„Call me“

Anonyme Anrufer 5 (2)

Beitragsfoto: „Call me“ | © Tumisu auf Pixabay

Bis heute ist mir noch nicht so ganz klar, warum es Menschen gibt, die mit unterdrückten Telefonnummern bei ihren Mitbürgern anrufen.

Wenn es sich dabei um Mitarbeiter von Firmen oder Behörden handelt, kann man es vielleicht sogar noch verstehen, wenn man davon ausgeht, dass ihre Arbeitgeber nur begrenzte Ressourcen für den Kundenservice zur Verfügung stellen möchten oder über sehr veraltete Kommunikationsstrukturen verfügen.

Bei Privatanrufen fällt mir auf die Schnelle keine Begründung ein. Ganz im Gegenteil, wenn der Anrufer sich mit mir privat unterhalten, mir aber seine eigene Telefonnummer dabei nicht mitteilen möchte, könnte man doch vermuten, dass er wohl ein ganz besonderes Verständnis von Kommunikation hat.

Oftmals sind es aber die ganz besonderen Menschen, die das Miteinander so interessant und lebenswert machen. Und ich möchte mich deswegen nicht beschweren!

Sehr schräg wird es aber dann, wenn diese anonymen Anrufer bei erfolglosem Anruf keine Nachricht auf dem Anrufbeantworter hinterlassen und sich später auch noch darüber beklagen, dass man sie nicht zurückgerufen hat.

Liebe anonyme Anrufer, es gibt mehr von Euch als ihr Euch vielleicht sogar vorstellen könnt, und ich kann, selbst bei bestem Willen, nicht wirklich alle von Euch zurückrufen.

„Call me like you didn’t last time.“

Emily Blunt als Elise Sellas in The Adjustment Bureau (2011)

Kaffee & Bananensplit

Späte Erkenntnis 5 (3)

Beitragsfoto: Kaffee & Bananensplit

Obwohl allgemein bekannt und auch sehr gerne zitiert, ist der 283ste Aphorismus Friedrich Nietzsches offensichtlich für die Mehrheit von uns schwer verständlich.

Liegt dies an unserem Naturell oder ist es nur der Tatsache geschuldet, dass wir alle längst nicht mehr wissen, was wir mit uns und unserer eigentlich sehr begrenzten Zeit anfangen sollen?

„Hauptmangel der tätigen Menschen. — Den Tätigen fehlt gewöhnlich die höhere Tätigkeit: ich meine die individuelle. Sie sind als Beamte, Kaufleute, Gelehrte, das heisst als Gattungswesen tätig, aber nicht als ganz bestimmte einzelne und einzige Menschen; in dieser Hinsicht sind sie faul. — Es ist das Unglück der Tätigen, dass ihre Tätigkeit fast immer ein Wenig unvernünftig ist. Man darf zum Beispiel bei dem geldsammelnden Bankier nach dem Zweck seiner rastlosen Tätigkeit nicht fragen: sie ist unvernünftig. Die Tätigen rollen, wie der Stein rollt, gemäss der Dummheit der Mechanik. — Alle Menschen zerfallen, wie zu allen Zeiten so auch jetzt noch, in Sklaven und Freie; denn wer von seinem Tage nicht zwei Drittel für sich hat, ist ein Sklave, er sei übrigens wer er wolle: Staatsmann, Kaufmann, Beamter, Gelehrter.“

Friedrich Nitzsche, Menschliches, Allzumenschliches

Und sobald wir für uns ein wenig Zeit freischaufeln können, sitzen wir … – ich muss dies nicht wirklich weiter ausführen.

Das schöne aber an jeder Erkenntnis ist, dass diese lieber zu spät kommen sollte als überhaupt nicht. Und wer weiß, vielleicht fängt der eine oder andere jetzt etwas früher an, darüber einmal genauer nachzudenken.

Obwohl es bei uns sehr viele Zeitdiebe gibt, nehmen wir alleine nur die vielen Besprechungen oder „Meetings“, die wir in unserem Berufs-, Arbeitsleben und Ehrenämtern zu absolvieren haben und welche wir ohne Probleme mengenmäßig, zeitlich und inhaltlich allesamt auf ein vernünftiges Minimum reduzieren könnten, wird diese Problematik offensichtlich ganzheitlich verdrängt.

Dabei gilt doch ausdrücklich, dass Leistung der Quotient aus verrichteter Arbeit oder dafür aufgewendeter Energie und der dazu benötigten Zeit ist.

Gesellschaftlich anerkannt ist dabei, dass man die Leistung vollumfassend über die verwendete Zeit misst, ob benötigt oder auch nicht, und dafür Arbeit und Energie gerne auch gegen Null reduzieren kann.

Letztendlich ist aber nur unsere eigene Zeit die begrenzte Ressource, und wir sollten schon deshalb damit haushalten; auch auf die Gefahr hin, dass wir Zeitdiebe bloßstellen und Leistung wieder mehr über Arbeit und Energieaufwand definieren.

Wie bereits anfangs erwähnt, ist das wirkliche Problem dabei, dass wir uns bisher kaum Gedanken darüber gemacht haben, was wir mit der „neu gewonnenen“ Zeit überhaupt anfangen sollen.

„Frei zu sein“, liegt wohl doch nicht in unserem Naturell.

„I offer nothing more than simple facts, plain arguments, and common sense.“

Thomas Paine, Common Sense (1997 [1776]: 17)

Kinobesucher

Cineasten 5 (5)

Beitragsfoto: Kinobesucher | © Amit Kumar auf Pixabay 

Das sind jene Mitbürger, die sich über Filme freuen können, von denen die Mehrheit der Menschen gar nicht weiß, dass es diese überhaupt gibt.

Ein solcher Film ist wohl auch „The Good Earth“ aus dem Jahre 1937, übrigens dem Geburtsjahr meiner eigenen Eltern.

Mir blieb dieser Film deshalb in Erinnerung, weil Paul Muni, der Darsteller des Protagonisten Wang Lung, das Folgende im Film sagt:

„What use is a good thought if no one agrees with it?“

Wang Lung

Eine Aussage, die man sich ruhig des Öfteren auf der Zunge zergehen lassen sollte.

Demnächst werden meine Frau und ich aber wieder in zwei Filme pilgern, zum einen in “Star Wars 9” (Filmstart: 19. Dezember 2019) und zum anderen in “No Time To Die” (Filmstart: 2. April 2020), einzig und alleine deswegen, weil wir bereits die entsprechenden Vorgängerversionen gesehen haben.

Und auch dieses Verhalten sollte uns Menschen zu denken geben!

Übrigens, für jene, die gerne mit Zahlen hantieren, sei angemerkt, dass der von mir zuvor in einem Beitrag erwähnte Film aus dem Jahre 1973 stammt. Ein Film, den ich erstmals zusammen mit meiner Großmutter ansah, als er bei uns in die Kinos kam. Was dabei mehr über meine Großmutter als über mich aussagt und zeigt, dass die moderne emanzipierte Frau keine Erscheinung der Neuzeit ist.

„I like wearing a blindfold while watching movies, so that I can focus on the dialogue. My favorite flicks are the silent movies.“

Jarod Kintz, This Book is not for SALE (2011)