Lesezeichen

Bildungskrise 5 (1)

Beitragsfoto: Lesezeichen | © kertlis von Getty Images

Josef Christ | Frankfurter Allgemeine Zeitung

Was Entfaltung der Persönlichkeit heißt – Recht auf Schule (zuletzt aufgerufen am 25.1.2026, 11.25 Uhr)

„Wer nimmt die Perspektive der Kinder und Jugendlichen ein, wenn über die Krise der Bildung gesprochen wird? Eine Rede über Lebenschancenverteilung, die nur gehalten werden konnte, weil es staatliche Schulen gibt. …

Immer mehr Kinder sind bei ihrer Einschulung nicht schulfähig. Es gibt Grundschulen, an denen ein Drittel der Erstklässler nicht reif für die zweite Klasse ist, die Hälfte der Klasse kein Deutsch kann und 85 Prozent nur das unterste Leistungsniveau erreichen. Jugendliche verfehlen zunehmend die für eine berufliche Ausbildung und für eine Teilhabe an Staat und Gesellschaft unverzichtbaren Mindestkompetenzen im Lesen, Rechnen und Schreiben. Seit Längerem sinkt das allgemeine Leistungsniveau an deutschen Schulen. Der Anteil der Jugendlichen, die die Mindestanforderungen für die jeweiligen Schulabschlüsse verfehlen, wird größer. Zugleich gehen die Spitzenleistungen zurück. …

Die Suche nach Wegen, um die Bildungskrise möglichst rasch zu bewältigen, ist Sache der Politik, die hier vor großen Herausforderungen steht. Ich würde mir aber wünschen, dass dabei die große Bedeutung, die das Grundgesetz der Schulbildung für die Persönlichkeitsentwicklung der jungen Menschen beimisst, stärker beachtet wird. Dies umso mehr, als dieser Aufgabe zugleich eine soziale Dimension von großer Tragweite zukommt. Denn nur die leistungsbezogene Förderung der individuellen Begabungen und Fähigkeiten an den staatlichen Schulen kann gewährleisten, dass die jungen Menschen ihre Lebenschancen unabhängig von ihrer sozialen Herkunft und den Vermögensverhältnissen verwirklichen können.“


Sehr lesenswerter Beitrag!

Wie bei den Generalen auch, wissen Richter erst mit Pensionsbeginn wie man den eigenen Beruf hätte machen und ausgestalten können.

Manche von denen schreiben dann sogar noch Bücher darüber.

Ich habe derweil festgestellt, dass während man sich Intelligenz sehr hart erarbeiten muss, sich Dummheit einfach von ganz alleine vererbt.


Ipanema

17.1.02026 4.5 (8)

Vermischtes

Gestern bei der Nachhilfe wurde ich von einem behördlich als leistungsschwach eingestuften Schüler mit Migrationshintergrund sehr positiv überrascht. Die Lehrer haben ihn fälschlicher Weise in die Trottelecke gesteckt und lassen ihn ohne jegliches eigene Engagement nun einfach so mitlaufen. Beamtete Tunichtgute zerstören dabei wieder einmal ein Leben aus reiner Bequemlichkeit heraus. Da ich gegen keine Windmühlen mehr antreten kann und möchte, versuche ich nun die Resilienz dieses Schülers zu stärken und hoffe, dass er unser Schulsystem überleben wird.

Jeder Lehrmeister wird sicherlich sofort erkennen, was er an diesem jungen Mann hat. In einem funktionierenden Bildungssystem hätte dieser sicherlich auch als Akademiker brilliert, ausreichend Neugierde und Geist sind immer noch vorhanden — was mich nach acht Jahren deutschem Schulsystem sehr überrascht. Nach inzwischen drei Sitzungen arbeitet er mit und konnte gestern — weil ich einfach neugierig war — sogar mit ein wenig Anleitung eine Klausuraufgabe der kommenden Klausur zu meiner vollen Zufriedenheit beantworten; ob dies der Masse „meiner“ Studenten gelingen wird, bleibt abzuwarten.

Wer sich außerhalb von Deutschland ein klein wenig umschaut und selbst bei uns einmal unter dem Teppich guckt, der stellt fest, dass wir uns weltweit im Krieg befinden — an allen Ecken und Enden brennt es. Langsam aber sicher schieben sich allerorten auch die letzten Kämpfer in ihre Ausgangsstellungen, während immer mehr Gefechte und Gemetzel um uns herum toben. Die Kriegswirtschaften laufen sich bereits ebenfalls warm und die für den gesamten Schlamassel verantwortlichen Politiker versuchen weltweit noch mitzunehmen, was mitzunehmen ist.

Unsere Welt und wir Menschen ändern uns wohl nie! — gut achtzig Jahre Frieden waren für uns Europäer sicherlich mehr als genug. Jetzt fehlt nur noch der richtige Anlass, dass auch der letzte Polithonk (Honk -> Vollhonk -> Polithonk) brüllt, dass der Dritte Weltkrieg alternativlos sei.

Entspannend der gestrige Abend beim Kegeln, auch wenn es dabei traurige Nachrichten zum Verdauen gab. Erfreulich, dass plötzlich ein langjähriger Freund auftauchte und zudem sicherstellte, dass es einen fairen Wettbewerb Buben gegen Mädchen geben konnte. Dieses Mal haben die Mädels gewonnen, die Revanche wird sicherlich nicht lange auf sich warten lassen.

Bossa Nova

Zufälle gibt es. Da finde ich heute Morgen in meinem uralten CD-Spieler eine Platte, die ich sofort wieder abspielen musste, weil es so gut zu meiner aktuellen Stimmung passt, da macht mich meine bessere Hälfte auf einen Artikel in der FAZ über João Gilberto aufmerksam, der über das Lied „Chega De Saudade“ handelt, das als Startpunkt des Bossa Nova gilt. Daniel Haaksman schreibt dort, dass sich wahre Eleganz nie aufdrängt.

Da ich aktuell zum Leidwesen meiner besseren Hälfte mit Tango Argentino völlig überfordert bin, muss ich Klaus Brenner einmal fragen, ob er nicht auch einmal in den Bossa Nova einführen kann.

Zum heute bei mir zu hörenden Lied „The Girl From Ipanema“ (1962) muss ich sicherlich nichts Weiteres mehr schreiben, denn dieses dürfte Musikgeschichte sein.

Wenn alles heute noch halbwegs geordnet verläuft, dann schwinge ich abends dann doch noch das Tanzbein.

Interna

Während mein Ältester aktuell die Landesverteidigung übt und beide Söhne wieder einmal jeder für sich auf Wohnungssuche sind, die Taufe der Enkeltochter schon im Blick ist, dümpelt das Leben meiner besseren Hälfte und das meine weiter vor sich hin.

Das ist der Vorteil, wenn man sich ein Städtchen ausgesucht hat, das ganz von sich aus Entspannung pur bietet. Die leistungsstarke Jugend strebt wie ehedem weiterhin in die Welt hinaus, die lebensälteren Bürger wissen aber um den Vorteil von Gemütlichkeit und Beschaulichkeit.

Das Leben schlägt gerade im Alter immer öfters zu, egal wo man sich auch befinden mag, und so müssen wir aktuell ein paar traurige Informationen aus dem engeren Freundeskreis verarbeiten. Und auch wenn es bei uns ebenfalls seit ein, zwei Jahren nicht so ganz rund läuft, tröstet es bei weitem nicht, wenn es Freunden und Bekannten noch ein klein wenig schlechter geht — wer kam bloß auf die Idee, dass geteiltes Leid halbes Leid wäre?


Klassenzimmer

Volksverdummung 5 (6)

Beitragsfoto: Leeres Klassenzimmer | © Shutterstock

Die Volksverdummung schreitet in großen Schritten weiter voran. Wohl weil es kaum noch Lehrer gibt, die den Schülern noch das Rechnen beibringen können, werden nun ganz folgerichtig die ersten Konsequenzen gezogen. In Niedersachsen, eines jener Bundesländer, die schon immer durch Bildung für alle brillieren, schafft man nun in der Grundschule das schriftliche Teilen ab. Andreas Frey betitelt diesen Schritt in der FAZ (11.1.2026, 09:24 Uhr) wie folgt: „Die Abschaffung ist richtig“.

Die Begründung wie folgt:

„Aus der Fertigkeit erwächst kein Verständnis. Außerdem ist es auch grundsätzlich keine gute Idee: Das übertriebene Wiederholen von Verfahren raubt schwachen Schülern wichtige Lernzeit.“

Herr Leuders, FAZ (11.1.2026)

Im Bemühen, auch die schwächsten Schüler bis ins Bundespräsidentenamt zu hieven, bleiben nicht nur die intelligenten oder fleißigen Schüler auf der Strecke, sondern letztendlich alle!

Schon lange stelle ich selbst bei Studenten kein Verständnis mehr fest und würde mich schon darüber freuen, wenn diese wenigstens über ein paar Grundfertigkeiten verfügten. Mein Running Gag in der Klausur, das Multiplizieren von 12; das schaffen nicht alle Studenten im Fachbereich.

Ach, wer nun glaubt, das braucht man nicht mehr, weil man nur noch wissen muss, wo etwas steht, der hat Pech gehabt, denn das Leseverständnis gehört bei uns schon lange nicht mehr zu den Grundfertigkeiten eines Schülers. Bei mir lesen Studenten, die können nachweislich nicht zwischen „Studium“ und „Stadion“ unterscheiden, zumindest wenn sie dies in der Klausur lesen müssen.

Demnächst müssen die Dozenten ihre Klausuren auf Tiktok vortanzen, und wenn das keine ausreichenden Klickzahlen generiert, dann erhalten die Studenten ihren Masterabschluss, weil man diese nicht wegen der Inkompetenz des Lehrkörpers benachteiligen darf.

Schon etwas länger erhält man an manchen Universitäten den Universitätsabschluss bis hin zur Promotion, wenn man das richtige Parteibuch vorweisen kann — unzählige politische Karrieren wurden so gestartet. Politiker, die selbst dies nicht hinbekommen, die kaufen sich bekanntlich ihre Abschlüsse im Ausland.

Und jene „Kerzen“, die meinen, man könne bei uns Geld auch nur halbwegs gerecht umverteilen, die sind sogar davon überzeugt, dass man auch Intelligenz umverteilen könne.

Ein schönes Beispiel dafür liefert heute ein Artikel von Claudia Bothe und Alexander Wulfers in der FAZ mit dem Titel „Gymnasien gibt’s nur für Reiche“.

Schneller wurden wir Deutschen noch nie reich! 37 % bis 45 % der Schüler gehen bei uns in Deutschland bereits aufs Gymnasium. Wie konnte ich nur meine beiden Söhne durch die Schule bringen? Sehr wahrscheinlich hat dies etwas mit deren Intelligenz zu tun! Diese mussten wir weder kaufen noch uns mit einem Parteibuch zertifizieren lassen.

„Wenn ein Arbeiterkind direkt gegenüber ein Gymnasium hätte, würde es vielleicht hingehen.“

Ludger Wößmann (Ökonom und Bildungsexperte am Münchner Ifo-Institut)

Auch nur halbwegs intelligente Kinder finden ihren Weg von alleine in die Schule und dies sogar mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Den Schulweg nutzen sie dabei, um u. a. ihre Hausaufgaben zu erledigen.

Heute fahren manche Eltern ihre Sprösslinge sogar zur Uni — wahrscheinlich, um sicherzustellen, dass diese nicht nur vielleicht dort hingehen.

Das Ganze erinnert mich ganz heftig an meine eigene Schulzeit, wo Lehrer uns auf das Phänomen der Überqualifikation von Bevölkerungen aufmerksam machten — ich behaupte dabei, in echten Demokratien gibt es dieses Phänomen nicht.

Dieses Phänomen, dass Personen mehr Fähigkeiten, Wissen und Erfahrung besitzen, als es ihre aktuelle Tätigkeit erfordert, was dann oft zu Unzufriedenheit, schlechterer Gesundheit und geringerer Arbeitsleistung führen soll.

Erstens liefern offene Gesellschaften beständig weitere alternative Beschäftigungsmöglichkeiten und zweitens konnten auch nur halbwegs intelligente Menschen schon immer mit solchen Herausforderungen zurechtkommen — für mich selbst war meine Schulzeit einfach nur die große Langeweile, was tatsächlich diese benannten Auswirkungen hatte. Und so musste auch ich damit umzugehen lernen.

Spannend aber, warum man bereits in den 1970er-Jahren die Themen Überqualifikation und Umverteilung von Intelligenz aufs Tableau brachte. Ich vermute heute, dass der Großteil von uns Deutschen noch nie so richtig von einer offenen Gesellschaft oder gar von Demokratie begeistert war und man von Anfang an nach einem Ausweg suchte.

Diesen Ausweg dürfte man nun mit einer künstlichen Intelligenz für alle gefunden haben! Bald werden wohl bei uns Kinder, die lesen und schreiben und vielleicht sogar selber rechnen können, in Krankenhäuser eingewiesen.

KI-Universitäten bilden künftig unseren Nachwuchs aus, der dann schön gestylt und zufrieden bei McDonald’s oder Starbucks mit Wischbewegungen eine Cola oder eine andere Plörre ordert, bevor es dann in das nächste Nagelstudio gleich gegenüber der elterlichen Wohnung geht.

Nachtrag

Manche Leser meinten sofort, ich sei heute ein wenig zu sarkastisch, zumindest aber sehr zynisch.

Das wäre ich wohl, wenn ich darauf hinwiese, dass unsere Volksvertreter nicht einmal ungefähr wissen, wie groß ihre eigenen Bevölkerungen sind und schon gar nicht, wie viele Schüler und Studenten es in ihrem eigenen Beritt gibt.

Was schon jetzt dazu führt, dass wir sowohl Mangel an Schulen und Lehrern haben, die wir dringend bräuchten, als auch sehr große Überkapazitäten an Universitäts- und Hochschulplätzen, besonders dort, wo kein einziger denkender Mensch auch nur tot über dem Zaun hängen möchte.

Sobald nun unsere Volksvertreter feststellen, dass unseren Mitbürgern nicht nur die eigenen Kinder völlig egal sind, sondern diese sich nicht einmal mehr um die eigenen Haustiere kümmern, werden unsere Bildungsexperten mit dem nächsten Entwicklungsschritt fortfahren.

Wir öffnen Schulen und Universitäten auch für Haustiere, was zumindest so lange gut geht, bis es allgemein bekannt wird, dass diese auch nicht schlechter oder besser als ihre menschlichen Geschwister abschneiden werden.

Bevor aber dieser Herausforderung begegnet werden muss, kommen bestimmt unsere Landwirte um die Ecke, die darauf bestehen, dass auch ihre eigenen Nutztiere vom deutschen Bildungswesen mit betreut werden. Das könnte dann tatsächlich für „Universitätsstandorte“ wie zum Beispiel Schwäbisch Hall und Künzelsau ein echter Gewinn sein.