San Sebastian

13.8.02026 5 (3)

Beitragsfoto: Postkarte

Social Media

Beim Verbot der Social Media ist es ähnlich wie bei der katholischen Kirche mit deren Masturbationsverbot; man könnte auch gleich die Dummheit verbieten wollen. Dennoch, Verbote waren schon immer für sehr viele Mitbürger so richtig attraktiv [einmal nett ausgedrückt] — klappt bei uns in Deutschland immer, außer bei der AfD.

Da auch andere Nationen ähnliche Herausforderungen und ähnlich problematische Bevölkerungen haben, hagelt es dort schon etwas länger an entsprechenden Verboten, wo sich unsere Bürokratie noch fragt, wie man eigentlich das Wort Verbot richtig gendert.

Sebastian Meineck von netzpolitik.org zieht für Australien nun eine Zwischenbilanz: „In ihrer öffentlichen Kommunikation richtet die Aufsichtsbehörde den Fokus nicht auf diese ernüchternden Zahlen, sondern auf das Prinzip Hoffnung … Vom Scheitern der Maßnahmen will die Aufsichtsbehörde offenkundig nicht sprechen. Aber auch von einem Erfolg ist keine Rede.

Ich verzichte nun schon etwas länger auf SM und fühle mich tatsächlich besser dabei. Einen anonymen Account habe ich noch, einzig um bei Bedarf dem Verbandsgeschehen folgen zu können. Nur wer eine zeitlang ganz weg von der Spritze ist, kann feststellen wie schädlich Drogen tatsächlich für einen sind. Diese Erfahrung muss allerdings jeder für sich selber machen.

Weinberge

Seit Jahrzehnten gibt es auch ein Problem im Weinbau, denn es wird schon lange zu viel und immer mehr Wein angebaut. Hinzu kommt noch, dass immer weniger Wein getrunken wird. Was in einer funktionierenden Marktwirtschaft dazu führen würde, dass unrentable Weinberge aufgegeben werden. Wir versuchen hingegen weiterhin den Sozialismus hochzuhalten und retten auch die unrentabelsten Weinberge auf Teufel komm raus — selbst der Natur- und Umweltschutz muss inzwischen als Argument herhalten.

Man könnte bei uns auch die Weinberge renaturieren und dafür sorgen, dass das Kleinklima vor Ort wieder besser wird. Erst sündhaft teuer Wein zu produzieren und diesen dann in Industriealkohol umzuwandeln passt nicht so recht.

Aber auch hier wird uns die Realität einholen. In unseren Weinbergen scheinen die Brachflächen mittlerweile doch zuzunehmen — trotz eines jahrzehntelangen politischen Verschleppens! Unvorstellbar was man hätte alles seit den 1970er-Jahren bis heute erreichen können. Wahrscheinlich fliegt unser Gemeinderat in Kürze nach Südamerika oder in andere berühmte Weinbaugebiete, um sich vor Ort kundig zu machen.

Das Tragische an der ganzen Sache ist, dass wir diese Entwicklung ebenfalls bereits schon in den 1970er-Jahren aufgezeigt bekommen haben und wie bereits unsere Vorgänger auch, in all den Jahrzehnten nur darauf hofften, dass das Nichtstun ausreicht, um selbst noch über die Runden zu kommen. Jetzt sieht es ganz danach aus, dass unsere eigenen Enkel ohne Wenn und Aber die gesamte Zeche zahlen müssen — aber auch dies ist uns in Masse Scheiß egal! Hauptsache, der Lemberger knallt so richtig rein.

Passend dazu, dass ich mich in wenigen Minuten zu einer Geburtstagsfeier aufmachen werde, die das Geburtstagskind standesgemäß in einem Besen feiert — hoffentlich haben die dort wenigstens einen guten Lemberger.

Vermischtes

Kaum vom Schwimmen zurück und einen ganzen entsprechenden Blog-Beitrag im Kopf, fand ich eine Postkarte von Thomas Aurich im Briefkasten und meine kleine Welt war wieder halbwegs in Ordnung.

Gerade hatte ich mich wieder an unser eigentlich wunderbares Freibad gewöhnt, da bekam ich erneut die Realität zu spüren. Ich nahm die dritte Bahn, jene in der die älteren Schwimmer ihre Runden ziehen und konnte mich dabei ganz gut mit den weiteren Schwimmerinnen arrangieren. Meine bessere Hälfte nahm die erste Bahn, weil sie noch daran glaubt, dass man in Heilbronn Sport betreiben kann — Hindernisschwimmen ist allerdings Militärsport. Und so zog ich in Ruhe ein paar Bahnen und konnte dabei ein älteres Pärchen, welches sich beim Petting an die Wellenbrecher klammerte, beobachten. Selten schlucke ich noch Wasser, heute vor lauter Lachen eine ganze Menge. Alleine wegen der Heftigkeit dieser beiden tippe ich auf Zufallsbekanntschaft. Ich hätte in diesem Augenblick fast alles für eine Google-Brille gegeben, das Video auf Renter-Porn gestellt und wäre in meinem Alter sicherlich noch Klick-Weltmeister geworden.

Nach den Runden wartete ich am Beckenrand und genoß die Hindernisbahn meiner besseren Hälfte. Eine alte Dame spazierte in der Bahn herum, ein paar unbeaufsichtigte Kinder versuchten sich im Schwimmen, eine richtig Fette schwamm einfach so auf und ließ sich von den Wellen treiben, erregte sich dabei etwas, wenn ein Schwimmer an ihr vorbeizog, und ein Familienvater versuchte seiner Frau das Schwimmen beizubringen. Neben meiner besseren Hälfte noch eine weitere Schwimmerin in der Bahn. So sieht der Leistungssport in Heilbronn tatsächlich aus!

Auch, und die von mir kürzlich noch so gelobten Schwimmmeister, tratschten untereinander und strengten sich fürchterlich beim Weggucken an. Wahrscheinlich war es jene Crew, die zum Retten erst das Becken leer pumpen muss — was ich nicht weiß, das macht mich nicht heiß! Genau das ist das Heilbronner Problem mit den städtischen Angestellten, wo die inkompetenten Exemplare alleine zum Weggucken bezahlt werden, ok, manchmal auch einfach nur zum Bürger schikanieren. Und diese untätigen wie unnützen Zeitgenossen versauen das Renommee von weit über 3 000 städtischen Angestellten.

Thomas Aurich verschickte seine Karte bereits im Juli diesen Jahres, was einer Laufzeit von mindestens zwei Wochen entspricht. Unsere Gemeinderäte machen in Kürze wieder einmal eine Bädertour, um sich Schwimmbäder in anderen Städten anzuschauen. Besser wäre es, sie würden sich einmal um die eigenen Schwimmbäder kümmern, aber was weiß ich schon von Politik!

Ich kenne den einen oder anderen Gemeinderat, die sich bereits seit Jahren im Rentenalter befinden und einfach nicht loslassen können. Der mir genannte Grund ist simpel wie einleuchtend, denn wo sonst gibt es solch gute und dazu noch sehr gut betreute Rentnerfahrten, die zudem nichts kosten.

Das ins Feld geführte Argument, unsere Gemeinderäte müssten sich doch vorab kundig machen, um fach- und sachgerecht entscheiden zu können, lasse ich nicht gelten, da diese seit Jahren nur das entscheiden und tun, was die Dieter Schwarz Stiftung gerne hätte.


Fediverse Reactions
The Länd

27.7.02026 5 (6)

Beitragsfoto: The Länd ist überall

Hertenstein

Die weniger interessierten Mitbürger werden bisher weder etwas von Hertenstein noch etwas von den Europäischen Föderalisten gehört haben. Für mich ist dies bei jenen, die Politik studieren oder gar mit der Politik ihren Lebensunterhalt bestreiten der Lakmustest schlechthin.

Aber auch jene, die sich mit der Europäischen Idee beschäftigen, entfallen deren Jubiläen sehr gerne. Für uns Föderalisten ist dieses Jahr ein besonderes! 80 Jahre Hertensteiner Programm. 80 Jahre UEF, 80 Jahre EUD und auch 80 Jahre EUROPA-UNION Heilbronn; zufällig darf ich bereits ein Viertel dieser Zeit deren Vorsitzender sein.

Mit dem Europa-Ball in der Harmonie hatten wird dieses „Festjahr“ begonnen. Leider stoßen unsere Feierlichkeiten auf zu wenig Resonanz bei unseren Mitbürgern. Sehr erfreulich, dass zumindest die GEMA Verständnis für unsere Situation und sich uns gegenüber sehr zuvorkommend verhalten hat — hier muss man die GEMA einfach auch mal loben! So schnell wird es in Heilbronn allerdings keinen Europa-Ball mehr geben. Mein kleiner Trost dabei, auch Manfred Weinmann ist damit zuvor bereits glorios gescheitert. Und er kannte uns Heilbronner wesentlich besser als es mir jemals gelingen wird.

Am 19. September 2026 gibt es nun die inzwischen zehnten Hertensteiner Gespräche, die wie geplant 2028 nach insgesamt zwölf Jahren intensiver Diskussionen ein erstes Ergebnis liefern sollen. Wir überlegen uns, wie wir die 80 Jahre-Feierlichkeiten am besten in die 10. Hertensteiner Gespräche mit integrieren können.

Inzwischen haben sich bereits sehr interessante, fachkundige und engagierte Föderalisten zu den Gesprächen angemeldet, wie immer kommen diese dabei aus allen Ecken Europas nach Heilbronn. Mit bereits über 60 angemeldeten Teilnehmern sind wir auf einem guten Weg, um tatsächlich die Obergrenze des Machbaren erreichen zu können. Meine Erfahrung zeigt mir, dass maximal 120 Menschen produktiv mit- und untereinander diskutieren können; was alleine schon 7 140 Kommunikationskanäle (kleiner Insider) öffnet.

Das Gute, wir haben doch so einige Gesprächsprofis mit dabei, die die gemeinsamen Diskussionen sicherlich sehr erleichtern werden und zudem wieder eine ganze Reihe an sehr fach- und sachkundigen Impulsgebern. So erwarten wir erneut sehr spannende und informative Gespräche rund um Europa, wovon jeder Teilnehmer profitieren wird. Intensiver wird man wohl kaum an einem anderen Ort über europäische Themen diskutieren können — das Europäische Parlament einmal ausgenommen.

Landesversammlung

Wir fuhren bereits am Freitag in den ländlichen Raum, wobei dies im Ländle gar nicht anders machbar sein dürfte, vielleicht einmal abgesehen von den Industrien um Mannheim und Ludwigshafen herum.

Am Veranstaltungsort angekommen, befanden wir uns in einer Gegend, in der sich besonders Rentner wohlfühlen. Wir fanden uns sofort vor Ort zurecht, hatten wir den Veranstaltungsort zuvor bereits erkundet. Nachdem wir die Veranstaltung vorbereitet hatten, wobei sich die lokalen Föderalisten mehr als vorbildlich einbrachten, hatten wir ausreichend Zeit, um die Gegend etwas näher zu erkunden. Etwas jünger hätten wir sicherlich die Therme aufgesucht, so war der Kurpark unser Ziel: Entspannung pur.

Auffällig, die etwas esoterische Atmosphäre des Parks. Erstaunlich wie sich bei uns Aberglauben und eine Globulikultur halten können — die meisten von uns sollten inzwischen im 21. Jahrhundert angekommen sein. Aber bereits vor Otto von Bismarck wusste man zu berichten, dass sich die Welt auf dem Land etwas langsamer dreht.

Abends testeten wir das Restaurant, welches am Folgetag für das Catering ausgesucht worden war. Bis auf das Eis in Eigenvermarktung eindeutig Sterneniveau — Chapeau an die Küche! Ich war nun gespannt auf den Folgetag.

Die Landesversammlung selbst sehr friedlich, was sicherlich der Gesamtsituation geschuldet war. Auch die Verbandsjugend war als solche vertreten; in Zeiten der Inklusion ein Anachronismus. Wir Heilbronner waren dieses Mal diplomatisch unterwegs und teilten unsere beiden etwas jüngeren Delegierten entsprechend auf.

Ich wurde gebeten, einen Workshop zum Thema Geopolitik anzubieten. Überraschenderweise kamen mehr Interessierte als gedacht. Das anschließende Feedback positiv. Für mich allerdings wie zu erwarten ernüchternd, was unser eigenes Verbandsdilemma wieder einmal ganz gut widerspiegelte: wie möchte man Europa einen, wenn man sich nicht einmal selbst einigen kann?

Der gemeinsame Abend erwartungsgemäß gut. Das Essen das Beste, das ich bei allen bisherigen Gremientreffen der Europäischen Föderalisten genießen durfte; sogar die Tapas in Barcelona mussten davor kapitulieren.

Am Folgetag gab es Delegiertenwahlen, welche für die EUROPA-UNION Heilbronn geplant gut verliefen. Wir konnten gleich zwei jüngere Mitglieder in die Verbandsgremien einbinden.

Achtung: die Verbandsarbeit findet weiterhin vor Ort statt! Gremienarbeit ist ein notweniges „Add-on“, aber kein Ersatz! Wer dies nicht berücksichtigt, der schadet dem Verband insgesamt.

Vermischtes

Mein Tipp an Blogger. Wenn mir etwas egal ist, dann schreibe ich doch nicht gleich auch noch einen ganzen Blog-Beitrag (Google-Rezensionen) darüber; so egal kann es dem Blogger dann doch nicht sein.

Nachdem ich nun einen größeren Abstand zu den Social Media gewonnen habe, musste ich am Wochenende doch wieder einmal in ein solches hineinschauen und war dabei sehr erstaunt. Mein erster Eindruck: digitale Selbstbefriedigung. Muss man einfach nicht haben. Und so bin ich nun noch bestärkter darin, dass Blogs weiterhin die bessere Kommunikationsform sind.

Zwischen etlichen Rechtsanwaltsterminen, was man halt so macht, damit es einem nicht langweilig wird, doch ein paar erbauliche Gespräche. Leider musste damit aber auch meine heutige Fahrt mit dem meseno-Bus entfallen.

So ganz nebenbei gab es dann doch Reaktionen von Studenten, die die letzte Klausur nicht bestanden haben. Auch wenn ich bereits vorher bekanntgebe, dass eine Klausureinsicht kein Basar ist, wo man um Noten und Punkte feilscht, wird es doch immer wieder versucht. Und so muss ich doch noch einmal im kommenden Semester an die Hochschule. Und wie immer stellt man dabei fest, dass die Studenten keine Klausureinsicht nötig gehabt, wenn sie sich nur ein klein wenig mehr vor der Klausur interessiert hätten. Bei mir erweckt dies den Eindruck, dass man gerne das Pferd von hinten aufzäumen möchte.


Blogger

30.5.02026 5 (5)

Beitragsfoto: Blogger | © cottonbro studio auf Pexels

Zwischenstand

Nun ist es schon ein paar Tage her, dass ich mich gänzlich aus den Social Media zurückgezogen habe. Auch habe ich jene Blogs ad acta gelegt, die eher von einer KI geschrieben werden als dass sie die persönliche Meinung eines Menschen widerspiegeln. Was automatisch zur Folge hatte, dass ich auch Abstand von den „Meta-Blogs“ nahm. Und dies hat mein Internet schon jetzt um einiges entspannter gemacht. Allerdings habe ich weiterhin mit den Nachwehen zu tun. Es wird wohl noch eine ganze Weile dauern bis ich wieder völlig genesen bin.

Was die Vereinsarbeit angeht, versuche ich Mitglieder für die Betreuung von Social Media Kanälen gewinnen zu können. Was kein Widerspruch an sich, sondern nur der Tatsache geschuldet ist, dass Menschen durchaus mehrere Baustellen beackern können. Dass die Social Media nicht meine Baustelle sind, weiß ich inzwischen ganz genau, auch dass ich diese eigentlich nur zu Werbezwecken nutzte. Und so baue ich nun darauf, dass es Menschen gibt, die beides miteinander verbinden ohne dabei Schaden zu leiden, vielleicht sogar für sich einen Nutzen daraus ziehen können.

Manche Aufreger gehen nun völlig an mir vorbei, was mir dabei leider aber auch die echten Aufreger nun viel deutlicher vor Augen führt. Social Media dienen wohl für viel zu viele Mitmenschen als reiner Religionsersatz, sozusagen als Opium fürs Volk. Gepaart mit billigsten Medienerzeugnissen von Presse, Funk und Fernsehen schaffen sie es, dass wir Menschen nun tagelang auf einen toten Buckelwal starren anstatt uns Gedanken darüber zu machen, was für Auswirkungen alleine nur der Klimawandel für uns Menschen insgesamt hat.

Und sobald doch ein paar Bürger einmal nachzudenken beginnen, gibt es im ÖRR eine neue Serie über deutsche Königshäuser und alles ist wieder in bester Ordnung.

Unsere Welt ändert sich zwar beständig, dennoch aber bleibt alles gleich!

Wohl deshalb haben liberale politische Konzepte bei uns schon lange keine Chance mehr. Wir haben uns eine Blase geschaffen, die uns ganz gut als Weltersatz dient — so lange sie nicht platzt.

Vermischtes

Völlig überraschend war meine Enkelin gestern auf der Durchreise und so konnte ich deren Entwicklung kurz bestaunen. Erfreulich, dass sie nicht einfach winkend an Heilbronn vorbeigefahren ist, wobei, sie lässt sich bisher noch fahren.

Gestern gab es zur Entspannung ein wenig Gartenarbeit. Auch nehmen die ersten Klausuraufgaben so langsam Gestalt an.

Das vermeintliche Ende des Orbanismus wird nicht nur weiterhin angezweifelt, sondern man fragt sich zudem, wie es überhaupt zu seiner Abwahl kommen konnte. Masha Gessen versucht sich in der New York Times an einer Erklärung. Bereits nach 702 Kommentaren wurde diese Funktion abgeschaltet.

Als ich vor ein paar Jahren gegen Victor Orban in Budapest demonstrierte, dachte ich nicht daran, dass solch eine Wendung überhaupt möglich sei. Als ich dann bei einem weiteren Besuch völlig überraschend in einen Naziaufmarsch gelangte, wobei deutsche Mitbürger in SS- und SA-Uniformen mit lokalen Polizisten untergehakt abfeierten, hatte ich jegliche Hoffnung verloren. Vielleicht aber war dieses bunte Treiben selbst dem konservativsten Ungarn doch etwas zu viel.

Masha Gessen meint: „In other words, Hungarians seemed to see the damage that Orbanism had done to the nation as more important than any harm they felt they had suffered as individuals.“ 

Was im Rest Europas wohl dazu führen wird, dass sich die Totalitaristen bei ihren öffentlichen Auftritten nun doch etwas zurückhalten werden, zumindest so lange bis sie überall fest im Sattel sitzen und dabei die Sicherheitskräfte insgesamt voll und ganz im Griff haben; schlimm, dass selbst Nazis aus ihren Fehlern lernen können.

Rundschreiben

Mein monatliches Rundschreiben ging heute Morgen raus. Man hat mich gebeten, meine Meinung zur aktuellen Lage kundzutun. Einer Bitte, der ich gerne nachkomme. Und wenn ich schon einmal dabei bin, stelle ich dies auszugsweise ebenfalls hier ein.

Unsere Welt dreht sich weiter und an Neuigkeiten mangelt es sicherlich nicht. An den Krieg in der Ukraine haben wir uns bereits gewöhnt und wir dürfen froh sein, dass er noch nicht weiter eskaliert. Neu ist der Krieg im Iran, der sich ebenfalls länger hinziehen wird als vom Angreifer vermutet. Was mir zeigt, dass heutzutage selbst bei existentiellen Entscheidungen kaum noch auf Expertise zurückgegriffen wird. Wissenschaft und Handwerk wurden einfach durch Gefühle gepaart mit großen Worten ersetzt.

Jüngst haben sich die Spanier eindeutig für die Europäische Union ausgesprochen und ihren Beitritt als unumkehrbar bezeichnet. Sicherlich eine sehr erfreuliche Geste, leider aber auch nur eine Geste, die den normalen politischen Halbwertszeiten unterliegt. In Frankreich zeichnet sich ein weiterer „Rückschritt“ aus der EU ab, was uns Unionsbürger nicht einmal mehr überrascht. Andere Staaten sehen sich durch eine Bedrohung entweder durch die USA (Island oder Dänemark) oder die Russische Föderation (das Baltikum) dazu genötigt, um etwas bessere Europäer sein zu wollen, andere wie die Ungarn, die Italiener oder auch wir selber versuchen eher die wirtschaftlichen Vorteile einer europäischen Einigung weiter abzuschöpfen. 

Kurz und gut, Nationalstaaten machen das, was Nationalstaaten einfach so machen. Und dies wusste bereits Otto von Bismarck: „Ich habe das Wort ‚Europa‘ immer im Munde derjenigen Politiker gefunden, die von anderen Mächten etwas verlangten, was sie im eigenen Namen nicht zu fordern wagten.“

Manche von uns wundern sich nun, wobei sich diese europäische Entwicklung in den letzten Jahrzehnten bereits abgezeichnet hat. Anfangs war es sowohl die Idee unseres Verbandes als auch der Montanunion selbst, die Nationalstaaten langsam aber sicher aufzulösen und einen europäischen Bundesstaat entstehen zu lassen, der die natürlichen Regionen Europas stärkt. Aber schon zu Beginn sorgten eher konservativere Kräfte dafür, dass in der EG die Nationalstaaten wieder gestärkt wurden und nun in der EU voll und ganz das Sagen haben. 

Jene Kräfte, die ein Großeuropa anstreben, konkurrieren nun mit den Kleinnationalen in ihren eigenen Ländern, die höchstens einen Staatenbund akzeptieren können. Ein europäischer Bundesstaat steht längst nicht mehr zur Diskussion und wird nur noch bei Festtagsreden im Europäischen Parlament oder in der Kommission heraus gekramt. 

Unsere Europäische Idee wurde politisch getötet, nun steht maximal ein Superstaat Europa auf dem Tableau, der dann auch nicht mehr besser sein soll und wird als die aktuelle USA, die Russische Föderation oder gar die Volksrepublik China! Die Idee eines einigen Europas als Blaupause für eine künftige Weltunion ist nun völlig vergessen, Kooperationen anstatt Konfrontationen völlig aus der Mode. Unsere ureigenen Menschenrechte längst wieder reine Verhandlungsmasse.

Wohin uns dieser gewaltige Rückschritt in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts führt, sehen wir allerorten! Und nicht nur den Menschen im Vereinigten Königreich, die es schon etwas länger spüren müssten, ist dies absolut egal! 

Wir Europäische Föderalisten, zumindest jene, die noch am Hertensteiner Programm festhalten, haben einen sehr schweren Stand. Und dies obwohl sich unsere Idee als richtig, als umsetzbar und als erfolgreiches wie auch nachhaltiges Konzept herausgestellt hatte!

Wir Europäische Föderalisten schaffen es einfach nicht, unsere Mitmenschen von der Notwendigkeit von Veränderungen zu überzeugen. Diese halten weiter an Erinnerungen fest, die es so nie gab — nicht einmal zu Zeiten eines Otto von Bismarcks.

Was mich nun befürchten lässt, dass wir Menschen erst wieder im Jahr 1945 angekommen sein müssen, um auch nur halbwegs über notwendige Veränderungen nachzudenken.

Was nun aber nicht heißen soll, dass wir nun aufgeben oder gar resignieren! Nein, ganz im Gegenteil, wir müssen das Flämmchen weitertragen und darauf bauen, dass künftige Generationen dieses wieder lodern lassen werden. Das Bewahren der Asche gehört weiterhin den ewig Gestrigen! Und auch Rom wurde nicht an einem Tag erbaut.