Rose

29.8.02025 4.9 (7)

Beitragsfoto: Rose | © Bettina Kümmerle

Wiederholung

Geschichte wiederholt sich spätestens dann, wenn man bei gleichen Problemen dieselben Fehler macht! Und so erinnere ich gerne daran, wie die Grande Nation eine „Europäische Armee“ verkündete und nach der ersten Rechenaufgabe kleinlaut beigab. Als Ergebnis davon wurde die NATO zum Notanker Europas und die US-Amerikaner zum Zahlmeister ernannt.

Heute können wir lesen, dass einer NATO-Prognose zufolge 2025 erstmals alle Mitglieder das schon sehr lange beschlossene Zwei-Prozent-Ziel erreichen werden — wie gesagt eine Prognose mit viel Platz für Tricksereien — noch kein einziger europäischer NATO-Staat hat bis heute seine Rechenaufgaben gemacht.

Auf alle Fälle geben alle Beteiligten unumwunden zu, dass die völlig getricksten Fünf-Prozent nie erreicht werden und selbst die wieder einmal und erst vor Kurzem mit voller Inbrunst versprochenen 3,5 % in weite Ferne gerückt sind.

Deshalb lässt nun auch der aktuelle NATO-Generalsekretär Mark Rutte verlauten, dass die Ukrainer nachgeben müssen und die Russen wieder völlig ungestraft mit ihren Untaten davon kommen dürfen.

Uns Europäern geht Urlaub, Essen und Trinken selbst vor die eigene Freiheit. Und wenn die Russen uns ausreichend Schnaps und Kartoffeln garantieren sowie dazu noch ein wenig Urlaub auf der Krim, dann leben wir alle gerne auch in einem Zonen-Europa — hat doch in der DDR 40 Jahre lang ganz gut geklappt.

Und so werden sich nun erst einmal die Ukrainer opfern müssen, wir kommen damit doch noch um die bereits geplanten Ausgaben von 3,5 % für unsere Streitkräfte herum, und wenn die Russen demnächst dann erwartungsgemäß weitermachen, sind unsere Politiker längst im wohlverdienten Ruhestand auf Hawaii oder der Krim — ganz nach eigener Präferenz. Und deren glückliche Wähler konnten sich noch bis zum Schluss über gesicherte Renten freuen! Win-Win für alle.

So bleibt nur noch abzuwarten, ob auch die US-Amerikaner ihre Fehler wiederholen — schön blöd wären sie!

Yellow Submarine

Dieser Film von 1968 stammt noch aus der Zeit, als die Farbe Gelb bei uns für Freiheit stand. Noch bis 1988 war ich selbst bekennender Gelber, danach war auch diese Zeit endgültig Geschichte.

Die entsprechende Filmmusik, welche von George Martin und den Beatles stammt, wurde 1969 auf dem gleichnamigen Album veröffentlicht und dürfte heute noch etwas bekannter sein.

Wohl deshalb kam meines Wissens noch keiner darauf, farbliche Verbindungen von 1968 zu heute zu schlagen. Die Bösen im Film sind die Blue Meanies, die jenseits der blauen Berge leben; auf Deutsch nennt man sie die Blaumiesen — wer jetzt an die AfD denkt, der dürfte nicht falschliegen.

Wer wissen möchte, welche Farben die Guten im Film tragen, der sollte sich diesen einmal anschauen. Eine Kritik am Film habe ich dann aber doch, wobei dies auf einem Irrtum der damals Verantwortlichen beruht, die tatsächlich daran glaubten, dass man auch Arschlöcher zu guten Menschen machen kann.

Das Erfolgsrezept für eine bessere Welt bleibt aber weiterhin bestehen und lautet: „All Together Now“!

Und wenn Sie mich künftig von Blaumiesen sprechen hören, dann wissen Sie, wer damit gemeint ist.

„Ad hoc, ad loc, and quid pro quo! So little time! So much to know!“

Jeremy (1968)

Vermischtes

Inzwischen sind sich selbst die Fachleute bei Donald Trump nicht mehr so ganz sicher. Sie schwanken aktuell zwischen Alzheimer, Demenz und Syphilis. Auf alle Fälle ist es der Union nicht anzuraten, sich an die vermeintliche Erfolgsgeschichte von MAGA und GOP anzuhängen, denn das macht schon die AfD.

Obwohl, das mit dem Vergessen haben unsere Berufspolitiker allesamt bereits jetzt schon ganz gut drauf. Und so dürfte es strittig sein, wer von wem abkupfert, die Union von den Republikanern oder doch umgekehrt. Wobei die Republikaner ihre MAGA besser im Griff haben als die Union die AfD.

Heute ein völlig entspanntes Käffchen zusammen mit Detlef Stern. Schwerpunkt dabei die Studenten des kommenden Semesters. Ich werde meine Vorlesung ein klein wenig anpassen. Danach ging es ums Internet und den Zettelkasten, was dazu führen wird, dass ich mein Blog wohl um Weihnachten herum einer Grundreinigung unterziehe.

Interessant, dass wir beide inzwischen vom Internet der 1990er-Jahre schwärmen, genauer gesagt, von den Ideen, die man damals so hatte. Heute wären sie wohl technologisch ohne Probleme umsetzbar, zumindest ich bin wohl nun zu alt dafür, um es nochmals anzugehen. Spannend, wie wir beide aus ganz unterschiedlichen Welten kommend, er Nord- und ich Südwestdeutscher, fast die gleichen Vorstellungen von einem für alle Menschen sinnvollen Internet haben.

Zum Schluss haben wir uns noch über die negativen Folgen einer vielleicht auch nur falsch verstandenen und falsch gelehrten Betriebswirtschaftslehre ausgelassen. Diese sind inzwischen überall ersichtlich und die Entscheidungsträger feiern nur noch Misserfolge. Bleibt die Frage, ob wir unser Land nicht schon in die Nähe zumindest von der Definition her eines Failed States gebracht haben?

Schlimm dabei auf alle Fälle, dass man in unseren Behörden, Verwaltungen und halbstaatlichen Unternehmen nur noch dann etwas erreicht, wenn man den dortigen Mitarbeitern mit einem Erich oder Adolf droht — „Wenn das der Führer wüsste?!“

Gestern gab es noch eine Runde „Katzensterben“, wobei meine bessere Hälfte unschlagbar als Sieger vom Platz ging — sie kennt sich einfach im Gegensatz zum Rest der Spieler mit Katzen aus.

„Where ground is soft most often grows, arise! Arise! Arouse! A rose!“

Jeremy Hillary Boob (1968)

Brunnen

27.8.02025 4.8 (9)

Beitragsfoto: Brunnen

Souveränität

Heute geht es um die digitale Souveränität, die es noch weniger gibt als die europäische oder eine strategische. Stefan Pfeiffer macht dennoch in seinem Blog eine lesenswerte Bestandsaufnahme, was nicht bedeutet, dass ich hierbei seiner Meinung bin.

Ich musste viel zu oft mit nationalen Lösungen arbeiten, die technologisch weit hinter anderen Lösungen hinterherhinkten, von einer Nutzerfreundlichkeit oder einem Service ganz zu schweigen. Was zudem zu dem Problem führte, dass alle im Privaten und wo sie nur konnten mit US-Produkten arbeiteten und sich im Beruf immer wieder umstellen mussten.

Ich bin davon überzeugt, dass dies die Ursache für die Marktmacht von Microsoft auch in unseren Kommunen und Behörden ist. Die Verantwortlichen wissen, dass die Masse ihre Mitarbeiter nicht die intellektuellen Kapazitäten besitzen, um gleich zwei unterschiedliche Systeme bedienen zu können.

Ich scheitere schon seit ein paar Jahren daran, in meinem Umfeld Threema einzuführen. WhatsApp ist angesagt und wird auch trotz vielfältiger Verbote in Behörden und Schulen von allen genutzt. Und wie gesagt, gleich zwei unterschiedliche Systeme zu nutzen, überfordert die meisten Mitbürger.

Zudem ist es das Schöne und meines Erachtens auch Gute am Internet, dass dieses miteinander verknüpft ist. Man kann zwar Insellösungen fahren, dies ist aber absolut nicht im Sinne der Menschheit, die schon immer auf weltweiter Kooperation basiert. Und wer glaubt, dass sein Server im eigenen Keller, der am Netz hängt, vor Zugriff sicher sei, der kennt die Fantasie und Schöpfungskraft seiner Mitbürger nicht. Im Falle, dass man so gut ist, um andere vor einem ungebetenen Zugriff auf die eigenen Daten ausschließen zu können, kann man seine Daten überall parken — was durchaus auch sinnvoll sein kann.

Gesetze zum Datenschutz sind deshalb auch nur so gut, wie sie technologisch nicht juristisch untermauert werden können.

Wo ich mit Stefan Pfeiffer übereinstimme ist, dass man Schnittstellen standardisieren und bei sehr vielen Produkten die Nutzerfreundlichkeit steigern muss sowie Open-Source-Lösungen fördern kann. Auch sollten Transparenz und Talent-Bindung schon längst gängige Praxis sein.

Mein Verständnis von Souveränität ist es aber, dass jeder Mensch und auch juristische Personen selbstständig entscheiden können müssen, was für und wessen Produkte sie selbst nutzen.

Diesen Personen könnte man durch Transparenz und Information bei ihren Entscheidungen behilflich sein, darf dann aber nicht daran verzweifeln, wenn sie weiterhin bei WhatsApp bleiben.

Mein Verständnis von Souveränität ist es auch, ob europäisch, strategisch oder digital, dass man weiterhin weltoffen bleibt und sich tunlichst davor hütet, eine digitale DDR zu schaffen — tut einfach keinem gut!

Nachtrag 28.8.2025

Stefan Pfeiffer hat auf meinen Kommentar geantwortet. Eigentlich wollte ich gleich vor Ort retournieren, leider mag das WordPress.com nicht und sperrt mich dabei aus — ich muss einmal Detlef Stern um Hilfe bitten, denn ich kann es nicht nachvollziehen.

Also nun hier meine Antwort auf Stefan Pfeiffers Antwort: Europäisch schön und gut, aber hier ist wohl die EU gemeint. Wir Unionsbürger stellen gerade einmal gut 5 % der Weltbevölkerung. Und damit wäre dies immer noch eine sehr kleine Insellösung (Stichwort: Superstaateuropäer — wobei ich betone, dass ich Stefan Pfeiffer für keinen solchen halte.)

Hertenstein

Auf mein letztes Rundschreiben an 245 Abonnenten bekam ich eine einzige Antwort, ein mageres Ergebnis. Die Öffnungsrate von ca. 50 % ist zufriedenstellend. Was in sich aber wieder stimmig ist, da man schon länger davon ausgehen kann, dass man je 100 Leser eine Antwort erhält.

Und so freue ich mich jedes Mal, wenn ich eine Reaktion auf einen Blog-Beitrag erhalte, weil ich dann davon ausgehen kann, dass dieser von weiteren 99 Menschen gelesen wurde. Selbstverständlich gilt dies alles nur für den Hobby-Bereich. Im echten Leben weiß ich, dass 99 % der Adressaten eine an sie versandte Nachricht nicht nur lesen, sondern auch weiter verarbeiten. Und das ist das Schöne, wenn man mit Profis arbeiten darf und kann!

So ist es nun auch nicht verwunderlich, dass wir bis zum Schluss nicht wissen können, wer nun so alles zu den 9. Hertensteiner Gesprächen kommen wird; Stand heute sind es 95 Teilnehmer. Die bisher gemachte Erfahrung zeigt, dass man gut 120 Anmeldungen benötigt, um 100 Teilnehmer begrüßen zu dürfen. Trotz dieser Erfahrung bin ich dennoch immer wieder geneigt, doch so viele Teilnehmer wie gemeldet in die Rechnung mit aufzunehmen — da kommt dann doch einfach der Optimist durch.

Schön wäre es, wenn es auch im Ehrenamt und Freiwilligendienst mehr Verbindlichkeit gäbe, leider aber greift inzwischen die Unverbindlichkeit sogar bei den Profis voll durch. Und damit sind solche Veranstaltungen zu einem regelrechten Vabanquespiel geworden. Vielleicht auch der Grund, warum sich immer mehr Ehrenamtlicher nicht mehr darauf einlassen.

Anfang September müssen wir, was die 9. Hertensteiner Gespräche angeht, mit dem Parkhotel und der Gastronomie Nägel mit Köpfen machen, für einen Verein und dies auch wenn wir inzwischen von anderen Vereinen unterstützt werden, doch jedes Mal eine kleine Herausforderung. Danach geht es „nur“ noch um die Inhalte, an denen bis zum Schluss weiter gefeilt wird.

Ärgerlich wird es dann, wenn man zu oder gleich nach den Gesprächen wieder einmal erfahren muss, dass sich jemand ganz dringend und maßgeblich auch noch engagieren wollte und wir schuld seien, weil wird diesen VIP nicht rechtzeitig informiert zu haben.

Und so erlaube ich mir gleich an dieser Stelle auf die 10. Hertensteiner Gespräche hinzuweisen, die am Samstag, 19. September 2026 stattfinden werden.

Vermischtes

Felix Schwenzel schwärmt in einem Blog-Beitrag über „Früher™ [im Internet]“. Ich durfte das Internet bereits in den 1980er-Jahren kennenlernen und fragte mich dabei fast 20 Jahre lang, ob es überhaupt privat sinnvoll zu nutzen wäre. Sehr viele andere erkannten schon damals das große Potenzial, das im Internet steckt. Ganz wenige die übergroße Gefahr, die damit verbunden ist.

Heute bin ich der Auffassung u. a. von Detlef Stern [zumindest glaube ich ihn so zu verstehen], dass man nur das nutzen sollte, was man auch selber bauen kann. Allerdings mit der Einschränkung [weil selber viel zu faul], dass es auch reicht, wenn man es tatsächlich selber bauen könnte.

Wobei viel zu viele Menschen an Dingen kein Interesse mehr haben, wenn sie diese noch selber machen könnten oder gar verstehen würden — nehmen wir nur mal das Essen im allgemeinen oder den Eistee im besonderen, den man jetzt bereits in Pappgefäßen kaufen kann. Noch populärer Zuckerwasser in Dosen jeder Art.

Gartenarbeit ist jüngst angesagt, gestern und vorgestern kam noch Franz Schirm zur Unterstützung. Auch was die Gartenarbeit anbelangt, komme ich aus einer ganz anderen Ecke, meine Kampfstände in Rosenbeeten waren in den 1980er-Jahren legendär und schafften es sogar einmal in die Zeitung. Inzwischen schlage ich längst keine Schneisen mehr, sondern schnipsele so vor mich hin. Wobei ich feststellen muss, dass ich für die vorhandenen Werkzeuge eindeutig zu grobschlächtig bin.

Sollte sich die Gartenarbeit bei mir als Lebensabendbeschäftigung etablieren, dann müssen langsam aber sicher richtige Werkzeuge ran; Rita und Jörg Mühlemeier haben mir ihren entsprechenden Fuhr- und Werkzeugpark bereits vorgestellt.

Und wer weiß, vielleicht komme ich auch wieder auf den eigenen Hund. Apropos Hunde, aktuell sind bei uns wieder jene Viecher angesagt, die zusammen mit ihren weit überdimensionierten Leinenkonstruktionen (Zaumzeug) kaum das Gewicht einer Hauskatze auf die Beine stellen. In meiner Jugend konkurrierten Hunde noch gewichtsmäßig mit den jungen Damen, welche man gerne auf die Spaziergänge mitnahm.

Was aber durchaus fragen lässt, warum man einen Hund anleinen und versteuern muss, die größeren Hauskatzen aber weiter völlig ungestraft ihr Unwesen treiben dürfen. Schlimmer noch, ein Katzenbesitzer muss seinem Haustier nicht hinterher räumen, die dürfen selbst ungestraft in Nachbarsgarten scheißen.

Als ich gerade das Schlagwort „Gartenarbeit“ neu erstellte, fiel mir auf, dass es sich bei diesem Wort um ein waschechtes Oxymoron handelt. Gärtner von Beruf arbeiten auch in Gärten, wobei diese wohl nicht von Gartenarbeit sprechen, und alle anderen Menschen gärtnern in einem Garten, auf Deutsch, sie vergnügen sich dort, was somit keine Arbeit ist. Und wäre es tatsächlich Arbeit, dann würden dies bei uns schon längst andere machen.

Gestern saß ich eine ganze Weile an einem Brunnen und genoss die Totenstille in einem Heilbronner Stadtteil. Wären nicht ab und zu ein paar meist leere Stadtbusse vorbeigekommen, hätte ich fast an ein militärisches Übungsdorf zur Mittagszeit gedacht. Ok, dort funktionieren die Brunnen nicht mehr.

Wer sich nun dafür interessiert, in welchem Stadtteil ich unterwegs war, dem hilft der Brunnen weiter. Technologisch versierte Leser analysieren einfach die Meta-Daten des Bildes — das wäre dann aber Trickserei.


Blogger

2.7.02025 4.9 (7)

Beitragsfoto: Blogger | © Shutterstock

Weblog

Es liegt wohl in der Natur der Sache, dass Blogger mit wenigen Ausnahmen nie so ganz mit ihrem Blog zufrieden sind, zumindest ich bin es nicht.

Anfangs wollte ich nur schnöde HTML-Dokumente ins Internet stellen, dann aber durfte ich sehr schnell die Vorteile des Web 2.0 kennenlernen und versuchte mich sogleich daran. Ein paar Jahrzehnte später wollte ich wieder zurück zum reinen HTML, was mir aber nicht mehr gelungen ist.

Ganz kurz habe ich mich dann auch einmal am Web 3.0 versucht, dies aber sehr schnell wieder bleiben lassen. Und so denke ich wieder einmal inzwischen in meiner letzten Lebensphase angelangt darüber nach, ob weniger nicht doch mehr ist.

Das ganze gegenseitige Teilen, Verlinken und Bewerben ist mir inzwischen genau so fremd wie das Ganze mit der Search Engine Optimization. Für das ganze Vernetzungsgedöns gibt es heutzutage so viele und sehr gute Möglichkeiten, dass man dies mit einer eigenen Website oder Blog nicht mehr selber nachzubauen braucht. Der berechtigte Wunsch nach Dezentralisation des WWW wird so Wunsch bleiben wie unser föderaler Wunsch nach einer entsprechenden Welt. Was wir in der Realität nicht hinbekommen, werden wir wohl kaum im Internet zum Laufen bekommen, denn dies setzt voraus, dass dieselben Menschen als Internetnutzer anders agieren.

Wobei die beste Vernetzungsmöglichkeit mit dem Mobiltelefon geschaffen wurde und dies auch noch lange so bleiben wird.

Eine der Folgen davon ist für mich, dass ich immer mehr darin bestärkt werde, mein Blog wieder auf die bloße Ausgabe von Blog-Beiträgen zu beschränken. Und so warte ich nun nur noch auf den geeigneten Anlass, um wieder einmal das eine oder andere Plug-in abzuschalten. … Und dann kommt schon wieder ein neues Gadget auf den Markt, das mich dann doch etwas neugierig macht oder noch schlimmer, ich entdecke etwas Neues in einem anderen Blog, was dort anscheinend so richtig gut funktioniert.

Weblogs sind für viele alte Männer wohl das, was früher für unsere Großväter noch die Modelleisenbahn war.

SLK-Klinikum

Heute konnte ich mir einmal den neuen Haupteingang des SLK-Klinikums in Neckargartach anschauen. Immer noch nicht so ganz fertig, kann man aber erkennen, was die Architekten bei ihrer Planung beabsichtigten. Die Breite des Eingangsbereichs ist hoffentlich auf die intendierten Besucherströme abgestimmt und die weiteren Bereiche nach den gemachten Erfahrungen mit uns Heilbronnern ausgebaut. Nur ein paar Rauchverbotsschilder an die Säulen zu bäbba hilft sicherlich nicht weiter!

Ich habe auf alle Fälle meinen neuen Weg sehr schnell gefunden und dabei festgestellt, dass mein präferiertes Parkhaus nun etwas ungünstiger liegt.

Der Altbau aus 1990 ist nun Geschichte, so wie es unser Krankenhaus in der Jägerhausstraße schon etwas länger ist. Wenn es unsere Stadtverwaltung dieses Mal etwas professioneller angeht, kann man bereits jetzt mit den Planungen für einen Neubau in 20 bis 30 Jahren auf dem nun frei werdenden Krankenhausgelände beginnen. Dieser Bauplatz hat auf alle Fälle den Vorteil, dass das künftige neue Klinikum keines der langen Wege mehr sein kann.

Meine Erfahrung mit dem nun dritten Heilbronner Krankenhaus zeigt, dass es jedes Mal zumindest aus Patientensicht eine Verbesserung gegeben hat.

Zumindest früh am Morgen sind die An- und Abfahrtswege zum Klinikum noch befahrbar, hier hatte ich bereits vor ein paar Jahren meine Bedenken geäußert. Sobald auch der Hochgelegen voll in Betrieb ist, werden wir sehen können, ob die Heilbronner Planungen zumindest in Neckargartach Hand und Fuß haben. Wenn nicht, dann bekommen die tatsächlich Kranken ein echtes Problem, sobald die Rettungswagen das Klinikum kaum noch erreichen können.

Auf der Rückfahrt stand ich dann doch noch im Stau und konnte ganz gut zugucken, wie Heilbronner ihre Zigaretten ohne Rücksicht auf Mopedfahrer oder Fußgänger einfach so aus den Fenstern warfen. Wir Heilbronner sind inzwischen eine ungesunde Mischung aus Müllkulturen und hirn- wie gewissenlosen Eigengewächsen. Jüngst bin ich die Uhlandstraße entlang geschlendert, alleine dort liegen, wenn man einmal etwas genauer hinschaut, Tausende Kippen auf der Straße und den Gehwegen herum — die Schäden sind für unsere Umwelt und unsere Stadtgesellschaft nicht mehr messbar!

Vermischtes

Meine letzte Vorlesung des Semesters war eher eine Fragerunde für etwa neun interessierte Studenten. Noch haben sich 93 Studenten für die Klausur angemeldet, ca. 50 davon sahen es für notwendig an, wenigstens ab und zu einmal an den Vorlesungen teilzunehmen.

So ist das mit der akademischen Freiheit bzw. Verantwortung, man muss keine Vorlesungen besuchen und kann auch ganz ohne jegliche Vorerfahrungen an Klausuren teilnehmen. Ich selbst habe es während meines Studiums auch nicht anders gehandhabt. Allerdings musste ich auch keine Klausur ein zweites Mal schreiben und niemals wäre ich dabei auf die Idee gekommen, einen der Professoren für meine eigenen Ergebnisse verantwortlich zu machen.

Jetzt gucke ich einmal, wie sich die Studenten kommenden Dienstag schlagen werden. Wer die 80 % der möglichen Punkte nicht erreicht, sollte sich dabei selbst einmal fragen, warum er überhaupt studiert.

Erfreulich dann der Abend. Unser Jubiläumsstammtisch fand trotz sommerlicher Temperaturen 16 Interessierte. Die Idee, an den Ursprungsort unseres Europastammtisches zurückzukehren, hat sich gelohnt, denn das Restaurant ist inzwischen wieder einen Besuch wert und das Setting an einem kleinen See gerade bei den gestrigen Temperaturen ideal.

Wir hatten unseren Spaß und stellten unisono fest, dass die Zeit für „Altherrenwitze“ tatsächlich längst vorüber ist. Was noch vor zwanzig Jahren bei älteren Herren gerade noch so ging, ist heute selbst bei den älteren Herren nicht mehr das Gelbe vom Ei. Die anwesenden Damen nahmen es gelassen und die jüngeren Herren verdrehten nur noch die Augen — was eindeutig für unsere Jugend spricht!

Schnell waren andere Themen gefunden und so gab es neben gutem Essen und den passenden Getränken auch noch sehr gute Gespräche.

Über die Jahre hinweg habe ich auch hier im Blog ein paar Stammtischbilder gesammelt, die man nun anlässlich 20 Jahre Europastammtisch hier einsehen kann.

Mein erster Psychologieprofessor war ein ganz moderner, denn er sprach nicht nur in den Vorlesungen vom Lerner, wobei es in den 1980er-Jahren noch völlig in Ordnung ging, dass wir Studenten weiterhin am Lernenden festhielten. Meine damalige Vermutung war, dass er durch eine „moderne“ Wortwahl mit der Jugend seiner Studenten mithalten wollte. Heute gehe ich eher davon aus, dass solche intendierten oder vielleicht auch nur rein zufälligen Sprachänderungen einfach mit dazu gehören, diese sich wie Gendefekte auch immer wieder einschleichen und manche von diesen zum neuen Standard werden.

Unsere Existenz wie auch unsere Kultur sind sozusagen fehlerbasiert und ändern sich tatsächlich nicht durch fortwährende Verbesserungen, sondern durch gemachte Fehler, welche sich im Nachhinein als absolut passend herausstellen.

Wohl deshalb mein Aufruf, Mut zum Fehler! Und vielleicht war es genau das, was uns dieser Professor damals mitteilen wollte.

„I think news and information in any city is as vital as water, electricity and gas.“

Michael Moritz, NEw York Times (30.6.2025)