Feiernde Menschen

Verein & Mitglied 5 (4)

Beitragsfoto: Feiernde Menschen | © Shutterstock

Ein Verein ohne Mitglieder geht nicht, zumindest kenne ich keinen solchen. Irgendwann glaube ich einmal gehört, vielleicht auch gelesen zu haben, dass es bei uns mindestens sieben Menschen, ob natürliche oder juristische scheint dabei egal zu sein, bedarf, um einen Verein zu gründen.

Ein Verein gibt sich dann eine Satzung, in der das Vereinsleben grundsätzlich geregelt wird. Diese Satzung ist dabei nicht in Stein gemeißelt und kann unter bestimmten vorab festgelegten Kriterien geändert werden. Bei uns in Deutschland gibt es dann noch den Fall, dass das Gesetz Satzungsänderungen zwingend macht.

Vereine dürften wie Afrika sein, man liebt sie oder man hasst sie. Ein dazwischen gibt es, wenn man zu sich selbst ehrlich ist, nicht. Bei uns dürften die Menschen Vereine lieben, denn es gibt weiterhin sehr viele davon.

Manche Menschen, so wie ich auch, glauben daran, dass zumindest bei uns Vereine nicht die Familien die Basis der Demokratie sind. Wo sonst sollen Menschen Demokratie lernen? In unseren Familien bestimmt nicht.

Wie gesagt, jeder Verein hat Mitglieder und die meisten Vereine definieren sich dabei selbst über deren Anzahl. Auch ich unterliege noch heute diesem Phänomen, obwohl ich es inzwischen längst besser wissen müsste.

In jedem Verein dürfte es drei Arten von Mitgliedern geben. Die passiven Mitglieder, die den Verein aus Gründen auch immer unterstützen möchten und zumindest jährlich ihren Mitgliedsbeitrag entrichten. Ich behaupte dabei, dass ein Verein, der von seinen Mitgliedern keinen Beitrag einzieht, auch kein Verein ist — dies ist schon alleine unserem Gesellschaftssystem geschuldet.

Die zweite Mitgliedsart dürften jene Mitglieder sein, die aus ihrer Mitgliedschaft im Verein einen persönlichen Vorteil ziehen und sich ansonsten nicht in Vereinsangelegenheiten einbinden wollen und schon gar nicht lassen. Hierzu zähle ich auch jene Vorstandsmitglieder, darunter selbst Vorsitzende, die außer ein Pöstchen zu besetzen, nicht weiteres beitragen — diese Art der Mitgliedschaft findet man viel zu oft gerade bei unseren Berufspolitikern.

Die dritte Art der Mitgliedschaft sind die aktiven Mitglieder und darüber dürfte ich hier im Blog bereits doch so einiges geschrieben haben. Wobei ich unter aktiven Mitgliedern jene verstehe, die sich aktiv für den Verein und nicht für sich selbst einbringen.

Am besten ist es meines Erachtens, wenn man sich anfangs für die Idee, welche hinter dem Verein steht, begeistert und diese dann auch durch eine Vereinsmitgliedschaft unterstützt. Schon alleine damit leistet man sehr viel für den Verein.

Manche interessieren sich schon ein wenig mehr, gerade bei Sport- und Musikvereinen dürfte dies der Fall sein, und schauen und dies ganz folgerichtig danach, wie sie aus ihrer Vereinsmitgliedschaft einen Mehrwert für sich selbst schaffen können.

Sie beginnen sich selbst zu engagieren und ins Vereinsleben zu integrieren. Daraus entwickelt sich langsam aber sicher eine aktive Mitgliedschaft im Verein und über kurz oder lang wird man vom Vorstand immer öfters eingebunden.

Für viele aktive Vereinsmitglieder ist dann die Wahl in den jeweiligen Vorstand eine folgerichtige Entwicklung, wobei ich auch doch so einige aktive Mitglieder kenne und in manchen Vereinen auch selber bin, die diesen Entwicklungsschritt dann doch nicht gehen möchten, aus den unterschiedlichsten Gründen heraus.

Jene Mitglieder, die letztendlich in den Vorstand gewählt werden, waren damit idealer Weise bereits vorab aktiv und sollten dies auch weiterhin bleiben. Wobei es mir bewusst ist, dass es immer eine Ausnahme gibt, nämlich die Nur-so-da-Vorstandsmitglieder, und dies aus ganz unterschiedlichen Vereinsinteressen heraus begründet.

Die Gefahr dabei ist, dass es immer mehr Nur-so-da-Vorstandsmitglieder gibt, was letztendlich keinem Verein guttut. In manchen Vereinen dürfte der gesamte Vorstand aus solchen Mitgliedern bestehen, wobei diese sich dann gerne darüber wundern, dass es insgesamt immer weniger Vereinsmitglieder gibt.

Ironischer Weise versuchen gerade diese Vorstände das Problem dadurch zu beheben, dass sie immer mehr Nur-so-da-Vorstandsmitglieder in den Vorstand berufen oder gar wählen lassen, was dazu führt, dass damit nur noch die Anzahl der Vorstandsmitglieder zunimmt.

Spannender Weise ist dies heutzutage kein ausschließliches Vereinsphänomen mehr, was vielleicht die eine oder andere gesellschaftliche Entwicklung erklären könnte.

„Mitgliedschaft in einem Verein

Wer in einen Verein eintritt, schließt als Mitglied mit dem Verein einen Vertrag. Minderjährige unter 18 Jahren, die in einen Verein eintreten wollen, müssen – von Ausnahmefällen abgesehen – von ihren Erziehungsberechtigten vertreten werden.

Die Satzung des eingetragenen Vereins muss Bestimmungen über den Ein- und Austritt der Vereinsmitglieder treffen. Mitglied des Vereins ist, wer den Verein mitgründet oder später in den Verein eintritt. Die Mitgliedschaft in einem Verein ist nicht übertragbar und nicht vererblich. Die Ausübung der Mitgliedschaftsrechte kann nicht einem anderen überlassen werden.

Durch den Eintritt in den Verein wird das neue Mitglied Träger von Rechten und Pflichten. Diese ergeben sich entweder aus der Satzung oder beispielsweise aus Benutzungsordnungen, die häufig von Sportvereinen erlassen werden. Zudem verpflichtet sich das neue Vereinsmitglied, die mit der Mitgliedschaft verbundenen Beitragspflichten zu erfüllen.

Der Verein ist in der Regel frei in seiner Entscheidung, ob und wen er als neues Mitglied aufnehmen will. In der Vereinssatzung können bestimmte Voraussetzungen für eine Mitgliedschaft festgelegt werden (zum Beispiel ein Mindestalter oder ein bestimmter Beruf). Ausnahmen bestehen etwa bei Vereinen, die für die berufliche oder wirtschaftliche Existenz eines Einzelnen von besonderer Bedeutung sind. Für solche Vereine kann ein Aufnahmezwang bestehen.“

Serviceportal BAden-Württemberg (25.1.2026)

Lesezeichen

Europa ist aus 5 (2)

Beitragsfoto: Lesezeichen | © kertlis von Getty Images

Anton Jäger | The New York Times

Europe Is in Decline. Good. (zuletzt aufgerufen am 16.12.2025, 8.18 Uhr).

„The continent’s center and far right, despite their differences, clearly agree on some essentials. Yet that Europe should become either a wasteland or a gated community is not divinely decreed. Cut down to size, Europe may find that a pleasant public allotment in the suburbs of the new global order might be more than enough.“


Anton Jäger schreibt einen sehr interessanten Nachruf auf Europa.


Bundestag

Berufspolitik 5 (7)

Beitragsfoto: Bundestag | © clareich auf Pixabay

Am 3. Dezember 2019 hatte ich mich schon einmal hier im Blog zur Berufspolitik geäußert. Inzwischen sind sechs Jahre vergangen und wir alle müssen immer deutlicher unter den Folgen einer völlig verfehlten Berufspolitik leiden.

Dabei zeichnet es sich immer mehr ab, dass unsere Berufspolitik der Gegenentwurf von Demokratie ist. Schon die alten Griechen und Römer wussten um die Bedeutung von Wahlämtern und sehr viele nutzten diese, um sich damit ein sehr schlaues Leben zu machen.

Und so schaue ich heute einmal etwas näher gerade auf diese Wahlämter, welche durchaus ein Teil der Berufspolitik geworden sind und sich heutzutage mit dem „Berufspolitiker“ als eine ganz neue gesellschaftliche Kaste etablieren. Ursprünglich ein reines Ehrenamt, welches allerdings schon wie gesagt von Anfang an gerne missbraucht wurde.

Wahrscheinlich um diesem Missbrauch besser begegnen zu können, wurde die Idee geboren, ehrenamtliche Politiker (Wahlamt) für ihr Tun gleich so zu bezahlen, dass sie alleine damit ihren eigenen Unterhalt und auch den der eigenen engeren Familie bestreiten können. Und daraus entwickelte sich sehr schnell ein ganz eigener Beruf, der einem gewählten Volksvertreter ein sehr bequemes Leben sicherte, zumindest so lange wie er in Amt und Würden blieb.

Was nur ganz folgerichtig dazu führte, dass jeder, der es schaffte, gewählt zu werden, nun bestrebt war, dieses Ehrenamt zumindest bis zum Einritt in das Rentenalter zu behalten. Wobei beides die Bezahlung wie auch die „Ewigkeit“ bereits damit gegen alle demokratischen Grundsätze verstößt.

Wir alle sind egoistische und faule Individuen, die ihre ganz eigenen Interessen durchsetzen wollen. Die Demokratie schafft es dabei am besten, hierbei zwischen allen Beteiligten zu vermitteln, indem wir alle mit in die Entscheidungen einbezogen werden und durch notwendige Mehrheiten und die dazu nötigen Kompromisse nicht nur den meisten Bürgern gerecht werden, sondern auch dafür sorgen, dass dabei kaum Bürger unter den Tisch gekehrt werden.

Das ganze System lebt dabei von der Partizipation fast aller Beteiligten und dem beständigen Wechsel der jeweiligen Entscheider. Ehren- und Wahlamt sollen dabei garantieren, dass sich keine festen Personengruppen etablieren, die sich dann auch noch durch eine Selbstrekrutierung weiter verkasten.

Wahrscheinlich um auch dieser Entwicklung besser begegnen zu können, wurde die Idee geboren, dass ehemalige Politiker auch nach ihrem Wahlamt versorgt werden, diese also nicht auf Teufel komm raus an ihren Ämtern festhalten müssen.

Dies führte nun aber leider dazu, dass man nun bereits spätestens gleich nach der Schulbank in die Berufspolitik strebt und sobald man daran Gefallen gefunden hat, seine Ämter so lange behält, bis man auf der Bahre aus dem Parlament getragen wird.

Diese Entwicklung führte letztendlich dazu, dass immer weniger Bürger mit in die Entscheidungen einbezogen werden, noch weniger Bürger überhaupt die Chance erhalten, sich in einem Wahlamt zum Wohle der Gesellschaft einbringen zu können und dadurch langsam aber sicher die Qualität der Volksvertreter immer mehr abnimmt: Verkastung –> Verkrustung –> Verdummung.

Inzwischen dürften bereits die Enkel der ersten bundesdeutschen Volksvertreter in den Parlamenten sitzen, was noch nie gut für eine Demokratie war und eigentlich in anderen Herrschaftsformen verstärkt zu finden ist. Demokratien sind einfach zu vielfältig und zu komplex, um durch Familienverbände geführt werden zu können!

Schon alleine durch diese Entwicklung sind die heutigen Demokratien angeschlagen und weniger widerstandsfähig!

Erschwerend kommt nun mit hinzu, dass unsere systemrelevanten Personen nicht mehr wie im alten Rom versuchen müssen, wenigstens noch selbst an die Ehrenämter zu gelangen, sondern sich die Berufspolitik nun zunutze machen können, um sich ihre ganz eigenen Volksvertreter zu kaufen.

Und dies ist die aktuelle Win-win-Situation zwischen Geld und Politik, welche sich auf alle Parteien bezieht, selbst auf jene, die heftigst gegen „das Kapital“ wettern.

Der Zuverdienst ist für Berufspolitiker zu verlockend und dabei ist nur allzu menschlich, dass man selbst als Besserverdiener auf den einen oder anderen Euro mehr nicht verzichten möchte.

Was letztendlich dazu führt, dass bei uns Politik nicht mehr für die große Mehrheit, sondern für jene gemacht wird, die zumindest den entscheidenden Volksvertretern das Leben erleichtern (durch Berater & Lobbyisten) und ggf. auch noch weiter versüßen (durch Nebenverdienste & Geldgeschenke) können.

Das kann auch ganz gut erklären, warum heute Markus Söder selbst das Ende vom Verbrenner-Aus nicht weit genug geht. Aktuell ein ganz gutes Beispiel wie Einzelinteressen zulasten unseres gesamten Landes gehen.

Das Ende vom Verbrenner-Aus wird unsere Autoindustrie dabei nicht retten, eher ein Szenario schaffen, welches uns später die Schließung sämtlicher Werke als alternativlos schmackhaft machen soll. Wobei sich unsere üblichen systemrelevanten Personen noch beim Verkauf der Markenrechte nach China dumm und dämlich verdienen werden.

Ganz ohne Frage, wir alle leiden unter den Folgen der Berufspolitik! Je weniger man selber verdient oder besitzt, umso mehr. Ganz ohne Frage, wir sind daran alle selber schuld! Und ebenfalls ganz ohne Frage könnten wir es allesamt wieder richten, nämlich indem wir

  1. dafür sorgen, dass die Politik bei uns völlig transparent wird — was gerade in der heutigen Zeit ohne Probleme machbar wäre und
  2. vor allem eine Begrenzung aller bezahlten Wahlämter auf maximal drei Legislaturen einklagen und eine anschließende Weiterverwendung in staatlichen oder staatsnahen Strukturen verhindern.

„Unveränderbar ist nur das, was so schnell vergeht, daß für Änderungen keine Zeit bleibt.“

Niklas Luhmann (2021: 473)