Tanzschule Brenner

17.12.02023 5 (4)

Beitragsfoto: Tanzschule Brenner

Village Vanguard

Musikalisch ging ich diesen Sonntag vor meine eigene Zeit, nämlich in den New Yorker Jazzclub Village Vanguard und zwar ganz genau zum 25. Juni 1961 zurück. Spannender Weise (Peter Addor hat sich erst vor Kurzem zu Zufällen geäußert) war dieser Tag 32 Jahre später mein eigener Hochzeitstag — vielleicht kann ich ihn mir nun besser merken.

Und an diesem besagten Tag spielte Bill Evans zusammen mit Scott LaFaro und Paul Motian, was letztendlich dank einer Live-Aufnahme zu zwei Langspielplatten führte: „Sunday at the Village Vanguard“ und „Waltz for Debby“. Diese beiden Platten gelten heute als Meilensteine des Modern Jazz und inspirierten u. a. Keith Jarrett zu seinem eigenen Trio mit Gary Peacock und Jack DeJohnette.

Ich genieße derweil die beiden Platten — eine nach der anderen — und lasse meine Gedanken baumeln. Da es Zeit eigentlich nur als Raumzeit gibt, müsste man doch, mit einem geeigneten Raumschiff, an gerade jenen Punkt im Raum-Zeit-Kontinuum gelangen können, wo sich der Jazzclub am 25. Juni 1961 befand? Ich würde mich dann ganz einfach ins Publikum setzen.

Bis dahin genieße ich einmal die Konserve und lasse mich bei einem noch kommenden Gespräch von Detlef Stern aufklären, worin mein Gedankenfehler besteht. Aber wir werden sicherlich darüber diskutieren, ob nicht Raumzeitpunkte die bessere Ordnungskategorie für Daten- und Gedächtnisablagen sind.

Stuttgart 21

Trotz aller Unkenrufe und den fortwährenden Sabotageakten der Landesregierung, die weiterhin daran festhält, dass Baden-Württemberg ohne zeitgemäße Infrastruktur besser dem Globuliwahn und einer imaginären Rudolf Steiner-Gesellschaft frönen könnte, nähert sicher nun doch der Fertigstellungstermin des neuen Stuttgarter Hauptbahnhofes.

Heute gibt die Bahn bekannt, dass das erste von insgesamt 27 Lichtaugen kurz vor der Fertigstellung steht. Und auch der Rohbau ist bereits fast abgeschlossen.

Durch die 4,30 Meter hohen, im Durchmesser bis zu 21 Meter großen Lichtaugen, wird die unterirdische Bahnhofshalle zukünftig mit natürlichem Licht und Frischluft versorgt werden. Das Design ist für 23 Lichtaugen identisch; zusätzlich entstehen vier weitere flache und begehbare Oberlichter.

Wenn jetzt noch die Digitalisierung der Strecke in Angriff genommen werden kann, in Baden-Württemberg will man dazu — aktuellen Gerüchten zur Folge — Faxgeräte in Reihe schalten, dann könnte auch bei uns bald der Deutschland-Takt greifen: alle Züge kommen dann genau eine Stunde später als bisher üblich.

Wochenende

Mit einem Weihnachtskegeln ging es sehr entspannt in das dritte Adventswochenende und damit war auch das Vereinsjahr der EUROPA-UNION Heilbronn fast zu Ende. Aber nicht ohne, dass man sich vorab auf die kommenden Veranstaltungen für den Januar einigte. Neben dem traditionellen Europastammtisch wird es noch eine kleine Wanderung in die umliegenden Weinberge geben.

Gleich am folgenden Morgen gab es dann die nun wirklich letzte Besprechung, nämlich die 2. vorbereitende Sitzung zum Europa-Ball 2024. Das Rahmenprogramm steht nun dank der Unterstützung von doch so einigen Partnervereinen, die trotz des Wegfalls des Treffpunkts Europa weiterhin an der gemeinsamen Idee eines möglichst friedliebenden Europas festhalten.

Am Abend folgten meine bessere Hälfte und ich der Einladung von Lars Epple zur Weihnachtsfeier des Sportvereins Heilbronn am Leinbach 1891 e. V. Da neben Herbert Burkhardt und Eugen Gall auch noch Tanja Sagasser-Beil, Rainer Hinderer und Holger Kimmerle der Einladung gefolgt waren, konnten wir uns so ganz en passant über den Europa-Ball austauschen.

Spät am Abend gelang es meiner besseren Hälfte und mir noch die Weihnachtstanzparty der Tanzschule Brenner aufzusuchen; nach so vielen Ball-Gesprächen den gesamten Tag über, mussten wir einfach noch selber das Tanzbein schwingen.


Schienen

8.12.02023 5 (5)

Beitragsfoto: Schienen | © Tom auf Pixabay

Chanukka

Von heute bis zum 15. Dezember 2023 feiern unsere jüdischen Mitbürger auch in Heilbronn das jüdische Chanukka, Hanukkah oder Lichterfest. Dieses Fest gibt es bereits seit 164 v. Chr. und damit um Einiges länger als alle unsere christlichen Feiertage.

An der Stelle der von uns zerstörten Synagoge wird seit 2009 ein Chanukka-Leuchter aufgestellt. Und dieser wird dann regelmäßig beschädigt, 2017 sogar fast völlig zerstört, sodass man nun seitens der Stadt eine temporäre Video-Überwachung vor Ort installiert hat — was wegen des aktuell wütenden Hamas-Terrors nur zu begrüßen ist.

Ich hoffe, dass diese Überwachung die kommenden Tage besser funktioniert als die Video-Überwachungen unserer städtischen Sammelstellen, welche unsere Mitbürger geradezu motiviert haben, um sich noch schweinischer als sonst zu verhalten.

In den kommenden acht Tagen wird nun wieder anlässlich des Chanukka-Fests jeden Abend ein Licht am Leuchter entzündet. Besser wäre es wohl, dass man Polizeikräfte vor Ort in Bereitschaft hält, um Ausschreitungen bereits im Vorfeld zu verhindern.

Zabergäubahn

Gemäß eines heutigen Artikels in der Heilbronner Stimme (8.12.2023: 26) hat nun auch der Lauffener Gemeinderat einen Knopf an die Reaktivierung der Zabergäubahn gemacht; gut, die CDU behält sich weiter vor, später dann doch noch dagegen zu sein. Nehmen wir das einmal nur als bloßes Geschwätz, etwa so wie beim Radhaus in Heilbronn, zur Kenntnis und freuen uns lieber darüber, dass nun die Lokalpolitiker sämtlicher betroffenen Gemeinden und auch der Landkreis dem Projekt zugestimmt haben. Die Zustimmung Nordheims steht zwar noch aus, da die Gemeinde aber nicht zu den Zahlern gehören wird, dürfte auch hier eine positive Entscheidung zu erwarten sein.

Damit fällt der politische Beschluss zur Zabergäubahn noch Ende 2023. Nun können wir alle gemeinsam schauen, wie lange es dauern wird, bis die erste Stadtbahn von Lauffen (vielleicht sogar von Heilbronn) bis nach Zaberfeld (vielleicht sogar bis nach Leonbronn) fahren wird. Die Weiterfahrt bis nach Bretten dürfte weiterhin nur eine Träumerei bleiben. Dabei wäre eine Stadtbahn, die den Heilbronnern das Melanchthonhaus besser erschließt, durchaus wünschenswert.

Kleine Anmerkung am Rande: seit ihrer Stilllegung in den 1990er-Jahren gibt es bereits Bemühungen, um diese ca. 20 Kilometer Bahntrasse wieder zu reaktivieren. Wie lange so etwas dauern kann, sehen wir ganz aktuell bei Stuttgart 21.

Europa-Ball

Gestern konnten wir einen weiteren Schritt in Richtung Europa-Ball 2024 machen. Die Partnervereine der EUROPA-UNION haben ihre Programmbeiträge eingereicht, darunter auch Darbietungen, die ich erst jüngst selbst bewundern durfte. Damit dürfte auch das Rahmenprogramm bis zum Ende des Jahres in trockenen Tüchern sein.

Und weil es gerade gut läuft, hat sich auch noch Klaus Brenner bereit erklärt, um zum Europa-Ball seinen legendären Crash-Kurs Tanzen anzubieten; dieser findet ab März 2024 an vier Sonntagen in Weinsberg statt.

Ich kann jeder tanzbegeisterten Leserin diesen Kurs nur wärmstens empfehlen, besonders dann, wenn bisher alle Versuche, den eigenen Partner zum Tanzen zu bewegen, gescheitert sind. Ich bin sehr zuversichtlich, dass nach diesem Crash-Kurs und einem wunderbaren Ballabend in der Harmonie das Tanzen zu einem gemeinsamen Unterfangen werden wird.


Lesezeichen

Das neunte Land 5 (3)

Beitragsfoto: Lesezeichen | © kertlis von Getty Images

Peter Geimer | Frankfurter Allgemeine Zeitung

Das neunte Land – Ausnahmebuchhandlung in Paris (zuletzt aufgerufen am 19.11.2023, 15.33 Uhr)

Sophie Semin-Handke hat in der vergangenen Woche eine deutsch-französische Buchhandlung eröffnet. Hier trifft man auf Texte, die selbst in Deutschland beinahe aus dem Angebot verschwunden sind. Peter Geimer schreibt über seinen dortigen Besuch.


Ein Anzeichen dafür, dass es sich um eine richtige Großstadt handelt, ist das Vorhandensein mindestens einer echten Buchhandlung — und mit echter Buchhandlung meine ich nicht diese Bücherläden oder -ketten, die wirklich alles anbieten, was gedruckt werden kann und dabei ihre Gewinne durch den Verkauf von Kitsch und Tand erzielen.

In Paris gibt es nun neben doch so einigen guten Buchhandlungen auch wieder eine, die sich der deutschen Sprache verschrieben hat, ein sicheres Anzeichen dafür, dass Paris eine Weltstadt ist.

In den 1970er- und 1980er-Jahren — als ich gute Buchhandlungen noch nicht so richtig zu schätzen wusste — gab es auch in Stuttgart eine sehr gute. Man konnte sich dort in den Buchregalreihen verlieren wobei ein sehr alter Herr über die vorhandenen teilweise eingestaubten Bücher herrschte; schon damals fand man dort keine Spiegel-Bestseller.

Wenn ich daran zurückdenke, träume ich auch schon wieder von einer solchen Buchhandlung in Heilbronn. Wahrscheinlich aber können sich Buchhandlungen nur in Städten ab etwa einer Million Einwohnern halten oder weil sie in Bildungshochburgen subventioniert werden.

[https://iiics.org/h/20231119145800]