Bank

4.2.02026 5 (4)

Beitragsfoto: Bank | © Wendy CORNIQUET auf Pixabay 

KI-Fabrik

Nun weiß ich endlich, warum es mit meinem Glasfaseranschluss nichts wird. Die Versorgung unserer Bevölkerung mit Telefon und Internet ist inzwischen für den ehemaligen Staatsbetrieb sekundär. Man macht nun ganz auf Deutsche Bahn und investiert in Zukunftsprojekte.

Der lachende Dritte wird die Deutsche Post sein, die ihr Briefgeschäft bald wieder voll aufleben lassen muss, und wohl auch die Züchter von Brieftauben.

Die Deutsche Telekom nahm heute in München ein großes komplett renoviertes KI-Rechenzentrum offiziell in Betrieb, für gut 1 Milliarde Euro. Die Blasenwirtschaft will weiter gepimpt werden. Unser Wirtschaftsbonzen rennen den Säuen hinterher, so wie Donald Trump den Bitcoin.

Ich habe selbstverständlich nichts gegen unternehmerisches Risiko, aber bitte nicht immer nur auf Kosten von uns Bürgern! Gerade Firmen, die mit unserer Infrastruktur wuchern und sich dabei dumm und dämlich verdienen dürfen, sollten tunlichst darauf achten, dass sie auch noch ihren eigentlichen Aufgaben nachkommen. Wenn sie dies nicht machen, dann müssen sie von der Legislative aus dem Rennen genommen werden. Und ist auch dies nicht der Fall, dann befinden wir uns in einer reinen Ausplünderungswirtschaft. Und dass dies unseren Politikern selbst auch nicht schadet, dürfte inzwischen hinlänglich bekannt sein.

Open Benches

Terence Eden schrieb jüngst über sein OpenBenches-Projekt. Inzwischen finden sich fast 40 000 solcher Bänke auf seiner Website. Eine digitale Sammelleidenschaft, die originell und bewundernswert zugleich ist.

Noch spannender, weil er in einem Blog-Beitrag auch einmal die Kosten von openbenches.org aufführt — keine 200 Pfund im Jahr!

Und dies steht ganz im Gegensatz zu jenen deutschsprachigen Bloggern, die immer vehementer verlautbaren, dass ihre eigenen Blogs oder zumindest ein paar ihrer kleinen Seitprojekte mangels Finanzierung durch die „Community“ scheitern werden.

Ich bedauere jeden Blogger sehr, der keine 200 Euro im Jahr für sein Hobby aufwenden kann! Wahrscheinlich werden wir demnächst ein episches Blog-Sterben miterleben müssen.

Vermischtes

Es ärgert mich doch immer wieder ein klein wenig, wenn man mir dringend rät, doch etwas mehr politische Veranstaltungen anzubieten. Und selbstverständlich dabei ganz genau weiß, wie man dies am besten machen könnte — andere machen könnten, versteht sich dabei von ganz alleine. Und sobald ich dann solche Veranstaltungen anbiete und dabei auch noch auf die Notwenigkeit hinweise, dass diese besucht werden sollten, lässt sich kaum ein Mensch blicken — die üblichen Verdächtigen halt. Ich muss es wohl nicht erwähnen, dass gerade jene, die mehr solche Veranstaltungen fordern, an solchen Veranstaltungen dann nicht teilnehmen!

Es wäre wohl besser, wenn ich künftig nur noch in frenetischen Jubel ausbreche, diese Menschen über den Klee lobe, lauter solche geforderten Veranstaltungen avisiere und hinterher eine KI über die nicht vorhanden Veranstaltungen Presseberichte schreiben lasse. Was man wohl so in einer Gesellschaft des Selbstbetrugs macht — warum denke ich nun bloß an Linkedin?

Ach so, aktuell werde ich mit Angeboten nur so überhäuft, von Profis, die mich gerade deswegen anschreiben, weil sie mich schon alleine wegen meines aussagekräftigen Linkedin-Profils als geeignet identifiziert haben. Das Problem dabei: ich habe schon lange keines mehr.

Gestern durfte ich ganz spontan eine Tour durch Franken machen, ganz Franken! Also inklusive Ober-, Unter- und Mittelfranken. Ich lernte dabei nebenbei, dass unsere beiden Bundesländer weiter an Franken nagen und erst 1972 den Landkreis Eichstätt von Mittelfranken abknabberten.

Der informierte Leser wird mich sicherlich fragen mögen, ob ich denn auch in Hessen gewesen bin, aber so weit denke ich schon lange nicht mehr. Zudem wäre es wohl an einem Tag zu viel des Guten gewesen.

Heute konnte ich ganz gemütlich meine Klausur fertig korrigieren. Ein sehr ernüchterndes Ergebnis. Wenn man allerdings die Teilnahme an den Vorlesungen mit einbezieht, könnte man auch gut meinen, dass meine Klausuren immer einfacher werden.

Ich selbst gehe weiterhin davon aus, dass es Studenten gibt, die benötigen keine Hochschulen, da sie mit ihrem Verstand und etwas natürlicher Neugierde ausgestattet, sich das notwendige Fachwissen auch so aneignen können. Allerdings bleibt die Bildung dabei auf der Strecke, der eigentliche Grund, warum ein Mensch studieren sollte.

Wahrscheinlich aber sind die heutigen Studenten voll und ganz damit zufrieden, wenn sie künftig Dosensuppen sortieren und in Regale einräumen, dass sie dies dann als Bachelor machen. Auch erspart es einem, sich dabei noch Gedanken über eine mögliche Überqualifizierung zu machen.


Altes Auto

9.1.02026 5 (4)

Beitragsfoto: Auto |  © Dariusz Sankowski auf Pixabay

Vermischtes

Die deutschen Gasspeicher sind nur noch halb voll, da unsere Regierung wieder einmal ihre Hausaufgaben gemacht hat: Gewinnoptimierung für ihre Parteisponsoren.

Warum konnten bei uns die Züge früher bei Schnee fahren? Und warum fahren Züge in anderen Ländern weiterhin bei Schnee und Eis, selbst durch meterhohe Schneeverwehungen? Matthew Kronsberg fragt sich derweil, ob heutzutage die Züge wieder die komfortabelste Reisemöglichkeit seien? (New York Times, 6.1.2026 — für die Blog-Leser kostenfrei).

Mir ist es schon sehr lange völlig egal, ob ein Zug in Deutschland komfortabel ist oder ob es dort überhaupt einen Sitzplatz gibt — Hauptsache, er kommt noch ans Ziel und dies möglichst am selben Tag.

Erfreulich, dass der Weg für das jahrelang umstrittene EU-Freihandelsabkommen mit den Mercosur-Staaten Brasilien, Argentinien, Uruguay und Paraguay nun frei ist. Bis zum Schluss haben sich die französischen Bauern gewehrt und dafür gesorgt, dass sich Frankreich gegen das Abkommen entschied — Pech gehabt: Mehrheitsentscheidung! Ich vermute einmal ganz stark, dass sobald nun auch Deutschland überstimmt werden wird, es keine Mehrheitsentscheidungen in der EU mehr geben wird.

Neben Frankreich stimmte noch Polen dagegen; Italien rettete nach 25 Jahren Verhandlungen dieses Abkommen nicht ohne doch ein paar weitere Zugeständnisse an die europäischen Bauern erzielt zu haben.

Zwar soll das Abkommen die EU-Exporte jährlich um bis zu 49 Milliarden Euro steigern können und damit mehr als 440 000 Arbeitsplätze sichern helfen, was aber doch nicht so richtig zählt, einfach weil unsere Bauern weiterhin die dickeren Autos fahren — und wir wissen ganz genau, was bei unseren Politikern zählt, nein, nicht die Länge, sondern die Breite.

Und so darf man es durchaus als großen Erfolg ansehen, dass unsere Politiker nur ein Vierteljahrhundert benötigten, um mehrheitlich einmal der Vernunft den Vorzug zu geben.

Käffchen

Für ein Käffchen mit Detlef Stern gehe ich weiterhin gerne in die Stadt. Demnächst gönne ich es mir einmal, miete ein möglichst großes SUV, fahre erst ein paar Runden die Allee hoch und runter, dann durch die Fußgängerzone und stelle zum Schluss den Karren direkt vor dem Café ab — zumindest laufe ich dabei nicht Gefahr, in einen Hunde- oder gar Menschenhaufen zu treten.

Sobald die Autos alle selbstständig unterwegs sind, wobei Detlef Stern der Überzeugung ist, dass wir beide dies nicht mehr erleben werden, hat sich das mit den Privat-, Geschäfts- und Mietwagen wohl erledigt. Denn dann lassen Software-Firmen und die übrig gebliebenen Autokonzerne ihre Autos von ganz alleine auf Kundenfang durch die Städte toben — auf deren Lifetime-Abos bin ich schon heute gespannt!

Bis dahin werden die bereits existierenden selbstfahrenden Automobile weiterhin von Lohnsklaven aus Indien und Co. ferngesteuert. Wobei dies bestimmt auch ein ganz gutes Geschäftsmodell für unsere eigene Jugend ist. In jedem Arbeitsamt werden Räume eingerichtet, wo unsere „Arbeitssuchenden“ täglich ein paar Stunden vor dem Bildschirm sitzend Autos fernsteuern können. Gerade für die Heilbronner Allee- und Innenstadt-Cruiser eine gute Gelegenheit, um einmal andere Strecken kennenzulernen — wobei sie es sich zudem ersparen, immer bei Mama um das Familienauto betteln zu müssen.

Das heutige Thema war aber hauptsächlich der Zettelkasten und eine längst vergangene Zettelkastenrunde, etwas RSS und die gute alte E-Mail. Bei letzterem bin ich davon überzeugt, dass wer am Abend noch mehr als zehn E-Mail in seinen Postfächern liegen hat, besser wieder auf den Briefkasten vor seiner Haustür zurückgreifen sollte.

Wer als Informatikstudent nicht weiß, was ein RSS-Feed ist, der sollte sich schleunigst nach einer anderen Beschäftigung umsehen, Autofahren zum Beispiel.

Kommenden Dienstag habe ich meine letzte Vorlesung in diesem Semester, ab dem kommenden führe ich dann ein Maßband mit — werden wohl nur Gediente verstehen können. Die Klausur steht und so beschränke ich mich darauf, um Fragen zu beantworten. Es dürfte nur noch welche zum Ablauf der Klausur geben, ich lasse mich aber gerne überraschen.

Zum Schluss haben wir noch ein wenig über Blogger gelästert, da wir selber welche sind, geht das auch völlig in Ordnung. Vielleicht ist das mit einer neuen Zettelkastenrunde absolut zu nerdig und so rege ich einmal eine Bloggerunde an. Ich fand es schon immer viel spannender, wenn die, über die man lästert, auch selber mit dabei sind.

Lifetime

Wie kurz unsere Leben sind, das zeigt uns die aktuelle Software-Industrie ganz gut. Wie bereits geschrieben, dünne ich auch mein Privat-Blog zunehmend aus. Und so habe ich mich bereits von vielen lieb gewonnenen Features wie auch Plug-ins getrennt.

Zumindest mir geht es so, dass ich bei jenen Plug-ins, die ich mit einer Lifetime-Garantie erworben habe, dabei doch etwas zögere. Und so bekomme ich nun heute wieder einmal mit, was diese Software-Firmen so unter Lifetime verstehen. Gerade soll ein Plug-in von der Version 3.0 auf die Version 4.0 umgestellt werden, wobei ich, weil ich bereits vor Jahren ein Lifetime-Abonnement abgeschlossen hatte, nun künftig 50 % vom Listenpreis zahlen soll und damit wohl noch weit mehr als jene, die regelmäßig beim Black Friday zuschlagen.

Zum Glück bin ich aber auch noch Telekom-Kunde. Denn dieses Unternehmen zeigt seinen Kunden, dass selbst das kürzeste Leben sehr lange dauern kann, zumindest was deren Wartezeiten anbelangt. Seit gut drei Wochen hängt nun ein Glasfaserkabel in meiner Kellerwand herum. Und so lange dies nur so herumhängt, sieht es im Keller aus wie bei Hempels unter dem Sofa, weil ich die weiteren Kabelwege im Haus schon einmal freigeräumt hatte.

Wann bloß wurde aus Eduard Zimmermanns Fernsehsendung „Nepper, Schlepper, Bauernfänger“ bei uns nackte Realität?

Post Scriptum (Dank geht an Guido Kühn)


S-Bahn vor Hauptbahnhof

10.12.02025 5 (4)

Beitragsfoto: S-Bahn vor Hauptbahnhof | © Bettina Kümmerle

Realitätsverweigerung

Spätestens seit Platons Höhlengleichnis müssten wir wissen, dass es ziemlich schwierig bis unmöglich ist, um zu erfahren, was um uns herum eigentlich so alles geschieht. Unsere Wahrheiten und Realitäten sind bestenfalls gut getroffene Annahmen.

Umso erstaunlicher ist es, dass wir Menschen uns von Anfang an den gegebenen Realitäten zu entziehen versuchen. Noch als kleine Kinder versuchen wir allesamt, die Welt um uns herum zu ergründen, aber bereits im Laufe unserer schulischen Erziehung verlieren die allermeisten von uns den Drang zu ergründen, warum es uns alle gibt und wie das Ganze eigentlich so funktioniert.

Aus frisch geborenen Homo sapiens werden sehr schnell bloße Primärprozessler, die etwas später bereits alles Erdenkliche unternehmen werden, nur um ihrer vermeintlichen eigenen Realität zu entfliehen.

Seneca begrüßte es, dass man dann den Freitod wählt, wenn die eigene zu erleidende Realität zu grausam ist. Dies wäre tatsächlich konsequent. Weniger, wenn man seiner als viel zu grausam wahrgenommenen Realität einfach nur durch Drogen entflieht.

Spannender Weise scheint diese Inkonsequenz gang und gäbe zu sein, oder aber die eigene Realität ist nie grausam genug, um echte Fakten zu schaffen.

Was allerdings nicht die Frage klärt, warum wir Menschen meist nicht einmal mehr zu ergründen versuchen, ob die Welt um uns herum nun gut oder schlecht für uns ist.

Meine Erklärung ist, dass man, wenn man es erkennen würde, ggf. dazu gezwungen wäre, wenigstens zu versuchen, etwas an dieser Situation selbst zu ändern.

Wahrscheinlich sind wir längst keine denkenden und handelnden Menschen mehr, sondern nur noch konsumierende und genießende Menschen.

Vermischtes

Schon wieder befinden wir uns mitten in der Adventszeit und es ist Zeit, dass ich etwas zurückschalte. Zumindest konnte ich den Weihnachtsbaum aus dem Keller holen. Vor Jahren hatte ich der Familie einen aus Metall aufgezwungen und war mir dabei sicher, dass er noch die eigenen Kinder überleben können wird — deutsche Markenqualität. Seit ein paar Tagen weiß ich nun, dass dieser über Sollbruchstellen verfügt und diese nun eine nach der anderen ihren Zweck erfüllen. Eigentlich hatte ich darauf spekuliert, dass ich die dort verbaute Beleuchtung einmal austauschen muss.

Ein möglichst nachhaltiges Leben zu führen ist schwer, vor allem dann, wenn die gesamte Gesellschaft um einen herum auf sinnlosen Verbrauch und Zerstörung aufgebaut ist. Einzig dabei ist zu bewundern, dass die Verantwortlichen es geschafft haben, uns das Abwracken der gesamten Welt als Wachstum zu verkaufen.

Jüngst schaffe ich es wieder etwas öfters das Tanzbein zu schwingen, wobei ich nun feststellen muss, dass es ziemlich schwer ist, den Takt zu halten, wenn man die Musik nicht mehr so richtig hört. Und da ich weiterhin darauf bestehe, die Führungsschritte zu tanzen, helfen dabei auch nicht die sicherlich gut gemeinten Korrekturen meiner besseren Hälfte.

Jetzt hoffe ich einmal nicht, dass ein Leser daraus wieder eine vermeintliche Misogynie herauslesen wird. Dabei war ich schon eine Emanze, als die meisten der damit heute so offensiv auftretenden Personen noch gar nicht geboren waren. Ich glaube heute noch an Gleichberechtigung, lehne es aber weiterhin ab, wenn man diese einzig und alleine nur ins Feld führt, um sich eigene Vorteile zu verschaffen.

Echte Emanzen habe heute tatsächlich Seltenheitswert! Deren teilweise sehr populäre Abziehbilder, die außer ihrem vermeintlichen Emanzentum und erschwindelten Karrieren nichts präsentieren können, prägen aktuell die öffentliche Diskussion — was aber ganz gut in unsere heutige Welt passt.

Vor kurzem habe ich wieder einmal unzählige Bücher entsorgt. Dabei viel mir das Buch „Alt – Manifest gegen die Herrschaft der Jungen“ von Esther Vilar in die Hände und ich stellte es wieder zurück; bei Gelegenheit möchte ich doch nochmals darin schmökern.

Übrigens, nach einem Fernsehstreitgespräch am 6. Februar 1975 mit Alice Schwarzer wurde Esther Vilar zu einem regelrechten Hassobjekt für Feministinnen und tätlich angegriffen. Ich fand ihr dem Gespräch zugrunde liegendes Buch „Der dressierte Mann“ (1971) damals hingegen als eine Art Gegenthese sehr brauchbar und sah ihre Argumentation in den folgenden Jahrzehnten auch teilweise bestätigt.

Als ich das Buch „Alt“ 1980 las, gab es als Zugabe noch einen eigenen Button, den ich leider nicht mehr finden konnte. An diesen kann ich mich noch erinnern, leider nicht mehr an den Inhalt des Buches. Da das Buch heute noch in einem Regal steht, lässt darauf schließen, dass ich es wieder einmal zur Hand nehmen wollte. Nach 45 Jahren werde ich es sicherlich aus einer ganz anderen Perspektive lesen.

Wahrscheinlich ist es das Schicksal aller Autoren, dass diese, wenn sie dem echten Leben halbwegs nahekommen, zumindest deren Bücher auf den Scheiterhaufen landen.

Straßenbahn

Eigentlich wollte ich nichts mehr über meine Heimatstadt schreiben, denn es ist schon alles geschrieben und positive Veränderungen sind in den kommenden Jahren nicht zu erwarten; der Fisch stinkt weiterhin am Kopf zuerst!

Mit Freude musste ich heute zur Kenntnis nehmen, dass mindestens ein Triebfahrzeugführer zu meinen Lesern gehört. Auf alle Fälle sprach er mich heute auf der Straße an und bat mich, doch wieder einmal meine Meinung zum öffentlichen Nah- und Straßenverkehr kundzutun.

Zu Fahrradfahren und sonstigen auf den Gehwegen Randalierenden habe ich bereits zu Genüge geschrieben. Leider wird es hier ebenfalls so schnell keine Besserung geben.

Auf alle Fälle nutzen sehr viele Verkehrsteilnehmer bei uns den zumindest in der Innenstadt bestehenden rechtsfreien Raum dazu, um auf der Straße zu machen, was sie gerade so wollen. Aus reinem Vergnügen heraus Menschen totzufahren hat in Heilbronn schon etwas länger Tradition.

Und selbst unsere Stadtbusse kennen schon länger keine roten Ampeln oder Zebrastreifen mehr, zumindest dann, wenn sich die jeweiligen Lenker gerade wieder einmal im Groove befinden. Jüngst durfte ich einen Omnibus bewundern, der ganz locker auf der Gegenspur Strecke machte und wohl darauf baute, dass er sich als Stärkerer schon wieder in die eigene Spur einreihen können wird. Zumindest dürfte damit die Verspätungsproblematik, die bei der Deutschen Bahn so gerne diskutiert wird, im Heilbronner Stadtbusverkehr vom Tisch sein.

Viele Autofahrer cruisen nicht nur die Allee hoch und runter, sondern nutzen, wenn sie in Eile sind, gerne Einbahnstraßen umgekehrt herum oder noch lieber die Fußgängerzone, um ungestört Strecke machen zu können. Von roten Ampeln einmal ganz zu schweigen. Der Tod anderer Verkehrsteilnehmer wird dabei billigend in Kauf genommen.

Nun ist dies nicht mehr nur eine Beobachtung von mir, sondern auch Triebfahrzeugführer, die durch das Stadtgebiet unterwegs sein müssen, stellen zunehmend fest, dass der Aufenthalt im Heilbronner Verkehrsraum nicht gerade der Gesundheit förderlich ist. Jene Verkehrsteilnehmer, die ihren Führerschein noch redlich erworben haben, wissen darum, dass Straßenbahnen nicht nur schienengebunden und ziemlich schwer sind, sondern auch über einen etwas größeren Bremsweg verfügen, vor allem dann, wenn sie die eigenen Fahrgäste nicht gefährden möchten.

In Heilbronn dürfte die Asozialendichte im Straßenverkehr besonders hoch sein, wobei die dementen oder debilen Führerscheininhaber noch mit dazu kommen. Wobei ich mich schon etwas länger frage, wie bei uns Menschen den Führerschein bekommen können, die nachweislich weder lesen und schreiben noch rechnen können.

Auf alle Fälle aber gibt es in der Heilbronner Innenstadt für die Straßenbahnen regelrechte Unfallschwerpunkte, die an Stellen liegen, wo Einbahnstraßen oder Ampelanlagen von Autofahrern besonders gerne ignoriert werden. Die Fahrt dorthin für die Triebfahrzeugführer jedes Mal eine regelrechte Belastung und die Notbremsungen bereits Gewohnheit.

Im Falle, dass es dann doch wieder einmal kracht oder gerade noch einmal verhindert werden konnte, müssen die Triebfahrzeugführer Beleidigungen aller Art erdulden und können wohl auch nicht mehr mit der Hilfe der Heilbronner Polizei rechnen. Inzwischen fährt wohl eine „Spezialeinheit“ aus dem Umland an.

Bevor nun aber ein Kraftfahrzeugführer, der eine rote Ampel überfahren hat, falsch aus einer Einbahnstraße herauskam oder doch nur zu blöd zum Autofahren ist, angezeigt wird, wird erst einmal ganz prophylaktisch der Triebfahrzeugführer vor den Kadi geschleppt und muss dann seine Unschuld durch mehrere Instanzen nachweisen — eine berufliche Attraktivität dürfte anders aussehen!