Wasser eines Pools

Neckarhalde 5 (1)

Beitragsfoto: Schwimmbad | © Anncapictures auf Pixabay 

Eigentlich könnte die Neckarhalde eines der schönsten Schwimmbäder Deutschlands sein, eigentlich. Und wohl nur dann, wenn man nicht sein gesamtes Leben in Heilbronn verbracht hat, bemerkt man den langsamen Zerfall dieses Kleinods. Ohne jegliche Notwendigkeit wird dieses Bad seit Jahren immer wieder verkleinert und zudem auch seine Infrastruktur, wo immer man nur kann, zurückgebaut oder einfach nur dem Lauf der Zeit überlassen.

Vor Kurzem hat sich die Heilbronner Stimme noch gewundert, dass in Heilbronn der Breitensport zwar gut aufgestellt — was ich stark bezweifle — aber kaum Leistungssport zu finden sei. Das liegt sicherlich daran, dass in Heilbronn alles, was mit Leistung, Einsatz oder bürgerlichem Engagement zu tun hat, seitens einer ganz bestimmten Heilbronner Clique kaputtgemacht wird. Und so wird auch die Neckarhalde zu einem Opfer absolut verfehlter Heilbronner Stadtpolitik und Mauscheleien.

Längst vorbei sind die Zeiten, wo man noch von weit her kam, um in der Neckarhalde einen vergnüglichen Tag zu verbringen, Zeiten, wo man eigens ein weiteres Bad eröffnete, um möglichst vielen Heilbronnern Wassersport und eine Freizeitgestaltung am Pool zu ermöglichen — längst vergangene Zeiten, wo sich Bürgermeister und Stadtverwaltung noch um das Wohl von uns Heilbronnern gekümmert und gesorgt haben.

Jahrzehnte ist es her, wo man sich als Rettungsschwimmer oder Schwimmmeister nur darum Sorgen machen musste, ob und wo die jungen Damen ihr Bikini-Oberteil nun tragen dürfen oder müssen oder auch nicht.

Wie schon in mehreren Beiträgen (z. B. Heilbronner Badespaß) geschrieben, habe ich mich nach meiner Rückkehr, weil von befreundeten Schwimmmeistern und Rettungsschwimmern gebeten, auch wieder um den Zustand der Heilbronner Bäder gekümmert, mich selber wieder als Rettungswache und Schwimmaufsicht eingesetzt und mich darüber hinaus mit völlig uneinsichtigen städtischen Angestellten herumgeärgert. Zugegebener Maßen war ich von meiner Zeit in Ulm etwas verwöhnt, aber dort legt man einfach weiterhin Wert auf Ordnung und Sauberkeit und vor allem darauf, dass jene Bürger, die sich sportlich betätigen möchten, auch eine Chance dazu bekommen. Leider setzt man in Heilbronn den Schwerpunkt eher auf die Anzahl und Verfügbarkeit von Weinausschänken jeglicher Art und möglichst bequeme Besäufnisse.

Das hat sicherlich auch etwas mit Bildung zu tun, wobei man in Heilbronn stolz darauf ist, dass „Bildung nicht anstrengend sein darf“ (SPD) und man daran glaubt, dass, wenn man eine Art „Bildungs-Disneyland“ (Detlef Stern) an den Europaplatz stellt, wir damit so etwas wie eine Universitätsstadt seien. Unsere Stadt hat sicherlich sehr viele Vorzüge, leider gehören zeitgemäße Bildungs- und Sportstätten sowie ein echter Bahnanschluss nicht dazu!

Bezeichnend für unseren Gemeinderat und die Stadtverwaltung ist, dass man zum einen die Stadtfontäne außer Kraft setzt, um die Weintrinker am Neckar nicht zu stören und zum anderen Fachleute, die in anderen Städten bereits ihre Inkompetenz unter Beweis gestellt haben, für städtische Aufgaben nach Heilbronn holt. Was mich nun wieder zur Neckarhalde kommen lässt.

Heute ging ich mit meiner bessere Hälfte in die Neckarhalde, rein um der Gesunderhaltung willen — was übrigens bei mir inzwischen medizinisch notwendig ist. Mein Jüngster war schon vorausgegangen, weil er seine üblichen gut 2 000 Meter abspulen wollte. Dort angekommen erkannte ich sofort am Eingang, dass wir wieder Heilbronner Verhältnisse haben, die Dame an der Kasse tat mir leid.

Schon auf dem Weg in die Umkleide und Duschen hörte ich das Fluchen der Badegäste, darunter auch zwei (wahrscheinlich) Afghanen und ein Südosteuropäer, was wieder einmal beweist, dass Anstand, Kultur und Bildung nichts mit der Ethnie zu tun haben. Die Duschen waren völlig überfüllt und auch mit Menschen, die überhaupt nicht wissen, wie man duscht oder was die Funktion einer Dusche überhaupt ist — einfach nur ekelig!

Auf dem Weg zum Becken verstand ich dann die Äußerung eines Mannes zu seinem Sohn oder Enkel, dass sie nach dem Duschen am besten gleich wieder gehen, denn sämtliche Becken waren mit Menschen überfüllt, die dort offensichtlich meist nur herumstanden und manche dabei auch rauchten. Selbst die beiden abgesperrten Bahnen für Schwimmer wurden entsprechend missbraucht. Gelächelt habe ich, als ich die Versuche meines Jüngsten sah, wie er sich am Hindernisschwimmen versuchte.

Und so ging ich als Erstes zu den Schwimmmeistern, wobei ich erneut feststellen musste, dass einige davon nicht einmal die Mindestanforderungen an einen Schwimmmeister erfüllen — das war und ist seitens der Stadtverwaltung schon immer höchst fahrlässig! Die ersten beiden verstanden mein Anliegen schon gar nicht, was bezeugt, dass sie von ihrer Aufgabe keine Ahnung haben — das ist seitens der Stadtverwaltung kriminell!

Dann traf ich einen Schwimmmeister, der wusste, was er zu tun hätte und sicherlich auch könnte, aber sein resignierter Blick verriet alles. Solch einen Blick hatte ich zuletzt bei afrikanischen Soldaten gesehen, die verheizt und vor Jahrzehnten auch bei Fremdenlegionären, bevor sie zu Helden wurden, und man wird aktuell diese Blicke bei ukrainischen Soldaten sehen können, die mit fehlender Bewaffnung und Ausrüstung nur noch darauf warten, bis sie von russischen Granaten zerfetzt werden.

Für solche Blicke bedarf es normalerweise Kriege, die Heilbronner Bürgermeister und Abteilungsleiter schaffen dies ganz offensichtlich bei ihren Mitarbeitern bereits zu Friedenszeiten! Auf alle Fälle attestiere ich der heute für den Einsatz der Schwimmmeister verantwortlichen Person die größte Widerwärtigkeit, die ich jemals außerhalb von Kriegs- und Einsatzgebieten gesehen habe.

Wer so mit seinem Personal umgeht, der ist wirklich das Letzte, was auf Gottes Erdboden herumkräucht! Da ich nicht der Einzige war, der schwimmen wollte (musste!), versuchte ich mit weiteren Schwimmern wenigstens eine Bahn halbwegs freizubekommen, und auch hier muss ich attestieren, dass das Problem nicht die Herkunft ist, sondern ganz und alleine ein Bildungsproblem und in Heilbronn dazu noch ein Aufsichtsproblem (!), nämlich, dass sich, angefangen beim OB die Stadtverwaltung permanent weigert, ihre originären Aufgaben zu erfüllen.

Für sehr teueres Geld überall bunte Bändchen hinzuhängen, die zudem noch die Umwelt weiter schädigen, reicht nicht aus, um eine Stadt zu verwalten. Dazu benötigen wir Menschen, die wissen, was die eigentlichen Aufgaben einer Stadtverwaltung sind und diese dann auch erfüllen wollen!

Und so gelangen mir ein paar Runden, wobei bessere Schwimmer mir sogar den Vortritt ließen. Dann aber sprang mir ein übergewichtiger Bursche ins Kreuz und ich, als ich es gerade geschafft hatte, wieder Luft zu bekommen, dessen Schwester vor den Kopf, was den Vater dazu motivierte, mich auch noch verprügeln zu wollen. Als ich mich erhob, an einem Ende kann man im Becken stehen, trollte er sich aber, was mir wieder einmal zeigt, dass Asozialität und Feigheit einfach zusammengehören.

So konnte ich mein Hindernisschwimmen weiter fortsetzen, wurde dann aber gestoppt, als mir ein Kotbrocken vor die Schwimmbrille schwamm — was mich als in Heilbronn groß gewordener Rettungsschwimmer zwar nicht schockte, aber mir für heute die Lust am Schwimmen endgültig nahm. Und auch meine bessere Hälfte hatte kurz darauf genug, nur der Jüngste bestand darauf, sein Streckenziel zu erfüllen — nur die wirklich Harten kommen in den Garten.

Und so warteten wir noch eine Weile eingehüllt in Rauchschwaden, bis wir dann alle zusammen diese Tragödie verließen. Und nachdem ich nun diese Zeilen geschrieben habe, geht es mir auch schon wieder etwas besser.

Und so beende ich diesen Beitrag mit einem Vergleich — dieses Mal aus aktuellem Anlass mit Frankfurt. Eine Großstadt zeichnet sich darin aus, dass man zumindest versucht, einen OB wieder loszuwerden, wenn man feststellt, dass dieser der Stadt schadet. In Heilbronn hat man alles getan, dass der OB unsere eigentlich ganz schöne Stadt noch weiter abwirtschaften kann.

„OB in Freiburg zu sein, ist immer noch mein Traumjob. Das bedeutet ja nicht, auf dem Sonnendeck zu liegen und sich Caipirinhas bringen zu lassen.“

Dieter Salomon, Stuttgarter Zeitung (18. November 2006)

Abgrund

Demokratie am Abgrund 5 (2)

Beitragsfoto: Abgrund | © Shutterstock

Rückblickend muss ich mir wohl eingestehen, dass Demokratie bei uns in Deutschland noch nie so populär war, wie es uns immer so nett vermittelt wird. Bereits in meiner Jugend konnte ich feststellen, dass sich unsere beiden Volksparteien alleine deswegen so definieren, weil jede schon immer zumindest einer sehr starken antidemokratischen Minderheit eine Heimat bot. Und noch heute bezeichnen sich ohne Gewissensbisse viel zu viele als Sozialisten, wobei eindeutig geklärt ist, dass Demokratie und Sozialismus reine Gegenpole sind.

In der anderen Volkspartei sind diese Menschen wohl alleine unserer Geschichte geschuldet, etwas vorsichtiger und bezeichnen sich eher als „nationalkonservativ.“ Aber auch in den Kleinparteien traf man von Anfang an immer wieder auf ehemalige und neue Nationalsozialisten, Faschisten, Monarchisten, Kommunisten oder auch Sozialisten, die für sich eine politische Heimat suchten oder aber auch nur in den etablierten Parteien gegen ihre eigenen Gesinnungsgenossen keine Chance hatten.

Demokratische Staaten hatten uns Deutsche zwar 1945 gerettet, wobei noch heute viel zu viele Mitbürger ohne Gewissensbisse dieses Ereignis als Untergang Deutschlands und als unsere größte Niederlage bezeichnen. Da die Demokratie uns aber nicht nur in der internationalen Gemeinschaft wieder hoffähig machte, sondern uns auch wirtschaftliche Erfolge und noch nie gekannten Wohlstand für die meisten von uns brachte, wurde sie zur Staatsraison erklärt.

Aber Demokratie hat auch immer ihre Schattenseiten, nämlich Eigenverantwortung, die Notwendigkeit zur Partizipation, eine hinreichende Transparenz des eigenen Handelns, die Akzeptanz anderer Meinungen und wohl am Schlimmsten die Pflicht zur Solidarität mit allen „Mitherrschern“.

Dies war auch allen bekannt, und so legte man bereits zu Beginn unserer Republik Wert darauf, dass alle (politisch) gebildet wurden und man schuf nicht nur Bildungsstätten aller Art und subventionierte zudem noch weitere private Bildungsbemühungen und -angebote, sondern man legte darüber hinaus Wert auf einen öffentlich-rechtlichen Rundfunk und gab der Kultur an sich einen sehr hohen Stellenwert. Und um wirklich ganz sicherzugehen, holte man — entgegen besserem Wissen — selbst unsere Kirchen wieder mit ins Boot, wobei diese sich ihre vermeintliche „Loyalität“ noch heute sehr gut bezahlen lassen!

Als Krönung des Ganzen gab man unseren Demokratien in Europa sogar noch eine eigene Idee mit einem ganz bestimmten Ziel mit auf den Weg, nämlich die schrittweise Einigung des demokratischen Europas hin zu einer zukünftigen demokratischen Weltunion: Humanismus und Rechtsstaatlichkeit wurden zu allgemein anerkannten Grundsätzen.

Und alle Beteiligten wussten von Anfang an auch ganz genau, dass die Alternativen dazu weniger rosig sind und zudem die betroffenen Länder dem Totalitarismus zum Fraß vorwerfen. Unter Totalitarismus fasst man jene Politikmodelle zusammen, die den demokratischen Alternativen gegenüberstehen, wobei es letztendlich keinen Unterschied macht, ob sich ein Antidemokrat als Sozialist, Nazi, Faschist oder Oligarch bezeichnet — das Ergebnis für uns Bürger ist immer dasselbe! Und wenn sich auch Politikwissenschaftler gerade verstärkt darüber streiten, den bisherigen Opfern ist es wirklich egal, ob sie von Sozialisten oder Faschisten ermordet wurden.

Dennoch wurde von Anfang an und dies auch in den bundesdeutschen Parteizentralen gegen unsere Demokratie gearbeitet. Jean Monnet musste erst die SPD für Europa als Ziel aller unserer demokratischen Bemühungen begeistern, wobei die Geldzuwendungen aus den USA für einzelne Politiker aller Parteien sicherlich nicht schadeten. Die Unionsparteien hingegen schufen von Anfang an die Mär vom deutschen Nationalstaat mit seinem Wirtschaftswunder als Motor unseres Erfolges und unterminierten damit Europa insgesamt.

Beide Volksparteien machten zusammen über die Jahrzehnte hinweg aus dem Ziel all unserer demokratischen Bemühungen, nämlich einem europäischen Bundesstaat, ein diffuses Konstrukt von einem Europa, unter dem sich jeder genau das vorstellen konnte, was er gerade selber für schick und angebracht hielt. Europa wurde ganz alleine nur deswegen zerredet, weil es die Demokratie in unseren Ländern manifestiert hätte!

Denn Demokratie ist gerade für jene am anstrengendsten, die für sich daraus die größten Gewinne erzielen möchten, denn das Übervorteilen von ganzen Bevölkerungsgruppen ist in einer funktionierenden Demokratie äußerst schwierig, da diese den Ausgleich zwischen allen Bevölkerungsgruppen zum Ziel hat.

Und so ist es verständlich, dass sich sehr viele unserer Mitbürger mit allen Mitteln gegen eine erfolgreiche Demokratie wehren — was übrigens auch in den meisten anderen Demokratien immer wieder zu beobachten ist und somit nicht als deutsches Alleinstellungsmerkmal betrachtet werden kann.

Demokratie verhilft zwar der Gesamtheit der Bevölkerung zu mehr Wohlstand, erschwert es im Gegenzug einzelnen Gruppen aber auch sehr, „superreich“ zu werden.

Und darüber hinaus verlangt sie von sehr vielen Menschen mehr an Engagement, als diese für sich und vor allem für andere aufwenden möchten. Damit gibt es von Anfang an in jeder Demokratie Menschen, die alles daran setzen, dass aus einer Demokratie kein langfristiges Erfolgsmodell wird. Denn, wie bereits erwähnt, eine funktionierende Demokratie hindert Menschen an ihrer „Selbstverwirklichung“, sobald diese auf Kosten anderer geht — dies trifft die Penner ebenso wie die „Superreichen“.

Für diese Menschen ist es, wenn sich die Demokratie erst einmal etabliert hat, ziemlich schwer, eine solche Volksherrschaft wieder loszuwerden. Deshalb unterminieren sie eine solche von Anfang an, hier kann die Weimarer Republik als gutes Beispiel dienen. Und auch bei unserer Bundesrepublik haben diese Menschen ebenfalls sämtliche Register gezogen — allerdings weniger erfolgreich als beim ersten Mal.

Und so ist es durchaus verständlich, dass sich antidemokratische Kräfte gerade in jenen Institutionen etablierten, die die Demokratie organisieren und verwalten — unseren Parteien. „Der Marsch durch die Instanzen“ ist kein linkes Alleinstellungsmerkmal, sondern ein Vehikel, um jede Demokratie von innen heraus zu destabilisieren.

Und deshalb ist es auch verständlich, dass sie, wenn sich diese Kräfte in den Parteien etabliert haben, alles daran setzen, um wirksame außerparteiliche oder freie demokratische Organisationen zu verhindern.

Das Ganze garnieren sie dann noch mit einem bewusst herbeigeführten Politikverdruss, der die Wähler immer mehr von den Wahlurnen fernhält — was die Initiatoren dann sehr gerne selber bemängeln.

Und zum krönenden Abschluss sorgen sie dafür, dass die meisten Mitmenschen mit allen möglichen Dingen beschäftigt werden, um sich nur nicht mehr selber mit Politik beschäftigen zu können. Sie stürzen die Bevölkerung immer mehr in Krisen, eine schlimmer als die vorherige, und unternehmen dabei wirklich alles, dass es zu keinen Lösungen mehr kommt. So fahren sie jede Demokratie langsam aber sicher an die Wand und überzeugen die Menschen, dass das eigene politische Engagement keinen Sinn mehr macht und dass es keine Alternativen (Stichwort: alternativlos) zu den derzeitigen politischen Entscheidungen gibt!

Dieser Entwicklung setzen sie dann vermeintliche Erfolgsmodelle in anderen Ländern entgegen, wo starke Männer oder Frauen die Krisen alleine durch ihre Omnipotenz angeblich in den Griff bekämen und werben damit unverhohlen für weniger demokratische Politikmodelle. Und so hat jede deutsche Volkspartei auch immer wieder ihre ganz „eigenen Lieblingsdiktatoren“, wie jüngst Orban oder Putin, die sie gerne feiern, vorzeigen und unterstützen. Und deswegen hat gerade in diesen Parteien auch der Personenkult so eine hohe Bedeutung.

Vielleicht sehe ich das Ganze viel zu Schwarz, und keiner unserer Politiker möchte aus Deutschland erneut eine Diktatur machen, aber es reicht schon völlig aus, wenn einige unserer Politiker an eine Oligarchie glauben, zumindest mit einer solchen sympathisieren oder auch nur meinen, als Berufspolitiker einer „eigenen Klasse“ anzugehören.

Denn letztendlich kommt es nur darauf an, was unsere Bevölkerungsmehrheit glaubt, und so wie es gerade aussieht, haben sehr, sehr viele Wahlberechtigte bereits den Glauben an unsere Demokratie und eine demokratische Zukunft Deutschlands wieder verloren.

Was aber noch viel schwerer wiegt, ist die Tatsache, dass der Glaube an eine gemeinsame Demokratie in unserem Europa mehrheitlich bereits verloren ging. Und so wird eine demokratische Zukunft für uns alle kaum noch möglich sein — ein demokratischer Nationalstaat war und ist weiterhin rein imaginär, ganz egal in welchem Land auch immer.

Halb zog sie ihn, halb sank er hin,
Und ward nicht mehr gesehn.

Johann Wolfgang von Goethe, Der Fischer (1779)

Tasse

31.5.02022 5 (1)

Beitragsfoto: Kaffeetasse in einem Haushaltswarenladen

Shopping

Heute konnte ich meinen Tag in meiner Lieblings-Mall verbringen, was sich ganz gut anbot, da der Tag heute sonniger als gewöhnlich ist. Da die South Coast Plaza, die übrigens dieses Jahr ihr 55-jähriges Bestehen feiern kann, nicht nur blitze-sauber und sehr ordentlich, sondern auch für kalifornische Verhältnisse angenehm klimatisiert ist, lohnt sich das Shoppen dort immer wieder. Blitze-sauber sind auch die unzähligen öffentlichen kostenfreien Toiletten wie auch die Wege aus der Stadt sowie von den außen liegenden Parkplätzen in die Mall; wobei die Power-Shopper wohl eher auf die Parkhäuser in der Mall zurückgreifen.

Mich hat es heute sehr gefreut, dass die South Coast Plaza sowohl das vorherrschende Mall-Sterben als auch die COVID-19-Pandemie ohne größere Probleme überstanden hat. Ich führe das auf die Sauberkeit und die Sicherheit dieses Shoppingcenters zurück, die auf jeder Sichtachse mit mindestens einem freundlichen netten Herren aufwarten kann, der allen Besuchern ein gutes Gefühl vermittelt. Dazu kommen noch die vielen Reinigungs- und Wartungskräfte, die auch jeden Ausrutscher ihrer Kundschaft sofort wieder beseitigen.

Und da auch sehr viele Läden der gehobeneren Preisklasse vorhanden sind, wundert es keinen, dass zusätzlich vor den Läden weiteres Sicherheitspersonal den Kunden bei Bedarf weiterhelfen kann.

Das exzellente Ambiente der Shoppingmall wird durch die Freundlichkeit der Angestellten abgerundet, und so konnte ich mich bereits bei einem meiner ersten Besuche davon überzeugen, was Kundenservice bedeuten kann. Als Student war ich damals in München schneller wieder aus einem Porsche-Autohaus herauskatapultiert, als ich dort hineingekommen war; dabei wollte ich mir nur den rosaroten 911 mit lila Sternchen einmal aus der Nähe ansehen. Mit dieser Erfahrung zögerte ich ein paar Wochen später, einen Versace-Laden in der South Coast Plaza zu betreten, obwohl mich die bunten Klamotten regelrecht faszinierten. Letztendlich aber betrat ich den Laden doch und wandte mich an den ersten Verkäufer mit dem Hinweis, dass ich nur gucken möchte, leider aber nicht kaufe könne. Dieser lud mich regelrecht zum Stöbern ein und bot mir ein wenig später noch ein Glas Champagner an, nur um mein „Nichteinkaufserlebnis“ etwas besser abzurunden.

Und so habe ich mich auch heute gefreut, den Versace-Laden zu sehen und noch mehr, als ich erfuhr, dass dieser bald etwas vergrößert wieder an seinen alten Standort im Shoppingcenter zurückkehren wird. Zum Schluss meines heutigen Besuches schaute ich schon fast nostalgisch auf die beiden Karussells, die noch vor ein paar Jahren meine beiden Jungs begeistern konnten; heute würden sie wohl eher so wie der Papa beim Apple-Shop vorbeischauen. Auf jeden Fall aber sind die Karussells mit ihren bunten Luftballons noch heute eine Attraktion für alle jüngeren Mall-Besucher.

Wende

Dass wir unser Land in den letzten Jahrzehnten gegen die Wand gefahren haben, war immer wieder ein Thema dieses Weblogs. Inzwischen lässt es sich auch nicht mehr verleugnen, dass unsere Umwelt nicht mehr zu retten ist. Es geht jetzt eigentlich nur noch darum, wie viele von unseren Nachkommen dies überleben werden und wie viel Natur den Überlebenden dann noch zur Verfügung stehen wird.

Eine Lösung dieses Problems müsste nun dringlich unsere allererste Aufgabe sein, wenn nicht, wie gerade ein Überfall der Russischen Föderation auf den Osten Europas dazwischenkommt und uns wieder einmal zeigt, dass die Welt insgesamt doch etwas komplizierter ist.

Das Preisschild für die Lösung des letzten Problems wurde uns pressewirksam mitgeteilt, nämlich eine ehrliche und aktive Teilnahme in der NATO, 2 % des jährlichen Bundeshaushaltes und zur ersten Anschubfinanzierung gut 100 Milliarden Euro noch 2022.

Kurz konnte man tatsächlich daran glauben, dass wir nun tatsächlich dafür sorgen, dass wir unsere Verteidigungsfähigkeit wieder sicherstellen, um uns gleich danach mit ganzer Vehemenz auf die Lösung des nächsten fatalen Problems — der zerstörten Umwelt — stürzen. Aber weit gefehlt!

Dies hat jetzt einzig und alleine nur dazu geführt, dass alle Beteiligten (und vor allem ganz besonders die entsprechenden Profiteure!) uns vor Augen führen, was bei uns alles noch kaputt ist: das Gesundheitssystem, das Bildungssystem, sämtliche Infrastruktur und selbst das Wohnen (es fehlt an allen Ecken und Enden, wobei das Vorhandene dringend saniert werden müsste) sowie unsere Demokratie an sich. Und jeder kennt das entsprechende Preisschild — selbst die Deutsche Bahn hat plötzlich etwas Ahnung von Schienenverkehr und wie man diesen bei uns sicherstellen könnte.

Der einzige Vorteil dabei ist, dass wir es jetzt alle ohne Wenn und Aber wissen, dass wir unser Land völlig heruntergewirtschaftet haben (der Dank geht an die Union und die SPD!) — wegschauen und später leugnen geht jetzt nicht mehr — und nicht nur Billionen an Euro nötig wären, um die Zukunft unserer Kinder zu sichern, sondern ganz besonders auch unser eigenes Handeln gefordert wäre!

Aber was machen wir anstatt? Wir priorisieren nicht: Verteidigung –> Umwelt –> Infrastruktur –> Bildung –> Wohnungsbau –> Soziales, sondern wir streiten uns einzig und alleine um den Erhalt unseres eigenen ganz persönlichen Wohlstands und Wohlbefindens (ich hatte darüber schon öfters geschrieben!).

Und anstatt dass unsere Politik wenigstens eines der großen Probleme anpacken würde, werden einzig und alleine die Parlamente, Behörden und Ämter mit weiterem, völlig unnötigen Personal vergrößert, neue Berater, Gaukler und Scharlatane engagiert (die Turmstraße und die Heilbronner Fußgängerzone können als plastisches Beispiel dienen) sowie den Bürgern Rabatte, Subventionen und Geschenke versprochen — und jeder Entscheidungsträger (siehe Frankfurt!) schaut dabei, dass er selbst nicht zur kurz kommt!

Alle Verantwortlichen spekulieren einzig und alleine nur noch darauf, dass dies so lange hält, bis entweder ein Krieg oder die Erderwärmung dem Ganzen ein unrühmliches Ende setzt.

Wende, Ende!

Geburtstag des Tages

Walt Whitman