Blitz

Sondervermögen 5 (1)

Beitragsfoto: Glühbirne | Blitz | © Bild von PIRO auf Pixabay

Am Ende ist das Sondervermögen einfach weg. Keiner weiß — besser: keiner möchte es wissen! — wohin die Hunderte Milliarden Euro gegangen sind.

Die Bundeswehr steht nicht besser da als zuvor und die Infrastruktur ist so kaputt wie die letzten Jahrzehnte bereits.

Hierzu fällt mir eine uralter Witz ein, den ein sehr bekannter Unionspolitiker immer wieder zum besten gegeben hat.

Treffen sich in Brüssel drei Bürgermeister, einer aus Italien, einer aus Frankreich und einer aus Deutschland, und finden sich nach den üblichen Gelagen ganz sympathisch.

Und so beschließen sie, sich gegenseitig zu besuchen. Als erstes fahren sie nach Frankreich. Erstaunt schauen sich die beiden Besucher die Bürgermeistervilla an und haken sofort nach.

„Ich weiß, ich verdiene nicht so viel“, sagt der französische Bürgermeister, „aber als die EU bei uns eine Brücke baute, fand es sich, dass auch für mich dabei etwas heraussprang.“

Als nächstes treffen sie sich beim Italiener und staunen über dessen hochherrschaftliches Anwesen.

„Ihr wisst doch, die Mafia und so wurde aus unserer vierspurigen EU-Brücke nur eine zweispurige und das hat sich auch für mich gelohnt.“

Zum Schluss treffen sie sich beim Deutschen. Dessen Anwesen erstreckt sich über einen Hügel in Stadtnähe und könnte durchaus als Schloss durchgehen.

„Ich weiß, was Ihr jetzt denkt“, sagt der Bürgermeister, „aber sehr Ihr hier irgendwo eine Brücke?“


S-Bahn vor Hauptbahnhof

Schönes Heilbronn 5 (5)

Beitragsfoto: S-Bahn vor Hauptbahnhof | © Bettina Kümmerle

Da saßen wir heute beim Europäischen Frühstück zusammen und weil das Wetter so schön und dazu noch das gesamte demokratische Spektrum vertreten war, kamen wir auf die Lokalpolitik und unser Heilbronn zu sprechen. Heilbronn als Urlaubsort, denn zumindest wir Anwesenden fanden, dass man die Stadt eigentlich nicht verlassen muss, um ein „Urlaubsfeeling“ zu bekommen.

Als ich gerade auf die meines Erachtens viel zu oft in den Urlaub fahrenden Mitbürger zu sprechen kommen wollte, fragte man mich, ob es überhaupt ein Wellness Hotel in der Stadt gäbe und wies mich zudem darauf hin, dass unsere Schwimmbäder allesamt nicht (mehr) zum Urlauben geeignet seien — was mir persönlich noch nie so auffiel, da ich dort weiterhin bestrebt bin, einfach nur meine Bahnen zu ziehen, ich mich dort zuerst sportlich betätigen möchte.

Auch wenn das Thema dann sehr schnell auf die unzähligen Heilbronner Baustellen zu sprechen kam und darauf, welche Gemeinderatsfraktion dafür verantwortlich ist, wir auch darüber sinnierten, ob eine von uns allen zwar begrüßte Seilbahn überhaupt wirtschaftlich zu betreiben sei, wir uns unisono fragten, warum Heilbronn keine Elektrobusse eingesetzt bekommt, nahm ich mir vor, jetzt einmal doch die guten Seiten Heilbronns zu thematisieren.

Da mir beim Frühstück so schnell keine einfielen, kam ich auf die Idee, hier einmal in den Blog-Bildern der letzten Jahre zu gucken und die schönen Seiten Heilbronns als Galerie darzustellen.

Im Großen und Ganzen gefällt mir meine Heimatstadt, wobei ich mich gerne in meinen eigenen vier Wänden aufhalte und auch keine allzu großen Ansprüche an mein Umfeld stelle. Wenn die Sauberkeit halbwegs stimmt, die Ruhe und Ordnung meistens nach 22 Uhr wieder hergestellt ist und ich alles zum Leben notwendige vor Ort kaufen kann, dann ist bei mir die Welt in Ordnung.

Wenn es dann noch Plätzchen gibt, wo man verweilen oder sich mit Freunden treffen und man zudem unbeschadet spazieren gehen kann, dann ist es kaum noch zu übertreffen.

Wenn es jetzt noch vernünftige Sportstätten und Bildungseinrichtungen gäbe, dann hätte meine Heimatstadt wirklich alles, was man sich nur vorstellen kann.

Am Ende meines eigenen Lebens stehend, kann ich das Fehlen von Schulen und Universitäten gut verkraften und da ich nicht mehr pendeln muss, auch das Fehlen eines funktionierenden Bahnanschlusses. Dafür werden jetzt die medizinischen Einrichtungen aller Art und die Friedhöfe wichtiger — da ich damit nicht ganz alleine bin, wird dies sicherlich bald geregelt sein.

Das Schönste an meiner Heimatstadt ist aber — wenn man es nicht allzu eilig hat — die Lage, das Wetter und seine Beschaulichkeit. Heilbronn entschleunigt einfach und wäre tatsächlich der optimale Urlaubsort für alle ab 50. Diesen Standortvorteil sollten wir weiter ausbauen und damit auch wuchern.

Wer allerdings noch nach Leistung, Herausforderung, Verantwortung und Karriere sucht, der wird sich wie bisher auch außerhalb Heilbronns orientieren und kommt dann später sicherlich gerne zurück — sobald Gemeinderat und die Stadtverwaltung ihre Hausaufgaben machen.


Beitragsfoto: Rathaus Heilbronn | © Shutterstock

Gastro-Sterben 5 (10)

Beitragsfoto: Rathaus Heilbronn | © Shutterstock

Der Irrsinn greift weiter um sich. Nun beklagt auch die lokale Hofberichterstattung, ehemals Zeitung genannt, dass die „Hiobsbotschaften in Heilbronn nicht abreißen“ würden und dabei ganz besonders jene, die aus der Gastro-Szene kommen.

Grundsätzlich gilt dabei, dass es fast überall auf der Welt regelmäßig zu Öffnungen und Schließungen von Wirtschaften aller Art kommt — das ist der normale Lauf des Lebens. Und da die Gastro-Szene mit Masse aus Kleinbetrieben besteht, ist es nur natürlich, dass es eine Lebenszeitbegrenzung für die meisten Betriebe gibt — selbst für die Familienbetriebe.

Das ist der große Vorteil von Ketten, denn dort besteht durchaus die Chance, dass man als Großvater noch mit den eigenen Enkeln in Restaurants einkehren kann, welche man selbst als Kind gerne aufsuchte. Aber auch hier verschwinden im Laufe des eigenen Lebens ganze Gastro-„Institutionen“, nehmen wir einmal nur den Wienerwald.

Wir Menschen sollten uns alle einmal damit abfinden, dass sich die Welt nicht um uns dreht und wir auch keinen Anspruch darauf haben, alles zu bekommen, was wir gerne hätten. Und so erlaubt sich auch der Lieblingsitaliener um die Ecke einfach so zu schließen und dies ohne dabei auf seine eigene Stammkundschaft Rücksicht zu nehmen.

So ganz nebenbei garantiert dieser Lauf der Welt zudem, dass wir nicht immer nur Wiener Schnitzel mit Pommes essen, sondern uns gewollt oder auch nicht, immer wieder auf Neues einlassen müssen.

Das Ganze hat aber nun in Heilbronn eine neue Qualität entwickelt. Wobei dies nur die dafür Verantwortlichen und deren Werbeblätter überrascht!

Zu allererst einmal sind wir Heilbronner ein Eldorado für alle Gastronomen, vom Profi bis hin zum letzten Dilettanten. Wir sind grundsätzlich gesellig und gehen gerne essen und trinken, zudem sind wir dabei nicht sehr anspruchsvoll. Ein paar Tische und Stühle genügen und wir machen es uns von alleine gemütlich.

Wenn dann das Essen und die Getränke stimmen und der Service freundlich ist, fühlen wir uns pudelwohl und kommen gerne immer wieder. Wir können aber selbst bei bestem Willen nicht immer essen gehen, zumal man sich das Auswärtsessen auch leisten können muss.

Und so ist auch die Gastro-Szene von der allgemeinen wirtschaftlichen Entwicklung abhängig. Mit zwei Ausnahmen: die Luxusgastronomie, welche sich selbst in Kriegszeiten dumm und dämlich verdient, und jene Billigläden, die ihr Essen und ihre Getränke unterhalb des gewöhnlichen Einkaufspreises verramschen — glauben Sie es mir, dort möchten Sie weder essen noch an einem Getränk nippen!

Nicht nur als Folge der Heilbronner Gemütlichkeit hat man in Heilbronn ein Überangebot an Gasstätten erhalten, sondern vor allem deshalb weil die städtischen Verantwortlichen dies noch so richtig gefördert haben; Stichwort: „Größtes Weindorf aller Zeiten!“

Zum bereits bestehenden und sich über die Jahre hinweg weiter ausbauenden Überangebot, hat man noch ganz lokaltypisch die Besen und Weinausschänke aller Art und dies inzwischen das gesamte Jahr über. Hinzu kommen noch die unzähligen Feste und Festle, die das gesamte Gastro-Ensemble weiter abrunden; selbst in den Weinbergen, am Neckar und im Sportbecken wird jetzt ausgeschenkt.

Das führt schon seit Jahren dazu, dass es bei uns in der Gastro-Szene einen knallharten Verdrängungswettkampf gibt, der schon lange nicht mehr gesund ist.

Das alles wird in Heilbronn durch von mir schon sehr lange bemängelnde Umstände ins völlig Abstruse gesteigert! Zum einen ist es der Heilbronner Klüngel, der dafür sorgt, dass es in Heilbronn Gastro-Betriebe gibt, die vorsichtig ausgedrückt, einfacher als die anderen wirtschaften können.

Zum anderen aber und dies ist der meines Erachtens gravierendste Grund stellt Heilbronn überhaupt nicht sicher, dass sich Gastronomiebetriebe im mittleren Preissegment und dabei selbst internationale Ketten langfristig in der Stadt halten können!

Vielleicht ein kleiner Trost für meine Mitbürger, eine „Luxus-Gastronomie“ denkt schon gar nicht daran, sich in Heilbronn überhaupt zu etablieren, denn die müssen unbedingt im Vorfeld prüfen, ob die Rahmenbedingungen dafür überhaupt vorhanden sind.

Und das ist mein Punkt. Sie sind es nicht! Nicht einmal für den sehr leistungsbereiten gastronomischen Mittelstand.

Egal welcher Betrieb und wie gut er sich selbst auch aufstellt, er ist von seinem direkten Umfeld abhängig. Und wenn dies nicht stimmt oder nicht stimmig ist, fühlen sich seine Kunden kaum wohl. Und das führt mittelfristig dazu, dass diese abwandern und nicht mehr wiederkommen.

Wer möchte schon auf dem Weg für sein 50 Euro Steak durch Müllberge waten und sich nach dem Steak dazu noch seinen Weg durch Bettler, Hausierer und sonstigen Rabauken bahnen?

Oder mit der Familie an einem Tisch sitzen, der keine 20 Zentimeter von einer Schnellstraße für Radfahrer und sonstige Rüpel entfernt ist?

Oder in der Fußgängerzone sitzend das Eis genießen, wenn der Verwesungsgeruch aus der Seitenstraße herüberweht?

Diese Lokalitäten können noch so gut sein wie sie möchten, der Kunde sucht sich stimmigere Orte.

Wir beklagen uns aber weiterhin lieber darüber, dass gute Lokalitäten und auch andere Läden bei uns immer wieder und nun gehäufter verschwinden, als dafür zu sorgen, dass diese Betriebe ein Umfeld vorfinden, wo sie überhaupt eine Chance haben, um langfristig existieren zu können.

Wenn ich mich gleich auf den Weg mache, um in der Innenstadt zwei Pflanzenkübel zu gießen, werde ich sicherlich auf dieselben Müllhaufen stoßen, wie bereits vor 14 Tagen — zumindest mir macht das keinen Appetit!