Romanauszug

4.3
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Beitragsfoto: Buch | © Pixabay

Bereits vor ein paar Jahren hatte mich meine bessere Hälfte dazu aufgefordert, einen Roman zu schreiben, denn Ehemänner wollen beschäftigt sein. Und so hatte ich immer wieder einmal an einem solchen geschrieben und diesen, als er im Entwurf halbwegs fertig war, einfach liegen lassen.

Da ich keine Ahnung habe, was einen guten Roman ausmacht, denn diese sind nicht meine favorisierte Art Lektüre, und schon gar nicht mein eigenes Produkt einschätzen kann, nehme ich jetzt einmal einen Teil davon und stelle diesen als Auszug zum Lesen zur Verfügung. Und so bin ich nun gespannt darauf, ob und was für Reaktionen es gibt. Vielleicht führen diese dann dazu, dass ich meinen Roman in eine Endfassung bringe. Aktuell hat er drei verschiedene Ausgänge, wobei ich mich bis heute für keinen davon entscheiden kann.

Beste Freunde

Die Stadtbahn rumpelte weiterhin in Richtung Heilbronn und es war bereits dunkler, als er es sich erhofft hatte, auch mangelte es immer noch an Mitfahrern, obwohl es abends doch den einen oder anderen Vergnügungssüchtigen geben müsste. Und so musste er sich nicht darauf konzentrieren, den Blicken seiner Mitfahrer auszuweichen. Zeit, um sich ein wenig weiter zu entspannen …

Die Nebengeräusche des P4 hatten ihn schon immer gestört. Diese Fahrzeuge waren vom Fahrkomfort her nicht mit dem Wolf zu vergleichen. Viel zu spät waren sie aus Sarajevo herausgekommen und hatten noch die gesamte Fahrt nach Dubrovnik vor sich. Sein Fahrer war ein altbekannter Kamerad, den er wieder einmal von seinem französischen Vorgesetzten ausgeliehen bekommen hatte. Und er hätte es eigentlich wissen müssen, denn selbst für einen Fremdenlegionär war dieser ungewöhnlich. Gut einen Kopf größer als er mit mindestens 10 kg mehr Muskelmasse bei allerbester Gesundheit. Dies war ihm bereits vor längere Zeit aufgefallen. Auch dass seine Dienstzeit sowie die vorhandenen Auszeichnungen, sehr ungewöhnlich für einen Mannschaftsdienstgrad waren. Immer noch rührend fand er dessen Pläne, die er ihm bereits vor längerer Zeit einmal mitgeteilt hatte; nach seiner Zurruhesetzung wolle er zusammen mit seiner langjährigen Freundin und deren Kind eine kleine Kneipe, am liebsten in Strandnähe, in Südfrankreich eröffnen. Bis dahin war alles im Bereich des ganz Normalen, nicht aber die Tatsache, dass sein Kamerad, egal zu welcher Tageszeit oder Gelegenheit, immer wie frisch gebügelt daherkam, und er selbst daneben jedes Mal wie ein Clochard aussah. Was zu Hause noch als Zufall durchgegangen wäre, war in den letzten Monaten, wo es nicht nur an Unterkunft, sondern auch an Wasser, Strom und anderen angenehmen Dingen mangelte, nun wirklich nicht mehr zu übersehen.

Und so war es kein Zufall, dass er gerade heute diesen Fahrer von seinem französischen Vorgesetzten zugeteilt bekommen hatte, wie bereits die vergangenen Jahre auch, nämlich jedes Mal, wenn sich seine Chefs keinen Reim aus den geplanten Vorhaben machen konnten.

Sie wissen, warum es heute nach Dubrovnik geht, fragte er deshalb nur noch anstandshalber. Wir fahren in die Nähe von Split, um es auf den Punkt zu bringen, war die lapidare Antwort. Und warum gerade Sie hakte er nach. „Ganz einfach, weil wir die besten Freunde sind, … solange man mir nichts anderes sagt.“ „Es ist immer gut, beste Freunde zu haben“, war seine knappe Antwort.

„Sie wollten kurz vor Neum geweckt werden.“ Es war schon spät geworden und eine Weiterfahrt wäre für seinen neuen besten Freund nur noch eine Qual. „Wir verlassen jetzt die Route und fahren weiter nach Dubrovnik“, befahl er seinem Fahrer. „Wir sollten doch zuvor noch etwas erledigen?“ insistierte sein Gegenüber. „Nicht nur ihr Franzosen könnt improvisieren! Und bleiben Sie ganz ruhig, wenn jemand warten kann, dann der Tod.“

In Dubrovnik angekommen, fanden sie dann auch die Hotelzufahrt, wobei es von dort aus mit dem Fahrstuhl abwärts in die Lobby ging. Erstaunlicher Weise war das Hotel noch in einem guten Zustand, was man am kommenden Morgen von der Altstadt, auf die man von hier aus sehr gut blicken, nicht gerade behaupten konnte.

In der leeren Hotellobby angekommen, die so ihre volle Größe richtig zur Geltung bringen konnte, wartete ein älterer Mann, der die beiden Soldaten recht herzlich grüßte und sich als ehemaliger Hoteldirektor, „noch vor dem Krieg“, vorstellte. „Herr Müller, ein Freund hat sie angekündigt. Sie bekommen das beste Zimmer im Haus, übrigens, dort hat bereits, vor dem Krieg, die englische Königin übernachtet. Ich darf behaupten, dass ihr der Aufenthalt hier bei uns im Excelsior sehr gut gefallen hat.“

„Ich schlafe im Auto“, merkte der Legionär an. „Ich lasse meinen besten Freund doch nicht im Auto schlafen, außerdem wird das Zimmer groß genug für uns beide sein. Bringen Sie unser Gepäck aufs Zimmer und wir treffen uns an der Bar. Und machen Sie sich um den P4 keine Sorgen, ich habe noch keinen verloren.“

Nach ein paar Bieren an einer leeren Bar gingen Sie ins Zimmer und er ärgerte sich doch ein klein wenig, dass er überhaupt nichts von dieser „Queens-Suite“ hatte. Als er am nächsten Morgen erwachte, war sein Fahrer schon wieder auf den Beinen und hatte Teile der Suite in eine Wäscherei umgewandelt.

Jetzt war das mit der Uniform des Fremdenlegionärs auch geklärt. Und sein neuer bester Freund war bestimmt glücklich darüber, dass er ein normalgroßes Bügeleisen zur Verfügung hatte. „Ich benötige wenig Schlaf“, war seine morgendliche Begrüßung. Kurz darauf stand er wieder wie aus dem Ei gepellt da. „Wo haben Sie denn meine Tasche?“, fragte er den Legionär und packte kurz darauf seinen schwarzen Anzug aus, den er sich erst vor ein paar Wochen, „nur so für alle Fälle“, per Militärpost nachschicken lassen hatte.

„Sie sehen aus wie ein Bestatter aus einem Hollywood-Schinken, nur schicker. Hätte ich so nicht vermutet.“ „Wo haben Sie die Munition, fragte er, nahm das Magazin aus seiner P1, entlud die Waffe und sicherte sie wieder.

„Wie viel Schuss benötigen Sie? Acht oder sechzehn?“ „Neun“ „Neun, warum denn gerade neun?“ „Einfach eine alte Angewohnheit.“

Mit zunehmendem Erstaunen sah sein neuer bester Freund dabei zu, wie er seine alte Beißzange aus der Tasche zog und eine Patrone nach der anderen manipulierte. „Und ich dachte schon, Sie hätten keine Macken.“

Drei Tage zuvor

„Müller!“, donnerte es wieder einmal durch alle Räume, und die mit Plastikfolien versehenen Holztrennwände waren einfach keine gute Lösung, um Gespräche nur halbwegs vertraulich führen zu können. Der Rufer, ein berühmt berüchtigter französischer Oberst, war seit Ankunft im Einsatz sein direkter Vorgesetzter und, gemäß sich haltenden Gerüchten, auch der Erfinder des „Managements by Corridor“. Tatsächlich aber war er ein brillanter Offizier, leider mindestens genau so bösartig. Und da langsam bekannt wurde, dass er schon wieder eine Beförderung ausgeschlagen hatte, um erneut an einem Einsatz teilnehmen zu können, wurde er selbst von Generalen nur noch mit Samthandschuhen angefasst.

„Müller, Dein Freund ist wieder da! Das darf aber nicht zur Gewohnheit werden.“ Neben ihm saß ganz entspannt ein französischer Major, der einzige Offizier, der offensichtlich keine Angst vor diesem Oberst hatte. Und da er dies bereits vor einigen Monaten feststellen konnte, wurden ihm dieser Kamerad immer sympathischer, dies umso mehr, seit er diesen besagten Oberst selbst immer besser kennenlernen durfte.

Kennengelernt hatte er den Major unter eigentlich für das Militär ungewöhnlichen Umständen, nämlich als er in einen bilateralen Verband versetzt wurde, aber nicht, wie gewünscht und vom Personalamt beabsichtigt, in die Planungsabteilung kam, sondern Leiter der Aufklärungs- und Abteilung für militärische Sicherheit wurde. Von da an war er plötzlich nur so von französischen Kameraden umgeben, die einen sehr professionellen Hintergrund hatten. Und obwohl er selbst noch Hauptmann war, wurde seine Abteilung jeweils bei den Übungen mit zwei französischen Majoren verstärkt, die sich zu seiner völligen Überraschung überhaupt nicht daran störten, dass sie von einem Hauptmann geführt wurden. Einer davon war dieser besagte Major; beide Kameraden konnte er, zu seiner völligen Überraschung, auf gemeinsamen Lehrgängen etwas besser kennen und schätzen lernen. So wurde es ihm dann sehr bald klar, dass diese in ihrem echten Leben ganz andere und teilweise auch viel spannendere Dinge taten, als auf internationalen Übungen in Containern oder gar auf Lehrgängen herumzusitzen.

Zum ersten Mal in diesem Einsatz hatte er seinen Freund getroffen, als dieser am Tag nach einer gemeinsamen Ausfahrt mit seinem Chef plötzlich in dessen Zimmer saß. Eigentlich hatte er das nun Folgende mit seiner blödsinnigen Aktion tags zuvor selbst verursacht und auch sogleich dafür bezahlen müssen.

Zu dieser Aktion kam es nur, weil, kaum im Einsatz, der Oberst nur noch lamentierte und ihn beständig wissen ließ, dass er als Kommandeur eines Regimentes von Legionären in Sarajevo alles viel besser im Griff hatte, als es jetzt bei dieser ersten gemeinsamen deutsch-französischen Aktion der Fall war. Er selbst konnte dieses Meckern aus der bisher gemachten Erfahrung heraus auch nachvollziehen. Weniger aber, dass sich sein Chef immer wieder aufs Neue darüber freute, ihn wissen zu lassen, was ihm an der aktuellen Situation überhaupt nicht gefällt.

Das Ganze gipfelte dann in der Behauptung, dass sein deutscher Adjutant nicht einmal in der Lage sei, für gutes Essen zu sorgen. Schlimmer noch, sämtliche Mitarbeiter mussten diese sehr persönliche Anschuldigung mit anhören, ob sie es wollten oder nicht. Und so war er zur Überzeugung gelangt, dass wirklich keiner mehr etwas gegen gutes Essen haben könne und er auch einmal reagieren müsse.

So tätigte er ein paar Telefonate und wies seine Mitarbeiter, alles Legionäre, an, am Abend zwei P4 mit voller Funkausstattung bereitzuhalten, weil sie alle zusammen und auf Rechnung des Obersts essen gingen. Sein Chef kam nicht mehr umhin, die Lagerwachen zu verständigen und die Leitstelle über eine nächtliche Erkundungsfahrt zu informieren. Kaum über die Sniper Alley hinaus, wollte der Oberst wissen, ob die Verbindung zur Leitstelle noch besteht, und die Legionäre antworteten ihm, wie es ihnen zuvor befohlen worden war. Als es dann über die grüne Grenze in die Republika Srpska ging, fragte er ihn nur noch, was es zu essen gäbe.

Im Fischrestaurant angekommen fuhren sie auf einen schwer bewachten Parkplatz und übergaben bewaffneten Türstehern ihre FAMAS und MAC-50. Auf die Abgabe seiner P1 verzichteten die Türsteher allerdings freundlicher Weise, was den Oberst nun auch nicht mehr erstaunte.

Nach einem zugegebener Maßen sehr guten Abendessen in illustrer Gesellschaft kehrten sie wohlbehalten in den frühen Morgenstunden in das Lager zurück. Ob der Oberst die Zeche bezahlte oder ob sie von den anderen Gästen eingeladen wurden, daran konnte er sich nicht mehr erinnern.

Und so kam es, dass er nun vom Oberst freigestellt wurde, um mit seinem Freund eine Erkundungstour zu unternehmen. Diese Tour führte in eine schäbige Kneipe in Flughafennähe, wo sie die einzigen Gäste waren.

„Du glaubst doch nicht, dass so eine schräge Aktion wie gestern unbemerkt bleibt?“, fragte ihn der Major, und ohne auf die Antwort zu warten, ging dieser gleich zur Sache. „Wir haben vor Kurzem gerade erst bei so etwas drei P4 verloren.“ Er ließ den Major wissen, dass er davon gehört hätte, dass dies aber nicht vor einem Restaurant, sondern vor einem Bordell gewesen sein soll. „Ich werde mich aber einmal umhören.“

Den Rest des Abends erzählte der Major, dass er als „Afrikaner“ von Anfang an und nun schon viel zu lange in diesem Teil Europas herumsitzen muss, und sich das Ganze nur verschlimmert als verbessert. Vor allem, dass sich die Amerikaner viel zu stark engagieren und jetzt auch noch die Deutschen mitspielen möchten. Wie schön war es doch noch in Afrika, als man Hubschrauber mit Verkehrsmaschinen in fremde Länder verlegte, um von dort aus in noch anderen Ländern Regierungskonvois zu vernichten. Oder auch nur das eine oder andere Boot zu versenken. Das alles hätte noch Sinn gemacht, aber hier sei alles nur noch völlig durchgedreht. Auch sei ihm vor Kurzem erst die Frau davon, und jetzt muss er auch noch gucken, wie er seine eigene Crew so langsam, aber sicher wieder von hier wegbekommt.

Für solche Nachrichten war diese schäbige Kneipe gerade der richtige Platz, und er überlegte sich gerade, wie lange er selbst noch hierbleiben muss, als ihn der Major aufforderte auszutrinken und ihn zurück ins Lager brachte.

Und jetzt saß der Major wieder bei seinem Oberst. Offensichtlich besser gelaunt als beim letzten Mal, was bestimmt nicht an den drei P4 lag, die man bereits vor längerem in einer Ecke des Lagers gefunden hatte, neben so vielem anderen Wehrmaterial, das in diesem Land so gerne und so leicht verschwand.

Dieses Mal ging es aber zuerst in eine Innenstadtwohnung einer Mitarbeiterin des Lagers. Dort gab es guten Kaffee, und er fand zu seiner völligen Überraschung auch seinen eigenen schwarzen Anzug, frisch gebügelt, vor. Schnell umgezogen ging es dann in das feinste Restaurant des Landes, mit guter Livemusik und noch besserem Essen.

Offensichtlich durfte der Major wieder nach Afrika, aber zumindest wieder nach Frankreich zurück, anders konnte er sich diese Einladung nicht erklären. Erst am Ende des sehr angenehmen Abends kam der Major auf den Punkt und informierte ihn, dass er fast alle seiner Mitarbeiter wieder aus dem Land und er nur noch die eine oder andere unschöne Sache zu bereinigen hätte.

Und dann lies er die Katze aus dem Sack, legte ein Exemplar von Sein und Zeit auf den Tisch und richtete einen Gruß von einer gut bekannten Dame aus, bei der er, was ihm nun persönlich sehr leidtäte, noch eine Gutschrift hätte. Wie er zu dieser Gutschrift kam, wollte er ihm jedoch nicht mitteilen. Nur, dass diese mit dem kleinen Gefallen, dem er ihm jetzt machen werde, abgegolten sei. Und sowohl besagte Dame als auch er hoffen, dass das Problem sehr schnell aus der Welt sei.

Die weiteren Details waren noch schneller geklärt, das Buch konnte er behalten und die benötigte Munition ging auf Kosten Frankreichs. „Du kannst so viel davon haben, wie Du möchtest, denn wir müssen den Rest eh in der Drina versenken.“ „Wir sollten weniger in Bücher, dafür aber mehr in Munition investieren, bei uns wird immer noch jeder Schuss gezählt und gebucht.“

„Wie habe ich mich eigentlich verraten?“, wollte er zum Schluss noch wissen. „Als wir feststellten, dass es einen neuen Ausputzer im Bereich gibt, bloße Recherche und dann fehlte nur noch die Bestätigung. Ich dachte immer, Du bist einer von uns. Ein Tipp eines alten Freundes, Du solltest zumindest mehr Empathie heucheln und Deine Vorgesetzten nicht immer, wie potenzielle Opfer anschauen. Die spüren das und töten Dich auf ihre eigene Art und Weise. Und falls Du dann einmal mein Alter erreichst, musst Du erkennen, dass Du sie nicht alle töten kannst.“

Wieder im Hier und Jetzt

Mit neun Schuss in der P1, verdeckt auf der linken Seite in der Anzugjacke getragen, ging es hinunter zum Frühstück. Auch dort waren sie die einzigen Gäste. „Das Gepäck bleibt im Zimmer. Der Oberst erwartet uns frühestens morgen Abend zurück.“

Kurz darauf waren sie die Küste entlang in Richtung Split unterwegs. „Sie haben sich die Adresse für unseren Zwischenstopp bestimmt schon genauer angeschaut?“ „Werde ich finden, aber warum Zwischenstopp?“ „Ich muss mich noch bei jemanden in Split bedanken, dann haben wir noch ein paar Bier in Dubrovnik und danach fahren wir zurück.“

Die Küstenstraße von Dubrovnik nach Split ist immer wieder diese Fahrt wert, und so genoss er sie und war gespannt darauf, wo der Zwischenstopp wohl sei. In Makarska bog sein Fahrer von der üblichen Route ab und kam an einem Parkplatz zum Stehen. Kurz darauf erschien ein Mann Mitte 30, um die 190 cm groß und gut 100 kg schwer, durchtrainiert und vom weiteren Aussehen her wohl ein Einheimischer, trat an den P4 heran und blaffte den Fahrer an: „Wisst Ihr überhaupt, wie lange wir bereits gewartet haben?!“

„Sie bleiben am Wagen zurück!”, befahl er seinem neuen besten Freund, stieg aus und folgte dem Mann. Dieser führte ihn zu einem Apartmentkomplex, der schon bessere Tage gesehen hatte. Dessen Umgebung hatte aber immer noch ihre landschaftlichen Reize, und gleich in der Nähe befand sich ein landesübliches Haus, das jüngst erst eine Aufwertung erhalten haben musste.

Und genau auf dieses Haus steuerte der Mann mit schnellen Schritten zu, eine Dame mittleren Alters, keine 60 kg schwer, öffnete die Tür und lies ihn ein, sein Begleiter folgte ihm nach. Sie führte beide weiter ins Haus hinein zum wohl größten Raum mit einem schönen Blick auf Bäume, hinter denen sich der Strand befand.

Dort in Fensternähe saß ein Mann, Mitte bis Ende 50, etwa 80 kg schwer im Rollstuhl und blaffte ihn ebenfalls an: „Das ist eine Unverschämtheit uns so lange warten zu lassen! Wissen Sie eigentlich …“

Der Rollstuhl war nicht fixiert und so bewegte er sich etwas nach hinten, als die ersten 3 Kugeln im Brustbereich des Rollstuhlfahrers einschlugen, und wohl deswegen schlug Kugel Nummer 4 etwas unschön im Schädelbereich des Mannes ein und beendete das allgemeine Warten.

Die Dame mittleren Alters war offensichtlich etwas von der Lautstärke einer Pistole ohne Schalldämpfer überrascht, strauchelte nur ein wenig als Kugel 5, 6 und 7 in ihrer Brust einschlugen, glitt ohne Kommentar die Wand hinunter und kam so zum Sitzen. Damit konnte er Kugel Nummer 8 etwas besser in ihrer Stirn platzieren.

„Was soll die Scheiße schrie sein Begleiter! Ira gehört zu uns! Und was für eine Sauerei? Ein ganzes Magazin! Die halbe Stadt wird jetzt alarmiert sein! Wie soll ich das nur …“

Kugel Nummer 9 trat wie beabsichtigt im Genick ein und hinterließ zu seinem Erstaunen ein paar unschöne Flecken an der Decke. Er zog die Tür hinter sich zu und machte sich auf den Rückweg. Die Bewohner von Makarska nahmen von ihm auch beim Rückweg keinerlei Notiz.

„Sie kommen allein zurück?“, fragte der Legionär. „Ich komme immer allein zurück.“, erwiderte er. „Muss ich mir jetzt Gedanken machen?“ „Solange ich nichts anderes höre, nein.“

Die Weiterfahrt nach Split, der dortige kurze Aufenthalt, weil nur ein Anstandsbesuch, und auch die Rückfahrt ins Hotel verliefen selbst für einen Legionär in ungewöhnlicher Stille; er nutzte die Gelegenheit, um jeden Blick aufs winterliche Meer zu genießen.

Im Hotel angekommen trafen sie sich erneut an der leeren Bar. „Ich hatte Ihnen doch mal von meiner Idee einer Kneipe erzählt, oder?“. „Die zusammen mit Ihrer Freundin und dem Kind?“. „Ich glaube, es ist so langsam so weit.“. „Die Rhone-Mündung ist bestimmt ein schöner Ort für solch eine Kneipe.“. „Sie nehmen es mir aber nicht übel, wenn ich Sie dort nicht begrüßen möchte?“. „Ist schon ok, würde ich auch nicht wollen.“ Nach ein paar weiteren Bier verabschiedete sich sein Fahrer: „Sie wissen ja.“. Er erwiderte: „Lassen sie die Tür offen, ich komme später nach.“.


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