Irish Whiskey 5 (5)

Dieser Beitrag ist Thomas Michl geschuldet, der es sicherlich nicht ertragen könnte, wenn ich über Whisky schreibe und die irische Verwandtschaft dabei ganz außer Acht lasse. Ihn wird es bestimmt schon genug ärgern, dass Kilbeggan nicht oder besser gesagt, noch nicht, zu meinen favorisierten irischen Marken gehört.

Meine Entdeckungsreise zu den irischen Whiskeys begann 1988 mit Tullamore Dew und zwar an einem Abend in Hannover, den ich so schnell nicht vergessen werde. Der Bekanntheitsgrad irischer Whiskys war schon damals nicht so groß, da die Produzenten im Gegensatz zu ihren schottischen Gegenüber wohl zu spät die Bedeutung des Marketing erkannten und zudem noch viel später die Abkehr von einer rein auf Menge getrimmten industriellen Massenproduktion einleiteten. So war es mir eine große Freude, als irische Freunde uns zur Eröffnung des Tullamore Dew Besuchszentrums einluden und ich erfuhr, dass man nunmehr diesen Whiskey auch fast wieder an seinem Ursprungsort produziert. Das heißt, in wenigen Jahren werde ich wieder nach einem Glas Tullamore Dew greifen können, das auch dort vor Ort destilliert wurde.

Tullamore Dew, wurde 1829 erstmals in der Tullamore-Destillerie gebrannt und gehört interessanter Weise seit 2010 zum Brennereikonzern William Grant & Sons, u. a. den Eigentümern des sehr bekannten schottischen Glenfiddich Whiskys.

Da Whisky oder auch der Whiskey, ob aus Irland oder den USA, in den 1950er bis in die 1990er-Jahre hinein kaum ein „Kultgetränk“ mehr war, ist es auch nicht verwunderlich, dass die Tullamore-Destillerie, wie übrigens die meisten anderen Destillerien in diesen Jahren auch, bereits 1954 geschlossen und fortan die Marke Tullamore Dew industriell und je nach Bedarf in anderen Destillerien hergestellt wurde.

Das gleiche geschah auch mit der Locke’s Distillery, die den oben besagten Kilbeggan brennt. Sie wurde 1957 geschlossen und brennt mit neuem Besitzer erst wieder seit 2007 Whiskey; dafür beansprucht sie den Titel der ältesten irischen Destillerie, da sie bereits 1757 nachweislich ihren ersten Whiskey brannte.

In den 1970er-Jahren gab es dann in Irland faktisch nur noch eine Destillerie, welche Whiskey je nach Bedarf produzierte und es dauerte länger als in Schottland, um ab den 1990er-Jahren auch in Irland wieder eine entsprechende Infrastruktur aufzubauen.

Als ich mich ab 1990 eher auf die Single Malt aus Schottland konzentrierte, weil dort nach alle den Jahren der „Bedeutungslosigkeit“ zuerst und meist kleinere Destillerien begonnen hatten, dem Whisky erneut individuelle Noten und eigene Charaktere zu verleihen, entdeckte ich kurz darauf auch meinen bis heute persönlichen Favoriten aus Irland, nämlich den Bushmills Whiskey der Old-Bushmills-Brennerei, den es schon damals auch als Single Malt zu finden gab. Diese Brennerei gehört zu den ältesten Whiskey Brennereien und verweist auf eine gut 400 jährige Tradition. Der bereits gestern von mir vorgestellte Johnnie Walker Whisky wird hingegen dieses Jahr erst 200 Jahre alt. Zwar ist auch die Hausmarke von Bushmills ein Blend, dennoch empfehle ich hier eher den Bushmills 10, einen Single Malt der 10 Jahre in Bourbon- und Sherry-Fässern gereift ist. Die weiteren Marken, welche bis zu 21 Jahren in Fässern reifen, dabei vereinzelt auch in Madeira-Fässern, sind sicherlich eine gute Wahl, ich persönlich tendiere dann aber doch eher zu den Single Malt aus Schottland und auch Japan.

Die überall und auch bei Bushmills immer mehr in Mode kommenden limitierten und Sonderabfüllungen sind eher etwas für die heutigen Sammler oder für jene, die solche Getränke dann „on the rocks“ oder zusammen mit Cola und einer möglichst dicken Zigarre genießen. Für eine wohl etwas jüngere Marke, welche den Single Malt Whiskey mit irischem Honig vermischt, konnte ich mich dann gar nicht begeistern, und diese Mischung hat mir schon als Jim Beam Honey, einem Bourbon Whiskey, nicht sehr geschmeckt.

Wer aber gerne Whiskey trinkt, welcher ähnlich einiger Single Malt aus Schottland torfig schmeckt und einen starken Eigengeschmack entwickelt, dem empfehle ich die Marke Connemara, deren Whiskey, wie die meisten Scotch auch, im Gegensatz zu den anderen irischen Whiskeys nur zweimal gebrannt wird. Ich empfehle dabei gleich zum 12jährigen Whiskey zu greifen, und wem dieser auch schmeckt, der kann dann mit gutem Gewissen dabei bleiben.

Last but not least muss ich noch auf den Jameson zu sprechen kommen, von dem mein Freund und Kamerad Ronan Corcoran überzeugt ist, dass es der einzige Whiskey der Welt sei, mit dem man einen anständigen Irish Coffee zubereiten kann. Und wer jemals einen von Ronan zubereiteten Irish Coffee getrunken hat, der wird daran auch nie und nimmer zweifeln.

Jameson wurde im Jahr 1780 in Dublin gegründet und bis 1971 auch dort in der Bow Street destilliert. Auch wenn es inzwischen die unterschiedlichsten Abfüllungen jeglichen Alters gibt, empfehle ich beim Original Blend zu bleiben. Ich habe davon immer eine Flasche vorrätig, da ich nie weiß, wann und wer einen guten Irish Coffee trinken möchte.

„If you mean the demon drink that poisons the mind, pollutes the body, desecrates family life, and inflames sinners, then I’m against it.
But if you mean the elixir of Christmas cheer, the shield against winter chill, the taxable potion that puts needed funds into public coffers to comfort little crippled children, then I’m for it.
This is my position, and I will not compromise.“

Judge Noah S. Soggy Sweat

Johnnie Walker 4.8 (4)

Mitte der 1980er-Jahre hatte mich eine neue Sammelleidenschaft gepackt, nämlich Scotch nicht nur zu trinken, sondern auch immer wieder ein Fläschchen davon zur Seite zu legen. Ab 1990 war es dann der Single Malt, der mich besonders faszinierte und bei dem ich versuchte, möglichst vielen unterschiedlichen Sorten habhaft zu werden. Diese Sammelleidenschaft hielt gut 25 Jahre an, sodass ich doch die eine oder andere Flasche dieser im Holzfass gereiften Spirituose ergattern konnte.

Nun, da ich gerade dabei bin, meine Bestände zu sichten, werde ich diese gleich auch einmal sortieren und hier ab und zu dann auch einige davon präsentieren. Am besten fange ich mit einem der „drei bekanntesten Freunde“ an, dem Johnnie Walker, einem schottischen Blend, der heutzutage zum Getränkekonzern Diageo gehört und lange Jahre hinweg als einer der am meisten gekauften Whiskys galt. 

Vielen ist das Firmenlogo der „Striding Man“ bekannt, auch wenn sie noch nie in ihrem Leben selbst Whisky getrunken haben, denn dieses Logo begleitet die Marke seit 1925 und ist inzwischen eigentlich überall zu sehen bzw. schon einmal gesehen worden. Jene, die in ihren jungen Jahren Marius Müller-Westernhagen hörten, kennen sein Lied Johnny W. vom Album „Mit Pfefferminz bin ich dein Prinz“ aus dem Jahr 1978 und waren vielleicht damals versucht, das Original einmal etwas näher kennenzulernen. Aus dieser Zeit stammt wahrscheinlich auch der erste Satz dieses Beitrages, dem mit den drei guten Freunden.

Auch den etwas jüngeren unter uns ist sicherlich noch das „Moorhuhn“ bekannt, welches als Computerspiel ab 1998 ganze Bürogemeinschaften stilllegte und in den verschiedensten Versionen noch heute auf Mobiltelefonen und Rechnern zu finden ist. Dieses Computerspiel war anfangs eine Werbeaktion für diesen Whisky.

In einem vorherigen Beitrag hier in meinem Blog schreibe ich über ein Buch von Haruki Murakami. Dieser lässt in einem anderen Roman, seinem Buch Kafka am Strand aus dem Jahr 2002, eine dämonische Macht in der Gestalt und dem Outfit von Johnnie Walker auftreten.

Anfangs wurde Johnnie Walker wohl nur als mindestens dreijähriger Blend, eine gesetzliche Regelung, die zu Beginn des Ersten Weltkrieges in Kraft trat und eine Mindestzeit von drei Jahren für die Fasslagerung vorsieht, getrunken. Noch heute ist dies die Hauptmarke und wird inzwischen als Red Label geführt.

Zum Einstieg und auch für das Zwischendurch empfehle ich das Red Label, notfalls kann man diesen Whisky auch mit anderen Getränken mischen, ohne dabei ein allzu schlechtes Gewissen zu bekommen. Wem der Johnnie schmeckt, der kann sich dann auch einmal den länger gelagerten Sorten widmen, wobei ich aber zu bedenken gebe, dass man beginnend mit dem Double Black vielleicht doch einmal versucht, Single Malts kennenzulernen, die dann ähnlich teuer sind.

Dies erkennend hat Johnnie Walker auch einmal einen Pure Malt angeboten und bietet inzwischen für die Fans der Marke weitere Labels an, die zumindest im Preis gut mit den teuersten Single Malt mithalten können.

Ich trinke den Johnnie, egal welche Marke, immer wieder gerne und in einer Bar vor allem dann, wenn ich nicht erkennen kann, wie lange die anderen angebotenen Marken bereits geöffnet sind; dies hat er mit seinen beiden Freunden Jim Beam und Jack Daniel’s gemeinsam.

Die Flaschen von Johnnie Walker, die ich noch in meiner eigenen Sammlung habe, sind schon so lange dort, dass dieser Whisky noch im letzten Jahrtausend destilliert wurde und damit den Geschmack der guten alten Zeit bewahrt; alleine der Anblick dieser Flaschen lässt mich in Gedanken dann auch immer wieder in die 1980er und 1990er-Jahre zurückkehren. Diese kurzen Zeitreisen sind für viele auch der Grund, warum sie so gerne zu einem Glas Whisky greifen.

„There is more friendship in a half pint of whiskey than in a churn of buttermilk.“

Irisches Sprichwort

Wassertropfen

Wasser des Lebens 5 (5)

Beitragsfoto: Wassertropfen | © Pixabay

Pindar lobt in einer seiner Epinikien das Wasser an sich und in einer englischen Übersetzung wie folgt:

„Best of all things is water; but gold, like a gleaming fire by night, outshines all pride of wealth besides.“

Pindar, OLYMPIA 1

Dieser altgriechische Dichter aus dem 5. Jahrhundert vor Christus kannte dabei bestimmt die Britischen Inseln nicht, die dem Menschen etwas mehr abverlangen als die reine Lust am Wasser.

Ironie des Schicksals war es dann wohl, dass es beginnend im 5. Jahrhundert nach Christus offensichtlich christliche Mönche schafften, dem Wasser selbst einen goldenen Hauch zu verleihen und dieses dann als Wasser des Lebens heute eher als Whisky oder auch Whiskey bekannt zu vermarkten.

Sehr viel später kam dann auch ich selbst auf den Geschmack, als mich ein Kamerad neben gutem Tee mit noch besserem Whisky bekannt machte. Unsere gemeinsamen Probierabende habe ich immer noch in guter Erinnerung und hoffe, dass er seinem Ziel, jeden Single Malt zumindest einmal probiert zu haben, möglichst nahekam.

Ich selber musste Jahre später feststellen, dass dies wohl ein hoffnungsloses Unterfangen ist, da auch hier der Markt sofort reagiert und das Angebot der Nachfrage anpasst.

Noch in den 1980er- und 1990er-Jahren kaum bis gar nicht mehr vorhandene Whiskys sind heute in jeder Art und Weise und für mich sehr erstaunlich, auch fast in jedem Jahrgang zu haben. Mich wundert dabei, wo die Produzenten und Händler diese ganzen Fässer und Flaschen über all die Jahrzehnte hinweg nur versteckt gehalten hatten, sodass es Sammlern wie mir nicht möglich war, diese Schätze noch im letzten Jahrhundert zu heben.

Ich tröste mich damit, dass es ganz offensichtlich alleine an meinen sehr begrenzten finanziellen Kapazitäten lag und freue mich darüber, dass es jetzt auch wieder Destillerien gibt, welche noch vor ein paar Jahren längst demontiert und abgerissen waren.

Auf jeden Fall hat meine Sammelleidenschaft, die bis in die Nullerjahre hinein anhielt, dafür gesorgt, dass ich mehr Vorräte habe, als ich jemals werde selbst genießen können. Damit kann ich aber auch sicherstellen, dass ich nur solchen Whisky trinke, der tatsächlich aus dem letzten Jahrhundert stammt, noch bevor das Angebot der Nachfrage angepasst werden musste.

Eine weitere Ironie des Schicksals ist es, dass sich meine bessere Hälfte bis heute nie mit diesem Getränk anfreunden konnte und mein Jüngster zudem eine Leidenschaft für Gin entwickelt hat.

„Very little indeed is necessary for living a happy life.“

Marcus Aurelius, Meditationen (Buch VII, 67)