S-Bahn vor Hauptbahnhof

21.8.02023 4.9 (10)

Beitragsfoto: S-Bahn vor Hauptbahnhof | © Bettina Kümmerle

Bedauern

Für uns Bürger ist es einfach nur noch ärgerlich, wenn sich unsere Gemeinderäte immer wieder nur durch ein einfaches Bedauern aus ihrer Verantwortung stehlen. Zuerst stimmen sie allem und jedem zu und dies ohne sich vorab überhaupt die Mühe zu machen, einmal nachzufragen oder gar weiter nachzuhaken, um was es bei dem zu Entscheidenden überhaupt geht — damit verstoßen sie gegen sämtliche Grundprinzipien einer repräsentativen Demokratie.

Und wenn das Kind dann in den Brunnen gefallen ist, können wir in der Heilbronner Stimme lesen, dass sie heute ganz anders entscheiden würden. Und schon ist die Welt wieder für alle Beteiligten in Ordnung.

Uns allen sollte dabei aber bekannt sein, dass die moralische wie fachliche Inkompetenz von Volksvertretern die größte Gefahr für jede Demokratie ist. Deswegen verlangen wohl auch immer mehr Bürger eine direkte Demokratie, denn um einfach nur aus dem Bauch heraus zu entscheiden oder um sich einfach nur kaufen zu lassen, dafür benötigen wir keine Vertreter — das können wir alle selber viel günstiger.

Lange Woche

Der jüngste Spaziergang über den Hauptfriedhof war eine sehr erfreuliche Sache. Entgegen aller früheren Erwartungen gibt es für uns dort wieder ausreichend Platz. Auch sind jetzt neben den bekannteren Bestattungsvarianten auch Rasenbestattungen und wenn gewünscht sogar anonyme möglich. Ich finde dies ist eine gangbare Alternative zu den gerade so populären Friedwäldern, besonders da wir Friedhofs- oder Friedwaldgänger alle schneller älter werden als gewünscht und auch ein etwas größerer Friedhof immer übersichtlicher als jeder Wald ist — vor allem nach einem Sturm.

Zuvor war ich noch kurz in der Stadt spazieren und sah dort auch auf dem Kiliansplatz ein paar Menschen mit Plakaten „Queerdenken statt Querdenken“ oder so. Ich war dabei etwas über die Polizeipräsenz erstaunt und durfte später auf stimme.de lesen, dass 350 Menschen unter dem Motto „Dance for Tolerance“ friedlich feiernd durch Heilbronn gezogen seien — da machen die üblichen Montagsmarschierer wirklich mehr Stress. An mir ging die wohl nur einen Straßenzug weiter stattfindende „Mini-Loveparade“ (Heilbronner Stimme) völlig unbemerkt vorbei. Dafür konnte ich aber mit meiner besseren Hälfte in der Tanzschule Brenner einen sehr gelungenen Tanzabend verbringen.

Mit dem meseno-Bus starte ich heute in eine lange Woche bei der es viel zu erledigen geben wird. Am Ende dieser Woche müssen dann ein paar Pflöcke eingeschlagen sein. Derweil tobt Hillary — nicht die Clinton — über Kalifornien hinweg und ein kurzer Anruf hat mir bestätigt, dass es aktuell vor Ort bereits stark regnet.

Detlef Stern wird mich nun wissen lassen, dass das mit der langen Woche eigentlich anders gemeint ist, aber da es meine Woche ist, darf es weiterhin eine solche sein. Eine eventuelle Diskussion darüber wird auf jeden Fall mit zu den angenehmeren gehören.

Provinzbahnhof

Seit Jahren bauen wir Heilbronner unseren Hauptbahnhof zurück und haben schon lange die anderen städtischen Bahnhöfe stillgelegt. Zudem schaffen wir beständig weitere diesbezügliche Fakten, indem wir den obligatorischen Busbahnhof auf Dorfniveau reduzierten, die Straßen von und zum Bahnhof verkehrsberuhigten, Parkplätze reduzierten, dafür aber für sehr teures Geld nicht einmal 120 Abstellplätze für Fahrräder geschaffen haben. Und der nächste Umbau wird sicherstellen, dass alles noch viel schlimmer wird.

Schon jetzt ist unser Hauptbahnhof samt seinem gesamten Umfeld völlig überfordert sobald gleichzeitig zwei Bimmelbahnen Heilbronn erreichen. Wir Heilbronner träumen derweil, angestiftet vom OB und unseren Volksvertretern, dass demnächst die ICE und IC im Stundentakt in Heilbronn verkehren — wir leiden wohl allesamt unter einem völligen Realitätsverlust.

Und so freut es mich doch ein wenig, dass wenigstens die Heilbronner Stimme (21.8.2023: 4) einmal Expertise von außerhalb Heilbronns zu Rate zieht. Gerhard Schnaitmann attestiert dabei unserem Hauptbahnhof, dass dieser für immer ein Provinzbahnhof bleiben wird.

Aber auch Provinzbahnhöfe benötigen eine funktionierende infrastrukturelle Anbindung und ganz besonders ein attraktives Umfeld.

„Heilbronn ist nur halb so groß wie der Zentralfriedhof von Stettin aber dafür doppelt so tot.“

Uralter Witz mit BArt

Ruine

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Beitragsfoto: Ruine | © Michael Gaida auf Pixabay

Lichtblick

Die aktuellen Bautätigkeiten in Heilbronn sind eine wahre Freude. An vielen Ecken entstehen sehr attraktive Gebäude, nicht nur an der Allee, sondern auch in der Fleiner Straße. Hoffentlich kommt bald auch das noch heute doch so umstrittene Gebäude in der Weinsberger Straße, da es das Stadtbild weiter aufwertet. Und auch die Neubaugebiete prägen zusehends unsere Stadt. In Böckingen hat sich jüngst einiges zum Positiven gewandelt und nun fängt man auch in Sontheim an, etwas städtischer zu bauen.

Die Bauherren glauben offensichtlich an unsere Stadt. Jetzt liegt es an der Stadtverwaltung, das Umfeld in Schuss zu halten, denn was nützen Neubauten oder Sanierungen, wenn es drumherum dreckig und verwahrlost ist.

Vielleicht wäre es einmal ganz gut, wenn man eine Kostenaufstellung macht, was alleine der Unterhalt der bestehenden Infrastruktur jährlich kostet. Und sich angewöhnt, bei Neubauten die künftigen Unterhaltskosten mit einzuplanen. Wenn man diese Finanzen und das dafür benötigte Personal einmal im Griff hat, dann kann man sich überlegen, was man sonst noch Wunderbares in Heilbronn erreichen möchte.

Sehr gespannt bin ich, wie sich der laufende Ausbau des Fernwärmenetzes einmal in unsere Stadt einfügt, denn in wenigen Jahren soll es nur noch ein einziges Wasserstoffkraftwerk geben. Aber vielleicht bekommt dann doch noch eine Müllverbrennungsanlage eine Chance?

Hempel

Mit Verzücken durfte ich heute in der Heilbronner Stimme lesen, dass es in Heilbronn wie bei Hempels unter dem Sofa aussieht. Und selbst die Heilbronner Hofberichterstatter glauben nun wohl nicht mehr daran, dass es in Heilbronn wieder zu halbwegs sauberen Straßen und Gassen kommt, von den Plätzen ganz zu schweigen.

Denn noch vor ein paar Jahren war ich ein einsamer Rufer im Wald, wobei man mir immer sagte, dass unsere Stadt nicht nur die sauberste, sondern auch die ordentlichste des ganzen Universums sei. Inzwischen habe ich mich daran gewöhnt, dass mich beim Schwimmen im Stadtbad Zigarettenqualm und Parfümschwaden umnebeln, denn das lenkt vom Gestank der ungewaschenen im Wassersteher ab.

Und die nun kritisierten Kippen, die findet man schon seit Jahrzehnten. Das hätte man wissen müssen, wenn man selbst einmal eine Reinigungsaktion z. B. auf dem Kiliansplatz mitgemacht hätte. Aber das Rauchen in Restaurants oder das Wegwerfen von Müll aller Art wird in Heilbronn nicht sanktioniert, genau so wenig wie das Befahren der Fußgängerzonen und Gehwege.

Aber das beständige Meckern von einzelnen Heilbronner wie mir hilft doch ein wenig. Ich habe schon lange keinen Badenden mit einer Flasche Bier in der Hand im Sportbecken gesehen; leider dafür aber jüngst eine pizzaessende Fette im Solebecken.

Und so muss man sich fragen lassen, wie Heilbronn denn heute wohl aussehen würde, wenn es überhaupt keine Meckerer gäbe?

Bundeswehr

Heute vor 40 Jahren wurde ich Soldat. Wie schon hier im Blog geschrieben, zog ich aber erst ein paar Tage später erstmals die Uniform an. Ich war von Anfang an mit Leib und Seele Soldat und bin noch heute fest davon überzeugt, dass es für leistungswillige und leistungsfähige Männer keinen besseren Beruf geben kann. Allerdings nur die leidensfähigsten und opferbereitesten Männer sollten dabei die Bundeswehr wählen, denn diese ist bereits mit ihrer Gründung und dies mit voller Absicht zu einer Karikatur von Streitkräften geworden.

Unzählige Kameraden haben die letzten Jahrzehnte vergeblich versucht, entgegen dem politischen Willen sämtlicher Parteien, die Bundeswehr zum Funktionieren zu bekommen. Viele davon mussten dies mit ihrem eigenen Leben bezahlen. Anfangs glaubte ich noch daran, dass die Trümmerkasernen, die unterirdische Ernährung der Soldaten und die schlechte Ausrüstung mit Waffen, Gerät und Munition sowie eine wenig zeitgemäße Ausbildung der Soldaten — von deren Führung ganz zu schweigen — dazu dienen, um uns allesamt „kriegsfähig“ zu machen.

Später musste ich erkennen, dass die Bundeswehr bestenfalls für feuchte Träume von ein paar Berufspolitikern dient, aber ansonsten der Militärhaushalt zum Raubbau freigegeben war — jeder Politiker und Großkonzern darf sich nach Lust und Laune selbst bedienen. Die blödesten Ideologien oder Hirngespinste von Politikern wurden mit dem Blut meiner Kameraden bezahlt. Anstatt die Soldaten auf ihren Einsatz vorzubereiten und zu ihrem Handwerk zu befähigen, werden sie noch heute für alles Mögliche missbraucht — sie müssen ihrem Land dienen, ohne jemals dazu tatsächlich in der Lage sein zu können!

Ich konnte dies nicht mehr mit meinem Gewissen vereinbaren und ging vorzeitig in den Ruhestand. Leider aber hat sich seither nichts verbessert, meine Kameraden werden weiterhin für alle möglichen Hilfsarbeiten herangezogen und bekommen trotz Krieg in der Ukraine immer weniger Zeit und Gelegenheit, um sich selbst für die Landesverteidigung fit zu machen. Und im Falle, dass es dann doch einmal dazu kommt, fehlt es an Ausbildern, Waffen, Gerät und Munition.

Der Schwerpunkt scheint weiterhin auf der Bespaßung von Politikern zu liegen, nämlich dafür zu sorgen, dass diese standesgemäß durch die Welt jetten oder sich pressewirksam vor blank polierten Waffen aufbauen können. Derweil zanken sich sämtliche Parteien darum, wer in den Genuss der jüngst versprochenen Sonderzahlungen für die Bundeswehr kommt. Eins dürfte dabei sicher sein, die Soldaten der Bundeswehr oder gar die tatsächlich kämpfenmüssende Truppe werden davon keine Verbesserungen erleben.

Und wenn mir ganz aktuell ein Soldat berichtet, wie und mit was heute eine Grundausbildung bei der Infanterie erfolgt, dann kann ich mich glücklich schätzen, dass ich vor 40 Jahren noch im militärischen Schlaraffenland lebte! Und so gilt weiterhin das heimliche Motto der Bundeswehr:

„Sobald Du denkst, es kann wirklich nicht mehr schlimmer werden, dann wird es schlimmer.“


Nikolausstiefel

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Beitragsfoto: Nikolaus | © Maren Winter auf Shutterstock

Tanzen

Heute wurde ich zu meiner großen Überraschung gleich mehrfach gefragt, welche Musik- oder Tanzdarbietungen mir beim Treffpunkt Europa am besten gefallen hätten. Dies brachte mich dann doch ins Grübeln.

Anfangs war ich beim Treffpunkt Europa mit der Organisation und dem Verkauf von Essen und Getränken beschäftigt und so nahm ich in den ersten Jahren das Bühnenprogramm gar nicht richtig wahr. Aber an die wunderbaren Kostüme der spanischen Tänzerinnen oder an meine Lieblingslieder vom Coro del Grappa kann ich mich tatsächlich noch erinnern. Als ich dann die Moderation des Bühnenprogramms mit übernahm, konnte ich erstmals das gesamte Potpourri des Treffpunkts Europa miterleben und war mehr als erstaunt. Eine solche Vielfalt und dabei auch Qualität ist wohl bis heute einzigartig. Noch schöner, das Heilbronner Publikum goutierte das Ganze immer wieder aufs Neue und so kam es zu einem mehr als ansprechenden Zusammenwirken von Künstlern und Publikum, das nicht selten dazu führte, dass aus beidem eins wurde.

Ganz besonders aber erinnere ich mich an einen sehr kurzfristigen Ausfall einer Gruppe, der mich alleine auf der 100 qm großen Bühne zurückließ. Ein kurzes Gespräch mit Heinrich Krayl ergab, dass ich wohl etwas länger als sonst überbrücken müsse. Und so fiel mein Blick auf einem kleinen Jungen, der tapfer sein Keyboard bewachte, welches noch nicht abgebaut worden war. Ich fragte ihn, ob er nicht ein wenig Musik machen könne und kaum hatte er die ersten Töne gespielt, war auch „seine“ bosnische Tanzgruppe wieder da und begleitete ihn; ein paar Augenblicke später tanzten bosnische, kroatische und serbische Tanzgruppen gemeinsam auf der Bühne und der Tag war gerettet.

Das Jahr darauf fragte mich der Junge von ganz alleine, ob er wieder spielen dürfte und ich baute sein Spiel mit ins Programm ein, was sofort dazu führte, dass die Bühne voll mit tanzenden Heilbronnern aus der gesamten Welt war. Als Organisator dachte ich sofort an die Worte von Achim Schlager, der die Dittus Bühne stellte, dass seine Bühnen dies ohne Weiteres abkönnen. Und die Folgejahre stellte er immer sicher, dass selbst ganz Heilbronn auf seiner Bühne ohne Probleme hätte tanzen können.

Und so wurde dieses gemeinsame Tanzen von Menschen aus allen Ecken der Welt, und dies zu ein und derselben Musik, ein fester Bestandteil eines jeden Treffpunkts Europa. Die Bühne war jedes Mal mehr als voll und die Menschen tanzten noch in Reihen vor wie auch um die Bühne herum. Für mich ganz persönlich der Höhepunkt eines jeden Treffpunkts Europa, ein wahre Sternstunde für uns Menschen.

Hätte ein Stefan Zweig dies erlebt, wäre sein entsprechendes Buch sicherlich um ein Kapitel reicher geworden. Leider aber war der Treffpunkt Europa den verantwortlichen Heilbronnern zu popelig oder gar zu billig, wahrscheinlich aber konnte kein Vetter daran etwas verdienen, und so richtete ein OB-höriger Gemeinderat den Treffpunkt Europa auf dem Kiliansplatz zugrunde.

Gerade in Zeiten, wo schon wieder ein Krieg durch Europa tobt, wäre das gemeinsame Tanzen von Menschen aus allen Ecken dieser Welt und dies noch zu ein und derselben Musik mehr als notwendig! So aber bleiben jenen, die diese erfreulichen Zeiten noch miterleben durften, wenigstens sehr schöne Erinnerungen an bessere Zeiten und das Gute in uns Menschen.

Weihnachtsfeier

Mitglieder der EUROPA-UNION Heilbronn treffen sich heute Abend auf dem Kiliansplatz, um dort beim Weihnachtsmarkt den monatlichen Europastammtisch mit einer kleinen Weihnachtsfeier zu kombinieren.

Erstmals soll dabei gewichtelt werden, wobei jene Stammtischler, die ein kleines Geschenk mitbringen, später mit einem anderen kleinen Geschenk wieder nach Hause gehen können. Die Tradition des Wichtelns stammt ursprünglich aus Skandinavien und soll an eine nordische Sagengestalt, den Wichtel, erinnern, der heimlich Gutes tut. Deshalb war es ursprünglich auch üblich, dass man beim Wichteln eine Person genannt bekommen hat, der man dann im Zuge der Adventszeit heimlich ein kleines Geschenk zusteckte. Und so bin ich einmal gespannt darauf, wie sich der heutige Abend entwicklen wird.

Auf jeden Fall aber werde ich dem guten Rat meiner Großmutter folgen und nur den Glühwein trinken, den ich auch selbst zubereitet habe.

Nikolaus

Für meine Weblog-Leser habe ich heute ein kleines Nikolausgeschenk und zwar das neueste Lied von Angelo Bengui zum Anhören und gerne auch zum Herunterladen. Sein Titel ist „Nzimbu“; damit wird im Kongo Muschelgeld bezeichnet. Wer mehr Lieder von Angelo Bengui hören möchte, der kann gerne auch auf dessen YouTube-Kanal vorbeischauen.

Angelo Bengui ist nicht nur ein begnadeter Musiker, sondern auch der Vorsitzende des Deutsch-Afrikanischen Vereins in Heilbronn. Die Musikdarbietungen seiner Gruppen beim Treffpunkt Europa sind legendär und ich habe mich zudem immer wieder darüber gefreut, wenn ich bei den Weihnachtsfeiern des Deutsch-Afrikanischen Vereins auch einmal trommeln durfte; ob sich die anderen Gäste darüber freuten, darf bezweifelt werden.

Angelo Bengui stammt ursprünglich aus Angola und seine Musik hat auch einen entsprechenden Hintergrund, allerdings erinnern mich viele seine Musikstücke an die Karibik. Auf jeden Fall aber machen sie allesamt gute Laune und versüßen einem den Tag.

Und so hoffe ich, dass auch Sie heute den Tag mit etwas mehr Schwung als sonst angehen werden.