Oxford

15.7.02026 4 (4)

Beitragsfoto: Postkarte

Idiotensicher

Man wird Leben nie voll und ganz absichern können und schon gar nicht für jene, die selbst nicht so richtig lebensfähig sind. Aber anstatt diese Menschen zu betreuen, baut man langsam aber sicher alles so um, dass es möglichst idiotensicher ist — was einfach nicht funktionieren kann.

Nehmen wir einmal einen Zaun an einer Bahnlinie. Dieser wird nie und nimmer hoch genug sein, um einen Idioten davon abzuhalten vor einen Zug zu laufen. Selbst Schranken an Bahnübergängen werden gerne umfahren oder umgangen, was nicht wirklich schlimm ist, solange nicht ein Idiot dabei vor einen Zug gerät.

Vielleicht wäre es gar keine schlechte Idee das Leben insgesamt wieder etwas entspannter zu sehen und nicht wirklich alles Mögliche und Unmögliche absichern zu wollen.

Nun muss ich mich aber hinter die Klausuren klemmen.

Wollhaus

Wieder einmal gibt es neue Pläne für das Wollhaus. Meine Vorstellungen dort wieder das Stadtbad, einen echten Busbahnhof und vielleicht sogar gepaart mit einer Veranstaltungshalle zu realisieren, um am südlichen Ende der Kernstadt ein städtebauliches Zeichen zu setzen, können einfach keine Mitstreiter gewinnen.

Der aktuelle Besitzer hat nun wohl einen oder auch gleich mehrere Investoren gefunden, die zwar nicht den vom Gemeinderat prämierten und vermeintlich auch umweltbewussten Ursprungsentwurf (war mir einmal einen eigenen Blog-Beitrag wert) umsetzen, dafür aber ein ganz neues Gebäude erstellen möchten — ohne Hotel.

„Im Zentrum der Neuausrichtung steht – anders als bei dem im Jahr 2023 vorgestellten Konzept – nun klar das Wohnen. Auf einer Fläche von etwa 30.000 Quadratmetern planen die Projektpartner rund 600 Wohnungen, überwiegend als Ein-, Zwei- und Drei-Zimmer-Wohnungen mit Wohnflächen zwischen etwa 25 und 65 Quadratmetern. Sie sind für vielfältige Zielgruppen wie Alleinstehende, Studierende, Paare, kleine Haushalte und Familien vorgesehen. Auch der ursprünglich als Hotel geplante Hochpunkt soll als Wohngebäude realisiert werden. Weiterhin ergänzen gewerbliche Nutzungen das Konzept: Auf den unteren Ebenen sind auf rund 6.000 Quadratmetern Flächen für Handel, Dienstleistungen und Gastronomie vorgesehen, ergänzt durch eine Markthalle als zentralen Anziehungspunkt zur Belebung des Quartiers. In der Tiefgarage sind zudem Stellplätze auf rund 10.000 Quadratmetern vorgesehen.“

kon-ii GmbH (15.7.2026)

Gespannt können wir darauf sein, was die Investoren unter Markthalle verstehen, ich vermute stark, dass es bei uns ein entsprechendes Schild erneut tun wird.

Laut Projektbeschreibung soll der in den 1970er-Jahren errichtete Gebäudekomplex, welcher über Jahrzehnte ein bedeutender Einkaufsstandort war, heute jedoch in weiten Teilen leer steht und sanierungsbedürftig ist, mit dieser Neuausrichtung schrittweise revitalisiert und langfristig zu einem urbanen Baustein für die Innenstadt mit Wohnen, Nahversorgung, Gastronomie und hoher Aufenthaltsqualität entwickelt werden.

Vermischtes

Gestern noch „Good Omens“ zu Ende gebingt. Mir hat’s gefallen. Sehr gut das Fazit der Serie: wenn man etwas zum Positiven verändern möchte, dann muss man vor Ort sein. Selbst dann, wenn es sich um einen Kampfgraben handelt. Wer nur in Parlamenten, Regierungen oder Vorstandsetagen sitzt, der verändert nichts, höchstens zum Schlimmeren. Mein Fazit: diese Serie sollte man bingen, wenn machbar, dann in einem Rutsch.

Kaum war ich gestern mit 93 Klausuren wieder zu Hause, lagen auch schon eine Rolling Stones Platte und eine Postkarte für mich bereit. Besser kann man sich für die anstehenden Korrekturen kaum in Stimmung bringen. Aber erst einmal die Bürokratie. Nach ein paar Abmeldungen im Vorfeld hätten weiterhin immer noch 100 Studenten schreiben müssen, tatsächlich sind noch 93 erschienen und blieben auch bis zum hoffentlich nicht bitteren Ende. Sieben Studenten können nun noch eine Entschuldigung liefern, ansonsten gilt diese Prüfung als verschenkt. Ab heute gucke ich mir die Klausuren im Detail an.

Apropos Verweigerung. Thomas Wiegold führt in einem Blog-Beitrag auf, wie hoch der Stand der Kriegsdienstverweigerung aktuell ist. Einzig spannend dabei ist die Aufzählung der Soldaten, die nun keinen Sinn mehr darin sehen, unser Land überhaupt noch zu verteidigen: im letzten Jahr waren es 170 und dieses Jahr sind es bereits 89 ehemalige Kameraden.

Seit 1945 wissen wir definitiv, dass wir uns nur im NATO-Rahmen jemals verteidigen werden können, denn die Anzahl der Schlümpfe ist in den anderen europäischen Ländern mit sehr wenigen Ausnahmen kaum niedriger. Und seit 1989 hat sich bei uns die Gesamtsituation nur noch verschlechtert.

Die einzige Hoffnung für uns Soldaten war, dass wir im Rahmen der NATO bestehen werden können; diese nimmt man uns aber immer mehr. Unsere Schlümpfe sehen dies selbstverständlich ganz anders, denn die müssen auch niemals selber zur Kasse treten. Die brauchen dazu nicht einmal den Kriegsdienst zu verweigern, da sie als systemrelevante Menschen von jeglicher Verpflichtung und Verantwortung freigestellt sind.

Die Postkarte kommt übrigens aus Oxford und wurde am 9. Juli 2026 in Swindon in einen Briefkasten geworfen — fünf Tage Laufzeit dürfte heutzutage akzeptabel sein. Absender ist meine Lieblingsschwester.


Siedler von Catan

Zerstreuung 5 (1)

Beitragsfoto: Brettspiel

Bevor ich mich wieder ab Montag voll und ganz mit meinen üblichen Routineaufgaben beschäftige und mich mit frischem Schwung ins neue Jahr stürze, habe ich mir einfach einmal ein Wochenende der Zerstreuung gegönnt. Hinzu kam noch, dass ich mich nach Wochen einer fortdauernden Männergrippe auch so langsam wieder halbwegs fit fühle. Und solange mein weiterhin anhaltender Schnupfen nicht wieder stärker wird, sind die Voraussetzungen für die kommenden Aktivitäten fast optimal.

Ein gestriger Spieleabend, der mir einen Sieg bei den Siedlern von Catan bescherte, dürfte mein persönlicher Höhepunkt eines durchaus erfolgreichen Zerstreuungswochenendes sein. Neu hinzu kam für mich noch das nächtliche Bingen einer britischen Krimi-Reihe, die mir erst jüngst empfohlen wurde. Eigentlich war ich einmal ein Fan von Krimis, bis mir das deutsche Fernsehen mit seinen Tatorten und sonstigen Unfällen das Krimischauen abgewöhnte. Aber noch heute gucke ich immer wieder gerne Verfilmungen von Agatha Christie Romanen, und meine bessere Hälfte bedauert immer noch, dass es keine Fortsetzung von Miss Fisher’s Murder Mysteries (2012-2015) gibt, die sie vor ein paar Jahren zusammen mit Ursula während eines Kalifornienaufenthaltes vom Anfang bis zum Ende angeschaut hat.

Mich hat nun die bereits seit 2012 (!) laufende Fernsehserie Endeavour vor den Fernseher gelockt. Diese Krimi-Reihe spielt in Oxford und beginnt 1965 und soll bis in die 1970er-Jahre reichen; ich finde ein gelungenes zeitliches Setting, weil es mich doch sehr an meine eigene Jugend erinnert. Die Serie basiert auf den Romanen von Colin Dexter und hat den jungen Inspektor Morse zum Protagonisten. Deshalb läuft sie auch in Deutschland unter dem Namen „der junge Inspektor Morse.“ Shaun Evans spielt dabei den Polizisten Endeavour Morse und ich finde, dies auch ganz gelungen. Nun bin ich einmal gespannt darauf, wie weit ich mit dieser Serie kommen werde und ob sie mir auch bis zum Ende gefällt.

Sollte dies der Fall sein, dann muss ich nicht wie meine bessere Hälfte bei Phryne Fisher, die übrigens vorzüglich von Essie Davis verkörpert wird, auf eine Forstsetzung warten, sondern könnte gleich die Krimi-Serie Inspector Morse weiterschauen, da diese bereits zwischen 1987 und 2000 gedreht wurde und wohl die eigentlichen Romane von Colin Dexter zur Vorlage hat; der ältere Endeavour Morse wird dabei von John Thaw gespielt.

Auf jeden Fall aber ist es in unserem Zeitalter sichergestellt, dass all jene, die Zerstreuung suchen, diese auch finden und dazu müssen sie nicht einmal mehr das Haus verlassen und etwa eine Bibliothek aufsuchen, sondern einfach nur noch den Fernsehapparat einschalten — schöne neue Welt.

„Wer täglich herumläuft und sich von Neuigkeiten nährt, wird fremd in seinem eigenen Hause; wer immer in Zerstreuungen lebt, wird fremd in seinem eignen Herzen, muß im Gedränge müßiger Leute seine tägliche Langeweile zu töten suchen, verliert endlich alle Zuversicht zu sich selbst und verzagt, wenn er einmal Zerstreuungen entbehren und eine Zeit lang mit sich selbst alleine sein muss.“

Adolph Freiherr Knigge, Über den Umgang mit Menschen (1878 [1788]: 64)