Beleuchtung

17.3.02026 4.5 (8)

Beitragsfoto: Beleuchtung

Verantwortung

Ich kenne keinen Politiker, der nur im Ansatz bereit ist, um Verantwortung zu übernehmen. Jüngstes Beispiel dürfte im Europäischen Parlament zu finden sein. Da wollte die Union dringend, koste es, was es wolle, weitere Erfolge einfahren und kungelte ganz offiziell und nachweislich über WhatsApp mit den Nazis — was diese auch sehr gerne und verständlich publik machten.

Bundeskanzler Friedrich Merz braucht dingend Erfolge und lässt auch seine Vasallen in Brüssel (Ursula von der Leyen) und Straßburg (Manfred Weber) schon lange keine Ruhe mehr. Erstere haut einen nach dem anderen raus und tanzt nun zusammen mit Markus Söder den Atomkraft-Blues — das Lustige dabei: Bayern soll Hosentaschenatomkraftwerke bekommen und das grüne Baden-Württemberg das längst überfällige Endlager; „Die Grünen sind schuld!“ — sie hätten sich einfach nicht wählen lassen dürfen!

Letzterer kungelt auf Teufel komm raus und dies schon lange mit dem selbigen. Nun bekam es auch die Öffentlichkeit mit, obwohl die Eingeweihten bei der Union eisern schwiegen — der Zweck heiligt die Mittel!

Für die Unionspolitiker völlig unverständlich, die Mehrheit mag so etwas nicht. Und so macht es sich Friedrich Merz wieder sehr einfach. Da Angela Merkel nicht da und Olaf Scholz verschollen ist, trifft es nun … den in Straßburg Verantwortlichen: Manfred Weber. Friedrich Merz und Donald Trump scheinen denselben Politikexperten zu haben; wird wohl von BlackRock spendiert.

Von Manfred Weber wissen wir allerdings bereits, dass er ebenfalls keine Verantwortung übernimmt. Seine Begründung ist seit 1945 bei uns ein Totschlagargument: „Ich habe von dem allem nichts gewusst!“ — das geht bei uns immer, selbst bei der SPD!

In diesem Falle gibt es aber gleich zwei Gründe, um ihn nach Bayern zurückzuschicken: erstens, er hat es gewusst und zweitens, er hat es nicht gewusst! — warum beim zweiten Grund? Das können nur Menschen wissen, die in ihrem Leben schon einmal selber arbeiten mussten.

Wenn Manfred Weber wieder zurück in Bayern ist, dann kann er für Markus Söder gleich zwei Atomkraftwerke in seiner Hosentasche herumtragen; das erspart dem Söder die Standortdiskussion.

Telekom

Heute fand ich eine Karte der Telekom im Briefkasten, dass ich wegen meines Glasfaseranschlusses dringend in den Telekom-Shop meines Vertrauens — ist nicht schwer, gibt nur einen — eilen soll, weil es nur noch an mir läge.

Kurz darauf stand ein Telekom-Beauftragter vor meiner Tür, genau als ich diese auf meinem Weg zur Hochschule öffnete, und ließ das Glasfaser durch das seit Monaten bereitgestellte Rohr blasen. Der Herr war sehr nett und jetzt liegen ein paar Meter Glasfaserkabel in meinem Keller.

Jetzt brauch ich nur noch eine Firma, die das Glasfaser aus dem Keller ins Erdgeschoss verlegt. Danach einen Telekommitarbeiter der den Router mitbringt und das Glasfaser verbindet. Danach einen anderen, der das Glasfaser aktiviert und mir die notwendigen Zugangsdaten zur Verfügung stellt.

Ob das Ganze etwas schneller geht, wenn ich nun in den Telekom-Shop eile, wage ich zu bezweifeln.

Vermischtes

Nach zwei Vorlesungen sind die Rahmendaten gesetzt. Auch die Klausureinsicht des letzten Semesters ist terminiert. Kommende Woche geht es dann in die ersten schnöden Details. Erfreulich, dass noch so viele Studenten mit an Bord sind. Nicht verständlich für mich, warum sich ein paar Studentinnen schlafend stellten? Wollten sie von ihren unmittelbaren Nachbarn wachgeküsst werden? Gäbe es noch nasse Schwämme, hätte ich gerne ausgeholfen. Ob eine Hochschule der ideale Heiratsmarkt ist, sei einmal dahingestellt. Könnte aber das eine oder andere Outfit erklären. Vielleicht wissen viele Studenten einfach noch nicht, dass Dozenten in den Lehrsaal hineinsehen können — das ist nämlich anders als vor der Glotze oder im Kino. Und man sieht dabei oftmals auch mehr als es den üblichen mobilen Videochat-Nutzern bekannt sein dürfte.

Detlef Stern hat sich sichtlich über das Mitbringsel aus Berlin gefreut. Vor dem Hörsaal gab es zudem Popcorn. Wer künftige Mitarbeiter mit Popcorn locken will, sollte dringend einmal an seiner Corporate Identity arbeiten. Wobei ich mich heute fragte, wer schneller durch KI ersetzt werden wird: diese Firmenwerber oder die künftigen Mitarbeiter?

Erfreulich zudem, dass sich immer mehr Teilnehmer zu den 10. Hertensteiner Gesprächen anmelden. Und auch das Hohenstaufen-Gymnasium Bad Wimpfen wird wieder mit Schülern vertreten sein.

Erstaunlich wie schnell sich das US-Militär überdehnt hat! Was alleine deswegen der Fall sein dürfte, weil man dort immer mehr auf Möchtegernexperten hört. Wenn die US-Gegner halbwegs schlau sind, können sie in den kommenden Monaten sehr einfach ein paar gewaltige Siege einfahren und ein paar noch schlauere Unternehmer sich dumm und dämlich verdienen.

Die Leidtragenden dürften die US-Soldaten und wir Steuerzahler sein! Politik war schon immer ein dreckiges Geschäft, Politik ohne Moral und Fachexpertise dürfte bei weitem aber das Schlimmste sein, wie man dieses dreckige Geschäft nur erledigen kann. Für Interessierte dokumentiert Helene Cooper in der New York Times Unvorstellbares, was bisher nur bei europäischen Kleinstkräften wie der Bundeswehr möglich erschien — was passiert, wenn man Wehrdienstverweigerer oder -unfähige zu Militärexperten kürt und darüber hinaus auch noch Reservisten mit Berufssoldaten gleichsetzt.

Das Lustige dabei, dass die jüngsten US-Flugzeugträger wie in der westlichen Welt nun wohl üblich „gegendert“ wurden und deshalb nach ein paar Seetagen ihren Flugbetrieb einstellen müssen, wenn die Besatzung aufs Klo muss. Auf alle Fälle haben sie aber noch Waffen und Munition mit an Bord, was bei europäischen Schiffen und Flugzeugen nicht mehr immer der Fall sein dürfte — die Experten regieren nämlich inzwischen die Welt. Wahrscheinlich haben diese auch immer geschlafen, sobald ein alter weißer Mann versuchte, Inhalte und Zusammenhänge zu erklären.

Schlimm es nur zu denken, aber wahrscheinlich muss Europa erst wieder in Schutt und Asche liegen, bevor unsere Politiker erkennen, das man nicht alles bloß mit dem Mund erledigen kann!


Konzert

Musikvideo der Woche 5 (5)

Beitragsfoto: Konzert | © Bild von Pexels auf Pixabay

Noch bevor ich heute den meseno-Bus bestieg, führte ich eine am Wochenende gestartete Diskussion weiter. Ganz schlicht per E-Mail, denn unser Verband ist noch nicht so weit, dass man sich völlig transparent und über die jeweiligen persönlichen Blogs austauscht. Nach zwei Jahrzehnten vergeblicher Versuche, unseren Verband digitalisieren zu wollen, sind wir nun zumindest schon so weit, dass jene die TikTok und WhatsApp für den letzten Schrei halten, auch mir erklären wollen, wie Internet geht. Ok, sie versuchen zudem, mir Demokratie oder das mit dem Blümchen und der Biene nahezubringen.

Deutschland ist einfach das Land der Erklärbären, damals™ — wohl lange vor meiner eigenen Zeit — war es noch üblich, dass man erst etwas nicht nur selber konnte, sondern nachgewiesen hat, dass man dies auch erfolgreich anwendet, bevor man die Welt mit seinen eigenen Ergüssen füllte. Inzwischen sind wir in einer Zeit angekommen, wo junge Damen felsenfest davon überzeugt sind, dass, wenn sie auch nur irrtümlich ihre Bluse falsch herum anziehen, die reine Inkarnation von Mata Hari und Rosa Luxemburg seien.

Aber auch Banksy wurde wieder einmal enttarnt, was mich zur heutigen Gruppe führt. 35 Jahre später ist die Platte „Blue Lines“ (1991) der Gruppe Massive Attack noch immer ein Ohrwurm. Wohl auch noch wenn die meisten der heutigen Erklärbären längst vergessen sein werden — viele davon sah ich bereits kommen und gehen, die allermeisten davon hinterließen keinen einzigen Fußabdruck.

Massive Attack gründeten sich 1988 in Bristol, eigentlich ein Künstlerkollektiv. Zum Schluss dann noch der Song „Safe from Harm“ vom selben Album.

Und damit lasse ich meine heutigen Attacken vorerst ruhen. denn ich habe noch einiges zu tun, zum Beispiel meine morgige Vorlesung vorzubereiten. Ich freue mich bereits jetzt auf das Nichtkäffchen mit Detlef Stern. Dieser wird sich sicherlich über mein Mitbringsel aus Berlin freuen — das habe ich von Peter Schulze, einem weiteren Blog-Leser, der meinte, dass es sehr passend sei; mein Blog verbindet Welten 😉

Ok, ein Song geht doch noch …

„Teardrop“ (1998) stammt von der Langspielplatte „Mezzanine“ aus demselben Jahr.

Nachtrag 17.3.2026

Lilly Schröder schrieb in der taz einen lesenswerten Artikel zur Banksy-Enthüllung.

Reggie Ugwu und Scott Reyburn (The New York Times) nahmen Banksy ebenfalls unter die Lupe.


Fediverse Reactions
Selfie

Erklärbär 5 (6)

Beitragsfoto: Selfie mit netten Menschen

Seit ein paar Tagen verfolge ich mit großem Interesse eine Diskussion in der bundesdeutschen Bloggeria über Problem- und Erklärbären. Ein klein wenig freue ich mich gar darüber, dass ich zumindest meiner Kenntnis nach weder Ursache oder Betroffener noch Beteiligter an dieser Diskussion bin — zumindest bis jetzt noch.

Auf alle Fälle kann ich meinen deutschsprachigen Mitbloggern versichern, dass diese Art von Austausch nur in unserer kleinen und ganz eigenen Welt möglich ist. Blogger aus anderen Kultur- und Kommunikationsräumen würden sich sicherlich etwas darüber wundern. Für uns Deutschblogger ist es offensichtlich aber eine todernste Angelegenheit.

Noch spannender aber ist es, dass wir Problem- oder Erklärbären überhaupt kein Internet bzw. Weblogs benötigen, um uns mit uns selber zu beschäftigen. In einer ganz anderen Angelegenheit saß ich mit vielen netten Menschen über das Wochenende zusammen, wobei ich weniger nette völlig ignorierte, und wir zudem darüber sprachen, ob ich nun noch Erklärbar oder eher doch schon ein Problembär sei. Heute Morgen so kurz vor 3 Uhr ließ ich mich davon überzeugen, dass ich zumindest zum Problembären tendiere. Die Frage stellt sich mir dabei, kann es das eine überhaupt ohne das andere geben? Noch spannender aber, warum ist dies eher eine bundesdeutsche Eigenart?

Wer ins Internet schreibt, der nimmt dabei in Kauf, dass er auch gelesen wird. Auch wenn ich von Anfang an das Internet als Tool für mich selbst sah und zudem als professionelles Werkzeug, um mit anderen Profis zu kommunizieren, blieb es nicht aus, dass sich mir dabei eine Öffentlichkeit mit erschloss, die ich so nicht intendiert hatte.

Wer ins Internet schreibt, an der Speakers’ Corner oder gar in Verbandsversammlungen spricht, der kann nicht wissen, wer und wie viele ihn lesen oder gar zuhören. Wer sich Reichweite wünscht, der muss mit der Reichweite leben, die er bekommt, ob sie ihm nun gefällt oder auch nicht. Wer das nicht möchte, schreibt besser ins eigene Tagebuch (≠ Weblog) oder kommuniziert am besten nur noch in Privatclubs.

Sobald man aber öffentlich schreibt oder spricht, bekommt man seine ganz eigene Öffentlichkeit; wie gesagt, ob es einem gefällt oder auch nicht.

Die allermeisten Menschen neigen dazu, dass sie kommentarlos zuhören oder mitlesen und dies dann auch bleiben lassen, wenn es ihnen nicht gefällt.

Gerade aber jene Menschen, die selber gerne schreiben oder Vorträge halten, tendieren dazu, dass sie Geschriebenes oder Gesprochenes ungern unkommentiert lassen — sie reagieren merklich auf ihre Mitmenschen, ob im Internet oder auch in echt!

Und das ist doch gerade der Charme einer offenen Gesellschaft, es gibt dort keine einheitlichen Regeln oder Gepflogenheiten, wie man sich äußert oder gar auf Geäußertes reagiert.

Aber es bilden sich regelmäßig und immer wieder Blasen (Kommunikationsräume), wie z. B. Bloggergemeinschaften im Internet oder Verbände im echten Leben, wo man sich immer mehr auf bestimmte Regeln und eigene Gepflogenheiten einigt und sich dabei sicherlich auch wohl fühlt wie gegenseitig bestärkt.

Schnell vergisst man dabei, dass man sich weiterhin im öffentlichen Raum befindet und dass Einzelne wie auch ganze Gruppen diese Bubbles stürmen können und immer wieder auch tun. Deshalb kommt es immer wieder dazu, dass des einen Erklärbär des anderen Problembär ist.

Vor Kurzem bekam ich zwei weniger nette Einträge in mein Gästebuch, ich habe sie stehen lassen und zudem erwidert. Lustiger Weise wurde ich gestern darauf hingewiesen, dass ich mit diesem weniger netten Menschen einen halben Tag lang in einem Raum gewesen bin. Ich habe es nicht bemerkt und wenn doch, hätte ich es mir nicht anmerken lassen — das hat was mit der Eiche und dem Schwein zu tun.

Was mich wieder zu der eingangs erwähnten Diskussion führt. Ich bin davon überzeugt, dass wenn man schon solche Diskussionen führt, dann gerade in unserem Kulturkreis auch die eine oder andere derbe Beleidigung einfach mit dazu gehört. Wer von meinen Lesern nun etwas neugierig geworden ist, der muss nur ein paar deutsche Blogger aus meiner Blogroll nehmen und nach dem Stichwort Bloggeria suchen.

Aber nun zurück zu meinem Wochenende in Berlin, das mich nun endlich davon überzeugt hat, dass es an der Zeit ist, dass ich darauf reagiere, wenn immer mehr ewig junggebliebene Damen (m, w, d) meine mir in all den Jahrzehnten ans Herz gewachsene Blase stürmen. Es wird sicherlich deftig werden.

Wohl deswegen haben diese besagten Damen nun im Verband Ombudsmenschen etabliert, die dafür sorgen sollen, dass die Entmündigung des Verbandes manifestiert wird — was jene, die in ihrem Leben nie mündig waren, nicht weiters stören dürfte.

Unsere Rückfahrt heute war fast beschwerdefrei — so lange bin ich noch in keinem Zug gestanden — aber auch höchst spannend. Meine bessere Hälfte und ich nahmen Vergleichszug 1 (Berlin – Heilbronn) und Jan-Philipp Scheu Vergleichszug 2 (Berlin – Stuttgart). Unsere Züge fuhren etwa 15 Minuten getrennt voneinander ab, wobei unserer am Start schon vier Minuten Verspätung hatte. Es ging hin und her, jeder hatte seine Besonderheiten und in Fulda verfehlten wir uns um keine acht Minuten. Da wir sechs Minuten vor Jan-Philipp unser Ziel erreichten, dürfen wir uns heute als Gewinner fühlen.

Detlef Stern, der die Fahrt digital mitverfolgte — als eine Art unabhängiger Schiedsrichter — übermittelte mir zum Schluss noch den folgenden Hyperlink, gewissermaßen als Siegesprämie.

„Niemand hat das Recht, nicht kritisiert zu werden.“

Ronen Steinke, Niemand hat das Recht, nicht kritisiert zu werden (16.3.2026)