Wahlkabinen

Demokratische Wahlen 5 (2)

Beitragsfoto: Wahlkabinen | © Alexandru Nika, Shutterstock

Dieser November steht voll und ganz im Zeichen der US-Wahl, welche hoffentlich bald ein Ergebnis bringen, wobei wir wohl alle hoffen, dass auch jede abgegebene Stimme zur Auszählung kommen wird.

Zurzeit liefern sich der 45. Präsident der Vereinigten Staaten, Donald Trump, und sein Herausforderer, Joe Biden, ein Kopf an Kopf Rennen, wobei es aufgrund des US-amerikanischen Wahlrechts dem demokratischen Kandidaten erneut nicht helfen wird, dass er ein paar Millionen Wähler mehr von sich überzeugen konnte.

Bei den zeitgleich stattfindenden Senatswahlen sieht es danach aus, dass die Republikaner ihre Mehrheit zwar nicht halten können, es den Demokraten aber auch nicht gelingt, diese selber zu erreichen.

Bei den laufenden Wahlen zum Repräsentantenhaus gelingt es den Republikanern hingegen sogar, die Anzahl ihrer Abgeordneten zu erhöhen und die derzeitige demokratische Mehrheit zu schmälern.

Deshalb kann man mit Fug und Recht behaupten, dass nicht nur der bisherige Wahlkampf spannend, wenn nicht erschreckend oder gar verstörend war. Sowohl den hartgesottensten Wahlkämpfern als auch den unbedarften Zuschauern dürften die Grenzen und mehr noch die Verwundbarkeit von Demokratie offenbart worden sein — egal wie die Wahl ausgehen wird, es wird sicherlich Jahre dauern, um der westlichen Welt ihre alte Stabilität zurückzubringen.

Keiner der US-Kandidaten und schon gar nicht deren Parteien haben sich mit Ruhm bekleckert; das Privatfernsehen mit seinen Trash-Inhalten hat sich bereits vollumfänglich selbst in den Spitzen unserer Politik manifestiert: sexuelle Orientierungen und Gangsta-Rap-Gehabe ersetzen immer mehr Debatten und Programme — und dies nicht nur in den USA.

Erschwerend kommt hinzu, dass immer mehr Bürger in den USA wie auch in Europa solche Politiker mögen und wählen, sowie totalitäre Regime, wie die Russische Föderation, die Volksrepublik China oder der Iran, diesen Wunsch mit allen Mitteln in unseren Bevölkerungen stärken, dabei den Zweifel am Sinn und der Funktion von Demokratie massiv schüren und damit auch die Wahlen in der westlichen Welt manipulieren. 

Wenn man jetzt noch mit ansehen muss, dass selbst unsere eigenen Regierungen und Gerichte diesen externen Angriffen auf unsere demokratischen Institutionen und Prozesse ohne Gegenmaßnahmen dulden, muss man sich so langsam fragen, wie es insgesamt um unsere Demokratien steht.

Zwar genießen alle ohne Ausnahme die Vorzüge und vor allem die Errungenschaften unserer Demokratien, aber immer weniger sind offensichtlich dazu bereit, sich auch selbst für unsere Demokratien einzusetzen.

Schlimmer noch, gerade jene, die selbst vorzüglich von und mit Demokratie leben, höhlen die Demokratie durch Tricks und Schliche im Kern immer weiter aus, indem sie nicht nur Wahlkreise zu ihren Gunsten ändern — Gerrymandering ist kein ausschließlich amerikanisches Problem –, sondern auch die Größen der Parlamente ihren eigenen Bedürfnissen anpassen und dabei auch noch dafür Sorgen, dass ihre Verantwortung als gewählte Volksvertreter maximal noch eine rein moralische ist.

Uns Wählern scheint dies alles völlig egal zu sein, Hauptsache wir bekommen eine gute Show geboten!

Auch Deutschland sucht schon lange keine Staatsmänner mehr — wir suchen den Superstar.

Und sobald dieser von den Medien entdeckt ist, benötigen wir auch keine umfangreiche, teure und komplizierte Wahlen mehr — die Akklamation auf Facebook und Co. sollte dem Wähler reichen.

Bis dahin touren die Größen unserer Politik möglichst mit Privatjets durch die Welt, tingeln durch trashige Talk-Shows, lassen sich medienwirksam in den Container sperren und verbreiten ihr Privatleben bis ins kleinste Detail auf allen verfügbaren Kanälen.

Demokratie geht aber anders, deshalb muss jede abgegebene Stimme gezählt werden — egal wie lange dies auch dauern mag!

Gerne möchte ich einen Artikel von Peter Winkler in der Neuen Zürcher Zeitung (NZZ) vom 31. Oktober 2020 zur vertiefenden Lektüre empfehlen. Der Titel lautet „Die erste Staffel der «Trump Show» im Weissen Haus endet – welchen Preis hat Amerika dafür bezahlt?

„My only remaining question is, why an honest pimp, con man, fraud, and kidnapper like yourself would get involved in something as nasty as large-scale corporate activity?“
„The money was good.“
„Oh, but if that’s your excuse, what will be next? Politics?“

John Barnes, The Lost Princess Man (2009: 144)

Verdeutlichung der Zeitumstellung in Mitteleuropa

Zeitumstellung 5 (4)

Beitragsfoto: Beispielbild | © Pixabay

Heute um 3 Uhr war es mal wieder so weit und die Uhren wurden um eine Stunde auf den Status quo zurückgesetzt. Jetzt befinden wir uns in Deutschland wieder in der für unsere Zeitzone eigentlich vorgesehenen Zeit. Man muss es wohl nicht extra erwähnen, dass wir Menschen vor geraumer Zeit die Welt in verschiedene Zeitzonen eingeteilt haben und dass es auch für jeden Ort eine eigene lokale Uhrzeit gibt, die 12.00 Uhr genau dann anzeigt, wenn die Sonne mittags am Zenit steht; an manchen Uhren wie der im Straßburger Münster, kann man das noch genauer betrachten.

Am 1. April 1893 wurde für das gesamte damalige Deutsche Reich die mitteleuropäische Zeit als Einheitszeit festgelegt. Die koordinierte Weltzeit (UTC) wurde 1972 festgelegt und unsere Zeitzone, die mitteleuropäische, welche sich am 15. Längengrad ausrichtet, hat eine Stunde mehr, ergo UTC+1.

Hauptkriterium dieser Einteilung ist, dass ein Land jene Zeitzone benutzt, in der der Hauptteil des Landes liegt. Wohl eher aus politischen Gründen wurde in Europa die mitteleuropäische Zeitzone bis nach Spanien ausgedehnt, was für die Menschen vor Ort nicht unerhebliche Auswirkungen auf den Tagesablauf hat.

Eine koordinierte Weltzeit hat zwar für bestimmte Anwendungen, Vorhaben und Unternehmungen wie Telekommunikation, See-, Luft- und Raumfahrt oder auch bei Übungen und Einsätzen des Militärs große Vorteile, stößt aber bei Mensch und Tier an ihre Grenzen.

Neben der politisch motivierten Ausdehnung von Zeitzonen, um Staaten besser unter- oder miteinander verknüpfen zu können, wurde vor allem in Krisen- und Kriegszeiten versucht, durch die Einführung einer Sommerzeit wirtschaftliche Vorteile zu generieren.

Wohl aufgrund der Ölkrise 1973 kam es erst in einzelnen Ländern Europas erneut zu einer Sommerzeit, welche dann ab 1980 auch für Deutschland galt. Für mich war dies damals so interessant, dass ich mit einem Freund um 2 Uhr morgens vor einer öffentlichen Uhr in Heilbronn wartete, bis sich diese, wie vorab angekündigt, automatisch umstellte und den Minutenzeiger im Sekundentakt bis auf 3 Uhr vortrieb.

Verdeutlichung der Zeitumstellung in Mitteleuropa
Verdeutlichung der Zeitumstellung in Mitteleuropa

Kaum 40 Jahre später dürfte es allen bewusst sein, dass die gewünschten Vorteile einer Sommerzeit auch dieses Mal nicht erfüllt werden konnten. Man hätte aber auch aus den Erfahrungen der vorangegangenen Versuche lernen können, die bereits immer nach ca. vier Jahren zur selben Erkenntnis kamen.

So dürfen jene, die den Anfang der Sommerzeit miterleben durften, nun darauf hoffen, auch deren endgültiges Ende noch miterleben zu können; und wer weiß, vielleicht lernen zukünftige Generationen aus unseren diesbezüglich gemachten Erfahrungen.

Das wirklich Interessante an der Zeitumstellung ist aber, dass unsere Nachrichtensprecher offensichtlich allesamt davon ausgehen, von den Verantwortlichen der Zeitumstellung im Frühjahr eine Stunde „gestohlen“ und im Herbst dann wieder geschenkt zu bekommen. Dabei sollten wir uns doch alle immer wieder gewahr werden, dass uns kein Mensch, auch keine Verwaltungsmitarbeiter, weder Zeit schenken noch gutschreiben kann, sondern nur stehlen. Und solche Zeitdiebe finden sich leider überall; wobei sehr viele von uns zugeben müssten, dass wir selbst die eigentlichen Verschwender unserer Lebenszeit sind — carpe diem, und sollte dies nicht reichen, gerne auch noch die Nacht.

Uns Menschen kann man übrigens gut daran messen, wie wir zum einen mit der eigenen und zum anderen mit der Zeit unserer Mitbürger umgehen. So kann man einer Zeitumstellung doch noch etwas Positives abgewinnen, nämlich dann, wenn man sich bei dieser Gelegenheit der eigenen Vergänglichkeit gewahr wird — möge dies zu einer etwas anderen Umstellung führen!

„Time is what keeps everything from happening at once.“

Ray Cummings, The Girl in the Golden Atom (2018 [1922]: 19)

Weihnachtsmarkt

Weihnachtsmarkt 5 (3)

Beitragsfoto: Weihnachtsmarkt | © Shutterstock

Kaum sind wieder ein paar Monate vergangen und schon steht für einige Mitbürger sehr überraschend die Weihnachtszeit vor der Tür. Auch leben wir bereits seit ein paar Monaten mit COVID-19 und wissen alle, dass wir noch weitere Monate, wenn nicht gar Jahre, damit klarkommen müssen.

Der Heilbronner Weihnachtsmarkt war bisher im Vergleich zu entsprechenden Märkten anderer Städte kaum etwas Besonderes und erfuhr entsprechend im letzten Jahr als Käthchen Weihnachtsmarkt eine kleine Aufwertung. Dennoch wurde er meist von den in der Stadt aus anderen Gründen anwesenden Bürgern genutzt und ist somit vermutlich auch bis auf Weiteres in Heilbronn keine eigenständige Attraktion, welche Bürger aus dem Umland oder gar Touristen nach Heilbronn zieht.

Deswegen wäre die derzeitige Situation eine gute Gelegenheit gewesen, um über die vergangenen Monate hinweg zwei alternative Möglichkeiten eines Heilbronner Weihnachtsmarktes zu prüfen und auch eine davon in die Tat umzusetzen. Beiden Möglichkeiten wäre gerade jetzt eines gemeinsam gewesen, nämlich, dass sie die Flexibilität und Innovationskraft Heilbronns hätte zur Schau stellen und damit auch die Marke „Käthchen Weihnachtsmarkt“ überregional bekannt machen können.

Auch wenn der Heilbronner Weihnachtsmarkt an sich wohl nicht genügend Kundenfrequenz bringt, um als eigenständige Veranstaltung Gewinn abzuwerfen, hätte er gerade in Zeiten, wo Weihnachtsmärkte allerorten mangels geeignetem Konzept abgesagt werden, auf der Heilbronner Theresienwiese COVID-19 gerecht als „Alleinstellungsmerkmal“ sicherlich mehr Gäste und Kunden gelockt als zuvor zu seinen besten Blütezeiten. Auch wenn er für alle Beteiligten kein monetärer Gewinn gewesen wäre, hätte er nicht nur den Schaustellern ein positives Signal gegeben und dabei gezeigt, dass Heilbronn auch in schwierigen Zeiten in der Lage ist, Alternativen anzubieten und Neues zu probieren.

Als auf jeden Fall gangbare Alternative hätte man ohne Weiteres einen „Rumpf-Weihnachtsmarkt“ auf dem Marktplatz aufbauen können, der einzelne weihnachtsmarkttypische Stände stellvertretend für alle anderen Schausteller in einem Weihnachtsmarktkleinformat präsentiert und COVID-19 konform ein positives Zeichen in der Weihnachtszeit setzt. Schon alleine sein Nur-Dasein hätte allen Heilbronnern ein weihnachtliches Gefühl und Hoffnung für die Zukunft gegeben.

Bleibt nunmehr zu hoffen, dass es der Stadtverwaltung gelingt, wenigstens einen Christbaum auf dem Marktplatz aufzubauen.

„Wie leide ich vor Sehnsucht! Wäre es doch Weihnachten!“

Hans Christian Andersen, Der Tannenbaum (1844)