Kleinkunst

28.9.02026 5 (7)

Beitragsfoto: Kleinkunst

Bücher

Ein Blog-Leser (kleiner Insider) behauptet gerne, dass Bücher tot seien. Wenn man auf die unzähligen Veröffentlichungen schaut und auch nur halbwegs mitbekommt wie Bücher inzwischen im industriellen Maßstab hergestellt werden, könnte man sich dieser Meinung fast anschließen. Derselbe Mensch behauptet auch, dass jeder Mensch selber einmal ein Buch geschrieben haben sollte, was wiederum erklären könnte, dass es inzwischen Bücher wie Sand am Meer gibt.

Auf alle Fälle habe ich schon etwas länger gleich zwei eigene Buchprojekte eingestellt und nur noch bei einem manchmal überlegt, ob ich es nicht doch noch realisieren sollte. Ein paar verlorene Gestalten auf Wikipedia haben nun dafür gesorgt, dass ich dieses Projekt wohl wieder aufnehme. Schon einmal schrieb ich ein Buch, weil mein entsprechender Wikipedia-Eintrag als irrelevant angesehen wurde — was die Verkaufszahlen tatsächlich hinterher zu bestätigen schienen, zumindest in einer Welt, wo es nur noch um Reichweite und Monetarisierung geht.

Am Wochenende waren meine bessere Hälfte und ich eingeladen, wobei ich das beste Tiramisu seit Jahren kredenzt bekam. Bisher war das Tiramisu von Tiziana ungeschlagen, nun dürfte es ein besseres geben! Das Thema heute ist aber nicht der Besuch und die gute Küche, sondern die Überraschung, dass ich dort gleich auf zwei Menschen traf, die beide mein erstes Buch gelesen haben und zumindest einer davon, das Buch besser kannte als ich es noch selbst in Erinnerung habe. Die Krönung aber war, dass man mich bat, eine Widmung ins Buch zu schreiben — ich hätte nie und nimmer gedacht, dass mich dies so erfreuen kann!

Und so dürften Bücher so lange noch nicht tot sein, wie sich die Autoren selbst darüber freuen können. Das Gleiche gilt sicherlich auch für Weblogs! Ob man sich allerdings über mit künstlicher Hilfe erstellte Werke freuen kann, darf bezweifelt werden — wobei, es gibt ja auch Sexpuppen (kleiner Insider für all jene, die Boston Legal bingen — und wer es unauffälliger mag, auch ein iPhone soll sexy sein).

Kuscheln

Während man zusammen mit der AfD das Setzen von neuen Stolpersteinen auf unseren öffentlichen Straßen verhindert, was übrigens in München schon etwas länger der Fall ist, machte sich Johann Wadephul sehr pressewirksam auf, um sich mit Sergej Lawrow zu treffen. Die Unterschiede zwischen Union und AfD werden anscheinend immer geringer, wobei die Union weiterhin gegen Linke ins Feld zieht, während die AfD längst mit den Genossen koaliert.

Aber zurück zum Gruppenkuscheln, wobei Sergej Lawrow verkündete, dass mehrere europäische Staaten sich auf den Pfad des „Neonazismus“ begeben hätten, was sei insbesondere im Falle Deutschlands besorgniserregend sei. Laut FAZ (26.9.2026, 21:34 Uhr) hätte Sergej Lawrow dabei „freilich nicht die russlandfreundliche AfD im Kopf, sondern jene Parteien der demokratischen Mitte, die Kiew militärisch unterstützen und die Bundeswehr wieder ertüchtigen.“ Unsere Welt bleibt kompliziert und selbst die DDR war bekanntlich eine waschechte Demokratie, zumindest in den Augen viel zu vieler der heutigen Volksvertreter vor Ort.

Vielleicht wäre es einmal an der Zeit, dass unsere Volksvertreter wieder etwas zielführender kuscheln und nicht durch das eigene völlige Verlorensein gleich auch noch ihre ureigene Klientel mit in den Untergang reißen. Es fehlt bei uns nicht mehr viel, damit Kriegstreiber zu Friedensfürsten und Diktatoren zu den ersten Demokraten ihres Landes werden!

Schon heute hat dieses hemmungslose Gekuschele dazu geführt, dass der gewöhnliche Bürger völlig verunsichert ist und wirklich alles zu glauben beginnt — das Mittelalter lässt grüßen!

Vermischtes

Gestern Abend konnte ich noch ein wenig das Tanzbein schwingen. Vor dem Zubettgehen entfernte ich dann noch ein Plug-in, das plötzlich seine ursprüngliche Funktion aufgegeben hatte. Ich habe schon etwas länger die Software-Entwicklung wie auch das Programmieren den Profis überlassen, was ich dem einen oder anderen Anbieter von Software ebenfalls empfehlen kann.

Heute im Laufe des Tages muss ich dann noch mein letztes Rundschreiben in Newsletter-Form erstellen und versenden lassen. Ich bin mir bewusst, dass ich mit dem Wegfall dieses Rundschreibens gut 100 Leser verlieren werde. Ich bin aber zu der Überzeugung gekommen, dass ich nicht für Leser schreiben möchte, die das Rundschreiben nur lesen, weil sie es auf ihr Mobiltelefon, iPad oder den Rechner aufgespielt bekommen und dies zu einem Zeitpunkt, wo sie gerade nichts besseres vor oder zutun haben.

Deswegen verzichte ich auf das Push-Prinzip und baue darauf, dass, wenn meine Schreiben oder Beiträge jemanden interessieren, dieser dann das Geschriebene selber finden kann und auch finden wird.

Kaum ist die Union unter 5 % gerutscht, kommt es zu den lustigsten Übersprunghandlungen. Dabei ist das Strandkorbaufstellen am Arbeitsplatz noch eine der weniger kritischen. Sorge bereitet mir eher, dass immer mehr Unionspolitiker die besseren AfDler sein möchten. Und ob ein hemmungsloses Linken-Bashing wirklich über die eigene Unglaubwürdigkeit hinweg hilft, dürfte zu bezweifeln sein.

Und so freue ich mich über jeden einzelnen Unionspolitiker, der noch an demokratischen Werten und dem eigenen Parteiprogramm festhält. Jenen Parlamentariern der Union, die nun darauf spekulieren, dass die AfD sie nehmen werden wird, weil sie nicht ausreichend eigenes Personal rekrutieren kann, spreche ich jeglichen Anstand ab; wobei diese Politiker sicherlich einen sehr guten Bodensatz bei der AfD abgeben werden.

Heute wurde nun auch mein letzter Wikipedia-Artikel der deutschen Ausgabe gelöscht, was nun dazu führt, dass ich meine dortigen noch bestehenden Konten zu löschen versuche. Schon etwas länger bekommen deren heutigen Verwalter von mir keine Spenden mehr. In Kürze werden die LLM auch das heutige Wikipedia überflüssig machen, was ich inzwischen als positiv betrachte.

Da zwei langjährige Küchengeräte reparaturbedürftig wurden, machte ich mich auf den Weg, spazierte bei bestem Wetter in die Stadt und suchte einen Fachhändler auf. Das ernüchternde Fazit ist, dass ich mir eine Reparatur nicht leisten kann und neue Geräte kaufen muss. Inzwischen sind die Personalkosten der treibende Faktor und unsere Industrialisierung so weit vorangeschritten, dass es über kurz oder lang besser sein wird, ein neues Auto zu kaufen als mit dem alten in eine Waschstraße zu fahren.

Und so wäre es sicherlich angebracht dafür zu sorgen, dass neue Produkte zu 100 % wieder recycelt werden können als nur halbwegs repariert — die Zeiten ändern sich und wir sollten dies akzeptieren.

Auf alle Fälle aber fand ich auf dem Rückweg ein Kleinkunstwerk, das nun diesen Blog-Beitrag ziert. Wohl müßig zu fragen, wo man dieses finden kann.

Am Ende dieses Blog-Beitrages sei noch auf die Website von Gunter Demnig hingewiesen. Friedensreich Hundertwasser würde sicherlich dazu anmerken wollen, dass das Stolpern an sich gar nicht schlecht ist!


Hölle

6.9.02026 5 (7)

Beitragsfoto: Hölle | © Amy auf Pixabay

Sachsen-Anhalt

Das muss einfach geschrieben werden, sonst platze ich heute noch! Sollte sich jemand dabei fälschlicher Weise auf den Fuß getreten fühlen, könnte er sich doch einmal nach Demokratie, Meinungs- und Redefreiheit erkundigen. Oder noch besser: einfach nicht weiterlesen!

Was ich schon immer behauptet habe, zu viele Transferzahlungen verderben den Charakter! Nach Hunderten von Milliarden in dieses freiwillig beigetretene Bundesland gepumpte Euro kommt wohl bald eine DDR 2.0 heraus.

Die dort ansässigen Menschen haben auf alle Fälle heute gewählt, gut 78 % davon, was man durchaus positiv bewerten muss. Dem Rest der dort wahlberechtigten Menschen ist alles scheißegal, Hauptsache der Rubel rollt — egal von woher! Von jenen, die wählen gingen, hat eine deutliche Mehrheit die Demokratie abgewählt. Was meine eigene Erfahrung widerspiegelt: wer vor 1990 im Osten Deutscher war, der war tot, im Gefängnis oder auf der Flucht. Sehr wenige im Widerstand. Die meisten hatten allerdings bereits rübergemacht — so wie man es damals nannte. Selbstverständlich gab es auch, wie überall auf der Welt, die völlig Angepassten, die wie z. B. in Frankreich über Nacht aus 40 000 Résistance-Kämpfern 40 Millionen machten und demnächst auch wieder das neue Vichy wählen.

Einige meiner Freunde und Kameraden aus der ehemaligen DDR lassen sich sicherlich nicht so pauschal einordnen, müssen sich aber wie wir alle anderen auch gefallen lassen, dass es schon immer heißt: mitgegangen, mitgefangen, mitgehangen!

Die Sachsen-Anhaltiner haben mehrheitlich entschieden, und ich habe nach gut 30 Jahren wirklich keine Lust mehr weiterhin gut zwei Millionen solcher Antidemokraten mit durchfüttern zu müssen. Meine Steuergelder kann man wirklich sinnvoller nutzen!

Ich hatte 1989 keine Wahl! Ich musste akzeptieren, dass 16 Millionen völlig bankrote Antidemokraten einfach nur Transferzahlungen, Reisen und sämtliche andere Annehmlichkeiten des Westen haben wollten: „Kommt die Mark nicht zu uns, kommen wir zu ihr!“

Dann musste ich miterleben, wie man diesen Neubürgern nicht nur die Rente schenkte, sondern ihnen gleich auch noch die Bankkonten füllte (aus 2 Mark Spielgeld wurde 1 Mark echtes Geld). Und es gab kein Halten mehr, denn je mehr sie die DDR hochleben ließen, umso mehr Gelder schob man diesen Menschen in den Hintern. Magdeburg war 1990 eine einzige Müllhalde, heute muss man dort schon tausendjährige Leichen ausbuddeln, um noch weitere Verbesserungen an dieser Stadt vornehmen zu können.

Und wem haben wir dies alles tatsächlich zu verdanken? Sie wissen es bereits, der Union. Den Ossis haben sie blühende Landschaften und uns Wessis die Halbierung der AfD versprochen. Wenn die Union weiter so erfolgreich regiert, landen wir allesamt in einer neuen Diktatur.

Alles das hatten wir schon einmal, nämlich als das Zentrum den Nazis an die Macht verhalf. Sie nannten sich 1945 dann in CDU / CSU um, denn der alte Name war verbrannt. Und so dürfen wir schon heute gespannt darauf sein, wie sich die Konservativen nach dem nächsten Untergang nennen werden. Vorschläge dazu nehme ich gerne entgegen.

Nachtrag

BSM hört sich ganz gut an. Ausgeschrieben: Bündnis Spahn-Merz – wir machen uns die Taschen voll!

Vermischtes

Detlef Sterns Blog-Beitrag hat mich ein wenig vom Tagesgeschehen abgelenkt, dabei ganz besonders das dort verlinkte MapTheNet-Projekt von Jeremy Stephan. Aktuell sind dort 5 685 111 Domains aufgeführt, was allerdings ein sehr kleiner Teil des WWW mit derzeit gut 100 Milliarden Websites sein dürfte. Ich will aber nicht meckern, denn mein Blog wird mit aufgeführt und belegt weltweit den Platz 203 102. Deutschlandweit den Platz 22 721. Was wieder einmal ganz gut erklären kann, warum außer den Blog-Lesern keiner mein Blog kennt. Und ob die dann alle vor meinem Blog gelisteten Websites kennen, darf bezweifelt werden. So wie man davon ausgehen kann, dass die Blog-Leser noch mehr weitere Websites kennen, die nicht einmal vom MapTheNet-Projekt aufgeführt werden. Und wir sprechen dabei noch nicht einmal vom gesamten Internet.

Auf alle Fälle aber ist das Projekt von Jeremy Stephan mindestens genau so ambitioniert wie wenn man sämtliche Sterne unseres Universums erfassen wollte. Und so freue ich mich, dass man mein Blog hier überhaupt findet, sowie über die vom Projekt bereits gesammelten weiteren Informationen zu meinem Blog.

Ein Mysterium bleibt für mich dennoch, wie mein Blog in das dortige Cluster kommt. Vielleicht wird mich ein künftiges Update diesbezüglich erleuchten.

Das Erfreulichste aber war dieses Wochenende die Stippvisite meiner Enkelin.

Rudeln

Kaum „flirtet“ man einmal ein ganz klein wenig und schon ist man „verlobt“, was nicht nur meine bessere Hälfte etwas erstaunen dürfte. Da die Brunft ähnlich wie der Kölner Karneval so ihre ganz eigenen Stilblüten treibt, dürfte das mit der Verlobung eine sehr temporäre Angelegenheit gewesen sein. Auf alle Fälle mache ich nach zwei erlebten Karnevalen in den 1980er-Jahren bis heute, sobald sich dort Festivitäten jeglicher Art anzubahnen beginnen, einen sehr großen Bogen um diese Stadt — It-Girl hin oder her.

Dem Kuschelbock erlaube ich mir zu empfehlen etwas besser auf sein Rudel aufzupassen, denn in meinem Alter bedeuten selbst die attraktivsten Überläufer doch nur völlig unnötigen Stress. Ähnlich wie beim digitalen Rudeln, welches F. Herold nun ebenfalls für sich entdeckt hat und fragt, was er eigentlich so den ganzen Tag lang macht.

Diese Frage stellen sich schon etwas länger sehr viele Blogger und dies bis heute immer wieder — ganz freiwillig. In den Nullerjahren war dies in Firmen der letzte Scheiß, wobei man seine Mitarbeiter dazu drängte, ihren gesamten Berufsalltag, wenn möglich in Fünfminutenschritten, zu dokumentieren. Das Ziel war dabei eindeutig, man konnte einen Mitarbeiter nach dem anderen wegrationalisieren. Für manche Mitarbeiter bot es allerdings auch die Gelegenheit, um ihre Arbeitstage selber etwas besser zu strukturieren. Die bequemsten oder bauernschlausten Mitarbeiter begannen dabei, sich von einer Besprechung zur anderen zu retten, nur um nicht über die eigenen Arbeitsabläufe und etwaige eigene Arbeitsergebnisse nachdenken zu müssen.

Da der Kuschelbock heute einmal mitgerudelt hat, weiß ich nun aus erster Hand wie schwer so ein Brunfttag tatsächlich ist. Zudem, dass meine tierische Ausstrahlung keine Brunft mehr überlebt — dürfte schon einmal besser gewesen sein.


Infostand

23.5.02026 5 (4)

Beitragsfoto: Infostand

Horrorshow

Heute hat mich Vincent Klink mit einem Blog-Beitrag erfreut, ob er dies auch mit seinen Kochkünsten kann, werde ich demnächst in Erfahrung bringen. Auf alle Fälle aber hat mir sein Blog den Mund wässrig gemacht — und so dürfte es doch den einen oder anderen Blog geben, der sich irgendwie doch monetarisieren lässt.

Vor etlichen Jahren gab ich mir auch einmal den Eurovision Song Contest, war aber sofort davon geheilt. Erstaunlich, dass ich immer wieder auf Freunde und gute Bekannte treffe, die diesen Wettbewerb einfach lieben.

Vincent Klink hat eine ganz gute Erklärung geliefert, warum wir auch dieses Mal nicht gewonnen haben. Ich gehe inzwischen sogar davon aus, dass wir keinen einzigen Wettbewerb mehr gewinnen können, den man sich nicht erkaufen, erheulen oder erschwindeln kann. Was wir in der Bundespolitik miterleben müssen, wirkt sich inzwischen bis in die Kindergärten aus — der Fisch stinkt am Kopf zuerst!

Vermischtes

Für meine Leser habe ich mich gestern noch so richtig ins Zeug gelegt und „How to Become a Modern Man“ (2023) angeschaut. Paz Jiménez hat eine entspannte Komödie geliefert. Leo Harlem war wieder einmal gut. Fast alle Vorurteile wurden bedient und man konnte sich dabei so richtig gut über alte weiße Männer lustig machen. Was wäre die Welt bloß ohne uns? „Como Dios manda“, so heißt der Film in echt, macht einfach Spaß. Ganz nebenbei, wenn man etwas richtig gut machen möchte, dann muss ein alter weißer Mann ran — Friedrich Merz zeigt, dass es für alles eine Ausnahme gibt.

Danach habe ich mir noch die Heute Show gegönnt; damit ist alles zur Bundesregierung gesagt. Das Positive daran, unsere Landesregierungen sind auch nicht mehr viel besser: mehr als Buckelwale quälen geht dort auch nicht mehr — die DDR lässt grüßen. All dies ist aber noch lange kein Grund dafür, dass nun die Union mit der AfD herummachen muss.

Fürchterlich denken zu müssen, dass die „Generalsekretäre“ hinter Konrad Adenauer und Josef Müller mit der Union nur eine Übergangslösung bis zur erneuten Machtergreifung im Sinn hatten.

Europaaktionstag

Auch dieses Jahr waren meine bessere Hälfte und ich dort vertreten. Unser Jüngster ebenfalls, dieses Mal allerdings war er wieder bei einem Ministeriumsstand aktiv. Der Europaaktionstag führt sämtliche für Europa Aktive im süddeutschen Raum zusammen und so findet man die Europaverbände, die jeweiligen Europe Directs, die Kommission und auch jene Ministerien, die mit Europa zutun haben — zumindest jene, die dies erkennen können. Last but not least auch die Stadt Stuttgart, denn deren Verantwortlichen sind sich der Bedeutung Europas für unsere Städte und Gemeinden durchaus bewusst (ganz großer Insider).

Auch war wieder für eine musikalische Unterhaltung gesorgt und es gab zudem gratis Kaffee in den unterschiedlichsten Versionen. Diese Gemengelage nutzte auch ein Chess Hustler, um sich den Tag zu versüßen. Jene Bürger, die bei bestem Wetter durch die Stadt pilgerten, konnten sich nicht nur über Europa umfassend informieren, sondern auch ganz gut unterhalten — die Stuttgarter nutzten diese Gelegenheit.

Für mich war es dieses Mal der Austausch mit ein paar Kreisvorstandsmitgliedern aus Stuttgart, der mir den Tag versüßte. So ganz nebenbei konnten wir die eine oder andere Angelegenheit regeln und auch Mitfahrer für unsere Budapestfahrt gewinnen. Unsere Jugendorganisation konnte mit einem jungen Mann unterstützen, der sich auch sehr gut anstellte.

Schon seit Längerem sind diese Europainformationsstände für mich nur noch ein Vorhaben, um mit der eigenen Bubble Dinge zu regeln. Viel zu selten gibt es Gespräche, die mein Interesse wecken können, geschweige denn mit wirklich Interessierten ins Gespräch zu kommen. Die große Masse der Besucher möchte entweder von der eigenen Langeweile befreit, einmal den eigenen Frust oder gar völlig bizarre Weltvorstellungen bei den Standbesatzungen loswerden; dabei ist es diesen Menschen völlig egal für was diese Standbesatzungen werben oder stehen. Hinzu kommen noch jene Bürger, die einfach alles abgreifen, was es so an Werbematerial gibt — die Profis bringen dazu gleich mehrere Taschen mit oder fragen ganz unverhohlen nach solchen am Stand.

Die Masse dieses Werbematerials wandert hinterher sogleich in den Müll ohne jemals begutachtet worden zu sein. Die Stadt Stuttgart hatte vorgesorgt und jeden Stand mit ausreichend Müllcontainern ausgestattet. Ich stand gegenüber einem Kaffeestand und war beeindruckt wie viel kostenfreien Kaffee manche Menschen in sich hineinschütten können — umso mehr, da ich nach dem ersten Becher bereits das Koffein spüren konnte; die Barista kannten wohl ihr spezielles Klientel, aber sicherlich noch nicht jene, lieber einen Herzinfarkt riskieren als auf einen Freikaffee zu verzichten.

Die Kreisvorsitzende vor Ort Simone Schmidt überraschte mich dann noch mit einem Becher Eis, der ganz ohne Frage ein Genuss war. Danach kam ich mit Michael Conz über unsere Erfahrungen mit jenen Deppen zu sprechen, die immer alles besser wissen wollen aber dann doch jedes Mal kneifen, wenn man sie auffordert, es selber besser zu machen.

Wir konnten eine ganze Weile so richtig schön ablästern — was zumindest mir gut getan hat — und stellten dabei fest, dass diese Art von Menschen in allen Vereinen und Parteien unterwegs sind.

Ich habe am Stand aber dieses Mal doch so einige „Mitstreiter“ vermisst, die mir jüngst erst sehr penetrant erklären wollen, was man alles machen kann und muss, dabei nur so vor Ideen strotzen und wohl, weil voll von Ideen und besten Absichten, niemals die Zeit finden, um sich wenigstens an der Kärrnerarbeit im Verein zu beteiligen.

Am schlimmsten sind dabei gerade jene, die ihr gesamtes Leben nie für unsere Idee und unseren Verein Zeit gefunden haben und nun fünf Minuten vor der eigenen Mitternacht in einer Art von Torschlusspanik die gesamte Welt neu erfinden meinen zu müssen.

Da diese Menschen unheimlich viel Zeit kosten — von den Nerven einmal ganz zu schweigen — sorgen sie damit nur dafür, dass allen weniger Zeit bleibt, um tatsächlich Neues zu entwickeln und auszuprobieren.

Ich rede mir bereits seit über zwanzig Jahren den Mund damit fusselig, dass man in jedem Verein erst mit den tragenden Rollen beginnt, den Verein dabei kennenlernt und wenn man sich dabei wohl fühlt und auch positiv auffällt, ganz automatisch weitere Rollen übertragen bekommt.

Meine ehrenamtliche Zeit ist mir viel schade, um Torschlusspanikmitgliedern in Einzelgesprächen den Sinn und Zweck des Vereins erklären oder noch schlimmer zu begründen, warum man nicht ein ganz anderer Verein ist oder warum ich als Vereinsvorsitzender nicht sofort dafür sorge, dass das Neumitglied gleich Morgen mindestens Bundespräsident wird — einmal ganz abgesehen von den „Connections“ oder gar EU-Subventionen, die ich für deren persönliche Entwicklung bereitzustellen hätte.

Den meisten dieser Spätzünder empfehle ich besser ganz gemütlich auf dem Friedhof spazieren zu gehen und nach einem Plätzchen zu suchen.

Dann gibt es aber doch immer wieder auch Lebensältere, die zwar erst spät zu uns finden, aber ausreichend Lebenserfahrung mitbringen, um sich ganz harmonisch in das bestehende Gefüge einzupassen! Und diese entwickeln sich dann auch sehr schnell zu einem echten Gewinn für unseren Verein.

„The first ten million years were the worst and the second ten million years, they were the worst too. The third ten million years I didn’t enjoy at all. After that I went into a bit of a decline.“

MArvin, The Restaurant at the End of the Universe (kleiner Insider)