Müll

Verbrauchsgesellschaft 5 (7)

Beitragsfoto: Müll | © Pixabay

Heute früh zog ich die üblichen Bahnen mit dem meseno-Bus, als ich auf einen sehr fotogenen Bodennebel aufmerksam wurde, der dann leider doch keiner war. Die Abgasschwaden der Gebäude, Fabriken und Autos fanden sich sehr schön zu einem menschengemachten Nebel zusammen und ergänzten aufgrund der Wetterlage den von oben nach unten drückenden Smog ganz herrlich, dazwischen brachten die Sonnenstrahlen den restlichen Himmel wunderbar ins Leuchten.

Wüsste man nicht, dass dieser schöne Anblick alleine der permanent zunehmenden Umweltverschmutzung zu verdanken ist, wäre die Woche wohl gerettet gewesen. So aber brachte mich das Ganze ins Grübeln. Auch dass ich schon sehr lange keine Fahrzeugscheibe mehr reinigen muss, schon alleine deshalb, weil es nicht mehr ausreichend Insekten gibt, die als Kadaver diese Scheiben bekleckern können.

Wie meist üblich musste ich den Bus betanken, längst sind auch die Zeiten vorbei, als ein guter Geist an der Tanke bereitstand, um das Fahrzeug nicht nur zu betanken, sondern gleich auch noch die Scheiben zu reinigen, die Füllstände zu überprüfen, dabei auch den Reifendruck und alles vor der Weiterfahrt wieder in Ordnung zu bringen. Heute muss man schon froh sein, wenn eine Tankstelle noch über einen funktionierenden Kompressor verfügt — jetzt muss ich einmal schauen, wann ich den Bus zu mir nach Hause fahre und an meinen eigenen Kompressor anschließe.

Der meseno-Bus ist in seine Jahre gekommen, müsste eigentlich längst und dies nur folgerichtig durch ein Elektrofahrzeug ersetzt werden, aber das dafür nötige Geld wird dringender für die zu betreuenden Familien benötigt — der Krug geht so lange zum Brunnen, bis er bricht. Sein Ersatz aber wäre ein notwendiger und sehr kleiner Beitrag, um unsere Welt zwar nicht mehr zu retten, aber wenigstens den Versuch dazu unternommen zu haben. Was wäre nur, wenn wir Menschen mehrheitlich so denken würden — die Welt wäre wohl doch noch zu retten!

Ein Freund präsentierte mir am Wochenende seinen neuen 300 PS-Boliden, zugegeben ein sehr schönes Fahrzeug, leider aber völlig aus der Zeit gefallen! Längst vergangen sind die Zeiten, als wir Menschen uns glücklich schätzen konnten, mit einem einzigen Pferd unterwegs zu sein. Nur Ben Hur benötigte vier Pferdestärken und ganz selbstverständlich unsere systemrelevanten Personen schon immer mindestens sechs.

Selbst heute wären im individuellen Lokalverkehr 50 Pferdestärken, etwa 36 Kilowatt mehr als ausreichend, und für die Fernpendler unter uns sind 100 PS (74 KW) mehr als genug. Aber selbst unsere Heizungen werden immer stärker, obwohl sich die Natur längst im Fieberwahn befindet. Und wer von uns keine größere Heizung mehr findet, der baut sich zusätzlich einen offenen Kamin mit ein.

Eigentlich wird bei uns alles immer größer und immer mehr, nur leider nicht Bildung, Intelligenz und die eigene Leistung. Wo wird bei uns noch etwas Bleibendes oder gar Großartiges geschaffen?

Wenn wir es ganz genau betrachten, dann ist unsere Wachstumsgesellschaft eine bloße Verbrauchsgesellschaft! Denn einzig und alleine der Verbrauch wächst dabei! Ob sinnvoll oder nicht, spielt schon lange keine Rolle mehr. Erschwerend kommt mit hinzu, dass wir Menschen noch etwa 100 Jahre lang immer mehr werden, erst danach könnte sich wenigstens diese Ursache ein wenig reduzieren.

Auch das gute Essen am Wochenende viel zu viel, kein gewöhnlicher Restaurantbesitzer kann es sich wohl noch leisten, nur so viel auf den Tisch zu bringen, wie seine Gäste verschlingen können! Und dabei verschlingen wir — bis auf die jungen Männer unter uns — allesamt mehr als es uns guttut.

Und so bleibt es nicht aus, dass wir nicht nur unsere Stadt und unser Land, sondern gleich auch noch die gesamte Welt zumüllen — wir sind zwar keine Fußball-, dafür aber längst Müllexportweltmeister!

Wahrscheinlich hat sich die Menschheit schon immer über den eigenen Verbrauch definiert, was inzwischen aber, weil immer mehr von uns dabei mitspielen können, schon lange nicht mehr von unserem Planeten garantiert werden kann.

Und dies führt zu einem Teufelskreis, weil je weniger es zum Verbrauchen gibt, umso attraktiver wird der Verbrauch an sich. Flora und Fauna verlieren dabei als erstes ihre Lebensgrundlage, dann jene Menschen, die zufällig am falschen Ort geboren wurden, dann die Gutmütigen und danach die Schwächsten.

Längst sind es 1 000 PS-Boliden, mit denen die besten von uns durch die Lande fahren, sie wissen zwar nicht, warum und schon gar nicht, weshalb, aber darauf kommt es in einer Verbrauchsgesellschaft überhaupt nicht an!

Passend dazu gestern Abend drei junge Männer, die ganz offensichtlich weder richtig lesen und schreiben konnten, auch keinen Bock auf Lernen und Arbeiten hatten (–> Deutungsmuster!), sich aber allesamt die Nase an der Scheibe eines Autohauses platt drückten. Die gemeinsame Begierde: ein Auto mit mindestens 500 PS.

Nur eine Bildungs- und Leistungsgesellschaft kann unsere Welt noch retten! — Verbrauch war noch nie Leistung! Wenn wir Menschen das nicht möchten, ist es wohl besser, wenn wir uns so schnell wie möglich selbst abschaffen, bevor es keine anderen Lebewesen mehr gibt, die mit einem Planeten umzugehen wissen.

Passend dazu eine Website zum Weltverbrauchstag.

Nachtrag 16.12.2025

Tagesschau: „Es landet wieder mehr Müll in den Tonnen

„Laut der Statistik kamen im Durchschnitt auf … jeden Bürger im vergangenen Jahr etwa 452 Kilogramm Abfall und damit elf Kilo mehr als im Vorjahr. Im Jahr 2021 hatte die Menge an Haushaltsabfällen bundesweit bei 40,3 Millionen Tonnen gelegen …“

Tagessschau

Konzert

Musikvideo zum Wochenende 5 (3)

Beitragsfoto: Konzert | © Bild von Pexels auf Pixabay

Mit großen Schritten geht es zurück nach 1978, wobei sämtliche Hits in diesem Jahr sehr ähnlich klangen, was wohl an der Dominanz der Bee Gees gelegen haben dürfte.

Auf alle Fälle war der Hit „Kiss You All Over“ der Gruppe Exile auf allen Sendern, in den Discotheken und Tanzschulen zu hören. Der Song befindet sich auf dem Album „Mixed Emotions“ (1978), was sehr gut zu meiner aktuellen Stimmung passt.

Die Band gründete sich bereits 1963 und dürfte heute wohl eher den Liebhabern von Country-Musik bekannt sein.

1979 erzielte die Gruppe mit dem Song „How Could This Go Wrong“, der sich auf der Platte „All There Is“ (1979) befindet, einen weiteren Achtungserfolg.

Was wiederum ganz gut zu meiner Begeisterung für das Jahr 1979 passt.

Als ich im Dezember 2014 wieder voll und ganz in meine Heimat zurückkam, hatte ich keine Ahnung davon, wie lange solch ein erneutes Ankommen dauern, nur dass es der Beginn eines neuen und vermutlich letzten Lebensabschnitts werden wird.

Vieles ist in dieser Zeit geschehen, auch mit mir. Begegnungen mit wunderbaren und mit weniger wunderbaren Menschen, sammeln von großartigen Erfahrungen und solchen, die man sich gerne erspart hätte, sowie das Gestalten und vor allem auch das Genießen, denn meine Heimatstadt hat schon immer entschleunigt — gleich nachher geht es mit Freunden in ein für mich neues Restaurant.

Ein Ausblick ist dabei auch immer ein Rückblick.


Bundestag

Berufspolitik 5 (7)

Beitragsfoto: Bundestag | © clareich auf Pixabay

Am 3. Dezember 2019 hatte ich mich schon einmal hier im Blog zur Berufspolitik geäußert. Inzwischen sind sechs Jahre vergangen und wir alle müssen immer deutlicher unter den Folgen einer völlig verfehlten Berufspolitik leiden.

Dabei zeichnet es sich immer mehr ab, dass unsere Berufspolitik der Gegenentwurf von Demokratie ist. Schon die alten Griechen und Römer wussten um die Bedeutung von Wahlämtern und sehr viele nutzten diese, um sich damit ein sehr schlaues Leben zu machen.

Und so schaue ich heute einmal etwas näher gerade auf diese Wahlämter, welche durchaus ein Teil der Berufspolitik geworden sind und sich heutzutage mit dem „Berufspolitiker“ als eine ganz neue gesellschaftliche Kaste etablieren. Ursprünglich ein reines Ehrenamt, welches allerdings schon wie gesagt von Anfang an gerne missbraucht wurde.

Wahrscheinlich um diesem Missbrauch besser begegnen zu können, wurde die Idee geboren, ehrenamtliche Politiker (Wahlamt) für ihr Tun gleich so zu bezahlen, dass sie alleine damit ihren eigenen Unterhalt und auch den der eigenen engeren Familie bestreiten können. Und daraus entwickelte sich sehr schnell ein ganz eigener Beruf, der einem gewählten Volksvertreter ein sehr bequemes Leben sicherte, zumindest so lange wie er in Amt und Würden blieb.

Was nur ganz folgerichtig dazu führte, dass jeder, der es schaffte, gewählt zu werden, nun bestrebt war, dieses Ehrenamt zumindest bis zum Einritt in das Rentenalter zu behalten. Wobei beides die Bezahlung wie auch die „Ewigkeit“ bereits damit gegen alle demokratischen Grundsätze verstößt.

Wir alle sind egoistische und faule Individuen, die ihre ganz eigenen Interessen durchsetzen wollen. Die Demokratie schafft es dabei am besten, hierbei zwischen allen Beteiligten zu vermitteln, indem wir alle mit in die Entscheidungen einbezogen werden und durch notwendige Mehrheiten und die dazu nötigen Kompromisse nicht nur den meisten Bürgern gerecht werden, sondern auch dafür sorgen, dass dabei kaum Bürger unter den Tisch gekehrt werden.

Das ganze System lebt dabei von der Partizipation fast aller Beteiligten und dem beständigen Wechsel der jeweiligen Entscheider. Ehren- und Wahlamt sollen dabei garantieren, dass sich keine festen Personengruppen etablieren, die sich dann auch noch durch eine Selbstrekrutierung weiter verkasten.

Wahrscheinlich um auch dieser Entwicklung besser begegnen zu können, wurde die Idee geboren, dass ehemalige Politiker auch nach ihrem Wahlamt versorgt werden, diese also nicht auf Teufel komm raus an ihren Ämtern festhalten müssen.

Dies führte nun aber leider dazu, dass man nun bereits spätestens gleich nach der Schulbank in die Berufspolitik strebt und sobald man daran Gefallen gefunden hat, seine Ämter so lange behält, bis man auf der Bahre aus dem Parlament getragen wird.

Diese Entwicklung führte letztendlich dazu, dass immer weniger Bürger mit in die Entscheidungen einbezogen werden, noch weniger Bürger überhaupt die Chance erhalten, sich in einem Wahlamt zum Wohle der Gesellschaft einbringen zu können und dadurch langsam aber sicher die Qualität der Volksvertreter immer mehr abnimmt: Verkastung –> Verkrustung –> Verdummung.

Inzwischen dürften bereits die Enkel der ersten bundesdeutschen Volksvertreter in den Parlamenten sitzen, was noch nie gut für eine Demokratie war und eigentlich in anderen Herrschaftsformen verstärkt zu finden ist. Demokratien sind einfach zu vielfältig und zu komplex, um durch Familienverbände geführt werden zu können!

Schon alleine durch diese Entwicklung sind die heutigen Demokratien angeschlagen und weniger widerstandsfähig!

Erschwerend kommt nun mit hinzu, dass unsere systemrelevanten Personen nicht mehr wie im alten Rom versuchen müssen, wenigstens noch selbst an die Ehrenämter zu gelangen, sondern sich die Berufspolitik nun zunutze machen können, um sich ihre ganz eigenen Volksvertreter zu kaufen.

Und dies ist die aktuelle Win-win-Situation zwischen Geld und Politik, welche sich auf alle Parteien bezieht, selbst auf jene, die heftigst gegen „das Kapital“ wettern.

Der Zuverdienst ist für Berufspolitiker zu verlockend und dabei ist nur allzu menschlich, dass man selbst als Besserverdiener auf den einen oder anderen Euro mehr nicht verzichten möchte.

Was letztendlich dazu führt, dass bei uns Politik nicht mehr für die große Mehrheit, sondern für jene gemacht wird, die zumindest den entscheidenden Volksvertretern das Leben erleichtern (durch Berater & Lobbyisten) und ggf. auch noch weiter versüßen (durch Nebenverdienste & Geldgeschenke) können.

Das kann auch ganz gut erklären, warum heute Markus Söder selbst das Ende vom Verbrenner-Aus nicht weit genug geht. Aktuell ein ganz gutes Beispiel wie Einzelinteressen zulasten unseres gesamten Landes gehen.

Das Ende vom Verbrenner-Aus wird unsere Autoindustrie dabei nicht retten, eher ein Szenario schaffen, welches uns später die Schließung sämtlicher Werke als alternativlos schmackhaft machen soll. Wobei sich unsere üblichen systemrelevanten Personen noch beim Verkauf der Markenrechte nach China dumm und dämlich verdienen werden.

Ganz ohne Frage, wir alle leiden unter den Folgen der Berufspolitik! Je weniger man selber verdient oder besitzt, umso mehr. Ganz ohne Frage, wir sind daran alle selber schuld! Und ebenfalls ganz ohne Frage könnten wir es allesamt wieder richten, nämlich indem wir

  1. dafür sorgen, dass die Politik bei uns völlig transparent wird — was gerade in der heutigen Zeit ohne Probleme machbar wäre und
  2. vor allem eine Begrenzung aller bezahlten Wahlämter auf maximal drei Legislaturen einklagen und eine anschließende Weiterverwendung in staatlichen oder staatsnahen Strukturen verhindern.

„Unveränderbar ist nur das, was so schnell vergeht, daß für Änderungen keine Zeit bleibt.“

Niklas Luhmann (2021: 473)