Goldene Nase

Hauptsache billig! 5 (1)

Foto: Goldene Nase

Dabei sollte es doch jeder halbwegs denkende Mensch bereits wissen, nämlich dass es überhaupt Nichts umsonst gibt, und selbst der Tod kostet jeden bekanntlich das Leben.

Und seit spätestens den 1930-Jahren ist es in aller Munde: „There ain’t no such thing as a free lunch.“ Seit dieser Zeit gibt es dafür sogar eigene Akronyme: TANSTAAFL, TINSTAAFL oder TNSTAAFL.

Deswegen muss man sich nur noch wundern, dass der eigentliche widersinnige Ruf nach „möglichst billig“ und besser noch, nach „ganz umsonst“, welcher von den meisten unserer Mitmenschen immer öfters zu hören ist, immer noch populärer wird, und sogar vereinzelt sogar bereits ein „Gratis-Dasein“ eingeklagt wird.

Es scheint von allen und jedem voll und ganz verdrängt worden zu sein, dass der Staat oder die Gesellschaft, welche das „alles umsonst“ sicherzustellen hat, nicht die anderen Leute oder gar irgendwelche unbekannten Geldscheißer sind, sondern einzig und alleine wir alles höchst selbst!

Das bedeutet jetzt nicht unbedingt, obwohl alles und jeder seinen originären Preis hat, dass man diesen dann auch von allen und jedem auch abverlangen muss, aber eins muss uns allen dennoch dabei klar sein, irgendwer muss letztendlich dafür zahlen, also auch zur Kasse treten.

Ein allen einleuchtendes Beispiel sind die Universitäten, Schulen und neuerdings auch Kindergärten, die von Kindern, Schülern und Studenten kostenfrei genutzt werden können. Die Kosten dafür tragen wir alle, auch diejenigen, die selbst keine Kinder haben.

Das Rational dahinter ist, dass eine gut ausgebildete, besser noch eine gebildete Gesellschaft für alle ein Vorteil ist, auch für die Kinderlosen, und deshalb diese Investition in Bildung und Ausbildung für die Gesellschaft insgesamt eine Notwendigkeit ist, welche sich zudem sogar noch amortisiert.

Deswegen bin ich dafür, dass Kindergärten grundsätzlich umsonst sein müssen, denn dies ist nur folgerichtig.

Aber schon dieses einleuchtende Beispiel hat einen sehr, sehr großen Haken, nämlich uns Menschen selbst.

Erstens schätzen wir Menschen nicht, was es umsonst gibt und zweitens höhlen die, für die Sicherstellung der Leistung Verantwortlichen, diese klamm heimlich immer weiter aus.

Das hat schon jetzt zu einem Teufelskreis geführt, der staatliche Schulen und Bildungseinrichtungen im wahrsten Sinne des Wortes verwahrlosen lässt und im Gegenzug privaten Anbietern die Möglichkeit zum grenzenlosen Profit ermöglicht, was letztendlich dafür sorgt, dass aus einer beabsichtigten und auch erstrebenswerten klassenlosen Gesellschaft eine waschechte Klassengesellschaft wird.

Deswegen wäre es wohl, auch wenn eine kostenfreie Bildung und Ausbildung für alle grundsätzlich wünschenswert ist, für uns alle und insbesondere für unsere Gesellschaft eindeutig besser, wenn man allen zwar eine exzellente staatliche Bildungs- und Ausbildungslandschaft garantiert, dabei aber, so wie es sich jeder leisten kann, zusätzliche Schulgebühren abverlangt, und damit private Bildungseinrichtungen wieder in ein Nischendasein führt.

Damit ich nicht missverstanden werde, selbstverständlich bin ich weiterhin für freie Bildung, so lange diese auch für jeden frei zugänglich ist. Zurzeit sieht es aber danach aus, dass aus „Bildung umsonst“ zum einen sehr billige Bildung und zum anderen Bildung für die Reichen und Bessergestellten wurde; also der zuvor benannte Teufelskreis! Wenn es andere, als die von mir aufgezeigte, Möglichkeiten gibt, um diesen Teufelskreis wieder zu durchbrechen, bin ich gerne mit dabei.

Ein weiteres nicht mehr so einleuchtendes Beispiel ist die jüngste Forderung nach einem kostenlosen öffentlichen Nahverkehr. Dieser wird schon heute von uns allen zum größten Teil mitfinanziert, egal ob wir diesen nutzen oder nicht. Damit wäre ein für die Nutzer angeblich kostenloser Nahverkehr – auch diese müssen ihn über Steuern und Abgaben mitfinanzieren – nur eine weitere Umverteilung der Kosten auf möglichst viele Schultern.

Auch wenn man mit einer gewollten staatlichen Lenkung von uns Bürgern, und dies „nur zu unserem Besten“, argumentieren könnte, und damit versucht die Verkehre in den Städten neu zu regeln, muss man sich den Hinweis gefallen lassen, dass die Manipulation von Verbrauchern über den Preis („Geiz ist bekanntlich geil!“) nur halbwegs eine positive Lenkungsfunktion hat, und dies weitere Veränderungen mit sich bringt, die ähnlich dem Bildungswesen zu einem Verkehrswesen führt, welches, beständig unterfinanziert, die Verkehre gar nicht mehr bewältigen kann und zumindest meiner Überzeugung nach, damit auch die Gesellschaft eher weiter spaltet – in zukünftige Straßenbahn- oder Lufttaxinutzer – als eint.

Das jüngste Beispiel von Kostenfreiheit kommt gerade aus Schottland, wo offenbar die kostenlose Abgabe von Hygieneartikeln außer Klopapier an bestimmte Bevölkerungsteile beschlossen wurde, und macht sehr deutlich, wie weit diese Entwicklung bereits in unseren Gesellschaften vorangeschritten ist.

Was kommt wohl als nächstes, etwa das Recht für Männer auf Freibier? Eins ist dabei sicher, die Möglichkeiten, um unser Gesellschaftssystem aus den Angeln zu heben, werden immer vielfältiger und die entsprechenden Einfälle immer abenteuerlicher!

Dass Entscheidungen bestimmte Dinge oder Dienstleistungen kostenlos oder auch nur als Flatrate anzubieten, nicht unbedingt die gewünschten Erfolge erzielen, kann man an den Kosten für die Telekommunikation erkennen, die, zwar gut gemeint, zum Wohle aller so weit gesenkt wurden, dass inzwischen der völlig sinnfreie Gebrauch so überhand nimmt und dabei noch zu einem Energieverbrauch führt, den wir uns eigentlich kaum noch leisten können.

Sicher ist aber weiterhin, egal welche Begehrlichkeiten man gerade kostenfrei stellen möchte, dass die Kosten dafür bestehen bleiben und wir alle diese letztendlich auch bezahlen müssen.

Mir völlig unverständlich ist das Ganze aber damit geworden, dass in allen Diskussionen um Flatrates oder gar kostenlose Waren und Dienstleistungen eine Sache inzwischen ganz gewaltig in die völlig entgegengesetzte Richtung läuft, nämlich die Diskussion um die beiden Güter Wasser und Luft, auf die jeder Mensch völlig zurecht immer Anspruch hat und dafür auch niemals extra zahlen sollte.

Wie lange werden wir uns diese Güter noch leisten können?!

„Money often costs too much, and power and pleasure are not cheap. The ancient poet said, ‚the gods sell all things at a fair price.‘“

Ralph Waldo Emerson, The Conduct of Life (1860: 94)

Summerhill Schulgebäude

Die grüne Wolke 4.8 (5)

Beitragsfoto: Aufnahme von der Schul-Website | © A. S. Neill Summerhill School

Als Lesepate stehe ich fast jede Woche vor der Frage, was ich den Schulkindern vorlesen soll oder besser noch vorlesen kann, ohne dabei deren knappe Aufmerksamkeitsspanne zu überfordern.

In den ersten Klassen sind es möglichst schön bebilderte Kinderbücher, wobei ich feststellen muss, dass es dabei vier sehr unterschiedliche Geschmäcker gibt: den der Lehrerinnen, den der Bibliothekarin, den der Kinder und nicht zuletzt der meinige. Dabei merkt man ganz besonders, wie sich die Geschmäcker und Vorurteile alleine im letzten halben Jahrhundert geändert haben, und dies ist so offensichtlich, dass ich mich schon gar nicht mehr traue, mit dem Struwwelpeter um die Ecke zu kommen.

So freue ich mich schon jetzt darauf, einmal außerhalb der Grundschule aus einem ganz anderen Kinderbuch vorlesen zu dürfen, welches zwar bereits während meiner Schulzeit „uralt“ aber dennoch für die meisten damaligen Lehrer noch viel zu „revolutionär“ war.

Es handelt sich dabei um ein Buch von Alexander Sutherland Neill aus dem Jahre 1938, welches gerade heute bei der Jugend aktueller den je sein müsste, und im Original den Titel „The Last Man Alive“ trägt. In Deutschland ist es besser als Die grüne Wolke. Den Kindern von Summerhill erzählt bekannt, und hier erst gut 30 Jahre später, nämlich 1971 erschienen.

Sowohl die Handlung des Buches als auch die Erzähltechnik sind auch heute noch für viele Leser gewöhnungsbedürftig. Weiterhin interessant dabei ist, dass Neill selber Pädagoge war und seine von ihm, nach auch heute sehr umstrittenen Prämissen und Prinzipien, gegründete Summerhill Schule noch existiert.

Ob dort das Buch dort noch immer von Lehrern vorgelesen wird, ist mir allerdings nicht bekannt.

„Hate breeds hate, and love breeds love.“

A. S. Neill, Summerhill School: A New View of Childhood
(1995: 13)

Sinnspruch von Albert Einstein

Bescheidenheit 5 (3)

Dieses Bonmot schrieb Albert Einstein als eine Art von Trinkgeld für einen Tokioer Hotelangestellten im November 1922.

„Stilles bescheidenes Leben gibt mehr Glück als erfolgreiches Streben, verbunden mit beständiger Unruhe.“

Albert Einstein

Ob sich der Hotelangestellte darüber auch gefreut hat, ist mir jedoch nicht bekannt.

Friedrich Nietzsche fasste diese Erkenntnis gar in ein Gedicht

Welt-Klugheit

Bleib nicht auf ebnem Feld!
Steig nicht zu hoch hinaus!
Am schönsten sieht die Welt
Von halber Höhe aus.  

Friedrich Nietzsche

Und für fast alle, die sich dieser Erkenntnis nicht anschließen mögen, tritt irgendwann ein menschlicher Mechanismus in Kraft, welchen ich gerne als die rosarote Brille bezeichnen möchte.

Eugen Roth schrieb dazu das folgende Gedicht

Man wird bescheiden

Ein Mensch erhofft sich fromm und still,
Daß er einst das kriegt, was er will.
Bis er dann doch dem Wahn erliegt
Und schließlich das will, was er kriegt.

Eugen Roth

Viele von uns, die sich noch am Anfang oder gar mittendrin im eigenen Karrierestreben, dem Erklimmen der oben zitierten Höhen, befinden, sublimieren dabei gerne ihre ersten und auch die sicherlich weiter folgenden Enttäuschungen mit Konsum, der Basis unseres Wirtschaftssystems.

Und auch für all jene, die längst aus diesem Rennen ausgestiegen sind, weil sie meistens von Anfang an nicht mithalten konnten, steht ebenfalls der Konsum als das wahre „Opium für das Volk“ zur Verfügung. Kein Geldbetrag ist zu gering, als dass man davon nicht etwas völlig Unnützes kaufen könnte, und dies alleine zum Zwecke der Lustbefriedigung.

Selbst für jene, die sich wirklich alles leisten können, bietet der Konsum Dinge an, für die dann wiederum kein Geldbetrag zu hoch wäre, letztendlich aber läuft es auf das Gleiche hinaus.

Ganz schlimm ist es aber für jene Menschen, denen selbst am eigenen Lebensende nur der bloße Konsum geblieben ist.

Inzwischen gibt es für diese Menschen ganz neue Wege, um der Problematik Herr zu werden. Einer davon nennt sich „Death-Cleaning“; die Idee das eigene Leben zu „Entrümpeln“ stammt ursprünglich aus Schweden und wird dort „Döstädning” genannt.

Margareta Magnusson hat dazu sogar ein eigenes Buch verfasst, welches bei uns den Titel „Frau Magnussons Kunst, die letzten Dinge des Lebens zu ordnen“ trägt.

Meines Erachtens kann kein Mensch zu früh mit dem Entrümpeln des eigenen Lebens beginnen, denn letztendlich führt es dazu, dass man einmal genauer darüber reflektiert, und wer weiß, damit auch das eigene Konsumverhalten ändert.

Und dies dann auch ganz ohne jegliche Belehrungen von Menschen, die aus den unterschiedlichsten Motiven heraus, gerne das Konsumverhalten ihrer Mitbürger regulieren wollen.

Dabei gäbe es bereits seit altersher mit der Bildung einen erfolgsversprechenden Lösungsansatz, wie man das eigene Leben in den Griff bekommen kann, egal wie es einem auch mitspielt. Was wiederum dazu führen würde, dass der Konsum in nachhaltigere Bahnen gelenkt wird, und wir alle letztendlich davon profitieren – ganz ohne Belehrungen oder Regelungen.

Das Schöne am Lösungsansatz Bildung ist, dass man erstens davon wirklich nie genug bekommen kann, auch wenn wir alle selbst davon überzeugt sind, noch nie zu wenig gehabt zu haben, und zweitens diese Ressource tatsächlich endlos und für alle, zumindest in der freien Welt, gleichermaßen zugänglich ist.

„Its hard to be modest when your as good as I am.“

Muhammad Ali, in der Michael Parkinson Show (1971)