Schüler

Schule 5 (7)

Beitragsfoto: Schüler in Klasse | © Shutterstock

Die letzten Gespräche mit Praktikanten und Schülern sowie meine Beobachtungen vor Ort an Schulen lassen mich so langsam aber sicher daran zweifeln, ob wir Schulen zumindest in der heutigen Form noch benötigen.

Die meisten Schulen und deren Ausstattung in Heilbronn sind mehr als aus der Zeit gefallen und so langt es auch nicht, dass man wie am RMG nun die Tafeln nach 50 Jahren einmal austauscht und insgesamt vielleicht noch die Sportstätten in Gänze abschafft sowie das Curriculum weiter vereinfacht.

Vielleicht es es auch längst an der Zeit für eine Art offenes Curriculum und wir könnten dabei für die etwas intelligenteren Schüler den Schulbesuch auf vier Jahre reduzieren. Dort weisen sie eine ausreichende Intelligenz und die Fähigkeit zum Lernen nach. Mit diesem Nachweis erhalten sie einen Bibliotheksausweis und verbindliche Lernziele sowie Lerninhalte. Bis zur Erfüllung der Mindestlernziele werden die Schüler jährlich einmal geprüft und, wenn sie wiederholt nicht mithalten können, in den traditionellen Schulalltag eingegliedert.

Städte, die tatsächlich etwas für ihre Kinder machen möchten, könnten die Stadtbibliothek zu einem ganzheitlichen Lernzentrum ausbauen und zusätzlich dafür Sorge tragen, dass Kindern und jungen Erwachsenen ausreichend Sportstätten zur Verfügung stehen.

Die Kinder wie bei uns in Heilbronn wohl so üblich einfach nur — dies am liebsten in Containern — „wegzusperren“, deren Bewegungsfreiheit u. a. durch den Wegfall oder der Außerbetriebnahme von Sportstätten immer mehr einzuschränken und dabei nur noch zu hoffen, dass kein Kind während der Schulzeiten verhungert, verunglückt oder zu Tode kommt, hat mit erfolgreicher Bildungspolitik wenig zu tun. Dabei hilft es auch nicht, dass dann jeder, der meistens da war und keine Lehrer geschlagen hat, einen Schulabschluss erhält.

Wenn das aber bei uns das vorrangige Bildungsziel ist, könnten wir uns schon heute die Lehrer sparen und durch Animateure ersetzen.


Blitz

Literaturerlebnis 5 (2)

Beitragsfoto: Blitz | © Bild von PIRO auf Pixabay

Mein traurigstes Literaturerlebnis hatte ich im K3. Schon länger hatte ich versucht, mir einmal selbst das ominöse Kleist-Archiv Sembdner anzuschauen, auch wenn ich mit Kleist wenig anzufangen wusste. Im Gegensatz zur Stadtbücherei war der Zugang zum Archiv meist verschlossen.

Eines Tages gelang mir dann aber doch der Zugang durch eine Hintertreppe und ich fand neben vielen verschlossenen Räumen auch ein paar verstaubte Regale mit Käthchen-Devotionalien. Das Spannende dabei, dass meine Eltern ein paar dieser Püppchen selbst einmal gekauft hatten, und ich somit dort auch etwas bereits Bekanntes vorfand.

Das Kleist-Archiv Sembdner stammt übrigens von einem Sammler namens Helmut Sembdner, der irgendwann mit all dem Kruscht nichts mehr anzufangen wusste, das Wertvolle seiner Sammlung schnell an Interessierte verkaufte und den ganzen Rest in einer Nacht-und-Nebel-Aktion der Stadt Heilbronn andrehte — warum kann wohl heute keiner mehr sagen, auf jeden Fall hatte Sembnder einen Dummen gefunden.

Bereits 1991 wurden wir Heilbronner über diesen Coup informiert und wie es der bloße Zufall so wollte ein städtischer Mitarbeiter über Jahre hinweg zur Betreuung dieser Sammlung freigestellt. Und es war wohl dieser Herr, Günther Emig, den ich dann dort vor Ort auch in einem Zimmer des Archivs vorfand.

Er war damals so mit seinen Recherchen und sonstigen Tätigkeiten beschäftigt, dass es ihm nicht gelang, mich von meinem immer noch anhaltenden Feuerproben-Frust zu befreien und auch nicht, mich zumindest etwas mit Heinrich von Kleist zu versöhnen.

Ganz in Gegenteil, dieser Besuch hatte mehr von einem Besuch in einem Beerdigungsinstitut und gab mir schon damals die Idee, zumindest die tatsächlichen Schätze des Archivs zu bergen und an das Deutsche Literaturarchiv in Marbach zu übereignen; eine Idee, die übrigens später dann auch Günther Emig hatte.

Den traurigen und wohl größten Rest kann man noch heute getrost auf den Vogelsang kippen und die Räumlichkeiten einer neuen Verwendung widmen, z. B. für die Stadtbibliothek.

Leider aber hat sich der Gemeinderat jüngst dazu entschieden, dieses „deutsche Kulturgut“ — warum auch immer — weiter in Heilbronn in Ehren zu halten, ähnlich wie die Stadtmodelle in der Ehrenhalle, von denen das teuerste jüngst zur BUGA gekaufte wohl verschollen ist.

Ich vermute, dass die Heilbronner Gemeinderäte nie das „Käthchen von Heilbronn“ lesen mussten oder ihnen ihre Eltern gar diese besagten Püppchen bewusst vorenthalten haben, was diese Heilbronner Käthchenmanie erklären könnte. Auf jeden Fall aber gehe ich davon aus, dass sich noch keiner unserer Gemeinderäte bisher in das Kleist-Archiv verirrt hat.


Nachtrag 11.5.2023

Die Heilbronner Stimme veröffentlichte heute einen Leserbrief von Günther Emig (11.5.2023: 21)

Schäbig

1992 bis 2000 als Direktor der Stadtbücherei, von 2000 bis 2018 als Direktor des Kleist-Archivs Sembdner, war es mein Job, aus den kümmerlichen Überresten einer vorher größtenteils bereits anderweitig verkauften Privatsammlung, die trotz meiner Warnung zu einem irrwitzig überhöhten Preis von der Stadt erworben worden war, etwas zu machen. Dies ist mir mit viel Glück gelungen auf Grund persönlicher Kenntnisse und Fähigkeiten. Als Internet-Pionier in den Geisteswissenschaften durfte ich mit Sondergenehmigung 1996 das Kleist-Archiv Sembdner ins Internet bringen. Der Internetauftritt hat nicht nur in der damaligen Computerwelt für eine Auszeichnung gesorgt, sondern auch Anerkennung bei den germanistischen Kollegen. Sämtliche Arbeiten, technisch wie inhaltlich, sind all die Jahre von mir geleistet worden. Dass mit der Wiedervereinigung die Karten in Sachen Kleist neu gemischt worden sind, konnte man beim Sembdner-Ankauf 1990 nicht unbedingt vorhersehen, wohl aber konnte man erkennen, dass sich in der Folge Bund, Land und Stadt Frankfurt (Oder) mit siebenstelligen Beträgen für das Frankfurter Kleist-Museum stark gemacht haben. Damit ist der Fokus schleichend von Heilbronn nach Frankfurt gewandert. Daraus wären Konsequenzen zu ziehen gewesen. Was bleibt? Ein bisschen Glanz aus vergangenen Zeiten, den man sich auch noch unberechtigt glaubt an den Hut stecken zu dürfen. Wie schäbig.

Günther Emig, Niederstetten

Hinweisbild der Stadtbibliothek

22.4.02023 5 (2)

Beitragsfoto: Hinweisbild der Stadtbibliothek aus deren Newsletter Nr. 10/2022 | © Stadtbibliothek Heilbronn

Präsidiumssitzung

Gleich zum Tagesbeginn gab es eine sehr spannende Sitzung des Landesverbandes der Freien Wähler, welche dieses Mal allerdings wieder „online“ stattfand. Unter anderem diskutierten die Präsidiumsmitglieder über eine Überlastung der Kommunen durch eine überbordende Bürokratie und das neue Wahlrecht, welches das passive Wahlrecht auf 16 Jahre für Gemeinderäte und 18 Jahre für Bürgermeister senkt. Mehrheitlich stehen die Freien Wähler dieser „neuen Politik“ sehr skeptisch gegenüber.

Ich selbst habe mich als 17 Jähriger dafür entschieden, erst einmal einen Berufsabschluss zu erreichen, bevor ich versuche von meinem passiven Wahlrecht Gebrauch zu machen. Ich habe diese Entscheidung bis heute nicht bereut und bedauere es zutiefst, dass wir inzwischen in unserer Gesellschaft mit der Berufspolitik immer mehr zu einem Kastenwesen gelangen, das Politiker hervorbringt, die außer, dass sie in Ämter nachrücken oder tatsächlich auch beim ersten Mal gewählt werden, nichts vorzuweisen haben — weder einen qualifizierten Bildungsabschluss noch Erfahrungen in einem Beruf, der eine abgeschlossene Ausbildung zur Voraussetzung hat.

Eine demokratische Gesellschaft kann und wird nur dann überleben, wenn die Bürger selber die Politik gestalten und nicht, noch dazu völlig unqualifizierte, Mitbürger bezahlen, damit sie ihnen diese ehrenamtliche Arbeit über Jahrzehnte hinweg abnehmen.

Stadtbibliothek

Noch am Montag konnte ich von den Verantwortlichen der Stadtbibliothek bei der Mitgliederversammlung des entsprechenden Freundeskreises erfahren, dass die Stadtbibliothek zum Herbst diesen Jahres wieder an ihrem Hauptstandort im K3 öffnen wird, wobei ich — wie berichtet — den Termin eigenständig auf Ende des Jahres verlegt hatte, muss ich bereits heute in der Heilbronner Stimme lesen, dass eine Wiedereröffnung der Stadtbibliothek nicht vor 2024 erfolgen soll. So darf man getrost an der Qualifikation sämtlicher Beteiligten zweifeln.

Ich halte die Stadtbibliothek weiterhin für eine der wichtigsten Heilbronner Institutionen, auch wenn ich die kleinbürgerliche Ausrichtung derselben bedauere und mit noch größerem Bedauern zur Kenntnis nehmen musste, dass man selbst einen zeitgemäßen Umbau im Gemeinderat mehrheitlich auf das Allernotwendigste reduzierte. Was übrig bleibt ist einfach nur noch ein bildungsbürgerliches Feigenblatt, welches nun irgendwann einmal wieder halbwegs in Betrieb genommen wird.

Erstaunlich ist dabei nur, dass man sich zeitgleich ein Literaturhaus mit Spitzenbesetzung leistet und zudem an einem für Heilbronn völlig nutzlosen Kleist-Archiv Sempdner festhält. Mit diesen Geldern hätte man die Stadtbibliothek tatsächlich erblühen lassen oder gar mit einer Integration des Literaturhauses in die Stadtbibliothek eine großstädtische Lösung finden können, so wie es ursprünglich auch einmal von den damals, als ich Ende 2014 nach Heilbronn zurückkam, Verantwortlichen beabsichtigt war.

Und so hat wieder einmal eine kleinbürgerliche Vetternwirtschaft obsiegt, die überhaupt nicht zu den Großstadtansprüchen von so einigen bedeutenden Heilbronnern passen und einzig und alleine dafür sorgen, dass wir wohl noch auf Jahrzehnte hinweg von einer städtischen Baustelle zur nächsten wechseln.

Kegelabend

Der Start ins Wochenende ist mit einem sehr kurzweiligen Kegelabend gelungen, wobei sich im Anschluss noch ein paar Mitglieder der EUROPA-UNION zusammensetzten, um sich über den Sachstand der Vorbereitungen für die 7. Hertensteiner Gespräche informieren zu lassen.

Auch dieses Mal haben wir sehr interessante Gesprächskreise, wobei der Bundesverband der EUROPA-UNION mit einem Entwurf für ein föderalistisches Manifest ins Rennen gehen wird, das nachmittags bei den Hertensteiner Gesprächen gleich drei Themengebiete näher beleuchtet: ein demokratisches Europa, ein sicheres Europa und ein nachhaltiges Europa.

Die weitere Diskussion des Abend über sämtliche Themen und mögliche Referenten wie auch die passenden Moderatoren brachte ein ganz neues Thema mit ins Spiel, nämlich ein von Thomas Heiligenmann aufgeworfenes „Blühendes Europa“, welches sicherlich von Walther Heipertz mit Freude aufgenommen werden würde.

Das Problem dabei ist, wie in den sechs Jahren zuvor auch, dass die Themenvielfalt und die Tiefe der jeweiligen Diskussionen mit der dafür zur Verfügung stehenden Zeit konkurrieren. Und so wird es erneut spannend werden, wie sich die Gespräche am Samstag, 23. September 2023 entwickeln werden.

Interview mit General Ben Hodges

Richard Walker von der Deutschen Welle führte ein sehr informatives Interview mit Generalleutnant a. D. (US) Ben Hodges. Er analysiert dabei den Hintergrund der Schlacht um Bachmut, versucht das Angriffsziel einer möglichen ukrainischen Sommeroffensive herauszufinden und macht dabei zudem das notwendige militärstrategische Kriegsziel der Ukraine deutlich.

Ohne wirksame Unterstützung der USA, des Vereinigten Königreichs, Frankreichs und Deutschlands wird sich die Ukraine nicht gegen den russischen Angriff, der bereits seit 2014 andauert, erfolgreich wehren können. Ohne die Rückeroberung der Krim wird die Ukraine alleine aus militärstrategischen Gesichtspunkten nie gegen die Russische Föderation bestehen können.

Deswegen muss die USA die Rückeroberung der Krim durch die Ukraine offiziell befürworten. Ben Hodges versichert zum Schluss, dass auch die US-Republikaner hinter der Ukraine stünden und nach der kommenden US-Wahl stehen werden.