Schwäbische Tomatensuppe

Schwäbische Tomatensuppe 4.6 (52)

Für eine echte und authentische schwäbische Tomatensuppe kommt es ganz besonders auf die richtigen Zutaten an. Darüber hinaus ist die Zubereitung, wie auch das spätere Servieren von sehr großer Bedeutung.

Fangen wir mit den Zutaten an. Man leihe sich Petersilie, ich gehe dazu gerne zu meinem Nachbarn, da dieser seit der BUGA seine Petersilie in, von der Stadt bereitgestellten, Blumentrögen selbst anbaut. Die Straßenlage und vor allem die Innenstadtnähe verleihen der Petersilie eine ganz besondere Note. Solch eine Qualität bekommt man weder im Supermarkt, noch im Bio-Laden um die Ecke.

Mit der Zubereitung der Petersilie sollte man dann aber auch rechtzeitig beginnen, um nicht in unnötige Hetze verfallen zu müssen. Ein Blatt der Petersilie zieht man am besten nicht zu schnell und vor allem auch nicht zu heftig durch Regenwasser, damit die Vitamine möglichst erhalten bleiben. Jeder schwäbische Haushalt hat dazu eine Regentonne vor dem Haus, auf dem Balkon oder, in einer etwas praktikableren Größe, auf dem Fensterbrett der eigenen Wohnung.

Ist die Zubereitung der Zutaten abgeschlossen, nehme man Leitungswasser — ein Schwabe lässt sich beim Essen nicht lumpen — und erwärmt dies am besten in der Sonne. Vor dem Servieren kann man es noch auf dem Herd, in einem Wasserkocher oder in der Mikrowelle kurz erhitzen, damit die Suppe auch die gewünschte Temperatur erhält.

Manche — Neureiche halt — ziehen zusätzlich an Festtagen oder zu ganz besonderen Anlässen, kurz vor dem Servieren, noch eine Tomate durch das bereits erhitzte Leitungswasser. Ich halte dies allerdings für übertrieben und geschmacklich weit überdimensioniert! Denn es reicht voll und ganz aus, wenn sich eine Tomate im Haushalt befindet; ich habe für solche Gelegenheiten immer eine Tomate im Gemüsekorb der Küche liegen.

Abschließend gießt man das zubereitete Leitungswasser in einen bereitgestellten roten Teller — dieser darf gerne auch etwas vorgewärmt sein; dazu bietet sich ebenfalls natürliches Sonnenlicht bestens an — und garniere das Ganze mit dem bereits zubereiteten Petersilienblatt. Damit sollte man allerdings vorsichtig umgehen und lieber etwas sparen, denn sonst dominiert der Petersiliengeschmack die schwäbische Tomatensuppe allzu stark.

Ich wünsche Ihnen beim Nachkochen viel Spaß und beim anschließenden Essen einen guten Appetit!

Und sollte das Essen nicht in ein Gelage ausgeartet sein, dann ist bestimmt auch die Petersilie noch übrig. Diese kann man dann nach dem Abwasch an den Entleiher zurückgeben, denn sie eignet sich immer noch ganz hervorragend für ein Schwäbisches Eintopfgericht.

Schwäbische Tomatensuppe à la Henri

„Man nach dem Ausspruch eines alten Weltweisen ißt, um zu leben, und nicht lebt, um zu essen.“

 Molière, L’Avare ou l’École du mensonge | Der Geizige (2016 [1668]: 37)

Fediverse reactions
Toilettenanlage

Öffentliche Toiletten 5 (7)

Beitragsfoto: Pixabay

Es ist noch gar nicht so lange her, ein paar Jahrzehnte vielleicht, da konnte man an allen größeren Plätzen der Stadt, den Unterführungen und sogar in den Fußgängerzonen selbst öffentliche Toilettenanlagen finden. Sie sind auch heute noch besonders für Auswärtige, Touristen und Kneipen-Tourer ein Must-have in jeder größeren Stadt.

Auch damals schon waren viele Toilettenanlagen, wenn nicht mit eigenem Personal ausgestattet oder von netten Kioskbesitzern gepflegt, ein Ärgernis — aber zumindest für den Notfall erreich- und nutzbar.

Einige solcher Toilettenanlagen erhielten sogar Kultstatus, nicht nur die am Bahnhof Zoo in Berlin waren Treffpunkte für Menschen, die nicht so ganz in unsere Gesellschaft passten, oder retteten gar bei Minustemperaturen manchen Menschen das Leben.

Heute sind die öffentlichen Toiletten aus dem Heilbronner Stadtbild verschwunden, einzig die am Marktplatz oder der Allee sind noch allseits bekannt. Jene, die im ehemaligen BUGA-Gelände spazieren, finden jüngst auch eine beim Spielplatz der Alten Reederei — dies ist aber eher der Tatsache geschuldet, um zu verhindern, dass aus den BUGA-Seen Pinkelbecken werden.

Die noch vorhandenen, aber längst stillgelegten Toilettenanlagen, etwa die im Alten Friedhof oder die am Silcherplatz, zeugen heute noch davon, dass man sich einst in Heilbronn seiner städtischen Aufgaben und Pflichten noch bewusst war.

Als Alternative zu den städtischen öffentlichen Toilettenanlagen wurde von der Stadt eine Initiative gestartet, die Toiletten in Restaurants, Cafés und anderen Firmen einfach zu öffentlichen Toiletten erklärt und diese auf der Heilbronner Website aufführt — was gerade jenen Personengruppen, die auf öffentliche Toiletten angewiesen sind und keine Heilbronner Interna kennen, wenig bis gar nicht weiterhilft.

Zudem hat diese Heilbronner Lösung das Problem, dass diese „öffentlichen“ Toilettenanlagen grundsätzlich sehr restriktive Öffnungszeiten haben und gerade in diesen Pandemiezeiten überhaupt nicht erreichbar sind. Ergo ist diese Heilbronner Toilettenlösung von Anfang an eine Fehlplanung, die auch gravierende Folgen nach sich zieht.

Zum einen finden jene, die dringend eine Toilette benötigen, z. B. Kinder, Auswärtige, Kneipengänger oder auch Nachtspazierer, keine Möglichkeit, um sich zivilisiert zu erleichtern, und zum anderen tragen die Besitzer von Gebäuden und Gärten in der Stadt ganz alleine die Folgen dieser Notdurftverrichtungen.

Als Heilbronner, der um das Weindorf herum groß geworden ist, kenne ich zwar von Jugend an die Pinkel- und Haufenexzesse der Weinliebhaber, wusste aber auch um die zeitliche Begrenztheit dieser fünften Heilbronner Jahreszeit.

Inzwischen hat sich das Ganze aber so weit entwickelt, dass jene, die sich noch um die Stadt kümmern, die Nase gestrichen voll haben. Auch ich habe keine Lust mehr, regelmäßig Kellerschächte oder Häuserwände aus- und abzuspülen, damit der Uringestank nicht Hausgemeinschaft und Nachbarschaft belästigt und schon gar keine Lust mehr, den Kot aus den Hauseingängen und jüngst auch aus einem Keller — die Tür war wohl offen — zu entfernen.

Mietern kann man dies heutzutage schon gar nicht mehr abverlangen und professionelle Reinigungskräfte muss man sich erst einmal leisten können.

Ohne Wenn und Aber trifft das Folgende zu: Eigentum verpflichtet! Aber auch, dass eine Tätigkeit im Gemeinderat oder gar eine Anstellung bei der Stadt Heilbronn ebenfalls Pflichten nach sich ziehen — damit meine ich nicht den Weindorfbesuch — und die Stadt Heilbronn endlich wieder der Tatsache Rechnung tragen muss, dass auch Menschen Bedürfnisse haben.

Kurzfristig muss die Stadt Heilbronn dafür Sorge tragen, dass ausreichend TOI TOI oder DIXI-Toiletten aufgestellt werden; diese kann man gerne auch direkt vor die geschlossenen „öffentlichen“ Toiletten stellen, was dann auch zusätzlich eine Steigerung des Bekanntheitsgrads mit sich bringt.

Mittel bis langfristig sollte die Stadt neue öffentliche Toilettenanlagen installieren — der oftmals bemängelte innerstädtische Leerstand bietet durchaus gute und attraktive Standorte. Und nicht jedes sich im Besitz der Stadt befindende Gebäude muss im Erdgeschoss mit einem städtischen Schreibtischarbeitsplatz aufwarten — auch hier bietet es sich an, attraktive Toilettenanlagen zu etablieren, welche z. B. in Zusammenarbeit mit SANIFAIR betrieben werden.

Auf jeden Fall aber gehören offene öffentliche Toilettenanlagen zum Stadtbild einer jeden Großstadt mit dazu und steigern zudem auch deren Attraktivität, vor allem dann, wenn diese einladend und nicht abschreckend auf die meisten Besucher wirken. Damit wäre die Heilbronner Toilettenfrage auch eine Aufgabe des Stadtmarketings.

„Wie lange eine Minute sein kann, hängt davon ab, auf welcher Seite der Toilettentüre man sich befindet.“ 

Anon