Tanzen

Empirische Ästhetik  4.6 (7)

Beitragsfoto: Tanzen | © Pixabay

Leben ist nicht nur kommunizieren, wie ich es jüngst den Studenten meines Fachbereiches zu erklären versuche habe, sondern auch lernen. Aber auch das Sterben gehört einfach mit dazu, so würde es zumindest Seneca ergänzen wollen.

Heute möchte ich aber nicht über die Ars moriendi schreiben, sondern über einen für mich ganz neuen Forschungsgegenstand, der „empirischen Ästhetik“.

„Das Max-Planck-Institut für empirische Ästhetik (MPIEA) erforscht, warum und wie Menschen Kunst erschaffen und sie aufführen, erleben und bewerten. Der Schwerpunkt des MPIEA liegt auf Musik, das Institut beschäftigt sich aber auch mit anderen zeitgebundenen Kunst-Domänen wie Tanz oder Film.“

Max-Planck-Institut für empirische Ästhetik, Website (29.5.2025)

Lassen wir einmal die Seitenhiebe weg, was man heutzutage so alles studieren kann, zumal ich selber aktuell in einem Fachbereich der Wirtschaftsinformatik tätig bin — ergo, selber im Glashaus sitzend, nicht mit Steinen um mich werfen sollte. Auf alle Fälle aber gilt weiterhin, dass es nicht allzu sehr darauf ankommt, was man studiert, sondern alleine darauf, dass man wissenschaftliches Arbeiten lernt! Und dies kann man sicherlich auch auf dem Feld der empirischen Ästhetik.

Auf alle Fälle aber wäre dieses Fachgebiet, wenn sie dort noch essen und trinken mit aufnehmen (kleiner Tipp unter Kollegen), prädestiniert, um im wissenschaftlichen Umfeld Heilbronns locker die Spitzenposition zu erklimmen.

Aber wie komme ich nun überhaupt auf das Feld der empirischen Ästhetik? Wie immer, am Anfang stand ein Problem, das sich bei etwas näherer Betrachtung ausweitete und inzwischen einen Umfang einnimmt, sodass sich gleich mehrere Parteien (Stakeholder) mit der Sache auseinandersetzen, nämlich mit der Frage, warum man inzwischen bei vielen Tanzbällen kaum noch jüngere Tanzpaare finden kann? Ausgeweitet, warum auch in ADTV-Tanzschulen immer mehr ältere Tanzpaare anzutreffen sind, weiter ausgeweitet, warum es immer weniger junge Tanzschüler gibt, noch weiter ausgeweitet, warum sehr viele dieser Tanzschüler eigentlich nur noch Schülerinnen sind?

An Hypothesen, warum dies so sein könnte, gibt es keinen Mangel. Manche führen dies auf die Folgen von COVID-19 zurück, dabei aber eher auf die unverhältnismäßig ergriffenen Gegenmaßnahmen. Man kann diesbezüglich gerne auf ältere Blog-Beiträge aus den Jahren 2020 bis 2022 zurückgreifen. Manche sehen darin einfach nur eine ganz normale gesellschaftliche Entwicklung. Manch andere, dass sich unsere europäische Kultur aufgrund der zunehmenden Migration entsprechend verändert.

Aber alle nehmen inzwischen das Delta zwischen Wunsch und Wirklichkeit wahr und so ist es nun an der Zeit, dass man sich dieses Problems einmal etwas professioneller annimmt. Und hier kommt das Max-Planck-Institut für empirische Ästhetik ins Spiel, nämlich dadurch, dass diese Wissenschaftler erst einmal wissen möchten, „warum tanzen Sie, und was?“

Hallo liebe Tanzbegeisterte,
willkommen! 

Wissenschaftliche Erhebungen zeigen: Tanzen ist gesund! Es gibt jedoch vieles, was man noch nicht weiß. Zum Beispiel, wie viel Tanzen ist gesund? Gibt es Tanzformen, die gesünder sind als andere? Unter welchen Umständen ist Tanzen besonders gesund, und wenn ja, für wen? 

Helfen Sie uns, diese Fragen zu beantworten? 

Das Ziel dieser Umfrage ist es, Sie einzuladen bei einer großen Studie mitzumachen, damit wir das Thema Tanz, Gesundheit und Wohlbefinden endlich ausgiebig erforschen können. Wir brauchen dafür so viele Tänzer wie möglich. 

Um mitzumachen, brauchen Sie nicht viel zu tun, außer: weiter tanzen und sich hier anmelden! 

Mit freundlichen Grüßen,

Dr. Julia F. Christensen & Team
Max-Planck-Institut für empirische Ästhetik, Frankfurt am Main

Selbstverständlich habe ich selbst bereits an dieser Umfrage teilgenommen. Keine Frage, sie ist ganz gut gemacht, darf man auch von einem Max-Planck-Institut erwarten.

Jenen Studenten, die beabsichtigen, in ihrer Bachelorarbeit oder gar Masterarbeit mit Umfragen zu arbeiten, empfehle ich nicht nur sehr dringend, vorab wenigstens einen Statistik-Schein erfolgreich (wenigstens mit einer Note 2 versehen) zu absolvieren, sondern sich selbst auch erst einmal professionellen Umfragen zu unterziehen — die an der Hochschule von Studenten angebotenen Umfragen dürften dabei sicherlich nicht das Maß aller Dinge sein.

Wenn ich tanzen lernen möchte, gehe ich auch nicht zu einer Dame oder einem Herren, die sich bekifft an einer Straßenlaterne abarbeiten und dies als Poledance bezeichnen. Wobei ich befürchte, dass das mit der Emanzipation spätestens dann gescheitert ist, als Frauen begannen, uns den Poledance als Sportart zu verkaufen — just my humble opinion!

Aber nun zurück zur empirischen Ästhetik, wobei man auch dort den Poledance ankreuzen darf, was wiederum für die wissenschaftliche Qualität der Studie (ohne Scherz!) spricht. Jüngst habe ich in einem Artikel gelesen, dass Frauen in muslimischen Ländern sich dadurch emanzipieren möchten, dass sie Bauchtanz nicht mehr klamm heimlich nur in den eigenen vier Wänden aufführen möchten. Wie man sieht, die Welt verändert sich weiterhin und so ist es ganz gut, wenn man sich zuerst möglichst objektiv und aus wissenschaftlichen Sichtweisen heraus kundig macht, bevor man an möglichen Lösungen zu arbeiten beginnt.

Ich würde mich auf alle Fälle riesig freuen, wenn künftig wieder mehr junge Menschen zu den Tanzbällen kämen und auch wieder mehr junge Männer in den Tanzschulen zu finden wären; nichts gegen die jungen Damen, aber Tanzen macht einfach als gemischtes Tanzpaar mehr Spaß — eine möglichst große Homogenität ist nicht immer von Vorteil.

Übrigens, Tanzen ist eine hoch entwickelte Form der Kommunikation.


Mädchen

Zeit für ein Gedicht 4.7 (3)

Beitragsfoto: Mädchen | © Foto von Andrea Piacquadio auf Pexels

Per Zufall bin ich auf eine Dichterin gestoßen, die eine Unmenge an sehr witzigen Gedichten geschrieben hat. Bekannter wurde Alice Duer Miller mit ihrem Buch „Are Women People?“, welches aus demselben Jahr wie das untenstehende Gedicht stammt.

Introduction

Father, what is a Legislature?
A representative body elected by the people of the state.
Are women people?
No, my son, criminals, lunatics and women are not people.
Do legislators legislate for nothing?
Oh, no; they are paid a salary.
By whom?
By the people.
Are women people?
Of course, my son, just as much as men are.

 Alice Duer Miller, 1915

Manchmal dreht sich unsere Welt doch etwas langsamer als wir es oftmals annehmen!


Mitgliederversammlung

11.1.02024 5 (7)

Beitragsfoto: Mitgliederversammlung | © Jorg Georgios Bampanis

Potsdam

Kein Verständnis habe ich für ein Treffen rechtsextremer Kreise an dem neben den altbekannten Nationalsozialisten wie der AfD gemäß mehreren Quellen (u. a. Zeit online, 11. Januar 2024, 9:54 Uhr) auch CDU-Mitglieder teilgenommen haben.

Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass die CDU als Partei nichts damit zu tun hatte, dennoch ist jede Partei wie auch jede Wählervereinigung dafür verantwortlich, wenn sie es unterlassen, bekennende Antidemokraten oder gar Links- wie Rechtsextremisten aus ihren Reihen auszuschließen.

Der Hintergrund dieses besagten Treffens war nichts anderes als der einer Wannseekonferenz 2.0. Die deutschen Nationalsozialisten müssen sich ihrer Sache schon sehr sicher sein, wenn sie noch vor einer erneuten Machtergreifung bereits wieder das Fell des Bären verteilen und dabei auch erneut einen Holocaust vorbereiten. Wie bereits ihre NSDAP-Vorgänger möchten sie erst mit einer Massenvertreibung beginnen, die sie nunmehr ganz en vogue als „Remigration“ bezeichnen.

Solch eine an den Tag gelegte Zuversicht der Nationalsozialisten kann eigentlich nur dann erfolgen, wenn bereits wieder die altbekannten deutschen Familien und Großkonzerne „ihr Go“ gegeben haben und führende Politiker aus demokratischen Parteien bereitstehen, um erneut den Hindenburg zu geben.

Jetzt rächt es sich, dass es in Deutschland (Ost wie West) eine Entnazifizierung nur auf dem Papier gegeben hat.

Die Nationalsozialisten haben derweil in Potsdam ihre ersten Anstoß gemacht, nun liegt der Ball im Spielfeld sämtlicher Demokraten Deutschlands. Die Frage, die sich mir dabei stellt, ist, welche demokratische Partei schießt das Eigentor?

Es ist wirklich an der Zeit, dass wir Demokraten sämtlichen Totalitaristen ihren Platz, der nur in der dunklen Geschichte unseres Landes liegen kann, zuweisen. Ein Friedrich Merz oder ein Markus Söder könnten dabei einmal echte Führungsstärke beweisen und erst einmal die Union wieder in Ordnung bringen.

Verständnis

Gemäß einiger Leserbriefe in der Heilbronner Stimme (11.1.2024: 11) wundert sich doch so mancher Heilbronner darüber, dass trotz des Krieges in der Ukraine angeblich 600 000 wehrfähige Ukrainer im Westen Europas Zuflucht gefunden haben. Ob dies nun Fahnenflüchtlinge oder doch nur Drückeberger sind, kann keiner außerhalb der Ukraine wissen. Von den durchaus wehrfähigen Ukrainerinnen, deren Anzahl noch weit höher liegen dürfte, wird bei uns aus rein ideologischen Gründen — Emanzipation ist es nur dann, wenn es zum eigenen Vorteil dient (!) — erst gar nicht gesprochen.

Ich habe bereits im März 2022, als ich die ersten jungen Ukrainer in Heilbronn sehen konnte, aufgehört mich über diesen Sachverhalt zu wundern, denn ich kenne meine eigenen Landsleute nur zu gut. Und warum sollten junge Ukrainer anders sein als unsere eigene Bevölkerung?

Nur zum besseren Verständnis. Die Wehrpflicht in Deutschland wurde deshalb abgeschafft, weil es nicht mehr ausreichend junge Deutsche gab und gibt, die sich tatsächlich und nicht nur mit dem bloßen Mundwerk bereit erklärten, ihrem Land wenigstens ein paar Monate lang zu dienen.

Ich befürchte sogar, dass sobald russische Streitkräfte gegen unser Land antreten, Millionen heute doch so stolzer wehrfähiger Deutscher sofort ins Ausland fliehen, um sich einer möglichen Wehrpflicht zu entziehen.

Und wer sich jetzt über die Ukraine und deren Männer echauffiert, der sollte dabei doch bedenken, dass diese bereits seit zwei Jahren nicht nur einer russischen militärischen Übermacht, sondern auch dem größten Terror- und Verbrecherregime aller Zeiten (im Falle, dass die Menschheit aus den Fehlern der Vergangenheit lernt) widerstehen.

Ob uns dies gelänge, darf bezweifelt werden.

Vereinsleben

Und schon hat mich das Vereinsleben wieder voll und ganz im Griff. Auch die ersten Rundschreiben fanden ihre Adressaten und gestern gab es auch noch eine außerordentliche Mitgliederversammlung. Der Grund dafür ein trauriger und deswegen gibt es wohl auch die Institution der außerordentlichen Versammlungen. Auf alle Fälle aber kann ich für mich attestieren, dass der Start ins Vereinsjahr ganz gut geglückt ist; neben den obligatorischen Gremiensitzungen gab es schon das eine oder andere nette Treffen und auch den ersten Stammtisch.

So ganz nebenbei wurde ich noch auf mein Blog angesprochen, das ganz bewusst neben den offiziellen Vereinsseiten von mir betrieben wird und dabei meine persönliche Meinung als Mensch und Bürger wiedergibt. Interessant für mich dabei der Hinweis, dass man mit dem Lesen nicht immer hinterherkäme — das ist allerdings ein grundsätzliches Problem, denn ich kenne keinen, der bei seinem Lesepensum einmal auf dem Laufenden wäre. Und sollte es doch jemals soweit sein, entdeckt man sofort neuen Lesestoff, den man auch gerne zumindest einmal anlesen würde. Bei vielen — auch bei mir — stapeln sich sogar Bücher, Zeitschriften und Feedreader-Inhalte, die gerade auf solche Momente nur zu warten scheinen.

Auf jeden Fall aber hat es mich gefreut, dass ich auch unter den verschiedenen Vereinsmitgliedern Leser habe, die mein Blog durchaus kritisch zur Kenntnis nehmen — und genau so soll es auch sein! Denn wer nur das liest was er bereits kennt oder gar für gut befindet, der macht etwas grundsätzlich falsch.

Zudem dient ein persönliches Blog in erster Linie mehr oder weniger der Selbstreflektion des jeweiligen Bloggers, manche organisieren damit auch ihr gesamtes digitales Leben, und so richtet sich ein Blog erst danach an weitere Leser.

Über die Jahre hinweg habe ich verstärkt erst für diverse Vereinszeitschriften und später dann für Vereinsseiten der jeweiligen Vereine geschrieben, musste dabei aber immer wieder feststellen, dass dies eine sehr undankbare Angelegenheit ist, da man damit keine hinreichende Leserschaft erreicht oder gar ein nennenswertes Feedback erzielt welche der Mühen dieser Schreiberei wert wären.

Und so beschränke ich mich inzwischen wieder auf die guten alten Pressemitteilungen, die zudem auf der jeweiligen Vereinsseite zu finden sind. Da aber mein Schreibpensum über die Jahre hinweg ziemlich konstant blieb, findet man inzwischen dafür mehr Blog-Beiträge. Was sich vielleicht dann wieder ändern könnte, wenn ich ein altes Buchprojekt hervorkrame oder gar auf die Idee käme, ein neues zu starten.

Was mich jetzt aber wieder daran erinnert, dass ich noch die eine oder andere Pressemitteilung zu schreiben habe.