Heilbronner Rathaus in Acryl von Wolfgang Loesche

Demokratie 0.8 5 (13)

Beitragsfoto: Heilbronner Rathaus in Acryl von Wolfgang Loesche

Das muss man sich erst einmal auf der Zunge zergehen lassen, da sitzen kurz vor der Wahl und wieder einmal viel zu spät im Heilbronner Rathaus unter Leitung des OB ein paar ältere Herren in einem stillen Kämmerlein beisammen und beschließen für Heilbronn, wie der Gemeinderatswahlkampf stattzufinden hat.

Neben dem OB gehören zu diesem erlauchten Kreis, der sich ab und zu auch „Ältestenrat“ nennt, Rainer Hinderer von der SPD, Thomas Randecker von der CDU, Holger Kimmerle von Bündnis 90/Die Grünen, Dr. Raphael Benner von der AfD und Nico Weinmann von der FDP. Damit befinden sich übrigens die Dr. Hans Hoffmann-Versteher eindeutig in der Mehrheit, was, wie wir es nun sehen können, auch auf unsere heutige Demokratie Auswirkungen hat.

Als diese alten weißen Männer nun zusammensaßen, um über Wohl und Wehe des kommenden Gemeinderatswahlkampf zu Gericht zu sitzen, wobei man hier ganz 0.8 demokratisch genau die darüber beschließen ließ, die am meisten von ihren eigenen Beschlüssen profitieren werden und dies auch noch in einem „abgedunkelten“ Raum irgendwo im Rathaus unter Ausschluss der Öffentlichkeit ohne Beteiligung eines vom Gesetz vorgesehenen Wahlausschusses, hatten manche am Wahlkampf beteiligten Parteien und Wählergruppen bereits längst, wie die Jahre zuvor auch, ihren Wahlkampf vorbereitet und sämtliche Wahlkampfmaterialien beschafft.

„Der Wahlausschuss ist das Gremium, das für die Vorbereitung und Durchführung einer Wahl zuständig ist. Dabei kontrolliert der Wahlausschuss alle Schritte der Wahl und verkündet das Wahlergebnis. Mitglieder des Wahlausschusses dürfen sich nicht als Kandidat einer Wahl aufstellen lassen. Weitere Grundlagen für die Bestellung eines Wahlausschusses finden sich in der jeweiligen Wahlordnung, Satzung oder dem geltenden Gesetz.“ 

Polyas

Und wie bereits hier im Blog geschrieben, ist nun alles das verboten, was uns Freie Wähler 2019 zum Erfolg führte.

Es lebe die Heilbronner Demokratie und Hans Hoffmann grinst uns alle an!
Derweil dreht sich Theodor Heuss auf dem Stuttgarter Waldfriedhof im Grab herum.

„Was hat Heilbronn mir gegeben? Demokratie als Lebensform. Das ist das Erbe dieser Stadt. Und was heißt Demokratie als Lebensform? Doch nur dies: dem Menschen, gleichviel wer er sei und woher er käme, als Mensch zu begegnen.“

THEODOR HEUSS, SO ZITIERT IM MUSEUM IN BRACKENHEIM

Drei Kreuze

10.4.02024 5 (8)

Beitragsfoto: Kreuze | © Gerd Altmann auf Pixabay

Zwiebelrostbraten

Der Zwiebelrostbraten gehört einfach mit zu unserer regionalen Küche und wir können stolz darauf sein, dass auch die Wiener den Zwiebelrostbraten in ihr Repertoire mit aufgenommen haben. Wer allerdings als dessen Urheber gilt, kann ich nicht sagen, nur so viel, dass man ihn bei uns zusammen mit Spätzle ißt, oder, wenn es kein volles Essen mehr sein soll, zusammen mit Brot, aber auf alle Fälle mit mehr als ausreichend Soße versehen.

Schon zu meiner Jugend war der Zwiebelrostbraten eines meiner Lieblingsgerichte. In den 1970er- bis Anfang der 1980er-Jahre gab es den besten Zwiebelrostbraten in Donnbronn. Später dann war für mich jener beim Hessersbeck der beste Braten der Stadt, was von den meisten Europastammtischlern ebenfalls so gesehen wurde.

Inzwischen gibt es den besten Zwiebelrostbraten im Ratskeller und seit gestern ist das Backstüble zumindest bei mir mit im Rennen. Beide Zwiebelrostbraten lassen keine Wünsche übrig und der bessere Braten wird wohl von der jeweiligen Auswahl des Fleisches abhängen. Wer das Backstüble noch nicht kennen sollte, dem empfehle ich einmal einen Besuch.

Stammtische

Anfangs eines jeden Monats treffe ich mich mit Gleichgesinnten zu Stammtischen. Der Europastammtisch findet inzwischen und dies ohne eine Unterbrechung seit zwei Jahrzehnten statt. Dieser Stammtisch zeichnet sich dadurch aus, dass er die gesamte Bandbreite des demokratischen Spektrums abdeckt. Dies könnte erklären, warum er über die Jahre hinweg bestand und auch weiterhin besteht.

Die Themen sind dabei nicht nur tagesabhängig, sondern hängen zudem mit den Interessen der jeweiligen Teilnehmer zusammen. Manchmal verläuft der Stammtisch ruhig und völlig entspannt, manchmal aber auch kontrovers und für alle Teilnehmer sehr fordernd. Das Erfolgsrezept dürfte dabei die gesunde Mischung sein.

Beim gestrigen Europastammtisch wurde ein altbekanntes Thema erneut aufgegriffen, nämlich die Berufspolitik. Dabei wurde über die Auswirkungen diskutiert, die einzig und alleine der Tatsache geschuldet sind, dass manche Mitbürger ihre gesamte Existenz auf einem Wahlamt aufbauen. Über sämtliche Parteigrenzen hinweg kamen alle Anwesenden zu der Überzeugung, dass dies für jede Demokratie der falsche Weg ist! Kurz wurde darüber diskutiert, warum sich unsere Republik überhaupt hin zu einem Berufsdemokratentum entwickelt hat, dann aber suchten alle Diskutanten unisono nach tragfähigen Lösungsmöglichkeiten, um uns Bürgern die Demokratie in Gänze zurückzugeben — unabhängig davon, ob wir es tatsächlich wollen oder auch nicht.

Am einfachsten wäre es, wenn wir sämtliche politischen Wahlämter auf zwei Wahlperioden begrenzen. Die Teilnehmer kamen im Gespräch zu der Überzeugung, dass dabei die Vorteile die Nachteile überwiegen und dies vor allem anderen unserer Demokratie wieder ganz neuen Schwung verleihen könnte.

Ich gelange diesbezüglich zu der Überzeugung, dass alle Politiker, die ihre Existenz von einem Wahlamt abhängig — unabhängig von der eigenen Moral und Kompetenz — machen, im Endeffekt zu Totengräbern unserer Demokratie werden.

Stelen

Kaum sind die ersten Stalinstandbilder in Osteuropa gefallen, schon wird es bei uns en vogue, dass sich nicht nur Unternehmer im öffentlichen Raum — ein Heilbronner brachte sich bereits vor dem Haus der Geschichte mit ehemaligen deutschen Kaisern in Verbindung — Standbilder setzen, sondern auch die Berufspolitik mit ähnlichen Machtsymbolen zu glänzen beginnt.

Vor kurzem bekannte sich noch ein wenig erfolgreicher Kanzlerkandidat als Enkel Karls des Großen und bereits gestern erhält bei uns ein weiterer Unionspolitiker schon eine eigene Stele; dies aber nicht etwa auf dem Friedhof, wo es vielleicht sogar noch angebracht wäre, es muss schon die Hauptstraße vor einem Rathaus sein.

Wenn wir jetzt nicht aufpassen, dann lässt die Union bald selbst die Kreuze in den Kirchen entfernen, um einen Markus Söder dort in voller Pracht glänzen zu lassen — statt Nägeln gibt es allerdings Handschellen und Fußfesseln von Armani.

Ganz dem Lokalpatriotismus verpflichtet, folgen ihm bestimmt weitere Unions-Größen. Die ersten Politiker laufen sich in Heilbronn schon warm; was übrigens den Besuch von Wolfgang Bosbach erklären könnte.


Döner

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Beitragsfoto: Döner | © Alexander Fox | PlaNet Fox from Pixabay

Ausblick

Morgen am 4. April 2024, kann die NATO ihr 75. Jubiläum feiern. 1949 gründeten zwölf Staaten das nordatlantische Verteidigungsbündnis, einer der ersten Versuche, um Europa und die westliche Welt zu einen. Inzwischen umfasst das Bündnis 32 Mitgliedstaaten, die alle zusammen den Westen und dabei ganz besonders die freien Teile Europas weiterhin vor der seit über 75 Jahre andauernden russischen Aggression schützen.

Geeint ist die NATO unschlagbar und kann immer noch dafür sorgen, dass die größten Teile der Welt friedlich zusammenleben können. Allerdings besteht heute die sehr große Gefahr, dass die NATO von innen heraus zerbricht. Nicht nur ein Donald Trump will sie zerstören, auch in Europa, den größten Nutznießern dieses Verteidigungsbündnisses, gibt es immer mehr Mitbürger, die sich nach dem Ende der NATO sehnen und tatkräftig darauf hinarbeiten. Viele davon möchten noch zu Ende bringen, was ihnen damals im „Heißen Herbst“ nicht gelungen ist.

Und schon damals war es eindeutig, wer gegen die NATO ist, ist nichts anderes als ein Kriegstreiber.

Eisenbahn

Das Süddeutsche Eisenbahnmuseum in Heilbronn, welches jeden Besucher von den Zeiten träumen ließ, als es bei uns noch pünktliche Bahnen gab, ist demnächst ebenfalls Geschichte. Auf alle Fälle liegt das ehemalige Bahnbetriebswerk in bester Lage, was sicherlich für jeden Investor eine gute Gelegenheit zum Geldverdienen ist, wäre da nicht der unter Denkmalschutz stehende Ringlokschuppen mit funktionierender Drehscheibe.

Und so können wir alle einmal sehr gespannt darauf sein, wie sich das Böckinger Zentrum weiterentwickeln wird. Zumindest der „Park“, der sich in Verlängerung des ehemaligen Bahnbetriebsgeländes befindet, soll dereinst zu einer weiteren Begrünung unserer Stadt führen.

Und so könnte eine in der weiten Ferne liegende Landesgartenschau uns einmal dazu verhelfen, dass es doch noch zu einer Lösung für das gesamte Viertel kommt. Was dem Süddeutschen Eisenbahnmuseum allerdings jetzt nicht weiterhilft.

Döner

Man mag von Dönern selbst halten, was man möchte, dennoch erstaunt es doch ein wenig, wie viel Tamtam die Heilbronner Stimme bei jeder Neueröffnung einer Dönerbude — und dann wieder bei deren Schließung — darum macht. Man könnte fast meinen, dass für die jeweiligen Redakteure Döner-Läden das Tadsch Mahal der Haute Cuisine sind.

Könnte aber auch sein, dass inzwischen die Dönerias nicht nur das Nonplusultra der Heilbronner Gastronomie, sondern auch noch die neuen Tempel der lokalen Kaufmannskunst sind. Und dies noch vor den zahlreicheren Nagelstudios und Haarentfernungsläden jeglicher Art.

Dabei könnten doch die neuen und immer zahlreicheren Automaten-Shops schon jetzt ein gutes Beispiel für die innovative Start-Up-Kultur in unserer Stadt werden; wobei die traditionelle Stadtkultur mit Besen, Tätowier-Läden und Hanf-Shops weiterhin sehr gerne gepflegt wird — zumindest in diesem Bereich hat Heilbronn Weltstadt-Charakter.

Erschreckend ist dabei nur, dass die Heilbronner Stimme-Redakteure diese Großstadterfolge zwar gerne bis hin zum Exzess feiern und sich dann aber sogleich wieder fragen können, warum den Heilbronner Hochschulen und Universitätsablegern nicht nur Professoren, sondern auch Studenten fehlen, denn woher sollen die denn alle kommen? Sicherlich nicht aus unseren Schulen!

Und so sollte sich kein Mensch mehr darüber wundern, dass man in der Stadtverwaltung inzwischen davon ausgeht, dass ein Plan nur dann gut ist, wenn er jahrzehntelang nicht aktualisiert wurde oder man dort nur zur eigenen Höchstform aufläuft, wenn es um das Abgreifen von Transferzahlungen geht.

Kurz und knapp: Heilbronn hat ein immenses Bildungsdefizit und kann als gutes Beispiel dafür dienen, dass ein zu üppiger Sozialstaat Menschen verdummt.

Was sehr viele nicht stören dürfte, denn wenn man bei uns nicht in der Stadtverwaltung unterkommt, eröffnet man einfach eine Dönerbude — das geht immer.