dann allesamt auch ein Dieter Schwarz wieder einmal mit 100 Mark anfangen; kaum einer wird den klitzekleinen Unterschied bemerken.

Dafür sorgen wie heute u. a. das Institut der Deutschen Wirtschaft, die uns auch dann mitteilen werden, dass wir allesamt zumindest gesunder Mittelstand seien.

Uns wird es erst wieder schlecht gehen, wenn es erneut eine Regierung geben wird, die die bestehenden Probleme und Herausforderungen tatsächlich anpacken möchte.

Denn die Probleme kennen wir alle, man kann sie sogar namentlich benennen, angefangen von Helmut Kohl und seinen Geldgebern.

Dann zählen auch wieder unsere Schuldenberge und die Institute erklären uns erneut, dass wir allesamt verarmen.


Schwimmbad

Rettungskonzepte 4.9 (9)

Beitragsfoto: Schwimmbad | © Armin Forster auf Pixabay

Pontius Pilatus wusch seine Hände noch in Unschuld, nachdem er Jesus gekreuzigt hatte. Ich ging nach meiner Vorlesung stante pete ins Schwimmbad, um meinen ganzen Körper zu waschen und zeitgleich auch ein wenig über heutige Studenten zu reflektieren.

Schlagen mag ich sie nicht und einfach aussperren hilft auch nicht weiter. Noch letzte Woche thematisierte ich die Bedeutung der Pünktlichkeit fürs eigene Leben im allgemeinen und für meine Vorlesung im besonderen. Als Resultat davon ging es bei mir heute zu wie auf einem etwas größeren Bahnhof. Schuld war wieder jemand anderes — mal zur Abwechslung die Deutsche Bahn, großes Gähn! Dabei müsste jeder halbwegs normale Mensch wissen, dass man pünktliche Bahnverbindungen niemals mit einplanen darf. Auch kann es auf der Toilette manchmal etwas länger dauern und der „junge Mann, der einem aktuell hinterherläuft“, kommt manchmal auch nicht schnell genug hinterher. Habe ich eine Entschuldigung vergessen?

Da ich über gute Hörgeräte, eine ganz passable Tastatur und eine funktionierende Internetverbindung verfüge, konnte ich während meiner Vorlesung so ganz en passant noch einen echten Profi coachen. Und wie ich nach dem Baden feststellen durfte, auch noch mit Erfolg. Und so war meine heutige Vorlesung doch nicht völlig umsonst [übrigens gern geschehen!].

Im warmen Wasser schweiften meine Gedanken bald ab, während ich mich ums Bahnenziehen drückte und so kam ich über ganz neue Rettungskonzepte ins Philosophieren.

Als neues Rettungskonzept in Schwimmbädern müssen heute je nach Beckengröße ein bis drei Rettungsschwimmer, Schwimmmeister oder Bademeisterinnen ins Becken plumpsen und kein Mensch kann mehr darin ertrinken — schnell und effektiv, warum hat noch kein anderer daran gedacht?

Und auch für unsere Lebensmittel kann man die sogenannten Lebensmittelretter viel effizienter einsetzen. Steht eines unserer Lebensmittel am Ende seiner Haltbarkeit, ruft man die 111, ein Retter erscheint und isst den Kühlschrank leer.

Im Falle von Händlern und Großmärkten müssen diese nur das Kennwort „Massenanfall“ für bis zu einer Tonne und das Kennwort „Großschadenslage“ über einer Tonne nennen und die Retter fahren mit einem entsprechend großen Bus vor — auch hier bedarf es keiner größeren Ausbildung oder gar Qualifikationen mehr.

Selbst für die Landesverteidigung hätte ich eine Idee gehabt, nur bin ich mir nicht so ganz sicher, ob diese nicht dem Verbot biologischer Kampfmittel unterliegt. Und als Soldat hätte ich dann doch auch etwas Mitleid mit den völlig ausgemergelten russischen Soldaten, wenn sich auf jeden solchen plötzlich schreiende „Kampfbomben“ stürzen und unter sich begraben.

Der Charme dabei, wir bräuchten nicht wie die Ukrainer Drohnen und müssten zudem keine entsprechenden Piloten ausbilden.

Ein weiteres Rettungskonzept, welches übrigens schon heute ganz gut funktioniert, sind die erfrischenden, informativen und sehr kollegialen Gespräche mit Detlef Stern vor meinen Vorlesungen. Das heutige machte mich zudem sehr neugierig, denn Detlef Stern umriss in groben Zügen seine eigene Einteilung der heutigen Studentenschaft.

Ich konnte heute nur zwischen Zuspätkommern und Anwesenden unterscheiden. Und vielleicht wurde das Konzept des agilen Studierens nur deswegen entwickelt, um wenigstens ab und zu etwas Bewegung im Hörsaal mitzubekommen — einmal vom Zuspätkommen oder Zufrühgehen ganz abgesehen.

Nachtrag

Ich wollte diesen uralten Studentenwitz nicht erwähnen, nun aber, da ich bereits zweimal darauf hingewiesen wurde, kommt er nun doch; hätte nie gedacht, dass dieser Witz auch heute noch aktuell ist: „Besser zu früh gehen als zu früh kommen.“

Gruselett

Der Flügelflagel gaustert
durchs Wiruwaruwolz,
die rote Fingur plaustert,
und grausig gutzt der Golz.

Christian Morgenstern, Galgenlieder (1905)