Bundestag

Interessenvertretung 5 (9)

Beitragsfoto: Bundestag |  © clareich auf Pixabay

Wir Menschen möchten gerne unsere eigenen Interessen vertreten wissen, was verständlich ist. Manche wenige machen dies weiterhin selbst, andere hingegen lassen ihre Interessen vertreten.

Und so gibt es auch parlamentarische Demokratien, wo Volksvertreter die Aufgabe übernehmen, die jeweiligen Interessen ihrer Wähler zu vertreten — zumindest sollten sie es versuchen.

Um die etwas wohlhabenderen Mitbürger müssen wir uns dabei keine Sorge machen, die kaufen sich ihre Volksvertreter und sorgen zudem dafür, dass diese auch immer wieder gewählt werden, zumindest aber als Nachrücker in Amt und Würden kommen.

Das Problem bei der Interessenvertretung, ob nun in Parlamenten oder auch anderen Organisationen, ist es, wer die Interessen der weniger Begünstigten, Minderheiten oder auch nur die der Dummen und Deppen vertritt.

Aus irgend einem mir nicht ganz nachvollziehbaren Grund heraus kamen die weniger Begünstigten zu der Überzeugung, dass ihresgleichen sie am besten in den Parlamenten vertreten kann. Was alleine am Beispiel der Deppen offensichtlich sein sollte, dass dies nicht funktionieren kann.

Und so wäre es viel sinnvoller, wenn die weniger Begünstigten dafür sorgen, dass möglichst qualifizierte Vertreter deren Interessen vertreten!

Ganz anders wiederum bei den Reichen unserer Gesellschaft, die benötigen keine qualifizierten Volksvertreter, denn die kaufen sich ihr Stimmvieh möglichst billig und sorgen dann durch Profis dafür, dass diese auch in ihrem Interesse abstimmen.

Was dazu führt, dass sich immer mehr Schönheitsköniginnen und Menschen mit falschen Diplomen in den Parlamenten tummeln; die Reichen haben nämlich dabei das Problem, dass sich kein qualifizierter Volksvertreter kaufen lässt!

Ein weiteres Problem der weniger Begünstigten ist es, dass sie die Zusammenhänge nicht erkennen und im Bestfall Parteien wählen, die vorgeben, sich für deren Interessen einzusetzen. Wie wir es inzwischen fast alle wissen, ist es auch nur eine Illusion!

Und dies alles führt nun zu einer ganz neuen und zugleich sehr alten Form der Volksvertretung, an dem sämtliche Demokratien immer wieder zugrundegehen: dem Populismus.

Wohl rein zufällig und erst jetzt von mir bemerkt, schreibt Johannes Pennekamp in der heutigen FAZ „Trump & Co.: Warum Populisten Politik gegen das Volk machen“. Meine Leser können diesen Artikel übrigens kostenfrei lesen.

Wo sogenannte Volks- oder gar soziale Parteien völlig versagen und sich einen Scheißdreck um ihre Wähler kümmern, da haben Populisten ein sehr leichtes Spiel. Inzwischen versteht es sicherlich jeder, wenn man die SPD mit Gazprom und die CDU mit BlackRock gleichsetzt. Die immer noch zahlreich vorhandenen qualifizierten Volksvertreter in diesen Parteien kommen nicht mehr dagegen an.

Ich sage nur selber schuld, denn diese Damen und Herren wurde doch nicht dazu gezwungen, um einen Gerhard Schröder, Olaf Scholz oder Friedrich Merz in Amt und Würden zu heben! Pars pro Toto!

Was gerade wir Bürger jetzt dringend bräuchten, wäre eine bessere Bildung für alle und eine saubere Umwelt! Das sind wahrlich die größten Herausforderungen!

Verteidigung und Infrastruktur sind sehr wichtige Angelegenheiten, die aber von ganz alleine funktionieren, sobald Volksvertreter wieder ihre Wähler und nicht Konzerne oder sich selbst vertreten.

Was aber bekommen wir — ähnlich wie in den USA auch: neue Großkraftwerke, noch mehr völlig veraltete Autos, Kupferleitungen und all das, was ein paar altbekannte Parteispender reich macht.

Und wie in den USA auch, steigt die Staatsverschuldung dabei ins Unermessliche! Follow the money und wir wissen, wessen Interessen bei uns vertreten werden!

P. S.

Ich kenne sehr viele ehrliche, liebe und nette Volksvertreter persönlich. Lieb und nett reicht aber nicht, um unser Land aus dem Schlamassel heraus zu führen!

P.P.S.

Und nein, ich habe keine Leitungslösung!

Hätte ich eine, würde ich die in den USA vermarkten und mich danach an einen Strand meiner Wahl legen.


Lesezeichen

Rechts = kriminell 5 (8)

Beitragsfoto: Lesezeichen | © kertlis von Getty Images

Astrid Geisler, Christina Schmidt, Martín Steinhagen und Sascha Venohr| Die Zeit

Wie Rechtsaußen-Politiker die Brüsseler Parlamentskasse plünderten – Europaparlament (zuletzt aufgerufen am 3.7.2025, 8.11 Uhr)

„Bizarre Spenden und Aufträge: Die ID-Fraktion soll 4,3 Millionen Euro verschleudert haben – an Tierschützer, Abtreibungsgegner, dubiose Firmen. Eine steht der AfD nahe.

Tatsächlich fallen radikale Rechte im Europaparlament seit Jahren mit Finanzskandalen auf. Erst im März verurteilte ein Gericht in Paris die frühere französische Präsidentschaftskandidatin Marine Le Pen vom Rassemblement National zu vier Jahren Haft auf Bewährung, politische Ämter darf sie vorerst nicht mehr ausüben. Der Grund: Mit Parteifreunden hatte Le Pen Mittel aus dem Europaparlament veruntreut, die eigentlich für die parlamentarische Arbeit vorgesehen waren. Stattdessen flossen sie in die Kassen der Partei, die damals noch Front National hieß. Das Urteil gegen Le Pen ist noch nicht rechtskräftig, da drohen ihren Parteifreunden im Europaparlament nun neue Ermittlungen.  

Die ID ließ diese Berichte sogar erfolgreich von einem belgischen Wirtschaftsprüfungsunternehmen absegnen. Erst bei der Prüfung fiel auf: Den Artikel 68, unter dem die Spenden verbucht worden waren, gibt es im Haushaltsrecht des Parlaments gar nicht. Um Geld aus dem Budget für die Fraktionsarbeit verschenken zu können, so notierte es die Parlamentsverwaltung, habe die ID-Fraktion einfach ‚einen neuen Artikel 68 für Zuschüsse erfunden.‘“


Lesenswerter Artikel um ein wenig mehr über die kriminellen Aktivitäten der Rechten auf Kosten von uns Steuerzahlern zu erfahren. Diese Kriminellen plündern unseren Staat aus, wo sie nur können!

Leider aber ist dies kein Alleinstellungsmerkmal rechter Parteien. Der Grund dafür liegt tiefer und einfach nur in der Mangelhaftigkeit von Demokratien selbst.

Auch Demokratien schaffen es nicht, dass es Mindestanforderungen für Politiker gibt, wobei die Konkurrenz der Parteien nicht wie intendiert dazu führt, dass Politiker immer besser werden. Parteiübergreifend besteht hier Einigkeit: keine Krähe hackt der anderen ein Auge aus.

Und so tummeln sich immer mehr Nichtsnutze und Kriminelle in politischen Ämtern und sorgen durch das Primat der Politik dafür, dass es keine wirksamen Kontrollmechanismen mehr gibt.

Und was bei antidemokratischen Parteien und Politikern durchaus Sinn und Zweck von deren Politik ist, nämlich mit allen Mitteln die Demokratie abzuschaffen, ist bei den Demokraten einzig und alleine Dummheit gepaart mit einem unstillbaren Verlangen zur Selbstbereicherung — dass dabei die Demokratie großen Schaden nimmt, ist diesen Spesendemokraten völlig egal!

Und so könnte man sich als Wähler durchaus fragen, wer tatsächlich der schlimmere Halunke ist?

Trotzdem möchte ich die Meinung von Thomas Michl nicht ignorieren, der schon länger behauptet, dass die rechten Politiker krimineller als die linken seien.

Ich kann es mit der eigenen Erfahrung weder bestätigen noch dementieren. Ideal wäre es tatsächlich, wenn unsere Politik einmal die versprochene Transparenz ermöglicht und wir verlässliche Daten zur Korruption in der europäischen Politik erhalten.

Besser noch der Wählerschutz ähnlich wie der Verbraucherschutz greift und alle Parteien mit einem Korruptionssiegel versehen werden: A = anständig bis D = korrupt bis zum Abwinken.

Ich bin davon überzeugt, dass dies die beste Wahlhilfe für uns Wähler wäre!


Schienen

25.6.02025 4.9 (9)

Beitragsfoto: Schienen und Menschen | © Mohamed Nuzrath from Pixabay

Zerstreuung

Angeregt von einem Filmvorschlag Gerd M. Hofmanns mache ich mir nun Gedanken über die Zerstreuung und weitere Drogen, die nicht nur von uns Menschen so gerne konsumiert werden.

Mein Verständnis dafür ist bei jenen vorhanden, die sich in ausweglosen wie äußerst trostlosen Situationen befinden und sich einfach ab und zu nur einmal „wegbeamen“ müssen, um das aktuelle Leben überhaupt noch halbwegs bewältigen zu können.

Und so war ich auch immer ein Aktivist für den Alkohol bei Einsatzsoldaten, nicht aber bei jenen zu Hause in ihren Kasernen — manche mögen sich noch erinnern. Man kommt zum Schluss besser davon wieder weg als z. B. von der Nadel, vor allem weil Soldaten grundsätzlich resistenter und willensstärker sind als ihre ungedienten Zeitgenossen. Zudem zeigte meine entsprechende Erfahrung, dass Soldaten ein paar Flaschen Bier besser vertrugen als die dargebotenen Psychologen oder gar Psychiater. Besser kamen sicherlich noch die Pfarrer oder Priester weg, vor allem jene, die sich in die Niederungen ihrer anvertrauten Schäfchen trauten — und sie tranken dabei meist auch immer mit.

Ein Problem mit der Zerstreuung und den Drogen habe ich dann, wenn sich Menschen im ganz normalen Alltag befinden, der anders als noch zu Senecas Zeiten sicherlich kaum Anlässe weder zum „Wegbeamen“ noch einer schnöden Zerstreuung vom eigenen Leben bietet — der Fortschritt hat Vorteile!

Unser eigenes Leben, dieser kleine Augenblick der Zeit, den wir erleben dürfen, sollten wir doch alle möglichst bei vollem Bewusstsein durchleben! Schon alleine durch den notwendigen Schlaf und vielleicht auch noch durch ein paar tatsächlich sehr unliebsame Situationen müssen wir von vorne weg auf gut ein Drittel dieser knappen Zeit verzichten.

So sollten wir uns beständig überlegen, was wir mit unserer Zeit anfangen — Carpe diem! Und so sollte man sich jedes Mal fragen, sobald man nach Zerstreuung oder gar Vergessen sucht, was für einen Nutzen man daraus ziehen möchte und kann?

Sind es z. B. die Soap-Operas, die man fortwährend „binged“ oder die Social Media, denen man unentwegt folgt, überhaupt wert, dass man sein kurzes Leben damit „vergeudet“?

Daraus dürfte sich dann sehr schnell die weitere Frage stellen, was man überhaupt mit seinem eigenen Leben anfangen möchte? Vielleicht auch die Frage, mit wem man den Rest seines Lebens gemeinsam verbringen möchte?

Letztendlich fängt man an, sich die wichtigen Fragen des Lebens zu stellen und findet dann vielleicht auch die entsprechenden Antworten.

Einfach nur beständig dem eigenen Leben entfliehen zu wollen, dürfte keine gute Idee sein. So wie es auch keine gute Idee ist, durch bloße Ortswechsel (Urlaube oder Reisen) oder in den unterschiedlichsten Kneipen das eigene Leben besser in Griff bekommen zu wollen, fährt man selbst dabei doch immer mit. Egal von wo man dann auch immer in den Abgrund blickt, blickt der Abgrund stets wieder zurück (frei nach Friedrich Nietzsche).

Völlig irre dürfte man aber sein, wenn man beständig dem eigenen Leben entfliehen möchte, dabei aber genau dieses Leben möglichst lange ertragen will.

Jene von uns, die im letzten Lebenszyklus angelangen, sollten dann sogar Opern, Theateraufführungen, wirklich existenzielle Romane oder Filme auf ihren Nutzen hinterfragen, da man nun selbst nicht mehr wirklich viel davon lernen kann. Spätestens dann ist es an der Zeit, mit der Abrechnung des eigenen Lebens zu beginnen, bevor es einen schlussendlich von ganz alleine abrechnet.

Vermischtes

Wie man es gerade immer öfters lesen kann, war die bombende Intervention des Donald Trumps zumindest ein militärischer Fehlschlag — eine politische Ejaculatio praecox sozusagen. Dem Militär darf man dafür keine Schuld geben, denn man gibt Kindern, Deppen und Irren auch kein Feuerzeug zum Spielen, dies gilt aktuell nicht nur für die US-Amerikaner, sondern für alle Demokratien, die das Primat der Politik doch so hochhalten.

Nicht nur weil ich beständig Lucius Annaeus Seneca lese, kommt mir Donald Trump immer mehr wie ein neuzeitlicher Nero vor — nur ohne Bildung und jegliche Intelligenz. Die alten Römer hatten zumindest noch Mindestvoraussetzungen selbst für ihre Diktatoren!

Kaum habe ich nach ein paar Jahren darauf verzichtet, mein Blog in den unterschiedlichsten Sprachen anzubieten, darf ich erfahren, dass dies nun immer populärer wird — wohl mein Schicksal, meist zu früh mit meinen Ideen um die Ecke zu kommen!

Inzwischen dürfte es aber den tatsächlich Interessierten möglich sein, wenn sie der deutschen Sprache nicht mächtig sind, sich mit den unterschiedlichsten Helferlein das Blog selbst zu übersetzen. Zugegeben, ich habe mit meiner Entscheidung gegen ein Übersetzungsangebot Leser verloren.

Und so verstehe ich es, wenn Profi-Seiten oder Blogger mit Erfolgsfantasien nun durch Übersetzungen ganz neue Leserkreise erreichen möchten. Da ich aber mein Blog vor allem für mich selbst schreibe und bereits vor Jahren meine Idee der „Weltbürgerschaft“ — so eine Website wollte kaum jemand — aufgegeben habe, war es nur folgerichtig, dass ich nun auch den ökologischen Fußabdruck meines Weblogs verkleinerte.

Inzwischen träume ich eher davon, dass Interessierte oder Suchende mein Blog rein zufällig entdecken oder gar über die alte Mundpropaganda von diesem erfahren. Damit folge ich in etwa einer Idee Senecas aus seinem 108. Brief, wobei dieser sicherlich keine Ahnung von Weblogs gehabt haben dürfte. Aber mehr über Lehren und Lernen, als ich es jemals werde. Ein kleiner Trost bei Nero hat er es völlig verpatzt!

Übrigens, wer sich, was mein Blog angeht, als Lucilius fühlt, der kann sehr gerne einen entsprechenden Kommentar in mein Gästebuch schreiben. Selbstverständlich gerne auch jene, die damit (vorerst) nichts anzufangen wissen.

Suche

Anlässlich des heutigen Tages bin ich auf der inzwischen fast verzweifelten Suche nach guten Nachrichten; möchte ich doch gerne auch einmal meine Leser überraschen. Bei den 9. Hertensteiner Gesprächen zeichnet es sich ab, dass sich nun auch die Landeszentrale für politischen Bildung mit engagieren wird. Dies wäre ein tatsächlich gutes Zeichen und ein weiterer Gewinn für diese Gesprächsreihe. Was nun auch hoffen lässt, wenn wir das Programm letztendlich in trockenen Tüchern haben, dass weitere Interessierte mit hinzukommen.

Der große Charme dieser Gespräche ist es, dass diese ganz bewusst nicht professionalisiert sind und die Improvisation einfach mit dazugehört. Und so kann sich dort jeder und dies ganz ungezwungen selbst mit einbringen, denn außer einer Neugierde auf oder gar eine Begeisterung für Demokratie wird nichts vorausgesetzt. Und so gibt es auch keine Vortragenden, sondern Moderatoren, Zuhörer und Diskutanten sowie Protokollanten, die dafür sorgen sollen, dass die Eindrücke und Ergebnisse festgehalten werden.

Hierbei folge ich eigentlich schon immer Sokrates: „Οἶδα οὐκ εἰδώς“.

„Nicht so großzügig und verschwenderisch hat uns die Natur die Zeit gegeben, dass es freistünde, etwas von ihr zu verlieren.“

Seneca, 19. Buch, 117. BRief (2023: 1217)