Weltuntergang

Gott, Tod und Chaos 5 (4)

Beitragsfoto: Weltuntergang | © Gerd Altmann auf Pixabay 

Eigentlich hätte ich heute Morgen bei meiner aktuellen Lieblingsbaustelle, gut 500 Meter Straßensanierung, die nach mehr als einem Jahr Bauzeit nun in die nächste Phase tritt, in eine mir bereits gut bekannte Umleitung überführt werden müssen. Da aber vor mir ein 38-Tonner fuhr und davor sogar ein Sechsachser, dachte ich kurz daran, dass die Verantwortlichen eine ganz neue Umleitung gewählt hatten, um womöglich die bereits stark belasteten Anwohner etwas zu entlasten. Was halt alles so geschieht, wenn jedes Dorf seinen eigenen Industriepark haben möchte.

Kurz darauf hingen wir in der Baustelle fest und ich konnte mit anschauen, wie sich gleich zwei größere Lastkraftwagen aus dieser Misere wieder herauswanden. Derweil stellten städtischen Bedienstete am Ort des offensichtlich fehlenden Umleitungsschildes einen Weihnachtsbaum auf. Insgesamt kostete mich diese Baustelle heute gut 30 Minuten Lebenszeit — Strategien gibt es nur zu Kriegszeiten, davor macht ein jeder, was er will und keiner, was er eigentlich soll.

Auf alle Fälle hatte ich heute sehr viel Zeit, um über Gott und die Welt nachzudenken. Nach einem kurzen Abschweifen zum Schienenersatzverkehr, der mir unterwegs ebenfalls verstärkt begegnete, bedauerte ich rein fiktiv jene Fahrgäste, die damit verkehren und nicht wissen, dass die Bahnverantwortlichen den eigentlichen Grund für den Schienenersatzverkehr, einen notwendigen Gleisbau, ebenfalls rein fiktiv nicht liefern konnten, da sie in all dem Trubel vergessen hatten, die notwendige Ausschreibung für den Gleisbau überhaupt zu erstellen.

Gemäß Genesis 1,2 war die Erde „wüst und leer“, es herrschte das Tohuwabohu. Gott schafft Ordnung aus dem Chaos (Gen 1,3 – 1,31) und wenn wir nun die heute allgemeingültige Auslegung verlassen, was durchaus etwas mit einer Umleitung zu tun haben kann, dann könnte man darüber sinnieren, ob Chaos und Gott nicht ein und dasselbe sind, das eine den anderen in sich trägt und auch wieder umgekehrt.

Was diese Überlegung nun noch etwas spannender machen könnte, wäre auch hierbei, den Tod an sich gleich mit ins Spiel zu bringen. Wie hängt der Tod mit beidem zusammen und könnte man vielleicht sogar von einer weiteren Dreieinigkeit sprechen? Damit stelle ich als Christ die Trinität nicht infrage, sondern begebe mich nur wieder auf eine weitere Umleitung.

Auf alle Fälle aber muss, wer unser Land heute überhaupt noch ein klein wenig verstehen möchte, die Mystik bemühen! Rein rational können wir uns unsere Welt schon lange nicht mehr erklären.

Und wenn ich schon bei der Mystik bin, muss ich sogleich noch an die morgige Vorlesung denken. Dieses Mal möchte ich über Personalmanagement sprechen, ein Gebiet, auf dem ich mich nicht nur in der Lehre bewege, sondern auch ein paar Jährchen Berufserfahrung mit beisteuern könnte. Wohl beides und zudem ein jeder für sich gute Gründe, um mir nicht zuzuhören; Genesis 2,17 lässt grüßen.

Nachtrag

Ganz passend dazu ein Artikel von Simon Lea im The Collector (16.11.2025) mit dem Titel „A Look Into Nietzsche’s Elitism and Anti-Education“.


Blitz

Mormonismus 5 (1)

Beitragsfoto: Glühbirne | Blitz | © Bild von PIRO auf Pixabay

Jeder kennt die jungen Menschen, die regelmäßig auf der Straße stehen und einen in tiefgründige Gespräche verwickeln möchten. In diesem Falle spreche ich nicht von jenen, die einem den Wachturm andrehen möchten und oftmals auch nicht mehr ganz so jung sind, sondern von jenen, die meist sehr adrett gekleidet mit einem amerikanischen Akzent für ihre Religion werben.

Bei einem meiner ersten etwas längeren USA-Aufenthalten fand ich mich in einer Mormonenfamilie ganz gut aufgehoben, stellte mir dann aber doch die Frage, was ich mit zwei oder mehr jungen Damen anfangen möchte, wenn ich schon mit einer einzigen nicht zurecht komme.

Seit dieser Zeit ist es mir aber immer wieder eine Freude, mit diesen jungen Menschen ins Gespräch zu kommen. Schon etwas länger frage ich mich, warum ich auch in Heilbronn immer wieder auf Mormonen treffe. Inzwischen weiß ich, dass es auch in Heilbronn eine entsprechende Gemeinde gibt.

Heute aber kamen wir im Zuge eines etwas längeren Gespräches auch auf den Mormonismus zu sprechen. Dabei tauchte erstmals die Frage auf, warum jeder von uns, wenn er auf missionierende Mormonen trifft, es immer mit US-Amerikanern zu tun hat?

Früher waren alle in Deutschland Missionierenden auch deutschsprachig, heute ist es mindestens einer von zweien, aber jeder gefühlt ein US-Amerikaner.

Wenn die Mormonen inzwischen weltweit zu finden sind, warum trifft man dann nicht zumindest ab und zu auf einen Chinesen oder Inder, zumindest aber auf einen Afrikaner, der für seine Religion wirbt?

Wir konnten heute keine Erklärung finden, vielleicht aber lüftet einer meiner Leser dieses Geheimnis.


Sterben

Leere 4.2 (5)

Beitragsfoto: Mann|© Tumisu auf Pixabay

Wenn man nach dem leersten Platz im gesamten Universum und darüber hinaus sucht, dann ist dies der göttliche Himmel. Wäre Gott nicht überall, dann wäre er dort sicherlich sehr sehr einsam.

Nach unserem Tod kommen wir, selbst wenn wir es wollten, nicht sofort in den Himmel. Denn dazu gibt es bekanntlich den Jüngsten Tag und dieser ist trotz mehrfachem Wunsch sehr fundamentaler Christen noch eine ganze Weile hin. Der immer wieder herbei geschworene Weltuntergang lässt noch ein paar Milliarden Jahre auf sich warten, selbst dann, wenn es die Menschheit vorher geschafft haben sollte, sich selbst in Gänze zu verabschieden. Manche meinen, dass es damit auch um Gott geschehen wäre, dies ist aber weiterhin nur eine Minderheitenmeinung.

Das Gute am Tod ist, dass es danach kein Zeitgefühl mehr gibt, vielleicht bis bei jenen, die an ein Fegefeuer glauben. Denn damit ist es für uns Menschen völlig egal, ob wir gleich nach der Schöpfung oder kurz vor dem Jüngsten Tag gestorben sind. Und für jene, die zwischenzeitlich in einem Fegefeuer sitzen sollten, die dürften etwas beruhigt sein, denn über eine lange Zeit mit den eigenen Gedanken alleine sein zu müssen, ist sicherlich Strafe genug.

Die Alten Ägypter hatten da noch einen anderen Weg und nahmen Proviant auf ihre Zeitreise mit. Wir Christen glauben zum großen Teil daran, bis dahin auf einem Gottesacker verweilen zu können — Sarg oder Urne sind dabei völlig ausreichend.

Und wer kommt nun in den Himmel? Sicherlich jene, die daran glauben, selbst wenn sie darauf noch eine ganze Weile warten müssen. Wer aber kommt in die Hölle? Wohl auch nur jene, die daran glauben und m. E. dann zusätzlich und unbedingt darauf bestehen.

Also wohl eher nichts mit einer Strafe nach dem Leben. Es sei denn, man wird nach seinem Tod mit den eigenen Gedanken alleine gelassen. Und sollten diese keine guten sein, dann dürfte dies eine sehr unangenehme Sache werden. Und so rettet einen hierbei auch nur der Wegfall der Zeit; im Endeffekt selbst dann, wenn man nur gute Gedanken haben sollte.

Was bleibt, ist somit das Glück des Vergessens und Vergessenwerdens — die Leere nach einem möglichst erfüllten Leben.

Apropos Strafe, die Alten Ägypter waren hierbei etwas fortschrittlicher als wir, denn diese sorgten dafür, dass „die Bösen“ nach ihrem Tod vergessen wurden, buchstäblich aus der Geschichte ausradiert. Als ob es diese Menschen nie gegeben hätte.

Bleibt die Frage, ob es jene gab, über die wir heute noch lesen können. Oder die Frage, ob es jene gab, an die wir uns selbst noch erinnern können? Oder gar die Frage, ob es die Menschen außerhalb von uns gibt? So ganz genau dürften wir auch dies nicht wissen.

Viele von uns dürften sich solche Dinge erst gar nicht fragen, sie sind einfach da — auf alle Fälle aber nie sehr lange.

Was bleibt ist die Leere und die dürfte auch das sein, von dem es am meisten gibt. Und so sind auch all jene Versuche, beständig alles mit irgendetwas füllen zu wollen, ohne Erfolg.

Manche suchen deshalb von Anfang an und ganz bewusst nach der Leere.