Hertensteiner Gespräche 2017

1. Hertensteiner Gespräche 5 (2)

Foto: 1. Hertensteiner Gespräche 2017

Am Samstag, 4.  und Sonntag, 5. November 2017 finden in Heilbronn die ersten Hertensteiner Gespräche statt. Veranstaltet werden sie von der EUROPA-UNION Heilbronn. Unter anderem nehmen daran Rainer Wieland MdEP, Franziska Brantner MdB, Josip Juratovic MdB und Michael Georg Link MdB teil.

Weitere Einzelheiten entnehmen Sie bitte dem hier verlinkten Programm [Kalendereintrag wurde gelöscht] oder Sie lesen das PDF-Dokument: Einladung zu den Hertensteiner Gesprächen gleich hier.

„Wenn für viele Probleme keine Lösung erkennbar ist, neigen Menschen dazu, für alle Probleme eine Lösung zu suchen.“

Ralf Dahrendorf, Plädoyer für die Europäische Union (1973: 26)

Belgisches Parlament

Europatag 2016 5 (3)

Beitragsfoto: Belgisches Parlament | © Dimitris Vetsikas auf Pixabay 

Ein verstärkter Klimawandel, immer häufiger auftretende Umweltkatastrophen, der Zerfall von Staaten, Kriege, Terrorismus, Hungersnöte und Epidemien beschleunigen die Wanderungsbewegungen weltweit. Flüchtlingsbewegungen in die EU, Finanzkrisen und eine zunehmende Diskrepanz in den Vermögensverhältnissen, Vertrauensverlust der Bürger zu ihren Parteien, ihren Institutionen und des Projektes „Europa“ insgesamt sowie eine zunehmende Radikalisierung vieler Unionsbürger sind derzeit wohl die dringendsten Herausforderungen der Europäischen Union.

Wir Europäischen Föderalisten sind weiterhin fest davon überzeugt, dass die Lösung für die meisten der oben benannten Probleme nicht in einer weiteren Abschottung, einer Renationalisierung und einer höheren Gewaltbereitschaft liegt, sondern ganz im Gegenteil in einer weiteren Europäisierung unserer Gedanken und unserer Umwelt – Menschlichkeit und Verantwortungsbewusstsein sind die einzige Lösung!

Wir alle müssen weiter fest an der Idee unseres „Europas in Vielfalt geeint“ festhalten und dürfen nicht auf halber Strecke das Ziel aus den Augen verlieren. Es gab noch nie in der Geschichte der Menschheit ein zurück, und auch das Paradies liegt nicht hinter, sondern vor uns!

Wir Europäer müssen Europa und die Welt und dies ganz im Sinne des Hertensteiner Programmes von 1946 zum Besseren gestalten; das kostet Kraft und Anstrengung, denn es gibt nichts auf dieser Welt geschenkt, außer der göttlichen Vergebung.

Viele überzeugte Europäer haben sich in den letzten 70 Jahren für unsere Welt und ein gemeinsames Friedenseuropa mit sehr großem Engagement und viel Verve eingesetzt, Überzeugungsarbeit geleistet und sichergestellt, dass bis dato 28 europäische Staaten gemeinsam auf diesem einzig richtigen Weg sind und zudem gut 20 weitere Staaten diesen Weg auch offiziell als zielführend anerkannt haben.

Noch nie hatten Menschen so viele persönliche Freiheiten und Möglichkeiten wie heutzutage in der Europäischen Union – und unserer Jugend steht die ganze Welt offen!

Deshalb dürfen wir trotz all der derzeitigen tatsächlich vorhandenen Missstände und den großen Herausforderungen nicht klein beigeben und vor allem auch nicht die größte Errungenschaft der Menschheit, die universell geltenden Menschenrechte, der Bequemlichkeit wegen aufgeben oder den „Gegen-alles-Menschen“ und „Verlierertypen“ für ihr ständiges Geblöke als Morgengabe opfern.

Wir müssen es als Demokraten allerdings akzeptieren, wenn sich andere Menschen aus unserer Gemeinschaft herauslösen wollen. Wir müssen dabei aber nicht dulden, dass diese Verweigerer dann weiter auf unsere Kosten ihr Tun finanzieren oder weiter von Gemeinschaftsleistungen profitieren. Es darf auf Dauer keine Extrawürste geben. Rechte, Pflichten, Gesetze und Verträge sind in jeder funktionierenden Demokratie für alle gleich bindend – auch in der Europäischen Union.

Hier bei uns im Stadt- und Landkreis Heilbronn ist die Welt für die meisten von uns trotz alledem noch in bester Ordnung, wir profitieren immer noch mehr als wir zur Kasse gebeten werden, und wir dürfen hoffen, dass dies bei einer umsichtigen Politik auch noch weiter anhalten wird. Wir können uns weiter auf Urlaube, Feste und Feiern freuen und unsere Zukunft ohne all zu große Einschränkungen planen.

Lassen Sie uns dies auch weiter so handhaben. Werden Sie kein Opfer von billigen Populisten und ewigen Schwarzmalern. Die EUROPA-UNION Heilbronn wird Ihnen dabei gerne helfen. Wir informieren dazu das ganze Jahr über Mitglieder und Interessenten über die aktuellen Geschehnisse rund um Europa und versuchen dabei gemeinsame Lösungen für die aktuellen Herausforderungen zu finden und der Politik anzubieten. Wir veranstalten darüber hinaus ganzjährig Bildungs- und Informationsfahrten zu den politischen „Hot Spots“ Europas und freuen uns dabei immer über neue Mitfahrer und weitere Interessenten.

Und wie die vergangenen Jahre auch, feiern wir am 7. Mai zusammen mit unseren Partnervereinen den Europatag beim inzwischen 27. Treffpunkt Europa. Treffen Sie dort überzeugte Europäer und lassen Sie sich von der wundervollen Atmosphäre begeistern.

Ich bedanke mich ganz recht herzlich bei allen Mitstreitern, Helfern, Unterstützern und dem Organisationsteam für ihr Engagement für unser gemeinsames Europa. Ich wünsche uns allen wieder einen wunderbaren Treffpunkt Europa in der Europawoche und baue darauf, dass wir auch in Zukunft gemeinsam alle Herausforderungen meistern und unseren vor 70 Jahren eingeschlagenen Weg zu einer besseren Welt weiter fortsetzen werden.

„If you don’t know the guy on the other side of the world, love him anyway because he’s just like you. He has the same dreams, the same hopes, and fears. It’s one world, pal. We’re all neighbors.“

Frank Sinatra, in a Playboy interview (Februar 1963)

Adventsgedanken

Gedanken im Advent 5 (2)

Beitragsfoto: Beispielbild | © Pixabay

Mit großen Schritten nähern wir uns dem Jahresende und sind dabei kaum noch in der Lage, all die Missstände aufzuzählen, die uns in den letzten Tagen und Wochen so offensichtlich vor Augen geführt wurden und immer noch werden. Und den Nationalisten scheint es dieses Mal tatsächlich gelungen zu sein, Europa an sich in Haftung zu nehmen und zudem noch viele unserer Mitbürger davon zu überzeugen, dass unser gemeinsames Europa nicht in der Lage sei, um überhaupt die dringendsten Probleme zu lösen.

Hier ein paar Fakten: es sind nationale Parlamente, die ihre Länder und Bevölkerungen in den finanziellen Ruin getrieben haben; es sind nationale Regierungen, die ihren Wählern das Blaue vom Himmel versprochen haben; es sind nationale Regierungen, die ihren Verpflichtungen gegenüber der Umwelt, den Mitbürgern und der Staatengemeinschaft nicht nachkommen; es sind nationale Regierungen, die dafür Verantwortung tragen, dass die Küsten vor Afrika leergefischt, die Ressourcen und Äcker der Dritten Welt ausgebeutet und den Unternehmen vor Ort jegliche wirtschaftliche Grundlage entzogen wird; es sind nationale Regierungen, die zur Profitmaximierung ihrer eigenen Klientel dazu beitragen, dass weltweit die Natur aus den Angeln gehoben wird; es sind nationale Regierungen, die wenig bis gar nichts dazu beitragen, dass sich unsere Nachbarstaaten stabilisieren und demokratische Freiheitsbewegungen Fuß fassen können; es sind nationale Parlamente, die weder Konzept noch Gesetze haben, um die Folgen ihrer eigenen Handlungen oder Unterlassungen schultern zu können; und es sind die nationalen Regierungen und Parlamente, die jetzt die Europäische Union oder zumindest einzelne Mitgliedsstaaten dafür in die Generalhaftung nehmen wollen. 

Haben wir aus der Vergangenheit wirklich nichts gelernt? 

Selbst Grenzbefestigungen der schlimmsten Diktaturen halten Menschen nicht auf; Gewaltherrschern und Verbrecherorganisationen ist durch gutes Zureden alleine nicht beizukommen; und eine Abschottung nach innen und außen ist nicht nur wirtschaftlich katastrophal.

Wir Deutschen müssten es eigentlich noch besser wissen. Unsere Demokratie, unsere Sicherheit und unser Wohlstand sind in erster Linie der Zusammenarbeit mit und der Unterstützung durch unsere Nachbarländer, dem Zuzug von Millionen Neubürgern – angefangen von den Vertriebenen über die Gastarbeiter bis hin zu den Migranten aus allen Herren Ländern – und der Tatsache zu verdanken, dass wir den „Nationalismus“ durch den europäischen Gedanken der Kooperation ersetzt haben. Unsere neue Offenheit und die Bereitschaft über Grenzen hinweg zu agieren haben uns Deutsche nicht nur in der Welt rehabilitiert, sondern wurden für uns und unsere europäischen Nachbarn zu einem beispiellosen Erfolgsmodell. Europa ist heute für alle ein bisher nie dagewesener Ort der Sicherheit und der Möglichkeit zur Selbstentfaltung. Und bis dato ist dies noch Realität! 

Wir dürfen uns Europa und die Europäische Idee nicht abspenstig machen lassen. Wir müssen den Nationalisten, Populisten und Spesendemokraten entgegentreten. Wir müssen auch unseren weniger informierten Mitbürgern die Fakten vorlegen und näherbringen. Denn es ist die Angst der Uninformierten, die die Extremisten aller Couleur stark macht und ganze Bevölkerungsteile zu Übersprunghandlungen verführt! 

Eine informierte und von der europäischen Idee überzeugte Bürgerschaft wird auch weiterhin allen Herausforderungen begegnen können und diese auch meistern. Eine mündige Bürgerschaft wird auch erneut allen terroristischen Untaten Herr werden können und dabei gestärkt aus dem gemeinsam Erlebten hervortreten. Wenn wir hier in Europa den Despoten, Terroristen und Extremisten nicht trotzen können, wer soll es dann überhaupt bewerkstelligen?!

Auch gilt es, sich unserer transatlantischen Bande wieder mehr zu erinnern und diese weiter zu stärken, denn auch für über 500 Millionen Unionsbürger werden bald die sich bereits am Horizont abzeichnenden zukünftigen Herausforderungen alleine nicht mehr zu bewerkstelligen sein. Hierbei müssen wir zumindest gedanklich schon jetzt die Europäische Idee vertiefen und weiterentwickeln und dies ganz im Sinne von „Hertenstein 1946“, wo Visionäre bereits die Weltunion im Auge hatten.