Tanzschuhe

11.12.02025 5 (6)

Beitragsfoto: Tanzschuhe

Zur Disposition

Wie in den USA erfolgt und bereits in der Umsetzung begriffen, stellt man bei uns — auch hier in Deutschland — Europa und die Demokratie an sich zur Disposition.

Dabei sind Donald Trump, MAGA sowie die GOP nur der Schnelldurchlauf und auch nur deshalb, weil es in Europa bekanntlich immer etwas länger dauert. Was unseren Volksvertretern zudem die Gelegenheit gibt, ihr eigenes Vorgehen besser untereinander abzustimmen.

Wenn man als Berufspolitiker sämtliche Glaubwürdigkeit bei den Wählern verloren hat, ist der Übergang zur Diktatur die natürliche Folge.

Und weil dies seit Jahrtausenden spätestens seit dem alten Rom bekannt ist, scheuen und zieren sich anfangs noch die meisten Berufspolitiker, aber nur so lange, bis das Eis gebrochen ist, denn dann gibt es kein Halten mehr — wir können dies seit ein paar Jahren in den USA ganz wunderbar mitverfolgen; Hans Müller hat dies u. a. auch hier im Blog sehr gut dokumentiert.

Und so dürfen die jüngsten Schelten der etablierten demokratischen Parteien gegen die extremen Ränder nur noch als letztes Täuschungsmanöver angesehen werden. In Frankreich ist derweil Nikolas Sarkozy längst einen Schritt weiter und dient die Konservativen Marine Le Pen und ihrer Nazi-Partei an.

Aber auch bei uns dauert es nicht mehr lange, bis die Union die Juniorpartnerschaft unter einer AfD-Regierung akzeptiert; wobei die ersten Gespräche — wenn erwischt, gerne dementiert — bereits laufen, zumindest auf lokaler Ebene. Derweil versucht sich Friedrich Merz noch dadurch zu retten, dass er sich Donald Trump direkt andient — die AfD war wie bei Wladimir Putin auch hierbei wieder etwas schneller.

Und wir Bürger haben es gefressen, Europa und die Demokratie sind als Auslaufmodelle nicht mehr zeitgemäß! Dafür bekommen wir bald wieder Russengas, die Sicherheit von DDR-Renten und einen Zaun um uns herum, der uns wie zu den guten alten Zeiten vor allem Bösen schützt.

Wir könnten allerdings noch ganz anders! Gemeinsam für das eintreten, was uns allen über Jahrzehnte hinweg gutgetan hat, trotz vieler Rückschritte, Fehltritte und Eskapaden, nämlich weiter an einem einigen Europa und unseren Demokratien festhalten und damit unseren US-amerikanischen Freunden zeigen, dass diese bereits vor gut 250 Jahren richtig lagen und die alten europäischen Gewohnheiten noch nie die Lösung für echte Probleme und große Herausforderungen waren.

In den USA gibt es nämlich noch ein paar Reste einer demokratischen Opposition und bestimmt auch noch ausreichend Demokraten, um gemeinsam mit den europäischen Demokratien wieder an einem Strang zu ziehen. Und genau das müssten wir Bürger unseren Volksvertretern vermitteln und auch abverlangen!

Wahrscheinlich scheitert das Ganze letztendlich daran, dass wir und unsere Volksvertreter dafür tatsächlich unangenehme Dinge tun müssten, wie z. B. Verantwortung übernehmen.

Überraschung

Ich lese gerne den „Rapporteur“, ein Rundschreiben von Euractiv. Uns allen dürfte es klar gewesen sein, dass das Europäische Parlament nicht über die Korruptionsaffäre um Federica Mogherini und Stefano Sannino debattieren wird, zum einen reicht es als Ausrede, dass die rechten Parteien eine solche Debatte fordern und zum anderen schadet es letztendlich dem Europäischen Parlament an sich.

Und nein, liebe deutsche Mitbürger, es ist weder ein italienisches noch ein griechisches Problem, sondern ein gesamteuropäisches, wobei wir Deutschen klamm heimlich und schon sehr lange die eigentlichen Korruptionsweltmeister sind — bei uns ist nämlich Korruption schon lange Staatsräson.

Besser wäre es gewesen, wenn eine demokratische Partei zuerst die Debatte gefordert hätte. An den europäische Staatsanwälten und Ermittlern liegt es nämlich nicht, die führen auf Brüssler Ebene die Korruptionsfälle, die in Berlin beständig unter den Tisch gekehrt werden, ans Tageslicht. Und das ist gut so! Hierbei ist das Brüssel-Europa weit besser als das Berlin-Deutschland. Ergo, eine Europaschelte, die die rechten Parteien im Europäischen Parlament gerne hätten, völlig fehl am Platz. Besonders weil die Vertreter dieser rechten Parteien mit die kriminellsten Abgeordneten Europas stellen.

Und wenn diese in Straßburg dann völlig verbrannt sind, nimmt man sie einfach wieder in den Bundestag zurück; da bei uns Korruption Staatsräson ist, ist das auch so in Ordnung.

Bürger, die nun dennoch wieder gegen Europa hetzen möchten, denen empfehle ich erst einmal in Stuttgart und Berlin zu kehren, gerne auch in weiteren deutschen Hauptstädten oder noch besser gleich im eigenen Rathaus.

Die heutige Überraschung aber ist, dass Rainer Wieland von der Union wieder als Abgeordneter ins Spiel gebracht wird.

Vermischtes

Was aktuell als erste Kuschelparty in Heilbronn propagiert wird, war in den 1970er-Jahren hier bei uns noch gang und gäbe, zumindest bei den etwas städtischeren Mitbürgern. Wir Jugendlichen nannten dies Wagenburgen. Zugegeben, Kuschelparty hört sich vielleicht doch etwas besser an, verspricht dabei aber sicherlich mehr, als die Organisatoren halten können.

Unsere Wagenburgen hingegen waren stets und dabei meist auch sehr spontan selbst organisiert und jeder selber dafür zuständig, dass es ihm gefällt. Den regelmäßigen Teilnehmern dürfte es auf alle Fälle gefallen haben, und unsere Eltern, im Falle, dass sie davon Wind bekamen, wollten vor ihren eigenen Sprösslingen sicherlich keine 1950er sein.

Wahrscheinlich aber nicht, weil sich die Flower-Power-Bewegung auch bei uns bemerkbar machte, eher weil inzwischen in fast jedem Haushalt die Bücher von Oswalt und Cornelia Kolle standen: „Dein Mann, Deine Frau, das unbekannte Wesen“.

Schon immer habe ich gerne in den Bücherschränken anderer Leute gestöbert, als Jugendlicher sehr gerne in jenen der Eltern meiner Freunde und Bekannten. Meist standen dort die gleichen Bücher, jene, die man halt kaufen musste, etwa so wie heute die Apps für die Mobiltelefone. Und so war es weit spannender zu ergründen, wie diese zusammengestellt wurden, nach Farbe, nach Größe, nach Kaufdatum, nach Autor oder gar nach unterschiedlichen Themen.

Lustig dabei, wo die Kolle-Bücher eingereiht waren. Noch amüsanter die Bücher selbst. Was unsere Eltern aus Büchern zu lernen versuchten, lernten wir beim eigenständigen Experimentieren — oder auch nicht.

Gestern Abend für meinen Geschmack etwas zu spät, gab es wieder einmal ein paar Runden Tango Argentino. Da sich die Paare inzwischen alle kennen dürften, gibt es auch immer wieder sehr nette Gespräche.

Danach durfte ich erfahren, dass Gasleitungen auch porös werden können und unser Jüngster zog kurzfristig bei uns ein, so lange, bis er seine eigene Wohnung wieder betreten kann.

Was mich daran erinnerte, dass unsere Regierung auch auf diesem Gebiet mit falschen Karten spielt, denn unsere Gasleitungen und ganz besonders jene in den etwas älteren Gebäuden und Straßenzügen sind gar nicht dafür vorgesehen, dass man auch nur ansatzweise Wasserstoff durchleiten kann.

Bevor ich mir nun wieder einmal sehr traurige Gedanken darüber machte, wie wir Normalbürger nur noch ausgebeutet und verarscht werden, wobei die meisten von uns das ganz genau so möchten (!), verzog ich mich auf „meine Insel“ und guckte eine Folge „Death in Paradise“ (2011 – dato) — zum Bingen reichte die Nacht nicht mehr aus.

Der Vorteil von TV-Serien gegenüber Büchern, in erstere guckt man immer wieder rein. Die meisten Apps hingegen liegen auch nur so auf dem Mobiltelefon herum.

Und das ist der eigentliche Vorteil von Flimmerkisten, sie ersetzen das urzeitliche Lagerfeuer und man muss dabei auch keine völlig unnötigen Gespräche führen.

„Lernen oder Nichtlernen, das ist die Frage. …
der sogenannte wissenschaftliche Fortschritt typisch mehr ungelöste als gelöste Probleme erzeugt, also das Nichtwissen im Vergleich zum Wissen überproportional vermehrt.“

Niklas Luhmann (2021: 437, 440)

S-Bahn vor Hauptbahnhof

10.12.02025 5 (4)

Beitragsfoto: S-Bahn vor Hauptbahnhof | © Bettina Kümmerle

Realitätsverweigerung

Spätestens seit Platons Höhlengleichnis müssten wir wissen, dass es ziemlich schwierig bis unmöglich ist, um zu erfahren, was um uns herum eigentlich so alles geschieht. Unsere Wahrheiten und Realitäten sind bestenfalls gut getroffene Annahmen.

Umso erstaunlicher ist es, dass wir Menschen uns von Anfang an den gegebenen Realitäten zu entziehen versuchen. Noch als kleine Kinder versuchen wir allesamt, die Welt um uns herum zu ergründen, aber bereits im Laufe unserer schulischen Erziehung verlieren die allermeisten von uns den Drang zu ergründen, warum es uns alle gibt und wie das Ganze eigentlich so funktioniert.

Aus frisch geborenen Homo sapiens werden sehr schnell bloße Primärprozessler, die etwas später bereits alles Erdenkliche unternehmen werden, nur um ihrer vermeintlichen eigenen Realität zu entfliehen.

Seneca begrüßte es, dass man dann den Freitod wählt, wenn die eigene zu erleidende Realität zu grausam ist. Dies wäre tatsächlich konsequent. Weniger, wenn man seiner als viel zu grausam wahrgenommenen Realität einfach nur durch Drogen entflieht.

Spannender Weise scheint diese Inkonsequenz gang und gäbe zu sein, oder aber die eigene Realität ist nie grausam genug, um echte Fakten zu schaffen.

Was allerdings nicht die Frage klärt, warum wir Menschen meist nicht einmal mehr zu ergründen versuchen, ob die Welt um uns herum nun gut oder schlecht für uns ist.

Meine Erklärung ist, dass man, wenn man es erkennen würde, ggf. dazu gezwungen wäre, wenigstens zu versuchen, etwas an dieser Situation selbst zu ändern.

Wahrscheinlich sind wir längst keine denkenden und handelnden Menschen mehr, sondern nur noch konsumierende und genießende Menschen.

Vermischtes

Schon wieder befinden wir uns mitten in der Adventszeit und es ist Zeit, dass ich etwas zurückschalte. Zumindest konnte ich den Weihnachtsbaum aus dem Keller holen. Vor Jahren hatte ich der Familie einen aus Metall aufgezwungen und war mir dabei sicher, dass er noch die eigenen Kinder überleben können wird — deutsche Markenqualität. Seit ein paar Tagen weiß ich nun, dass dieser über Sollbruchstellen verfügt und diese nun eine nach der anderen ihren Zweck erfüllen. Eigentlich hatte ich darauf spekuliert, dass ich die dort verbaute Beleuchtung einmal austauschen muss.

Ein möglichst nachhaltiges Leben zu führen ist schwer, vor allem dann, wenn die gesamte Gesellschaft um einen herum auf sinnlosen Verbrauch und Zerstörung aufgebaut ist. Einzig dabei ist zu bewundern, dass die Verantwortlichen es geschafft haben, uns das Abwracken der gesamten Welt als Wachstum zu verkaufen.

Jüngst schaffe ich es wieder etwas öfters das Tanzbein zu schwingen, wobei ich nun feststellen muss, dass es ziemlich schwer ist, den Takt zu halten, wenn man die Musik nicht mehr so richtig hört. Und da ich weiterhin darauf bestehe, die Führungsschritte zu tanzen, helfen dabei auch nicht die sicherlich gut gemeinten Korrekturen meiner besseren Hälfte.

Jetzt hoffe ich einmal nicht, dass ein Leser daraus wieder eine vermeintliche Misogynie herauslesen wird. Dabei war ich schon eine Emanze, als die meisten der damit heute so offensiv auftretenden Personen noch gar nicht geboren waren. Ich glaube heute noch an Gleichberechtigung, lehne es aber weiterhin ab, wenn man diese einzig und alleine nur ins Feld führt, um sich eigene Vorteile zu verschaffen.

Echte Emanzen habe heute tatsächlich Seltenheitswert! Deren teilweise sehr populäre Abziehbilder, die außer ihrem vermeintlichen Emanzentum und erschwindelten Karrieren nichts präsentieren können, prägen aktuell die öffentliche Diskussion — was aber ganz gut in unsere heutige Welt passt.

Vor kurzem habe ich wieder einmal unzählige Bücher entsorgt. Dabei viel mir das Buch „Alt – Manifest gegen die Herrschaft der Jungen“ von Esther Vilar in die Hände und ich stellte es wieder zurück; bei Gelegenheit möchte ich doch nochmals darin schmökern.

Übrigens, nach einem Fernsehstreitgespräch am 6. Februar 1975 mit Alice Schwarzer wurde Esther Vilar zu einem regelrechten Hassobjekt für Feministinnen und tätlich angegriffen. Ich fand ihr dem Gespräch zugrunde liegendes Buch „Der dressierte Mann“ (1971) damals hingegen als eine Art Gegenthese sehr brauchbar und sah ihre Argumentation in den folgenden Jahrzehnten auch teilweise bestätigt.

Als ich das Buch „Alt“ 1980 las, gab es als Zugabe noch einen eigenen Button, den ich leider nicht mehr finden konnte. An diesen kann ich mich noch erinnern, leider nicht mehr an den Inhalt des Buches. Da das Buch heute noch in einem Regal steht, lässt darauf schließen, dass ich es wieder einmal zur Hand nehmen wollte. Nach 45 Jahren werde ich es sicherlich aus einer ganz anderen Perspektive lesen.

Wahrscheinlich ist es das Schicksal aller Autoren, dass diese, wenn sie dem echten Leben halbwegs nahekommen, zumindest deren Bücher auf den Scheiterhaufen landen.

Straßenbahn

Eigentlich wollte ich nichts mehr über meine Heimatstadt schreiben, denn es ist schon alles geschrieben und positive Veränderungen sind in den kommenden Jahren nicht zu erwarten; der Fisch stinkt weiterhin am Kopf zuerst!

Mit Freude musste ich heute zur Kenntnis nehmen, dass mindestens ein Triebfahrzeugführer zu meinen Lesern gehört. Auf alle Fälle sprach er mich heute auf der Straße an und bat mich, doch wieder einmal meine Meinung zum öffentlichen Nah- und Straßenverkehr kundzutun.

Zu Fahrradfahren und sonstigen auf den Gehwegen Randalierenden habe ich bereits zu Genüge geschrieben. Leider wird es hier ebenfalls so schnell keine Besserung geben.

Auf alle Fälle nutzen sehr viele Verkehrsteilnehmer bei uns den zumindest in der Innenstadt bestehenden rechtsfreien Raum dazu, um auf der Straße zu machen, was sie gerade so wollen. Aus reinem Vergnügen heraus Menschen totzufahren hat in Heilbronn schon etwas länger Tradition.

Und selbst unsere Stadtbusse kennen schon länger keine roten Ampeln oder Zebrastreifen mehr, zumindest dann, wenn sich die jeweiligen Lenker gerade wieder einmal im Groove befinden. Jüngst durfte ich einen Omnibus bewundern, der ganz locker auf der Gegenspur Strecke machte und wohl darauf baute, dass er sich als Stärkerer schon wieder in die eigene Spur einreihen können wird. Zumindest dürfte damit die Verspätungsproblematik, die bei der Deutschen Bahn so gerne diskutiert wird, im Heilbronner Stadtbusverkehr vom Tisch sein.

Viele Autofahrer cruisen nicht nur die Allee hoch und runter, sondern nutzen, wenn sie in Eile sind, gerne Einbahnstraßen umgekehrt herum oder noch lieber die Fußgängerzone, um ungestört Strecke machen zu können. Von roten Ampeln einmal ganz zu schweigen. Der Tod anderer Verkehrsteilnehmer wird dabei billigend in Kauf genommen.

Nun ist dies nicht mehr nur eine Beobachtung von mir, sondern auch Triebfahrzeugführer, die durch das Stadtgebiet unterwegs sein müssen, stellen zunehmend fest, dass der Aufenthalt im Heilbronner Verkehrsraum nicht gerade der Gesundheit förderlich ist. Jene Verkehrsteilnehmer, die ihren Führerschein noch redlich erworben haben, wissen darum, dass Straßenbahnen nicht nur schienengebunden und ziemlich schwer sind, sondern auch über einen etwas größeren Bremsweg verfügen, vor allem dann, wenn sie die eigenen Fahrgäste nicht gefährden möchten.

In Heilbronn dürfte die Asozialendichte im Straßenverkehr besonders hoch sein, wobei die dementen oder debilen Führerscheininhaber noch mit dazu kommen. Wobei ich mich schon etwas länger frage, wie bei uns Menschen den Führerschein bekommen können, die nachweislich weder lesen und schreiben noch rechnen können.

Auf alle Fälle aber gibt es in der Heilbronner Innenstadt für die Straßenbahnen regelrechte Unfallschwerpunkte, die an Stellen liegen, wo Einbahnstraßen oder Ampelanlagen von Autofahrern besonders gerne ignoriert werden. Die Fahrt dorthin für die Triebfahrzeugführer jedes Mal eine regelrechte Belastung und die Notbremsungen bereits Gewohnheit.

Im Falle, dass es dann doch wieder einmal kracht oder gerade noch einmal verhindert werden konnte, müssen die Triebfahrzeugführer Beleidigungen aller Art erdulden und können wohl auch nicht mehr mit der Hilfe der Heilbronner Polizei rechnen. Inzwischen fährt wohl eine „Spezialeinheit“ aus dem Umland an.

Bevor nun aber ein Kraftfahrzeugführer, der eine rote Ampel überfahren hat, falsch aus einer Einbahnstraße herauskam oder doch nur zu blöd zum Autofahren ist, angezeigt wird, wird erst einmal ganz prophylaktisch der Triebfahrzeugführer vor den Kadi geschleppt und muss dann seine Unschuld durch mehrere Instanzen nachweisen — eine berufliche Attraktivität dürfte anders aussehen!


Flagge des Europarats und der EU

Europa zerbröselt 5 (6)

Beitragsfoto: Flagge des Europarats und der EU | © Pixabay

Aus gegebenem Anlass hatte ich bereits 2015 geschrieben, dass Europa brennt! Heute bin ich etwas schlauer und davon überzeugt, dass T. S. Eliot es viel früher und viel besser wusste. Bestimmt nicht nur rein zufällig hatte ich ebenfalls 2015 sein Gedicht „The Hollow Men“ hier im Blog gepostet.

„This is the way the world [Europe] ends
Not with a bang but with a whimper.“

T. S. Eliot (1925)

Bereits 2016 hatte ich meinen Blog-Beitrag „Europa brennt“ mit dem Gedicht „Europa is lost“ von Kate Tempest (heute Kae Tempest) musikalisch untermalt, was jüngst dazu führte, dass YouTube dieses Video immer wieder aus meinem Beitrag nimmt (wiederholte technische Probleme); reiner Zufall oder doch Teil des Kampfes gegen die individuelle Selbstbestimmung?

Europa, ganz egal von welchem Europa wir dabei eigentlich sprechen, zerbröselt! Allerdings von innen heraus und nicht wie viele es uns glauben machen wollen an den Rändern beginnend! Der Rand Europas, wo immer er auch sein mag, steht spätestens seit 2022 in lodernden Flammen.

Das Sterben Europas begann allerdings schon viel früher, 1914 könnte als ein prominenter Startpunkt angesehen werden. 1990 gab es noch kurz ein letztes Aufbäumen bevor es ganz ins Siechtum überging.

Und dieses Siechtum scheint nun langsam aber sicher sein erlösendes Ende zu nehmen, der Ausverkauf der letzten Reste Europas hat längst begonnen!

Dabei war die Europäische Idee ganz offiziell 1945 die Lösung zur Rettung unserer doch so kleinen Welt, und spätestens 1948 hatten sich die Europäer aufgemacht, um gemeinsam eine bessere Welt zu schaffen.

Mit dem damals viel besungenen vermeintlichen „Ende der Geschichte“ (Francis Fukuyama, 1989 / 1992) glaubte sogar ich daran, dass die Institutionalisten doch recht behielten und wir mit vielen kleinen Schritten tatsächlich in Richtung heile Welt unterwegs seien.

Dabei war dies nur der Startschuss für alle Totalitaristen dieser Welt, nun endlich wieder aus ihren Löchern zu kriechen und sich die Welt erneut mit großen Schritten zu unterwerfen. China, Russische Föderation, Indien, USA und demnächst sogar die EU werden wieder zu dem werden, was wir alle eigentlich schon immer waren: ein sehr großer Haufen ungebildeter, dummer, egoistischer Individuen, die am liebsten splitternackten Diktatoren hinterherrennen.

Inzwischen gehe ich sogar davon aus, dass die ewig systemrelevanten Personen unserer Welt bereits 1945 wieder damit begonnen haben, um das Rad der Geschichte erneut zurückzudrehen.

Da Demokratien nur mit möglichst mündigen Bürgern existieren können, mussten wir miterleben wie zuerst die Bildungsmöglichkeiten für alle zurückgebaut wurden; das Ganze hat man uns Bürgern dann als Bildung für alle verkauft.

Die in jeder offenen Gesellschaft vorhandene Mobilität, welche letztendlich auch zu „Multikulti“ führt, hat man derart gelenkt, dass eher die Schattenseiten von gesellschaftlichen Änderungen zum Tragen kamen, auf alle Fälle aber so von der Gesellschaft immer mehr wahrgenommen wurden.

Durch beides hat sich in den letzten Jahren in Europa eine Gemengelage herausgebildet, die die Vorteile von Demokratie, Europa und einer freien Welt immer mehr in den Hintergrund rückten und dabei immer mehr die Urängste der Menschen weckten und nährten.

Selbst die alleine schon aufgrund der Änderung in der Alterspyramide absolut notwendigen Zuzüge von Menschen hat man uns Bürgern als beginnende Verfremdung verkauft. Schlimmer noch, man hat ganz bewusst darauf verzichtet, Migration zum Wohle aller zu steuern und zu regeln. Ganz im Gegenteil, man hat ganz bewusst den Zuzug von traditionell antidemokratischen Bevölkerungsteilen (z. B. Spätaussiedler) gefördert und damit noch mehr Öl ins bereits köchelnde Feuer geschüttet.

Das Ganze wird uns Bürgern nun mit den längst und völlig überholten Nationalismen wieder als Erlösung und Rettung vor all diesen hausgemachten Problemen und den weiteren Herausforderungen dieser Welt verkauft. Ob Ungar, Deutscher, Brite oder Franzose, wir alle sind wieder davon überzeugt, dass wir uns jeder für sich alleine selbst retten werden können.

Und damit erfüllen wir mit den althergebrachten Allmachtsphantasien die letzte Bedingung, um Europa nun in Gänze ausplündern zu können!

Die Totalitaristen haben erneut zur Jagd geblasen, die russische Föderation hält sich bereits an den Rändern Europas schadlos, die Chinesen und nun auch die US-Amerikaner plündern derweil, was noch zu plündern ist und unsere eigenen systemrelevanten Personen bedienen sich wo sie nur können!

Nicht umsonst sprießen die Milliardäre nur so aus dem Boden! Und anstatt, dass wir Menschen weiter an einem friedlichen, demokratischen, föderalen und sozialen Europa als Blaupause für unsere Welt arbeiten und den Ewiggestrigen Paroli bieten, lechzen wir nach den regelmäßig veröffentlichten Hitlisten der bei uns vorhandenen Milliardäre und schlupfen auch noch jedem gerade verfügbaren Autokraten in den Hintern.

Kein Wladimir Putin kann an unseren Rändern nagen, wenn wir das nicht möchten. Kein Donald Trump und auch kein Xi Jinping können uns ausplündern, wenn wir das nicht möchten. Auch kein europäischer Politiker kann uns ausnehmen, wenn wir das nicht möchten!

Keine einzige Demokratie wird von außen zerstört. Jede Demokratie zerstört sich selbst; selten mit einem große Knall, meist nur mit einem leisen Winseln!

Unser Europa zerbröselt und überall machen sich die Leichenfledderer bereits zu schaffen!