Internetpräsenz

22.10.02026 5 (7)

Beitragsfoto: Internetpräsenz | © Gerd Altmann auf Pixabay

PHP2Shell

Detlef Stern hat mir von der Nutzung von PHP abgeraten (Stichwort: Ceterum censeo). Mit meiner Entscheidung zur WordPress 2017 war dieser Schritt leider zwingend. Man zahlt schon immer für Bequemlichkeit seinen Preis.

Wissend um die PHP-Problematik, habe ich diese Herausforderung sogleich in die Hände von Profis gegeben — ausgesourced sozusagen. Und so hatte ich die letzten fast zehn Jahre diesbezüglich keinerlei Probleme. Ich musste nur gucken, dass ich immer auch die aktuellste PHP-Version auf den entsprechenden Servern laufen habe.

Nun wurde aber eine Herausforderung bekannt (FAZ, 22.10.2026, 9:30 Uhr), die selbst die besten Profis etwas in Fahrt bringt. Neugierig wie ich bin, habe ich sogleich mal auf meinen Servern nachgeschaut und stellte fest, dass die Profis so richtig am Rödeln sind.

Wissend, dass meine Websites und Blogs kein lohnendes Ziel für Menschen sind, die auch nur etwas Geld verdienen möchten, kann ich mir das Ganze weiter gelassen anschauen. Wie bei den Fischen im Schwarm fühlen sich immer alle sicher, zumindest so lange bis man selber gefressen wurde.

Den Lesern hier kann ich versichern, dass das Blog noch von mir stammt. Die aktuelle PHP-Version ist 8.5. Wenn ich aber plötzlich damit anfange den aktuellen OB in den höchsten Tönen zu loben, sollte man mich darüber informieren.

Vermischtes

Kaum schafft es die AfD auch nur in die Nähe von Macht zu kommen, schon überlegen es sich die ersten gewählten Politiker demokratischer Parteien dorthin zu wechseln. Dies war bisher nur bei gewohnt erfolglosen oder völlig abgehalfterten Parteimitgliedern der Fall.

Notgedrungen und meines Erachtens auch folgerichtig muss nun in Sachsen-Anhalt die CDU bei der Wahl des künftigen Ministerpräsidenten den Saal verlassen, nur um sicherzustellen, dass dieser nicht im ersten Wahlgang durch Mithilfe der CDU die Macht ergreift. Was schon jetzt dazu führt, dass der erste AfD-Fan der CDU-Fraktion Ulrich Siegmund keinen Hehl mehr daraus macht, dass für ihn die AfD die bessere CDU ist.

Nun hoffe ich darauf, dass die aktuellen CDU-Verantwortlichen in diesem Teil der Ost-Zone weiterhin offen für unsere Demokratie eintreten, auch wenn demnächst der größere Teil der eigenen Mitglieder dies nicht mehr so sehen sollte.

Die SPD ist inzwischen so abgehalfert, dass dort keiner mehr den mit 9 000 Euro im Monat überaus gut bezahlten Nebenjob des Parteivorsitzenden (früher noch ein Ehrenamt!) übernehmen möchte; bei dieser Partei will wohl keiner selbst am Ende das Licht ausmachen. Die FDP hat dafür Wolfgang Kubicki engagiert.

Könnte aber auch sein, dass die aussichtsreichsten Kandidaten nur darauf warten, dass die Entlohnung massiv erhöht wird. Was mich wieder daran denken lässt, wie gut unsere Parteien einmal dastanden, als diese noch im unbezahlten Ehrenamt geführt wurden. Heute sind die Parteien eigentlich nur noch Geldmaschinen für jene, die sich parteiintern die besten Posten und Pöstchen sichern können. Und dann fragen sich diese Menschen auch noch, warum der Bürger keine Lust mehr auf Partei hat.

Emma

In den 1970er-Jahren gab es bereits zwanzig Jahre lang die Brigitte, welche damals wohl auch in den meisten Haushalten zu finden war. Und dann kam Alice Schwarzer mit der Emma um die Ecke, um für Frauen mit besonderen Bedürfnissen eine eigene Plattform zu bieten.

Auf alle Fälle hat Emma ihrer Herausgeberin über 50 Jahre lang eine Plattform geboten, um ihre Meinung zur Bundespolitik kundzutun. Manchmal gelang es ihr auch ein größeres Publikum zu erreichen, eher aber durch ihre Auftritte in anderen Medien und ganz besonders nachdem ihre eigenen kriminellen Neigungen publik wurden; auch daran wird wohl alleine die Männerwelt schuld gewesen sein (Stichwort: Männerjustiz).

Übrigens, die Brigitte gibt es noch heute. Was darauf schließen lässt, dass deren Herausgeber und Autoren weit nachhaltiger unterwegs sind — zumindest aber weit erfolgreicher.

50 Jahre als Medium durchzuhalten ist aber ohne Wenn und Aber eine anerkennenswerte Leistung. Und sicherlich hat die Emma ihren meisten Lesern gefallen, sonst wäre diese Zeitschrift sicherlich nicht über die Jahre hinweg immer wieder abonniert worden. Ob es für diese Menschen nun auch ohne Emma weitergeht, wird sich zeigen müssen — ich gehe aber einmal ganz stark davon aus.

Auch ich habe ab und zu einen Emma-Beitrag gelesen, meist war ich dabei einer etwas anderen Meinung. Und das ist auch ganz gut so, denn wenn ich meine eigene Meinung hören möchte, dann lese ich mein Blog.

Gut ist, dass das Emma-Archiv nun in Gänze nach Marbach wandert. Dort wird es dann im Deutschen Literaturarchiv langsam aber sicher erschlossen und ab 2029 Interessierten, Medien und der Forschung offen stehen. Und dies allerdings nicht wie von Alice Schwarzer gewünscht „für die Ewigkeit“, sondern realistisch betrachtet nur so lange wie es auch das Archiv in Marbach geben wird.

Emma will gezeigt haben, wozu ein professioneller, engagierter und feministischer Journalismus fähig und was möglich ist. Ich schränke dies ein klein wenig ein: wozu Alice Schwarzer fähig war.

Ich gehe weiterhin davon aus, dass Frauen, die sich in erster Linie wie wir Männer auch als Menschen sehen, weit mehr erreichen. Wobei ich glaube, dass man manche Dinge tatsächlich polarisieren muss, um damit Veränderungen anstoßen zu können. Ob diese dann aber auch im eigenen Sinne erfolgen, darf weiterhin bezweifelt werden.


Kaffeegenuss

Zeit für ein Gedicht 4 (7)

Beitragsfoto: Kaffeegenuss | © Pixabay

Wohl niemand hat etwas an Rainer Maria Rilke auszusetzen. Und so dürfte meine heutige Gedichtwahl kaum missfallen. Wer keinen Gedichtband von Rilke besitzt und auch nicht in einer Bibliothek stöbern möchte, der findet die meisten seiner Gedichte (noch) auf „Die Gedichte von Rainer Maria Rilke“ (Stand: 7. Juli 2008) oder auch auf der Rilke-Website, zumindest für den Fall, dass man den Namen des entsprechenden Gedichtes kennt.

Auf alle Fälle aber ist der Besuch der Website der Rilke-Gesellschaft zu empfehlen; deren „Online-Forum“, welches bereits 2005 geschaffen wurde, gibt es inzwischen nicht mehr. Und so werden es wohl seine Bücher sein, die man auch noch in ein paar Jahrzehnten in den Bibliotheken oder zumindest aber in den Antiquariaten finden kann.

Auch mache ich gerne nochmals auf das Deutsche Literaturarchiv Marbach aufmerksam, denn dort liegen große Teile des Rilke-Nachlasses.

Auferstehung

Der Graf vernimmt die Töne,
Er sieht einen lichten Riß;
Er weckt seine dreizehn Söhne
Im Erbbegräbnis.

Er grüßt seine beiden Frauen
Ehrerbietig von weit -;
Und alle voll Vertrauen
Stehn auf zur Ewigkeit

Und warten nur noch auf Erich
Und Ulriken Dorotheen,
Die sieben- und dreizehnjährig
   (sechszehnhundertzehn)
Verstorben sind in Flandern,
Um heute vor den andern
Unbeirrt herzugehn.

Rainer Maria Rilke, Neue Gedichte (1907)

Rainer Maria Rilke hat sich mit Ostern des öfteren auseinandergesetzt und so kann man bei ihm auch ein „Fragment einer Auferstehung“ finden.

Der Engel stemmt mit den Trompetenstößen
die Steine auf-, und sie, in parallelen
Entschlüssen, strecken sich nach ihren Seelen,
die Oben stehn, geordnet nach den Größen

Rainer Maria Rilke, Paris (24. oder 25. Juni 1911)

Rainer Maria Rilke hatte, wie man es heute nennt, eine schwierige Kindheit. Eine schreckliche Mutter band ihren einzigen Sohn René – so heißt Rilke tatsächlich „der Wiedergeborene“ – an sich und drängte ihn in die Rolle der verstorbenen Schwester. Auch wenn heute manche Jungs oder gar Erwachsene freiwillig Mädchenklamotten tragen, dürfte dies bei Rilke sicherlich nicht der Fall gewesen sein.

Du sagtest leben laut und sterben leise 
und wiederholtest immer wieder: Sein.

Rainer Maria Rilke, aus „Ich lese es heraus“ (Stundenbuch, Berlin-Schmargendorf, 22.9.1899)

Blitz

Literaturerlebnis 5 (2)

Beitragsfoto: Blitz | © Bild von PIRO auf Pixabay

Mein traurigstes Literaturerlebnis hatte ich im K3. Schon länger hatte ich versucht, mir einmal selbst das ominöse Kleist-Archiv Sembdner anzuschauen, auch wenn ich mit Kleist wenig anzufangen wusste. Im Gegensatz zur Stadtbücherei war der Zugang zum Archiv meist verschlossen.

Eines Tages gelang mir dann aber doch der Zugang durch eine Hintertreppe und ich fand neben vielen verschlossenen Räumen auch ein paar verstaubte Regale mit Käthchen-Devotionalien. Das Spannende dabei, dass meine Eltern ein paar dieser Püppchen selbst einmal gekauft hatten, und ich somit dort auch etwas bereits Bekanntes vorfand.

Das Kleist-Archiv Sembdner stammt übrigens von einem Sammler namens Helmut Sembdner, der irgendwann mit all dem Kruscht nichts mehr anzufangen wusste, das Wertvolle seiner Sammlung schnell an Interessierte verkaufte und den ganzen Rest in einer Nacht-und-Nebel-Aktion der Stadt Heilbronn andrehte — warum kann wohl heute keiner mehr sagen, auf jeden Fall hatte Sembnder einen Dummen gefunden.

Bereits 1991 wurden wir Heilbronner über diesen Coup informiert und wie es der bloße Zufall so wollte ein städtischer Mitarbeiter über Jahre hinweg zur Betreuung dieser Sammlung freigestellt. Und es war wohl dieser Herr, Günther Emig, den ich dann dort vor Ort auch in einem Zimmer des Archivs vorfand.

Er war damals so mit seinen Recherchen und sonstigen Tätigkeiten beschäftigt, dass es ihm nicht gelang, mich von meinem immer noch anhaltenden Feuerproben-Frust zu befreien und auch nicht, mich zumindest etwas mit Heinrich von Kleist zu versöhnen.

Ganz in Gegenteil, dieser Besuch hatte mehr von einem Besuch in einem Beerdigungsinstitut und gab mir schon damals die Idee, zumindest die tatsächlichen Schätze des Archivs zu bergen und an das Deutsche Literaturarchiv in Marbach zu übereignen; eine Idee, die übrigens später dann auch Günther Emig hatte.

Den traurigen und wohl größten Rest kann man noch heute getrost auf den Vogelsang kippen und die Räumlichkeiten einer neuen Verwendung widmen, z. B. für die Stadtbibliothek.

Leider aber hat sich der Gemeinderat jüngst dazu entschieden, dieses „deutsche Kulturgut“ — warum auch immer — weiter in Heilbronn in Ehren zu halten, ähnlich wie die Stadtmodelle in der Ehrenhalle, von denen das teuerste jüngst zur BUGA gekaufte wohl verschollen ist.

Ich vermute, dass die Heilbronner Gemeinderäte nie das „Käthchen von Heilbronn“ lesen mussten oder ihnen ihre Eltern gar diese besagten Püppchen bewusst vorenthalten haben, was diese Heilbronner Käthchenmanie erklären könnte. Auf jeden Fall aber gehe ich davon aus, dass sich noch keiner unserer Gemeinderäte bisher in das Kleist-Archiv verirrt hat.


Nachtrag 11.5.2023

Die Heilbronner Stimme veröffentlichte heute einen Leserbrief von Günther Emig (11.5.2023: 21)

Schäbig

1992 bis 2000 als Direktor der Stadtbücherei, von 2000 bis 2018 als Direktor des Kleist-Archivs Sembdner, war es mein Job, aus den kümmerlichen Überresten einer vorher größtenteils bereits anderweitig verkauften Privatsammlung, die trotz meiner Warnung zu einem irrwitzig überhöhten Preis von der Stadt erworben worden war, etwas zu machen. Dies ist mir mit viel Glück gelungen auf Grund persönlicher Kenntnisse und Fähigkeiten. Als Internet-Pionier in den Geisteswissenschaften durfte ich mit Sondergenehmigung 1996 das Kleist-Archiv Sembdner ins Internet bringen. Der Internetauftritt hat nicht nur in der damaligen Computerwelt für eine Auszeichnung gesorgt, sondern auch Anerkennung bei den germanistischen Kollegen. Sämtliche Arbeiten, technisch wie inhaltlich, sind all die Jahre von mir geleistet worden. Dass mit der Wiedervereinigung die Karten in Sachen Kleist neu gemischt worden sind, konnte man beim Sembdner-Ankauf 1990 nicht unbedingt vorhersehen, wohl aber konnte man erkennen, dass sich in der Folge Bund, Land und Stadt Frankfurt (Oder) mit siebenstelligen Beträgen für das Frankfurter Kleist-Museum stark gemacht haben. Damit ist der Fokus schleichend von Heilbronn nach Frankfurt gewandert. Daraus wären Konsequenzen zu ziehen gewesen. Was bleibt? Ein bisschen Glanz aus vergangenen Zeiten, den man sich auch noch unberechtigt glaubt an den Hut stecken zu dürfen. Wie schäbig.

Günther Emig, Niederstetten