Beitragsfoto: Allee | © Shutterstock

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Beitragsfoto: Allee | © Shutterstock

Jugenderinnerungen

Dank der Heilbronner Stimme weiß ich jetzt, wo der Kinderreim „Ist Dir Deine Frau im Wege, mach’s wie Trümpy, greif’ zur Säge.“ eigentlich herkommt. Als ein in den 1960er-Jahren in Heilbronn aufgewachsenes Kind, konnte ich mich sofort wieder an diesen Reim erinnern.

Nur wusste ich bis heute nicht, warum wir Kinder diesen Reim damals so gerne von uns gaben — er gehörte einfach mit zum Heilbronner Repertoire.

Sauberkeit

Wirklich kein neues Thema. Mir fiel es sofort in die Augen, als ich zum Ende meiner Dienstzeit 2014 wieder nach Heilbronn zurückkam. Im Vergleich zu anderen Städten haben wir, was Hygiene und Sauberkeit angeht, eindeutig einen Nachholbedarf. Ich habe dazu bereits mehrere Blog-Beiträge geschrieben und wurde auch schon entsprechend beim Gemeinderat und der Stadtverwaltung vorstellig.

So muss man es wohl als eine erfreuliche Tatsache ansehen, dass sich so langsam auch die dafür Verantwortlichen Gedanken machen.

Übrigens, dass die laufenden Ausgaben u. a. für das Grünflächenamt nach der BUGA um einiges höher sein werden, war allen Bürgern — bei den Verantwortlichen bin ich mir nicht mehr so sicher — vorab bekannt, denn es sind die Unterhaltungskosten, die man immer mit einrechnen muss, wenn man sich etwas leistet.

Herrn Karl-Heinz Kübler (Heilbronner Stimme, 15.11.2021: 30) muss ich allerdings in Folgendem Recht geben, dass „es in erster Linie an der Erziehung liegt“. Aber danach kommen gleich ungenügende Kontrollen und eine mangelhafte Sanktionierung von Fehlverhalten sowie ein allzu großes Nachsehen bei Schmuddelkindern jeglichen Alters seitens unseres Gemeinderats. Dort ist man offensichtlich der Meinung, dass man Großstadt wird, wenn man Betteln, Hausieren, Randalieren und das Zumüllen der Stadt nicht nur zulässt, sondern durch wohlwollendes Wegsehen weiter fördert.

Die Leitungslösungen des Stadtrats schwanken jetzt von „das Problem weiter ignorieren“, über die Erstellung „eines Gesamtkonzeptes“ bis hin zu neuen „Beraterverträgen“ oder einer „weiteren Vergrößerung des öffentlichen Dienstes.“

Besonders den schon etwas länger im Gemeinderat sitzenden Mitbürgern muss man langsam aber sicher attestieren, dass sie nicht zu einer Problemlösung beitragen, sondern schon längst selbst Teil des Problems sind.

Attraktivität

Die tatsächliche Attraktivität einer Stadt oder Gemeinde kann man an ganz bestimmten Kriterien messen; dazu gehören weniger die Überschriften in der Lokalpresse oder die Verlautbarungen aus der Stadtverwaltung. Solch ein verlässliches Kriterium sind die regelmäßigen Wahlen zum Oberbürgermeister.

So ist es inzwischen in Heilbronn schon soweit, dass sich neben dem schon länger bekannten und bisherigen „Versorgungsposteninhaber“ wohl nur noch ein Stadtrat aus der lokalen politischen Schmuddelecke den Wunsch äussert, sich mit dem Amt des Oberbürgermeisters schmücken zu wollen.

Für unsere im Stadtrat vertretenen Parteien übrigens eine Bankrotterklärung und, wenn man davon ausgeht, dass diese weiterhin unsere Verwaltungsspitze — jemand der in der Lage und Willens sein müsste, u. a. gut 3 000 Mitarbeiter zu führen — in Hinterzimmern untereinander ausbaldowern, ein weniger gutes Verständnis von Volksnähe und Demokratie.

Geburtstag des Tages

Claus Schenk von Stauffenberg


62. Bundeskongress

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Beitragsfoto: 62. Bundeskongress | © Bernd Beuermann | EUD

Das Besondere am 64. Bundeskongress der EUROPA-UNION Deutschland war, dass er virtuell stattfand. Fast, um genau zu sein. Denn er wurde von Berlin aus „gehostet“, wobei dort der Generalsekretär, die Bundesgeschäftsstelle, die Sitzungsleitung, ein paar Delegierte aus Berlin und die Mitarbeiter der technischen Unterstützung einer Firma mit anwesend waren.

Der diesjährige Bundeskongress wählte das Präsidium neu, beschloss einen Leitantrag und weitere Anträge, die aus den Landes- und Kreisverbänden sowie aus Bundesarbeitsgruppen kamen. Somit alles, wie bei den vorangegangenen Bundeskongressen auch.

Leider auch die Tatsache, dass unsere Parteipolitiker sehr unschöne „Wahlgepflogenheiten“ in den Bundesverband getragen haben, u. a. gerne Blockwahlen durchführen zu lassen und dies dann mit der sehr unschönen Besonderheit, dass die Delegiertenstimmen nur dann zählen, wenn diese auch eine vorbestimmte Mindestanzahl an Kandidaten wählen. Seit Jahren moniere ich diese Gepflogenheit an; leider wird mein Einwand nur von sehr wenigen auch verstanden.

Dies führte dieses Jahr dazu, dass selbst die drei Positionen der Vize-Präsidenten, mit den schlussendlich drei übrig gebliebenen Kandidaten, en blog zu wählen waren, wobei die Delegiertenstimmen nur wieder dann zählten, wenn jeder Delegierte mindestens zwei der drei Kandidaten auch wählte. Nur folgerichtig gab es dabei keine Möglichkeit, um sich zu enthalten oder gar gegen die drei Kandidaten zu stimmen.

Das wirklich Besondere des diesjährigen Bundeskongresses aber war, dass sich die, seit Jahren allseits bekannten, Präsidentenkritiker erstmals offen gegen die Wahl des Präsidenten stellten — vielleicht auch deshalb, weil sie nicht mehr die Absicht hatten, um für das Präsidium zu kandidieren. Was die Delegierten aber nicht davon abhielt, den Präsidenten erneut zu wählen und dies mit einer stabilen Zweidrittelmehrheit.

Sehr gefreut hat es mich aber, dass bei der Antragsberatung die Anträge aus Baden-Württemberg eine große Mehrheit der Delegierten fanden und auch, dass der Bundeskongress meinem Antrag, sich im Leitantrag eindeutig für den europäischen Bundesstaat zu bekennen, zugestimmt hat.

Auch gefreut hat es mich, dass wir trotz Virtualität erneut sehr gute Diskussionen und einen fruchtbaren Austausch zwischen den Delegierten untereinander hatten.

Jetzt freue ich mich schon auf den 65. Bundeskongress, der 2022 nun in Augsburg stattfinden soll. Für uns Heilbronner — wir hatten uns im Vorfeld ebenfalls zur Ausrichtung angeboten — weniger Arbeit und die Gelegenheit, der schönen Stadt Augsburg wieder einmal einen Besuch abzustatten.

Eine Aufstellung aller bisherigen Bundeskongresse finden Sie gleich hier: Bundeskongresse der EUROPA-UNION

Ein vereintes Europa in einer vereinten Welt.

Motto der Union Europäischer Föderalisten & der EUROPA-UNION (seit 1947)

Wahlprogramme 2021

Partei- und Wahlprogramme 5 (2)

Beitragsfoto: Wahlprogramme 2021

Parteiprogramme, gerne auch Grundsatzprogramme genannt, sind politische Schriften, die grundsätzlichen Forderungen, Ziele und Werte einer politischen Partei beinhalten.

Im Unterschied dazu stehen die jeweiligen Wahlprogramme, die die Parteien vor den Wahlen veröffentlichen. Darin geben diese bekannt, was sie in der kommenden Legislatur erreichen möchten oder was deren Ausgangsforderungen für entsprechende Koalitionsverhandlungen sind. Ein Wahlprogramm wird deswegen meist kurz vor einer Wahl beschlossen und soll zum einen als Leitlinie für die eigenen Parteimitglieder für den Wahlkampf und als Werbung für potentielle Wähler genutzt werden. 

Und im Falle, dass die jeweiligen Wahlprogramme immer schwieriger mit den Grundsätzen einer Partei in Deckung zu bringen sind, kann es vorkommen, dass die entsprechenden Grundsatzprogramme überarbeitet werden.

So erinnere ich mich noch gut daran, wie sich die CDU 1978 nach über 30 Jahren ihr erstes Grundsatzprogramm gab, welches übrigens noch eine eindeutiges Bekenntnis zu den Vereinigten Staaten von Europa beinhaltete. 1994 und 2007 überarbeitete die CDU dieses und passte sich damit immer wieder an die Gegebenheiten und die aktuellen Einstellungen ihrer Mitglieder an. Interessant für uns Föderalisten sind dabei die Änderungen, die zum Thema Europa vorgenommen wurden. Heute setzt sich die CDU ganz vorsichtig und sehr unverbindlich unter Punkt VIII ihres Grundsatzprogramms „für die Fortsetzung der Integration Europas ein“ ohne aber zu versäumen, sich selbst als die „deutsche Europapartei“ zu bezeichnen. Seit 2018 ist die CDU übrigens auf der Suche nach einem neuen Grundsatzprogramm, und wir können vermuten, dass sie dieses in der Opposition auch finden wird.

Noch besser erinnere ich mich an die Freiburger Thesen der FDP von 1971, welche das Grundsatzprogramm meiner damaligen Partei waren, der ich selbst bis 1989 angehörte. Sie lösten übrigens das Berliner Programm von 1957 ab, wurden aber bereits 1977 selbst wieder durch das Kieler Programm mehr als ergänzt. Danach kamen die Wiesbadener Grundsätze von 1997. Das aktuelle FDP Grundsatzprogramm, welches in Karlsruhe beschlossen wurde, stammt aus dem Jahr 2012. Darin steht: „Am Ende dieser Entwicklung sollte ein durch Volksabstimmungen in den Mitgliedstaaten legitimierter europäischer Bundesstaat stehen.

Unsere zweitälteste heute noch existierende Partei, die SPD — nach der rudimentär noch vorhandenen Zentrumspartei — beruft sich heute gerne wieder auf ihr Heidelberger Programm vom 18. September 1925. Dort findet sich unter dem Punkt ‚Internationale Politik‘ (Seite 65): „Sie [SPD] tritt ein für die aus wirtschaftlichen Ursachen zwingend gewordene Schaffung der europäischen Wirtschaftseinheit, für die Bildung der Vereinigten Staaten von Europa, um damit zur Interessensolidarität der Völker aller Kontinente zu gelangen.“

Damit sind die Grundsatzprogramme der Parteien bis heute eine erste und gute Anlaufstelle, um sich über die jeweilige Affinität zu Europa einer Partei zu informieren. Wenn Sie aber wissen möchten, was eine Partei in den kommenden ein oder zwei Jahren mit Europa vor hat, dann müssen Sie in die aktuellen Wahlprogramme schauen.

Sie dürfen aber nicht überrascht sein, wenn ein Kandidat einer Partei im Wahlkampf schon wieder etwas anderes erzählt, denn die aktuellen Befindlichkeiten der eigenen Wählerschaft sind das eigentliche und wirklich zählende Kriterium — deshalb sollten wir Bürger uns so langsam aber sicher im Klaren darüber sein, was für ein Europa wir tatsächlich wollen!

Dann werden wir feststellen, wie schnell sich die jeweiligen Parteiprogramme diesbezüglich anpassen werden. Denn für uns Europäische Föderalisten haben sich unsere demokratischen Parteien allesamt schon festgelegt, indem sie ihre Mitgliedschaft in der Europäischen Bewegung weiter aufrechterhalten und damit zumindest einer immer engeren europäischen Zusammenarbeit zustimmen, was letztendlich ebenfalls zu einem europäischen Bundesstaat führen wird — wenn wir uns Bürger es während dieses Prozesses nicht wieder anders überlegen.

„Perhaps the most important requirement in an election is that voters have a choice.“

Vladimir Vladimirovich Kara-Murza, As the Kremlin Tightens the Screws, It Invites Popular Revolt, World Affairs, Vol. 21 No. 3, Autumn (July-September 2017)