Jahreswechsel

Gedanken zum Jahreswechsel 5 (4)

Beitragsfoto: Beispielbild | © Pixabay

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Weggefährten und Mitbürger,

leben wir tatsächlich in einer Welt ohne Ideale und Ideen? Folgen wir überhaupt eigenen Zielen? Oder lassen wir uns nur noch treiben? Und welche Maßstäbe legen wir dabei an uns und unsere Umwelt an?

Unserer Politik scheinen Ideale und Ziele völlig abhandengekommen zu sein. Politische Inhalte werden zusehends von Neid, Furcht und Hass geprägt. Dabei gäbe es doch mit der Europäischen Idee, dem Humanismus und für mich persönlich auch dem Christentum großartige Ideale, denen man folgen und von denen man sein eigenes Handeln ableiten oder auch Taten anderer messen könnte.

Die Weihnachtszeit und der Jahreswechsel sind der ideale Lackmustest. Wie verbringen Sie diese Zeit und was sind dabei Ihre Hauptanliegen? Schon alleine darüber nachzudenken ist ein erster Schritt.

Ein weiterer Schritt wäre, sich durchaus auch selber als Maßstab nehmend, alltägliche Dinge infrage zu stellen. Wenn man Probleme hat, eine Handvoll Vereinsmitgliedschaften auf die Reihe zu bekommen, wie kann es dann sein, dass eine andere Person in Dutzenden Vereinen maßgeblich engagiert sein kann? Wenn man seinen Berufsabschluss oder ein Studium mit Engagement & Verve gemeistert hat, wie kann es dann sein, dass ein anderer seine akademischen Weihen en passant erhält? Wenn man mit Familie, Haushalt und Kindererziehung voll ausgelastet ist, wie kann dann jemand anderes, dies alles ohne jegliche Mühen nebenher erledigen? Übermenschen gibt es nur in der Philosophie!

Wie können sich Mitbürger für uns und unser Land einsetzen wollen, die sich erfolgreich um Wehrdienst, Ersatzdienst oder Sozialdienst gedrückt haben und zudem noch stolz darauf sind, möglichst wenig Steuern zu zahlen? Es ist an der Zeit, dass wir alle wieder mehr nachdenken – über uns selbst und unsere Umwelt!

Wo stehen wir, wo wollen wir hin und wem wollen wir folgen?

Haben Sie Mut zu Idealen! Versuchen Sie Ihr eigenes Handeln daran auszurichten und bleiben Sie dabei stets menschlich. 

Ich wünsche Ihnen frohe und besinnliche Weihnachten möglichst im Kreise Ihrer Liebsten und freue mich schon jetzt darauf, Sie auch im kommenden Jahr wiederzusehen.


Adventsgedanken

Gedanken zum Advent 5 (3)

Foto: Beispielbild | © Pixabay

Demnächst jährt sich eines der wichtigsten europäischen Ereignisse der Neuzeit. Vom 7. bis zum 10. Mai 1948 fand in Den Haag der Haager Europakongress statt, welcher zu einem Zusammenschluss der verschiedenen europäischen Einheitsbewegungen führte und u. a. als Initiator des Europarates gilt. Nur wenigen ist bekannt, dass das eigentliche Ziel der versammelten europäischen Bürgerschaft war, endgültig die Nationen zu überwinden und diese in einem „Europa der Regionen“ und damit in einem föderalen europäischen Bundesstaat zusammenzufassen. Dies ist auch der Grund dafür, warum der Haager Europakongress noch heute als erste föderalistische Bewegung der europäischen Geschichte gilt.

Aber die Bequemlichkeit der meisten europäischen Bürger und das Beharrungsvermögen der bereits gut etablierten Bevölkerungsteile hat wie so oft obsiegt. Zwar wurde das Ziel, die „Vereinigten Staaten von Europa“ weiter propagiert, aber zeitgleich auch das „Europa der Vaterländer“ als Gegenpol initiiert. Später dann, eher der Realität als der europäischen Idee geschuldet, wurde mit der Europäischen Union, ein Staatenverbund geschaffen, welcher zu postklassischen Nationalstaaten führte, deren Beharrungsvermögen weiterhin durch die allzu menschliche Angst vor Veränderung genährt wird.

Stolz können wir Europäische Föderalisten aber darauf sein, dass von Anfang an die Demokratie mit den damit einhergehenden Werten, wie unsere Menschen- und Bürgerrechte, als Grundlage jeder europäischen Integration festgelegt wurde, und wir uns bis zum heutigen Tage als Wertegemeinschaft betrachten.

Als Ende der 1980er-Jahre das Sowjetreich zusammenbrach, irrten wir Europäer in der Annahme, dass die Menschen der ehemals besetzten Teile Europas über Nacht zu Demokraten geworden seien, verdrängten die Tatsache, dass diese nur bankrott waren und nahmen sie mit offenen Armen in unsere immer noch im Werden begriffene Gemeinschaft auf. Auch hatten wir völlig verdrängt, dass selbst in unseren Demokratien gut 20 Prozent Totalitaristen immer noch auf die Götterdämmerung warten.

Im Ergebnis scheinen wir uns nun mehrheitlich damit abzufinden, dass die EU zu einem Zweckbündnis von demokratischen und scheindemokratischen Staaten zum Schutz der Außengrenzen, zur Sicherung des Binnenmarktes und einer gemeinsamen Terrorismus-bekämpfung geworden ist. Auch scheinen wir mehrheitlich der Meinung zu sein, dass Migrationsbewegungen und Transferzahlungen Anlass genug sind, um auch dieses Konstrukt wieder in Frage zu stellen (z. B. Brexit).

Sehr erfreulich ist es daher, dass sich viele Bürger Europas seit Monaten verstärkt für unser gemeinsames Europa aussprechen und nach 1948 wieder „mehr Europa fordern!“ Noch erfreulicher ist es, dass es Politiker wie Emmanuel Macron und Jean-Claude Juncker gibt, welche diese verschiedenen Bürgerinitiativen aufgreifen und erste Lösungsvorschläge unterbreiten.

Die Europäische Union steckt aber inzwischen – und dies trotz des Engagements von 30 000 Europäischen Föderalisten europaweit – in einer so tiefen Sinnkrise, dass nur noch eine schonungslose Bestandsaufnahme ohne nationale oder parteipolitische Rücksichten weiterhelfen kann.

Die EUROPA-UNION Heilbronn beteiligt sich selbstverständlich an dieser notwendigen Bestandsaufnahme sowie den stattfindenden Diskussionen und trägt u. a. mit der Wiederaufnahme der „Hertensteiner Gespräche“ dazu bei, dass eine verstärkte und nachhaltige Bürgerbeteiligung unsere Demokratien als auch unser gemeinsames Europa retten werden. Für uns Europäische Föderalisten sind dabei unsere gemeinsamen Werte keine Verhandlungsmasse und wir betonen gerne erneut, dass Bequemlichkeit und die Angst vor Veränderung schlechte Berater sind. Selbst dem Ergebnis der letzten Bundestagswahl kann man sehr deutlich die Forderung nach „mehr Demokratie wagen!“ entnehmen.


Heilbronn-Karte

Pendlerstadt 4.8 (5)

Beitragsfoto: Nahaufnahme von Heilbronn-Karte mit blauem Stift | © Shutterstock

Die Wirtschaftswoche bezeichnete Heilbronn jüngst als ideale „Pendler-Lage – genau zwischen der Auto-Hochburg Stuttgart und dem SAP-Mekka Sinsheim.“ Den derzeitigen Bauboom — „Nirgendwo sind in den vergangenen Jahren mehr Wohnungen fertig gestellt worden als in Heilbronn.“ — führt sie darauf zurück.

Auch wenn ich diesbezüglich anderer Meinung bin, sollte dieses Fazit der Wirtschaftswoche dennoch dazu führen, dass Gemeinderat und Stadtverwaltung sich endlich um einen zeitgemäßen und auch dringend notwendigen Anschluss Heilbronns an den europäischen Schienenverkehr bemühen. 

Und dabei spreche ich schon gar nicht mehr von einer ICE-Anbindung — wird derzeit doch der Heilbronner Hauptbahnhof weiter verkleinert und der Bahn damit eindeutig auch Verzicht signalisiert.

„I stop somewhere waiting for you.“

Walt Whitman, Song of Myself (1855 und 1892, jeweils letzte Zeile)