Beitragsfoto: Affenmusik | © Pixabay

10.11.02021 5 (2)

491,1!

Gemäß Zeit.de liegen wir im Stadtkreis Heilbronn inzwischen bei einer Inzidenz von über 491. Alleine heute wurden 162 neue Fälle bekannt. Die Verantwortlichen ducken sich weiterhin weg, und viele bisher Ungeimpfte gehen weiterhin davon aus, dass sie selbst so gesund seien, dass eine eigene Impfung nur ihre gute Gesundheit ruinieren könnte — das einzig Gesunde an dieser Einstellung ist dabei deren Egoismus.

Leider wird auch von vielen nicht verstanden, dass erstens das Gespenst einer Pandemie erst dann vorbei ist, wenn weit über 80 Prozent der Gesamtbevölkerung — weltweit, wenn man weiterhin reisen und handeln möchte — weitgehend immun sind. Und zweitens nicht verstanden — eher aber ist es diesen Menschen auch egal, dass bis dahin sehr viele nicht so gesunde oder auch nur Menschen mit weniger Glück „auf der Strecke bleiben“ müssen — und dies ist eine zutiefst faschistoide Grundeinstellung.

Deshalb wäre eine gute Kommunikation gepaart mit ein wenig mehr Nachdruck seitens unserer verantwortlichen Politiker und Verwaltungschefs von Anfang an nicht nur sehr zielführend, sondern auch absolut notwendig gewesen.

Leider bewahrheitet sich damit erneut, dass Schönwetter- oder Spesenpolitiker nur bei sehr gutem Wetter und einer florierenden Wirtschaft halbwegs tragbar sind. Und so bleibt zu hoffen, dass es nicht noch zu weiteren und vielleicht noch gravierenderen Herausforderungen kommt, denn dann wird sich unsere Gesellschaft nicht weiterhin langsam aber sicher in Wohlgefallen auflösen, sondern in wenigen Tagen völlig zerfallen.

Die Ausreden, die wir dann unseren Enkeln auftischen werden, wenn alles erneut und noch viel nachhaltiger in Trümmern liegt, kennen wir bereits von unseren eigene Großeltern.

Gespräche

Zu meiner Routine gehört es, regelmäßig mein Adressbuch durchzuforsten und damit aktuell zu halten. So kommt es auch immer wieder vor, dass ich mich bei Menschen ganz unverhofft melde.

Dies führt dann ab und zu auch zu etwas längeren Gesprächen, die zumindest mir dann den Tag versüßen. Immer häufiger ist es aber doch der Austausch von E-Mail, damit alle wieder übereinander auf dem Laufenden sind.

Gerade heute hatte ich zwei sehr nette Gespräche, die mir beide zudem ganz neue Flusen in den Kopf setzten; jetzt bin ich einmal gespannt darauf, wie sich das Ganze nun weiterentwickelt?

Lesepatenschaften

Kann ein Tag besser beginnen als in einer Grundschulklasse vorzulesen? Wenn man wie ich das Glück hat, seine Zeit frei einteilen zu können, dann ist dieses Vorlesen bestimmt ein guter Start in den Tag. Und so wie beim Großelternsein, ist das Wissen darum, dass man die kleinen und doch so netten Kinder dann aber auch wieder in andere Hände geben kann, ein beruhigendes Gefühl.

Allerdings hatte ich heute doch ein wenig Mitleid mit der Klassenlehrerin. Und das ist der Vorteil von Lesepaten, sie bekommen eine weitere Sichtweise — neben der als Schüler oder auch der als Eltern — von der Schule und lernen dabei Lehrer nicht nur besser zu verstehen, sondern auch immer mehr zu schätzen. Vor allem dann, wenn diese Lehrer nicht in Privatschulen oder auf dem Land unterrichten, und damit ihren Beruf ganz „hardcore“ nachgehen.

Zu meiner Schülerzeit war Lehrersein noch eher ein Beruf für Erholungssüchtige. Die Zeiten ändern sich, und so ist es heute sicherlich sehr schwer verdientes Geld, und ich kann mich nur darüber wundern, wie Lehrer heutzutage, und dies über Jahrzehnte hinweg, überhaupt durchhalten wollen?

Nein, es liegt nicht an den Kindern! Es sind die heutigen Eltern, die wohl zum Großteil nur noch Kinder haben, um noch mehr Transferzahlungen vom Staat abgreifen zu können. Und damit ist es alleine Politikversagen oder gar politische Idee und Absicht, nämlich nun durch Anti-Bildung unser Gesellschaftssystem kaputt zu machen.

Die Leidtragenden sind in erster Linie die Kinder, dann die Lehrer und zum Schluss alle anderen, die später mit den „Produkten“ aus unserem kaputten Bildungssystem zu leben haben — also wir alle.

Jetzt freue ich mich aber schon wieder auf nächsten Freitag, denn da darf ich dann im Zuge der Aktion „Mann liest vor“ gleich in zwei Schulklassen vorlesen.

Geburtstage des Tages

Martin Luther und Friedrich Schiller


Beitragsfoto: Affenmusik | © Pixabay

9.11.02021 5 (2)

Radschulwegeplan

Es ist immer wieder beeindruckend mit anschauen zu müssen, wie Stadtverwaltung und Gemeinderat ab und zu aufwachen und dann jedes Mal völlig erstaunt darüber sind, dass eigentlich ganz selbstverständliche Dinge bei uns nicht existieren oder funktionieren.

Vor einiger Zeit hatte ich selbst nach städtischen Radwegeplänen gesucht und wurde mit etwas älteren und wenig aussagekräftigen Dokumenten vertröstet. So hätte es mich tatsächlich erstaunt, wenn es in Heilbronn einen Radschulwegeplan gibt.

Es langt doch, dass wir als Stadt für teures Geld in irgendwelchen „Fahrradvereinigungen“ vertreten sind und auch irgendwelche entsprechenden Auszeichnungen, wie etwa „fahrradfreundliche Stadt“, vorweisen können. Da müssen wir doch nicht noch fahrtaugliche Radwege oder gar einen entsprechenden Plan haben.

Wiederum lustig, wer jetzt alles daran schuld sein soll: laut Stadtverwaltung, genauer Bürgermeister Wilfried Hajek (Heilbronner Stimme, 9.11.21: 25), die Schulen.

Als ob in Zeiten ungenügender Vorgaben der Verwaltung, wie die Schulen z. B. eine Pandemie händeln sollen, oder woher sie die notwendigen Lehrkräfte bekommen und sonstige, von der Politik verursachten, Probleme — von den Eltern ganz zu schweigen, die bei uns u. a. extra Parkplätze vor den Schulen fordern, aber am liebsten ihre eigenen Kinder für immer in der Schule belassen würden — unsere Schulen auch noch der Stadtverwaltung einen mundgeblasenen Plan für Radwege vorlegen könnten.

Da wundert es auch nicht, dass jetzt seitens des Gemeinderats die ersten Forderungen nach finanziellen Anreizen kommen: das Geld anderer Leute zum Fenster hinauswerfen als die übliche Leitungslösung.

Wie wäre es damit? Die Stadt fordert weitere Soldaten vom Bund an und schickt die zuständigen städtischen Mitarbeiter in den verdienten Urlaub.

Blog E-Mail

Die Idee hinter den automatisierten E-Mail-Benachrichtigungen, welche angemeldete Weblog Nutzer beständig erhalten, ist nicht, dass man unbedingt auch jeden Blog-Beitrag liest, sondern nur jene, die einen auch interessieren.

Dies ist eine, zumindest meines Erachtens, praktikablere Lösung als die RSS Feeds des Weblogs zu abonnieren, denn damit wird man — weil es nicht bei diesen Feeds bleiben wird, wenn man sich einmal für RSS entschieden hat — noch schneller vor die eigentliche Frage gestellt, wie viel an Informationen man überhaupt verarbeiten kann?

Mit Detlef Stern und Thomas Michl kenne ich mindestens zwei Menschen, die mir diesbezüglich vehement widersprechen und dabei die Vorteile von RSS preisen werden.

Ich selbst hatte immer wieder entweder selbst gehostete oder fremdbetriebene RSS Reader im Gebrauch, konnte mich aber mit keiner Art letztendlich auch anfreunden.

So empfehle ich das einfachere E-Mail-Abo und rate dabei, wenn man weitere Websites abonniert, zu einer dafür vorgesehenen eigenen E-Mail-Adresse.

Vorbereitungen

Demnächst darf ich nicht nur zum vierzehnten Mal als Delegierter an einem Bundeskongress teilnehmen, dieses Mal allerdings nur virtuell, sondern auch zum sechzehnten Mal eine Kreisversammlung leiten.

Das will alles vorbereitet sein, und wer jetzt glaubt, dass dabei mit der Zeit Routine einkehrt, der kennt uns Föderalisten noch nicht. Aber das ist gerade das Schöne daran!

Und wenn dann alles vorbereitet ist, stellt sich jedes Mal die Frage, wie viele Mitstreiter man zu den Gremiensitzungen motivieren kann, oder welche Mitglieder sich, rein intrinsisch motiviert, dieser Aufgabe wieder stellen werden?

Die Vorbereitungen konnte ich auch dazu nutzen, um die Vereins-Website ein wenig umzubauen und, weil ich schon dabei war, ganz nebenbei auch an meinem Weblog ein wenig herumbasteln — wie sich jetzt herausstellt, ist meine Fähigkeit zum Multitasking inzwischen weniger gut ausgeprägt und so hat das Weblog jetzt einige Macken mehr.

Website des Tages

Jüdisches Museum Berlin

„Von der NS-Führung zentral organisiert und gelenkt, wurden die Gewalt­aktionen auf lokaler und regionaler Ebene von Angehörigen der SA und der SS mit einem hohen Maß an Eigen­initiative durch­geführt.

Ungefähr 400 Menschen wurden ermordet oder in den Suizid getrieben. Über 1.400 Synagogen und Bet­stuben sowie etwa 7.500 Geschäfte und Wohnungen wurden zerstört, jüdische Fried­höfe und andere Ein­richtungen der Gemeinden wurden verwüstet.“


Woodrow Wilson

Vierzehn Punkte 5 (4)

Beitragsfoto: US-Präsident Woodrow Wilson | © US Foundation for the Commemoration of the World Wars

Im Zuge der Reduzierung meiner Websites bin ich auf die „Fourteen Points“ von Woodrow Wilson gestoßen, die er am 8. Januar 1918 in einer Rede vor dem US Kongress näher erläutert hat. Diese Rede war seinerzeit sehr bedeutend und stark von den ersten Föderalisten beeinflusst. Deswegen fanden Wilsons Vierzehn Punkte auch Erwähnung in meinem Buch „Europa ist für alle da!“, und wurden von mir deshalb auch in einem Forum zum Nachlesen zur Verfügung gestellt.

Da auch dieses Forum demnächst Geschichte sein wird, da sich der Aufwand nicht lohnt und ich selber keine „toten“ Websites im World Wide Web verantworten möchte, nutze ich die Gelegenheit und stelle hiermit dem geneigten Leser Wilsons Vierzehn Punkte auf meinem Weblog zur Verfügung. Ärgerlich ist nur, dass ich dies nicht bereits 2018 bedacht habe, und deswegen der entsprechende Hyperlink in meinem oben erwähnten Buch bald ins digitale Nirvana führen wird. „Das Gute daran“, es wird wohl kaum jemanden überhaupt auffallen.

Die hier vorgestellte Rede Wilsons wurde aus zwei Teilen zusammengesetzt. Nämlich aus ein paar diplomatischen Punkten, die von Woodrow Wilson selbst stammen und ein paar Punkte zu bestimmten Gebietsansprüchen, die von Walter Lippmann zusammengestellt wurden. Dieser erarbeitete diese Punkte zusammen mit seinen Kollegen Isaiah Bowman, Sidney Mezes, and David Hunter Miller. Damit stellt Wilson dem US Kongress die US Kriegsziele und auch die Bedingungen für einen Frieden mit den Achsenmächten vor.

Mit dieser Rede stellte er sich gegen die Vorstellungen seiner eigenen europäischen Verbündeten, die föderalen Ansichten noch kaum folgen konnten. Auch kann diese Rede als Antwort auf Vladimir Lenins politischen Vorstoß, den er gleich nach seiner Machtergreifung unternommen hat, gesehen werden.

Obwohl Wilson selbst in seiner Rede großen Wert auf das Selbstbestimmungsrecht der Völker legte und damit Zeichen für die Zukunft setzte, muss man anerkennen, dass dieses von ihm so beworbene Selbstbestimmungsrecht nicht so umgesetzt wurde, wie es sich viele erhofft hatten — man muss davon ausgehen, dass dies Zugeständnisse an seine noch sehr rückständigen Alliierten waren.

Allerdings erhielt er später für seine Bemühungen den Friedensnobelpreis. Für uns Föderalisten ist diese Rede deshalb so wichtig, da unsere Ideen erstmals von einem Berufspolitiker vertreten — wenn auch nicht umgesetzt — wurden. Und dieses Schicksal teilen wir Föderalisten noch heute mit unseren Vorgängern; zwar kann kein anständiger und verantwortungsvoller Politiker unsere Ideen für schlecht erachten und muss sie deshalb auch grundsätzlich befürworten — aber dieselben Politiker nutzen jede nur erdenkliche Möglichkeit, um diese guten Ideen nicht umsetzen zu müssen: das ist Realpolitik!

Wenn man jetzt noch an den „europäischen Bundesstaat“ und die „Konferenz zur Zukunft Europas“ denkt, dann erhält die Vierzehn Punkte Rede von Woodrow Wilson eine richtig erschreckende Aktualität.

Fourteen Points

“It will be our wish and purpose that the processes of peace, when they are begun, shall be absolutely open and that they shall involve and permit henceforth no secret understandings of any kind. The day of conquest and aggrandizement is gone by; so is also the day of secret covenants entered into in the interest of particular governments and likely at some unlooked-for moment to upset the peace of the world. It is this happy fact, now clear to the view of every public man whose thoughts do not still linger in an age that is dead and gone, which makes it possible for every nation whose purposes are consistent with justice and the peace of the world to avow nor or at any other time the objects it has in view. 

We entered this war because violations of right had occurred which touched us to the quick and made the life of our own people impossible unless they were corrected and the world secure once for all against their recurrence. What we demand in this war, therefore, is nothing peculiar to ourselves. It is that the world be made fit and safe to live in; and particularly that it be made safe for every peace-loving nation which, like our own, wishes to live its own life, determine its own institutions, be assured of justice and fair dealing by the other peoples of the world as against force and selfish aggression. All the peoples of the world are in effect partners in this interest, and for our own part we see very clearly that unless justice be done to others it will not be done to us. The programme of the world’s peace, therefore, is our programme; and that programme, the only possible programme, as we see it, is this: 

I. Open covenants of peace, openly arrived at, after which there shall be no private international understandings of any kind but diplomacy shall proceed always frankly and in the public view. 

II. Absolute freedom of navigation upon the seas, outside territorial waters, alike in peace and in war, except as the seas may be closed in whole or in part by international action for the enforcement of international covenants. 

III. The removal, so far as possible, of all economic barriers and the establishment of an equality of trade conditions among all the nations consenting to the peace and associating themselves for its maintenance. 

IV. Adequate guarantees given and taken that national armaments will be reduced to the lowest point consistent with domestic safety. 

V. A free, open-minded, and absolutely impartial adjustment of all colonial claims, based upon a strict observance of the principle that in determining all such questions of sovereignty the interests of the populations concerned must have equal weight with the equitable claims of the government whose title is to be determined. 

VI. The evacuation of all Russian territory and such a settlement of all questions affecting Russia as will secure the best and freest cooperation of the other nations of the world in obtaining for her an unhampered and unembarrassed opportunity for the independent determination of her own political development and national policy and assure her of a sincere welcome into the society of free nations under institutions of her own choosing; and, more than a welcome, assistance also of every kind that she may need and may herself desire. The treatment accorded Russia by her sister nations in the months to come will be the acid test of their good will, of their comprehension of her needs as distinguished from their own interests, and of their intelligent and unselfish sympathy. 

VII. Belgium, the whole world will agree, must be evacuated and restored, without any attempt to limit the sovereignty which she enjoys in common with all other free nations. No other single act will serve as this will serve to restore confidence among the nations in the laws which they have themselves set and determined for the government of their relations with one another. Without this healing act the whole structure and validity of international law is forever impaired. 

VIII. All French territory should be freed and the invaded portions restored, and the wrong done to France by Prussia in 1871 in the matter of Alsace-Lorraine, which has unsettled the peace of the world for nearly fifty years, should be righted, in order that peace may once more be made secure in the interest of all. 

IX. A readjustment of the frontiers of Italy should be effected along clearly recognizable lines of nationality. 

X. The peoples of Austria-Hungary, whose place among the nations we wish to see safeguarded and assured, should be accorded the freest opportunity to autonomous development. 

XI. Rumania, Serbia, and Montenegro should be evacuated; occupied territories restored; Serbia accorded free and secure access to the sea; and the relations of the several Balkan states to one another determined by friendly counsel along historically established lines of allegiance and nationality; and international guarantees of the political and economic independence and territorial integrity of the several Balkan states should be entered into. 

XII. The Turkish portion of the present Ottoman Empire should be assured a secure sovereignty, but the other nationalities which are now under Turkish rule should be assured an undoubted security of life and an absolutely unmolested opportunity of autonomous development, and the Dardanelles should be permanently opened as a free passage to the ships and commerce of all nations under international guarantees. 

XIII. An independent Polish state should be erected which should include the territories inhabited by indisputably Polish populations, which should be assured a free and secure access to the sea, and whose political and economic independence and territorial integrity should be guaranteed by international covenant. 

XIV. A general association of nations must be formed under specific covenants for the purpose of affording mutual guarantees of political independence and territorial integrity to great and small states alike. 

In regard to these essential rectifications of wrong and assertions of right we feel ourselves to be intimate partners of all the governments and peoples associated together against the Imperialists. We cannot be separated in interest or divided in purpose. We stand together until the end. 

For such arrangements and covenants we are willing to fight and to continue to fight until they are achieved; but only because we wish the right to prevail and desire a just and stable peace such as can be secured only by removing the chief provocations to war, which this programme does remove. We have no jealousy of German greatness, and there is nothing in this programme that impairs it. We grudge her no achievement or distinction of learning or of pacific enterprise such as have made her record very bright and very enviable. We do not wish to injure her or to block in any way her legitimate influence or power. We do not wish to fight her either with arms or with hostile arrangements of trade if she is willing to associate herself with us and the other peace-loving nations of the world in covenants of justice and law and fair dealing. We wish her only to accept a place of equality among the peoples of the world, – the new world in which we now live, – instead of a place of mastery.“