The Länd

27.7.02026 5 (6)

Beitragsfoto: The Länd ist überall

Hertenstein

Die weniger interessierten Mitbürger werden bisher weder etwas von Hertenstein noch etwas von den Europäischen Föderalisten gehört haben. Für mich ist dies bei jenen, die Politik studieren oder gar mit der Politik ihren Lebensunterhalt bestreiten der Lakmustest schlechthin.

Aber auch jene, die sich mit der Europäischen Idee beschäftigen, entfallen deren Jubiläen sehr gerne. Für uns Föderalisten ist dieses Jahr ein besonderes! 80 Jahre Hertensteiner Programm. 80 Jahre UEF, 80 Jahre EUD und auch 80 Jahre EUROPA-UNION Heilbronn; zufällig darf ich bereits ein Viertel dieser Zeit deren Vorsitzender sein.

Mit dem Europa-Ball in der Harmonie hatten wird dieses „Festjahr“ begonnen. Leider stoßen unsere Feierlichkeiten auf zu wenig Resonanz bei unseren Mitbürgern. Sehr erfreulich, dass zumindest die GEMA Verständnis für unsere Situation und sich uns gegenüber sehr zuvorkommend verhalten hat — hier muss man die GEMA einfach auch mal loben! So schnell wird es in Heilbronn allerdings keinen Europa-Ball mehr geben. Mein kleiner Trost dabei, auch Manfred Weinmann ist damit zuvor bereits glorios gescheitert. Und er kannte uns Heilbronner wesentlich besser als es mir jemals gelingen wird.

Am 19. September 2026 gibt es nun die inzwischen zehnten Hertensteiner Gespräche, die wie geplant 2028 nach insgesamt zwölf Jahren intensiver Diskussionen ein erstes Ergebnis liefern sollen. Wir überlegen uns, wie wir die 80 Jahre-Feierlichkeiten am besten in die 10. Hertensteiner Gespräche mit integrieren können.

Inzwischen haben sich bereits sehr interessante, fachkundige und engagierte Föderalisten zu den Gesprächen angemeldet, wie immer kommen diese dabei aus allen Ecken Europas nach Heilbronn. Mit bereits über 60 angemeldeten Teilnehmern sind wir auf einem guten Weg, um tatsächlich die Obergrenze des Machbaren erreichen zu können. Meine Erfahrung zeigt mir, dass maximal 120 Menschen produktiv mit- und untereinander diskutieren können; was alleine schon 7 140 Kommunikationskanäle (kleiner Insider) öffnet.

Das Gute, wir haben doch so einige Gesprächsprofis mit dabei, die die gemeinsamen Diskussionen sicherlich sehr erleichtern werden und zudem wieder eine ganze Reihe an sehr fach- und sachkundigen Impulsgebern. So erwarten wir erneut sehr spannende und informative Gespräche rund um Europa, wovon jeder Teilnehmer profitieren wird. Intensiver wird man wohl kaum an einem anderen Ort über europäische Themen diskutieren können — das Europäische Parlament einmal ausgenommen.

Landesversammlung

Wir fuhren bereits am Freitag in den ländlichen Raum, wobei dies im Ländle gar nicht anders machbar sein dürfte, vielleicht einmal abgesehen von den Industrien um Mannheim und Ludwigshafen herum.

Am Veranstaltungsort angekommen, befanden wir uns in einer Gegend, in der sich besonders Rentner wohlfühlen. Wir fanden uns sofort vor Ort zurecht, hatten wir den Veranstaltungsort zuvor bereits erkundet. Nachdem wir die Veranstaltung vorbereitet hatten, wobei sich die lokalen Föderalisten mehr als vorbildlich einbrachten, hatten wir ausreichend Zeit, um die Gegend etwas näher zu erkunden. Etwas jünger hätten wir sicherlich die Therme aufgesucht, so war der Kurpark unser Ziel: Entspannung pur.

Auffällig, die etwas esoterische Atmosphäre des Parks. Erstaunlich wie sich bei uns Aberglauben und eine Globulikultur halten können — die meisten von uns sollten inzwischen im 21. Jahrhundert angekommen sein. Aber bereits vor Otto von Bismarck wusste man zu berichten, dass sich die Welt auf dem Land etwas langsamer dreht.

Abends testeten wir das Restaurant, welches am Folgetag für das Catering ausgesucht worden war. Bis auf das Eis in Eigenvermarktung eindeutig Sterneniveau — Chapeau an die Küche! Ich war nun gespannt auf den Folgetag.

Die Landesversammlung selbst sehr friedlich, was sicherlich der Gesamtsituation geschuldet war. Auch die Verbandsjugend war als solche vertreten; in Zeiten der Inklusion ein Anachronismus. Wir Heilbronner waren dieses Mal diplomatisch unterwegs und teilten unsere beiden etwas jüngeren Delegierten entsprechend auf.

Ich wurde gebeten, einen Workshop zum Thema Geopolitik anzubieten. Überraschenderweise kamen mehr Interessierte als gedacht. Das anschließende Feedback positiv. Für mich allerdings wie zu erwarten ernüchternd, was unser eigenes Verbandsdilemma wieder einmal ganz gut widerspiegelte: wie möchte man Europa einen, wenn man sich nicht einmal selbst einigen kann?

Der gemeinsame Abend erwartungsgemäß gut. Das Essen das Beste, das ich bei allen bisherigen Gremientreffen der Europäischen Föderalisten genießen durfte; sogar die Tapas in Barcelona mussten davor kapitulieren.

Am Folgetag gab es Delegiertenwahlen, welche für die EUROPA-UNION Heilbronn geplant gut verliefen. Wir konnten gleich zwei jüngere Mitglieder in die Verbandsgremien einbinden.

Achtung: die Verbandsarbeit findet weiterhin vor Ort statt! Gremienarbeit ist ein notweniges „Add-on“, aber kein Ersatz! Wer dies nicht berücksichtigt, der schadet dem Verband insgesamt.

Vermischtes

Mein Tipp an Blogger. Wenn mir etwas egal ist, dann schreibe ich doch nicht gleich auch noch einen ganzen Blog-Beitrag (Google-Rezensionen) darüber; so egal kann es dem Blogger dann doch nicht sein.

Nachdem ich nun einen größeren Abstand zu den Social Media gewonnen habe, musste ich am Wochenende doch wieder einmal in ein solches hineinschauen und war dabei sehr erstaunt. Mein erster Eindruck: digitale Selbstbefriedigung. Muss man einfach nicht haben. Und so bin ich nun noch bestärkter darin, dass Blogs weiterhin die bessere Kommunikationsform sind.

Zwischen etlichen Rechtsanwaltsterminen, was man halt so macht, damit es einem nicht langweilig wird, doch ein paar erbauliche Gespräche. Leider musste damit aber auch meine heutige Fahrt mit dem meseno-Bus entfallen.

So ganz nebenbei gab es dann doch Reaktionen von Studenten, die die letzte Klausur nicht bestanden haben. Auch wenn ich bereits vorher bekanntgebe, dass eine Klausureinsicht kein Basar ist, wo man um Noten und Punkte feilscht, wird es doch immer wieder versucht. Und so muss ich doch noch einmal im kommenden Semester an die Hochschule. Und wie immer stellt man dabei fest, dass die Studenten keine Klausureinsicht nötig gehabt, wenn sie sich nur ein klein wenig mehr vor der Klausur interessiert hätten. Bei mir erweckt dies den Eindruck, dass man gerne das Pferd von hinten aufzäumen möchte.


Barcelona

20.6.02025 4.8 (8)

Beitragsfoto: Postkarte

Vermischtes

Eigentlich bin ich kein Freund von Podcasts, auch wenn ich immer wieder darauf aufmerksam gemacht werde, wie z. B. durch Thomas Michl. Während einer erzwungenen Ruhephase und weil mich das Thema sehr interessiert, folgte ich nun der Empfehlung meiner besseren Hälfte und hörte mir die Peter Thiel Story an, ein Podcast des Deutschlandfunks. Empfehlenswert.

Wenn man nun den Hintergrund von PayPal („1. Schritt“) etwas besser kennt, dann sollte man nochmals darüber nachdenken. Auf alle Fälle muss man wissen, was man damit tatsächlich unterstützt. Über die damals weniger erfolgreichen Start-up-Gründer wie u. a. mich auch spricht heute keiner mehr.

Aus heutiger Sicht kann ich sagen, dass meine Start-ups nicht nur wegen Geld- und Zeitmangel gescheitert sind, sondern wohl auch, weil Bequemlichkeit und Ignoranz bei den Kunden nicht zu unterschätzende Variablen sind. Hinzu kam noch, dass sehr viele Mitbürger vom Gedanken einer Welt, den schon Seneca als grundlegend für jeden menschlichen Geist erachtete (2023: 1043), noch heute weit entfernt sind und welcher von „den Größen“ der Weltwirtschaft als das neue Feindbild angesehen wird.

Diese haben sich eine ganz neue Ideologie geschaffen, die alleine den „Auserwählten“ hilft und sich zudem die dazu entsprechenden Politiker gekauft, deren einzige Aufgabe es ist, unsere Demokratien langsam, aber sicher zu beerdigen.

Und diese „Auserwählten“ bauen dabei einzig und alleine auf die Bequemlichkeit und die Ignoranz ihrer Mitbürger. Genau damit konnten sie ihren Reichtum und ihre „Erfolge“ erreichen — ok, ein wenig Betrug und Steuerhinterziehung haben dabei sicherlich nicht geschadet. Aber tatsächlich nicht mit neuen Ideen oder Geschäftsmodellen, denn diese hatten viele andere auch und meist noch vor diesen „Auserwählten“.

Für diese Menschen spricht, dass sie tatsächlich erfolgreich sind, weil sie sich in unserem System, das sie selbst nun doch so vehement ablehnen (!), gegenüber allen anderen durchsetzen konnten — dies muss man sicherlich anerkennen!

Schändlich ist es aber nun, dieses System nicht verbessern zu wollen, sondern es abzuschaffen. Der einzige Grund dafür ist nicht das System selbst, sondern einzig und alleine jener, dass es keine Auserwählten gibt! Deswegen zerstören sie dieses System, noch bevor jemand anderes die Chance ergreifen kann, es ihnen nachzutun. Und hoffen noch darauf, dass sie in ihrer eigenen Utopie ewig leben werden können — extrem traurig, dass sie sich dabei nicht einmal Gedanken darüber machen, was sie überhaupt mit „ihrer Ewigkeit“ anfangen sollen oder schlimmer noch, jemals könnten.

Und genau dies führt diese „Auserwählten“ wieder mit ihren eigenen Opfern zusammen, die auch kein echtes Leben haben, dieses aber unendlich ausdehnen möchten. Dabei kommt es nicht einmal darauf an, ob man in einer Superyacht, in einem Learjet, einem schnöden Wohnmobil oder gar per Anhalter seinem eigenen Leben entflieht. Egal wohin man auch reisen mag, man wird sich immer selbst der eigene Feind, die eigene Langeweile oder der eigene Verdruss sein.

Und so ist auch deren Tod — sie werden ihm nicht entkommen — tatsächlich eine Gnade und niemals Unglück! Wir Menschen verdrängen aber auch dies, verdammen jeden, der uns an unsere eigene Sterblichkeit erinnert und huldigen jenen, die uns am besten bei dieser Verdrängung helfen! Genau das ist das eigentliche Geschäftsmodell dieser Menschen.

Wer jetzt an Matrix denkt, der liegt sicherlich nicht ganz falsch. Und so frage ich meine Leser: „Haben Sie heute schon gelebt?“

Ich beende meine heutigen Überlegungen frei nach Seneca damit, dass wer lebt, selbst an einem einzigen Tag die Ewigkeit für sich selbst findet.

Ruhe

Gestern ein Tag der Ruhe nicht nur wegen Fronleichnam, welcher wohl eher von den Katholiken gefeiert wird. Selbst in Städten, wo die Protestanten noch die Mehrheit stellen, ist es ruhig — Gesetz ist halt Gesetz.

Das Schöne an religiösen und sonstigen Feiertagen ist es doch, dass diese fast jeder feiert, zumindest aber geniest und dies unabhängig davon, ob man mit den diesen Tagen zugrunde liegenden Ideen oder Anlässe einverstanden ist — darin sind sich wohl alle Menschen einig.

Ich nutze den Tag, um mich noch ein wenig weiter zu erholen und hoffe darauf, dass ich am Wochenende wieder meinen Routinen verfallen kann — hat leider nicht geklappt.

Wohl wegen dieser Ruhe konnte ich erstmals bei einer Postkarte ein mit dieser verknüpftes Video entdecken. Nette Idee, um den alten Postkarten neues Leben einzuhauchen. Die Karte wurde mir von Konstantin zugesandt und am 6. Juni 2025 in Barcelona abgestempelt.

Wenn ich so auf die Karte schaue, dann sehe ich dort Antoni Gaudís Kathedrale fast schon fertiggestellt. Bei meinem letzten Besuch dort sah das Gebäude noch nicht so vielversprechend aus und man sammelte am Baustelleneingang Geld für den Weiterbau ein. Damals war ich noch Ulmer und freute mich doch ein klein wenig, dass Ulm seinen Rekord noch eine ganze Weile behalten können wird.

Die Spenden dürften inzwischen reichlich geflossen sein und Ulm vielleicht schon seinen Rekord verloren haben, wobei man das auch erst mit der Fertigstellung werten könnte.

„Uns gehört die Zeit, die vergangen ist, und nichts ist in sicherem Gewahrsam als das, was war.“

Seneca, 16. Buch, 99. Brief (2023: 995)