Blended Scotch 5 (1)

Bereits im 18. Jahrhundert begann man die einzelnen Whisky untereinander zu vermischen, um gleichbleibenden Geschmack und Qualität sicherstellen zu können. Anfangs waren es wohl nur Single Malt die verschnitten und dann als Vatted Malt verkauft wurden; ein solcher Vertreter ist heute noch der Johnnie Walker Green Label. Später dann kam aber auch Grain Whisky mit hinzu und man bezeichnete einen solchen Whisky dann als Blended Scotch. Es gibt aber auch Blended Grain Whisky, der nur aus verschiedenen Grain-Whiskys, kontinuierlich gebrannten Getreideschnäpsen, besteht. Diese bezeichnet man dann als Vatted Grain; mir ist ein solcher Vertreter allerdings selbst nicht bekannt.

Hat man sich einmal damit abgefunden, dass man selbst nie alle Single Malt kennenlernen werden wird, so stellt man danach zudem fest, dass dies auch beim Blended Scotch der Fall ist, vor allem in jenen Zeiten, in denen der Scotch weltweit an Akzeptanz gewonnen hat.

So konnte ich in all den Jahren auch ziemlich viele Blends kennenlernen, zumal diese gerne auch als Geschenk Verwendung fanden. Und noch heute liegen einige davon in meinem Keller.

Wie ich es bereits in meinem ersten Beitrag über Whisky geschrieben habe, ist mir dabei der Johnnie Walker mit einer der liebsten. Über all die Jahre hinweg sind mir dabei auch weitere Blends in guter Erinnerung geblieben, die ich immer wieder gerne, vor allem in Kneipen und Bars trinke.

Neben dem Teacher’s sind der J&B und der Black & White richtige Klassiker, wobei letzterer früher einmal mit zwei magnetischen Hunden beworben wurde, und damit bei mir immer wieder Kindheitserinnerungen weckt.

Auch auf den VAT 69 oder den Bell’s kann man getrost zurückgreifen, wobei heute wohl eher Dimple, Ballentine’s oder Chivas Regal angesagt sind. Letzteren gibt es als Chivas Regal 12, 18, 21 und 25, wobei diese Zahl bis auf den „21“ die Mindestzeit der Fasslagerung aller darin verwendeten Single Malt angibt.

Damit kontern die Blends die seit den 1980er-Jahren weiter zunehmende Qualitätssteigerung bei den einzelnen Single Malt und bieten sowohl preislich als auch qualitativ konkurrenzfähige Produkte. Ihr Vorteil dabei ist weiterhin, dass man immer weiß, was einen jeweils im Glas erwartet, vorausgesetzt natürlich, dass man mit dem betreffenden Blend schon seine Erfahrungen gemacht hat.

Und die günstigeren Varianten sind immer wieder gut, um als Basis für ein Mischgetränk Verwendung zu finden, was ich schon alleine aus Kostengründen bei einem länger gelagerten Blended Scotch nicht empfehlen kann.

„There is no bad whiskey. There are only some whiskeys that aren’t as good as others.“

Raymond Chandler

Bourbon Whiskey 5 (2)

Da ich bereits über den ersten Freund Johnnie Walker berichtet habe, ist es jetzt an der Zeit, auch die beiden anderen Freunde Jack Daniel’s und Jim Beam in Erinnerung zu bringen. Bei diesen handelt es sich im Gegensatz zu ersterem um reine Bourbon, wobei Jack neuerdings für sich beansprucht, zudem noch ein reiner Tennessee Whiskey zu sein.

Da ich in einer US-Garnisonstadt großgeworden bin, und zudem auch US-Amerikaner zur Familie gehören, wird der Bourbon wohl mein erster selbst getrunkener Whiskey gewesen sein. Am bekanntesten sind dabei noch heute die beiden oben bereits erwähnten Jack Daniel’s und Jim Beam, wobei Jack zudem für sich beansprucht, der meistverkaufte Bourbon zu sein.

Ein sehr guter Bekannter und Nachbar von mir, der zu Lebzeiten ein passionierter Bourbon Trinker war, bestand darauf, dass Four Roses am besten schmeckt, da er aus insgesamt zehn verschiedenen Straight Bourbon geblendet sei. Inzwischen gibt es auch von Four Roses verschiedene Sorten, ich empfehle aber beim Yellow Label zu bleiben.

Wohl aufgrund der sehr beeindruckenden Flaschengrößen, die es im Laufe der Jahre von Jim Beam immer wieder einmal gab, und ich kaum eine Kneipe oder Bar fand, in der es keinen Jim Beam gibt, ist es der von mir selbst am meisten getrunkene Bourbon, wobei ich mich aber auch sehr gerne an Maker’s Mark, der als wohl einziger Bourbon die schottische Schreibweise von Whisky übernommen hat, und den Wild Turkey erinnere.

Allen Bourbon ist gemeinsam, dass die Lagerung des Whiskeys in stets neuen und angekohlten Eichenfässern erfolgt, was dem Bourbon auch einen ganz bestimmten Geschmack verleiht. Bei den Scotch Whisky hingegen werden gebrauchte Fässer – auch Bourbon Fässer – verwendet, die dem Whisky je nach vorherigem Fassinhalt weitere Geschmäcker mit hinzufügen.

Inzwischen gibt es gerade von Jim Beam die unterschiedlichsten Varianten und „Flavors“, die allesamt dem neuen Zeitgeist geschuldet sind und wohl auch der erneuten Abkehr vom Whiskey als Getränk an sich begegnen sollen. Ich empfehle dennoch beim Original zu bleiben, und sollten Sie ein wenig mehr Jim Beam bevorzugen, auf den Jim Beam Black zurückzugreifen.

Und auch Jack Daniel’s schließt sich jüngst diesem Trend an; deshalb gleich meine Empfehlung, bei Jack Daniel’s Old No. 7 zu bleiben, die Apfel- und Honiggeschmäcker sowie ähnliche Kreationen möglichst zu meiden und maximal eine Single Barrel Marke von Jack Daniel’s zu versuchen.

Und sollten Sie sich gar auf den Bourbon spezialisieren wollen, dann folgen Sie Freds altem Rat und genießen das Yellow Label von Four Roses, dem Geschmack aus der Zeit, als auch in den USA die Welt noch in Ordnung war.

Sting, The dream of the blue turtles (1985)

Irish Whiskey 5 (5)

Dieser Beitrag ist Thomas Michl geschuldet, der es sicherlich nicht ertragen könnte, wenn ich über Whisky schreibe und die irische Verwandtschaft dabei ganz außer Acht lasse. Ihn wird es bestimmt schon genug ärgern, dass Kilbeggan nicht oder besser gesagt, noch nicht, zu meinen favorisierten irischen Marken gehört.

Meine Entdeckungsreise zu den irischen Whiskeys begann 1988 mit Tullamore Dew und zwar an einem Abend in Hannover, den ich so schnell nicht vergessen werde. Der Bekanntheitsgrad irischer Whiskys war schon damals nicht so groß, da die Produzenten im Gegensatz zu ihren schottischen Gegenüber wohl zu spät die Bedeutung des Marketing erkannten und zudem noch viel später die Abkehr von einer rein auf Menge getrimmten industriellen Massenproduktion einleiteten. So war es mir eine große Freude, als irische Freunde uns zur Eröffnung des Tullamore Dew Besuchszentrums einluden und ich erfuhr, dass man nunmehr diesen Whiskey auch fast wieder an seinem Ursprungsort produziert. Das heißt, in wenigen Jahren werde ich wieder nach einem Glas Tullamore Dew greifen können, das auch dort vor Ort destilliert wurde.

Tullamore Dew, wurde 1829 erstmals in der Tullamore-Destillerie gebrannt und gehört interessanter Weise seit 2010 zum Brennereikonzern William Grant & Sons, u. a. den Eigentümern des sehr bekannten schottischen Glenfiddich Whiskys.

Da Whisky oder auch der Whiskey, ob aus Irland oder den USA, in den 1950er bis in die 1990er-Jahre hinein kaum ein „Kultgetränk“ mehr war, ist es auch nicht verwunderlich, dass die Tullamore-Destillerie, wie übrigens die meisten anderen Destillerien in diesen Jahren auch, bereits 1954 geschlossen und fortan die Marke Tullamore Dew industriell und je nach Bedarf in anderen Destillerien hergestellt wurde.

Das gleiche geschah auch mit der Locke’s Distillery, die den oben besagten Kilbeggan brennt. Sie wurde 1957 geschlossen und brennt mit neuem Besitzer erst wieder seit 2007 Whiskey; dafür beansprucht sie den Titel der ältesten irischen Destillerie, da sie bereits 1757 nachweislich ihren ersten Whiskey brannte.

In den 1970er-Jahren gab es dann in Irland faktisch nur noch eine Destillerie, welche Whiskey je nach Bedarf produzierte und es dauerte länger als in Schottland, um ab den 1990er-Jahren auch in Irland wieder eine entsprechende Infrastruktur aufzubauen.

Als ich mich ab 1990 eher auf die Single Malt aus Schottland konzentrierte, weil dort nach alle den Jahren der „Bedeutungslosigkeit“ zuerst und meist kleinere Destillerien begonnen hatten, dem Whisky erneut individuelle Noten und eigene Charaktere zu verleihen, entdeckte ich kurz darauf auch meinen bis heute persönlichen Favoriten aus Irland, nämlich den Bushmills Whiskey der Old-Bushmills-Brennerei, den es schon damals auch als Single Malt zu finden gab. Diese Brennerei gehört zu den ältesten Whiskey Brennereien und verweist auf eine gut 400 jährige Tradition. Der bereits gestern von mir vorgestellte Johnnie Walker Whisky wird hingegen dieses Jahr erst 200 Jahre alt. Zwar ist auch die Hausmarke von Bushmills ein Blend, dennoch empfehle ich hier eher den Bushmills 10, einen Single Malt der 10 Jahre in Bourbon- und Sherry-Fässern gereift ist. Die weiteren Marken, welche bis zu 21 Jahren in Fässern reifen, dabei vereinzelt auch in Madeira-Fässern, sind sicherlich eine gute Wahl, ich persönlich tendiere dann aber doch eher zu den Single Malt aus Schottland und auch Japan.

Die überall und auch bei Bushmills immer mehr in Mode kommenden limitierten und Sonderabfüllungen sind eher etwas für die heutigen Sammler oder für jene, die solche Getränke dann „on the rocks“ oder zusammen mit Cola und einer möglichst dicken Zigarre genießen. Für eine wohl etwas jüngere Marke, welche den Single Malt Whiskey mit irischem Honig vermischt, konnte ich mich dann gar nicht begeistern, und diese Mischung hat mir schon als Jim Beam Honey, einem Bourbon Whiskey, nicht sehr geschmeckt.

Wer aber gerne Whiskey trinkt, welcher ähnlich einiger Single Malt aus Schottland torfig schmeckt und einen starken Eigengeschmack entwickelt, dem empfehle ich die Marke Connemara, deren Whiskey, wie die meisten Scotch auch, im Gegensatz zu den anderen irischen Whiskeys nur zweimal gebrannt wird. Ich empfehle dabei gleich zum 12jährigen Whiskey zu greifen, und wem dieser auch schmeckt, der kann dann mit gutem Gewissen dabei bleiben.

Last but not least muss ich noch auf den Jameson zu sprechen kommen, von dem mein Freund und Kamerad Ronan Corcoran überzeugt ist, dass es der einzige Whiskey der Welt sei, mit dem man einen anständigen Irish Coffee zubereiten kann. Und wer jemals einen von Ronan zubereiteten Irish Coffee getrunken hat, der wird daran auch nie und nimmer zweifeln.

Jameson wurde im Jahr 1780 in Dublin gegründet und bis 1971 auch dort in der Bow Street destilliert. Auch wenn es inzwischen die unterschiedlichsten Abfüllungen jeglichen Alters gibt, empfehle ich beim Original Blend zu bleiben. Ich habe davon immer eine Flasche vorrätig, da ich nie weiß, wann und wer einen guten Irish Coffee trinken möchte.

„If you mean the demon drink that poisons the mind, pollutes the body, desecrates family life, and inflames sinners, then I’m against it.
But if you mean the elixir of Christmas cheer, the shield against winter chill, the taxable potion that puts needed funds into public coffers to comfort little crippled children, then I’m for it.
This is my position, and I will not compromise.“

Judge Noah S. Soggy Sweat