Radfahrerin

Radfahrer 5 (7)

Beitragsfoto: Radfahrerin | © Pixabay

Damit meine ich jetzt nicht „nach oben buckeln und nach unten treten“, sondern beziehe mich in diesem Beitrag auf die Mitbürger, die sich dazu entschieden haben, in und um Heilbronn auch mit dem Fahrrad unterwegs zu sein.

Dabei gleich vorab, das Fahrradfahren war schon immer in Heilbronn, zumindest so lange ich mich erinnern kann, eine Herausforderung.

Zu meiner Zeit war es für uns Heilbronner üblich, dass man mit einem Dreirad anfing, zum Tretroller wechselte und danach sein erstes Fahrrad mit Stützrädern bekam. Und sobald man richtig und selbständig Fahrrad fahren konnte, war es auch soweit, um noch in der Grundschule den Fahrradführerschein zu machen. Das Balancieren und das Langsamfahren waren dabei die größten Herausforderungen, denn schnell um die Ecke flitzen konnten wir bereits alle sehr gut.

Anfangs war für uns Stadtkinder das Fahrrad ein neues Spielzeug mit dem man auf der Straße viel Unfug anstellen konnte; selbstverständlich wurden die Räder auf den Gehwegen von uns geschoben, denn das war damals Ehrensache. Später war das Rad dann eher ein Mittel, um in die umliegenden Dörfer zu gelangen, denn zu Fuß war man innerhalb Heilbronns schon immer besser und auch bequemer unterwegs.

Meine ursprüngliche Begeisterung für das Radfahren wurde bereits sehr früh durch einen Baum gestoppt, der nicht nur mein erstes Rad zerstörte, sondern bis heute bei mir bleibende Erinnerungen zurückließ und mich zudem zu einem begeisterten Fußgänger machte.

Weniger Glück hatten zwei meiner Rad fahrenden Schulkameraden, der erste wurde mit dem Reifezeugnis in der Hand von einem Lastwagen überfahren und der zweite bei seinem täglichen Radtraining, welches ihn regelmäßig von Heilbronn nach Waldenburg und wieder zurück führte, von einer Oma im Auto übersehen, was er zwar glücklicher Weise überlebte, aber seine Sportlerkarriere abrupt beendete.

Heutzutage ist Heilbronn zwar immer noch die selbe Stadt aber die Anzahl der Fahrräder und ihre Verwendungsmöglichkeiten hat sich eindeutig erhöht bzw. stark verändert. Auf keinem Geh- oder gar Waldweg ist man mehr vor Rad fahrenden Mitbürgern sicher; Mensch, Hund und Reh erschrecken vor aus dem Gebüsch und Hecken brechenden Geländefahrrädern mit Hilfsmotor auf denen Jugendliche und rüstige Rentner durch die Wälder und Flure sausen. Selbst die Fußgängerzone ist zum Mekka pöbelnder Radenthusiasten geworden, die bestimmt noch nie etwas von gegenseitige Rücksichtnahme gehört haben.

Auf der anderen Seite berichten Rad fahrende Bekannte, Freunde und auch meine bessere Hälfte von haarsträubenden Situationen beim Versuch ausgewiesenen Radwegen durch Heilbronn zu folgen.

Deshalb möchte ich gerne allen das Folgende nochmals in Erinnerung rufen: Grundlage jeglichen Zusammenlebens ist die gegenseitige Rücksichtnahme, und im besagten Falle, die Pflicht des Stärkeren oder Schnelleren auf die anderen Verkehrsteilnehmer besonders zu achten. Erst kommen die Kinder, die Senioren, Menschen mit sichtbaren Einschränkungen und dann die restlichen Fußgänger. Danach erst die Radfahrer und Schienenfahrzeuge. Zum Schluss dann die Motorräder, Autos und zuletzt Busse und Lastkraftwagen.

Damit und mit ein wenig mehr Freundlichkeit müsste sich der Alltag auch in Heilbronn besser meistern lassen!

Das macht aber noch lange nicht ungeschehen, dass die derzeitige Radwegegestaltung in und um Heilbronn suboptimal und eindeutig verbesserungswürdig ist.

Die Idee Schnellwege für Fahrräder außerhalb des Stadtgebietes zu schaffen halte ich für gut. Aber man muss zudem dafür sorgen, dass diese dann fahrradtauglich sind und nicht mit Landwirtschaftswegen verbunden werden, denn damit schafft man unnötige Gefahrensituationen.

Diese Radschnellwege dürfen dann, wenn sie in der Stadt Heilbronn münden, ähnlich wie Autobahnen auch, nicht an einer Wand enden, sondern sie müssen den ankommenden Verkehr, auch wenn es sich dabei „nur“ um Radfahrer handelt, flüssig in die Stadt ableiten. Darüber hinaus muss man für die Fahrräder, wie für die Autos auch, ausreichend Abstellplätze vorhalten, von denen aus die Radfahrer zu Fuß weiter gehen können.

Dass das Radwegenetz in Heilbronn selbst eher einem Flickenteppich gleicht, der zudem mehr aus Löchern als aus Teppich besteht und dessen jeweilige Anfänge und Enden bisweilen gemeingefährlich sind, muss man den Radfahren nicht berichten.

Da sich die vorhandene Heilbronner Verkehrsinfrastruktur aber auch in den kommenden Jahrzehnten kaum flächenmäßig vergrößern wird, ist es meines Erachtens keine Lösung, den vorhandenen Platz unter den verschiedenen Verkehrsteilnehmern weiter aufzuteilen. Deshalb schlage ich das Folgende vor:

Die vorhandenen innerstädtischen Radwege, außer bestehenden und tatsächlich funktionierenden Radschnellwegen, werden entweder wieder der Straße oder dem Gehweg zugeschlagen. Dafür aber werden diese so hergerichtet, dass sie durch alle Verkehrsteilnehmer gut und gefahrlos genutzt werden können.

Dabei muss der fließende und besonders der stehende Verkehr (Zuparken von Gehwegen!) immer dem „Schwächeren“ den Vorrang gewähren, was in Zeiten, wo man innerstädtisch die 30 Stundenkilometer favorisiert, kaum Probleme bereiten wird.

Fahrräder werden dann sogar auf der Allee mit genügend Abstand überholt, wenn sie sich nicht gerade selbst durch den dortigen Stau schlängeln. Aber auch Radfahrer fangen wieder an Rücksicht zu nehmen und, wenn sie der Fußgängerzone vor der Allee den Vorzug geben, letztendlich ihr Rad die paar Meter schieben, oder aber auf dem Gehweg dem Fußgänger die Vorfahrt gewähren.

Wenn Sie jetzt einwenden, dass dies in Heilbronn nicht ginge, dann kann ich Ihnen versichern, dass es im Landkreis Heilbronn bereits funktionierende Modelle gibt, wo sich sogar alle Verkehrsteilnehmer denselben Verkehrsraum teilen.

Zum Schluss nochmals auf den Punkt gebracht: Erstens, wir benötigen einen Straßenraum ohne Schlaglöcher und Hindernisse, der für alle Verkehrsteilnehmer als solcher erkenn- und nutzbar ist. Zweitens werden die dann hoffentlich gut ausgebauten Gehwege auch für Radfahrer freigegeben, die sich aber dort an den Fußgängern ausrichten. Und drittens, für die Räder muss es wie für die Autos ausreichend Stellplätze geben.

Und liebe Radfahrer, wenn Sie sich nicht trauen, auf der Allee mit dem Rad zu fahren, dann müssen Sie Ihren Frust nicht in der Fußgängerzone an Rentnern oder gar Kinder auslassen. Denn wie bereits anfangs erwähnt, mit dem Rad fahren ist keineswegs „nach oben buckeln und nach unten treten“.

Auch Detlef Stern hat bereits Erfahrung mit dem Fahrrad in Heilbronn gesammelt und diese im Blog-Beitrag „Vom Alltagsfußgänger zum Alltagsradler“ (Oktober 2019) festgehalten.

Das Lied „Bicycle Race“ stammt von der Gruppe Queen aus dem Jahr 1978.

„Life is like riding a bicycle. To keep your balance you must keep moving.“

Albert Einstein, Einstein: His Life and Universe (2007: 367)

Haruki Murakami

Norwegian Wood 4.8 (5)

Beitragsfoto: Haruki Murakami | © Japan Box

Haruki Murakami lässt in Norwegian Wood, einem 1987 erstmals veröffentlichten Roman, die 1960er-Jahre wieder aufblühen. Eigentlich bin ich kein Freund von Romanen aber der Buchtitel, der nicht nur mich an den Beatles Song aus dem Jahre 1965, welcher treffender Weise noch den Zusatztitel „This Bird Has Flown“ trägt, erinnert, hat mein Interesse geweckt, und als ich dann noch im Buchladen auf das folgende Zitat stieß, auch zum Lesen bewegt.

„Don’t feel sorry for yourself. Only assholes do that.“

Haruki Murakami, 2000: 248

Ich kann die gesamte Rubber Soul Platte der Beatles, auf der das Lied Norwegian Wood zu finden ist, wie auch das Buch, welches auf Deutsch den Titel Naokos Lächeln trägt, empfehlen.

„If you only read the books that everyone else is reading, you can only think what everyone else is thinking.“

Haruki Murakami, 2000: 31

Gerade zwischen den Jahren eine unterhaltende Lektüre und mit einigen Beatles Songs garniert bestimmt auch ein Anreiz, um später einmal nach dem Kinofilm zu suchen, der allerdings musikalisch von Jonny Greenwood untermalt wird.

John Lennon  &  Paul McCartney

„Taking crazy things seriously is – a serious waste of time.“

Haruki Murakami, Kafka on the Shore (2006: 338)

Frau mit Brille

Über Korruption 5 (4)

Beitragsfoto: Frau mit Brille | © Pixabay

Nach einer Schätzung des Internationaler Währungsfonds aus dem Jahre 2016 werden jährlich weltweit durch Korruption bis zu 1,75 Billionen Euro vernichtet. Dies schwächt nicht nur die globale, sondern auch die einzelnen Wirtschaften.

Gefährlicher aber ist, dass Korruption ganze Staaten destabilisiert und auch Demokratien schwer schädigt, indem das Vertrauen untereinander und den staatlichen Institutionen gegenüber aufgelöst wird. Damit ist Korruption wohl mit die staats- und gesellschaftsschädigendste Straftat überhaupt.

Auch wenn Deutschland aktuell einen guten 12. Platz beim wahrgenommenen Korruptionsniveau von 180 verglichenen Staaten im öffentlichen Sektor innehat, darf man die gesamtgesellschaftlichen Folgen von Korruption nicht unterschätzen.

Deshalb wundert es mich doch, dass zurzeit in Deutschland die Delikte der Vorteilsannahme nach § 331 StGB, der Bestechlichkeit nach § 332 StGB, der Vorteilsgewährung nach § 333 StGB und der Bestechung nach § 334 StGB bereits in fünf Jahren verjähren, § 78 Abs. 3 Nr. 4 StGB!

Hier muss unsere Politik endlich eindeutige Zeichen setzen und sowohl die Höchststrafen sehr deutlich erhöhen als auch in Folge davon, die Verjährungsfristen entsprechend verlängern, m. E. zumindest auf 30 Jahre. Ich halte es, die schwerwiegenden Folgen von Korruption betrachtend, sogar für gerechtfertigt, dass Korruption überhaupt nicht mehr verjährt.

„Corruption, infidelity, and stupidity in moderate doses are, like occasional wars, evidence of humanity.“

Robert D. Kaplan, The coming anarchy: shattering the dreams of the post Cold War (2000: 174)