Luftduscher

Kalenderwoche 52 4.7 (6)

Beitragsfoto: Buga-Duscher im Dezember 2024

„Ein Mensch ist mehr Mensch durch das, was er verschweigt, als durch das, was er sagt.“

Albert Camus (2023: 101)

Feuerwerk

Ich hatte in meinem Leben mehr Feuerwerk als mir letztendlich lieb war, zudem wurde ich dafür auch noch bezahlt. Für das völlig sinnfreie Geballere zu Silvester hatte ich noch nie so richtig Verständnis. Abgesehen von den Schäden, die damit einhergehen, sind es die Kosten, die man ohne Probleme für andere Dinge aufwenden könnte, vielleicht sogar für einen guten Zweck.

So zeigt es mir seit heute erneut wie rückständig und egoistisch viele meiner Zeitgenossen sind. Zum Glück sprengt sich der eine oder andere davon selbst aus dem Leben, noch bevor er größere Schäden anrichten kann.

Spaziergang

Bei einem Spaziergang habe ich dann tatsächlich noch die Buga-Duscher wiedergefunden, etwas versteckt, aber in einem guten Zustand. Nun sind sie weg- bzw. eingesperrt, wie ehemals die Ossis auch; ob das nun zu ihrem eigenen Schutz notwendig ist oder ob es sie tatsächlich nur vom Weglaufen abhalten soll, werden wir sicherlich bald wissen.

„Wir müssen uns Sisyphos als einen glücklichen Menschen vorstellen“ (Albert Camus, 2023: 145).

Da es mit dem Schwimmen oder gar Tanzen aktuell einfach nicht klappen will, tun mir die Spaziergänge ganz gut. Und in unserer Stadt gibt es immer wieder Neues zu entdecken. So wie der aktuell stattfindende Ausbau der Radwege am Neckar, die auch noch das letzte verbliebene städtische Grün beseitigen. Da dort bald weitere Großbauten zu erwarten sind, wohl nur folgerichtig.

„Es bleibt eine Welt, deren einziger Herr der Mensch ist. Was ihn bannte, war die Illusion einer anderen Welt“ (Albert Camus, 2023: 137f).

Erstaunlich, wie derzeit das Kleingeld nur so auf der Straße liegt. Das beständige Bücken in der Fußgängerzone ist zudem gesund. Ich frage mich nicht, warum nur ich gute Augen habe oder willig bin, mich selbst für einen Cent diese Mühe zu machen, sondern bringe das gesammelte Kleingeld am Ende des Jahres zur Bank; bemerkenswert, was so das gesamte Jahr über zusammenkommt.

„Man kann jedoch nie genug darüber staunen, dass alle so leben, als ob niemand ‚wüsste‘“ (Albert Camus, 2023: 27).

Grillen

Erfreulich, dass es mir zu Weihnachten endlich gelungen ist, den Grill anzuwerfen; wobei mir meine bessere Hälfte versicherte, dass ich etwas aus der Übung sei. Meine entsprechenden Produkte konnte man als sportlich oder gar rustikal beschreiben, mir hat es auf alle Fälle gemundet. Als ich noch beim Treffpunkt Europa grillte, hatte ich jedes Jahr eine Fangemeinde, die extra für die sportlichen Würste an den Stand kam und dazu noch einen etwas älteren Herrn, der meine Vorliebe für rustikale Grillprodukte teilte. Mein entsprechender Kochtipp: mit einem guten Senf versehen, kann man alles essen. Wobei der Senf schädigende „Verbrennungsprodukte“ neutralisieren soll — so habe ich es zumindest einmal gehört.

Weniger erfolgreich gestaltete sich meine Kerzenmanufaktur, denn im wahrsten Sinne des Wortes habe ich mir nicht nur meine Finger verbrannt. Den restlichen Wachs hebe ich mir nun für etwaige kommende Versuche auf und bis dahin benötige ich auch noch ein paar neue Glasgefäße.

„Es gibt kein Schicksal, das durch Verachtung nicht überwunden werden kann“
(Albert Camus, 2023: 143).

Bei beiden Aktionen, dem Grillen wie auch beim Kerzengießen, begleitete mich neben den guten Ratschlägen meiner besseren Hälfte noch Albert Camus‘ absurder Mensch, passender geht es kaum.

„Ich weiß nicht, ob diese Welt einen Sinn hat, der über sie hinausgeht. Aber ich weiß, dass ich diesen Sinn nicht kenne und dass es mir vorerst nicht möglich ist, ihn zu erkennen.“

Albert CAmus (2023: 64)

Europaaktionstag

12.5.02024 4.3 (11)

Beitragsfoto: Europaaktionstag | © Konstantin Kümmerle

Spaziergang

Mit der U-Bahn ging es in die Münchner Innenstadt und von dort zu Fuß aus durch die Stadt bis nach Schwabing und durch den Englischen Garten wieder zurück. Da zwei meiner Lieblingscafés nicht mehr zu finden waren, erfreuten wir uns einfach an einem neuen Café direkt am Viktualienmarkt. Da das Wetter gut war, wurde auch noch ein Biergarten aufgesucht — mit etwas Glück fanden wir sogar noch einen Platz.

Die Innenstadt selbst war sehr gut besucht, was keinen verwundert, da die Stadt insgesamt sehr sauber ist und attraktive Geschäfte wie auch Lokale zuhauf vorhanden sind. Selbst eine etwas größere Demonstration, die erst am Stachus begann und zum Schluss noch bei uns am Café vorbeimarschierte, ergänzte das städtische Gesamtbild, anstatt die Menschen abzuschrecken — es waren auch keine wilden Bauern, Montagsmarschierer, Neo-Nazis oder Kalifat-Beschwörer, sondern einfach nur Bürger, die auf ein berechtigtes Anliegen aufmerksam machten.

Derweil informierten Freie Wähler-Kandidaten in Heilbronn darüber, wie wir Heilbronn wieder attraktiver machen wollen — wenn es nach mir ginge, mit etwas mehr Ordnung und Sauberkeit und vor allem mehr Transparenz in städtischen Angelegenheiten, denn wenn Unordnung und Misswirtschaft im Rathaus vorherrschen, verkommt jede Stadt.

Zum Abend hat uns der Älteste noch ins Donisl am Marienplatz entführt. Er wusste dabei nicht, dass ich dessen Geschichte noch in bester Erinnerung hatte. 1984 machte der Wirt selbst im Spiegel Schlagzeilen und wie es eine kurze Recherche ergab, hatten dessen Wirte auch 2023 noch nicht sehr viel dazugelernt. Was dem Ganzen aber keinen Abbruch tat, denn der Ochsenbraten war in Ordnung; für mich persönlich hätten aber Knödel den Braten besser abgerundet als die servierten Kartoffeln. Der Abend war dennoch ein Genuss, was aber eindeutig an den beteiligten Personen lag.

So schön es auch sein mag, manchmal etwas in der Erinnerungen zu schwelgen, das echte Leben findet hier und jetzt statt. Sehr nett auch die Bemühungen der Jugend, mich durch München zu führen. Aber so schnell ändern sich Städte nicht und ich war dort bereits unterwegs, als die besagte Jugend noch nicht einmal ein Augenzwinkern war.

Auf alle Fälle aber war es ein wunderbarer Münchenaufenthalt und man muss zudem anerkennen, dass sich die Welt insgesamt ständig verbessert, auch wenn man es selbst nicht wahrhaben möchte.

Nachtrag

Auch wenn ich das Café Extrablatt nicht mehr gefunden habe, denn bereits 1998 hatte sich auch München weitergedreht, geht mir jetzt die Konstantin Wecker Musik zu Kir Royal nicht mehr aus dem Kopf.

Über die entsprechende Sendung habe ich schon mehrfach geschrieben und die Protagonisten waren auch dieses Wochenende ein Thema — die Jüngeren kennen sie nur noch vom Hörensagen, aber manche davon doch noch aus Funk und Fernsehen, wenn nämlich der ÖRR auch wieder etwas nostalgisch wird oder diese VIP ihre Renten aufbessern müssen.

40 Jahre

Dieses Jahr schaffte ich es, meinen Ältesten in unserer gemeinsamen Alma Mater zu besuchen. 1984 hatte ich dort mein Studium aufgenommen. Dieses Jahr wird Maximilian dort sein Studium beenden. Meine erste Unterkunft, ein altes Luftwaffengebäude, war tatsächlich noch vorhanden. Leider meine spätere Studentenbude nicht mehr. Diese wurde wohl vor ein paar Jahren von einem neuen Gebäude ersetzt, welches inzwischen ebenfalls wieder neu gebaut werden müsste. Manche der alte „Sternanlagen“, die damaligen Neubauten, waren tatsächlich noch vorhanden, allerdings in einem sehr jämmerlichen Zustand. Meine Kameraden, die damals dort als erstes einzogen, werden dennoch erstaunt darüber sein, dass es diese Gebäude heute überhaupt noch gibt. Mein Ältester wohnt allerdings in einem neuen Gebäude am anderen Ende des Campus, welches kaum 5 Jahre alt, ebenfalls schon wieder auseinanderfällt.

Was den Zustand der Bundeswehr weiterhin ganz gut erklären kann. Unsere Steuermilliarden werden hauptsächlich dafür verwendet, damit sich ein paar erlauchte Mitbürger dumm und dämlich verdienen können. Landesverteidigung geht anders!

Europaaktionstag

Es gab in den letzten Jahrzehnten gleich mehrere Versuche, den Treffpunkt Europa zu kopieren. Der wohl gelungenste ist der Europaaktionstag in Stuttgart, der sich auch heute noch halten kann. Zum Unterschied zu Heilbronn wird dieser vom Staatsministerium unter Beteiligung weiterer Landesministerien sowie den Vertretungen des Europäischen Parlaments und der Kommission in München ausgerichtet und durch die Stuttgarter Stadtverwaltung und die Mehrheit im Gemeinderat mitgetragen, wobei diese auch nicht darauf schauen, wo sie selbst Profit aus diesem Tag ziehen können.

Auch wenn der Europaaktionstag zumindest bisher nicht den Charme des Treffpunkts Europas entwickeln konnte, ist es rundweg eine sehr gelungene Veranstaltung. Und so macht es uns Heilbronnern von der EUROPA-UNION Spaß, diesen Tag in Stuttgart zu unterstützen. Auch wenn ich dieses Mal vorzeitig aus Stuttgart wegmusste, war der Tag ein gelungener Start in das Wochenende.

Kaum drei Stunden später durfte ich in Unterhaching ein neues Restaurant kennenlernen. Gut bürgerliche griechische Küche, die sich sehr wohltuend von sehr vielen griechischen Restaurants in Deutschland unterscheidet. Das Setting des Restaurants namens Mythos vor allem im großzügigen Außenbereich sehr mediterran, was gerade beim aktuell guten Wetter vor Ort bestens zur Geltung kam.


Europa-Ball

Europa-Ball 4.5 (12)

Beitragsfoto: Warm-Up in der Harmonie

Zum Schluss des Europa-Balls saßen meine bessere Hälfte, Franz Schirm und ich noch mit der Tanzband Happyness Voice um Andreas Cranen herum zusammen, es war schon etwas nach 1 Uhr in der Früh, um den diesjährigen Ball ausklingen zu lassen. Nach einem Ball ist bekanntlich vor einem Ball und so wurden bereits die ersten Details für den Europa-Ball, der aller Voraussicht nach am Samstag, 10. Mai 2025 stattfinden wird, erörtert.

Damit dürfte nun auch die Frage geklärt sein, wann man denn mit der Vorbereitung eines Tanzballes so beginnt. Der Umstieg vom Europa-Ball in der Tanzschule Brenner 2022 nun zum Europa-Ball 2024 in der Harmonie war ein gewaltiger, forderte meine bessere Hälfte und mich etwas mehr als ursprünglich gedacht, kann aber durchaus als gelungen bezeichnet werden.

Sehr erfreulich, dass tanzbegeisterte Heilbronner und Gäste aus nah und fern die Chance ergriffen und bis zum Schluss das Tanzbein schwangen; eine fast 400 Quadratmeter große Tanzfläche bot dazu die beste Gelegenheit. Nicht nur von der Bühne aus konnte man den Anblick der Tanzpaare, die die Fläche unter ihren Füßen ausgiebig nutzten, wahrlich genießen. Ein Ball, bei dem so richtig getanzt werden kann, hat leider heutzutage Seltenheitswert.

Bemerkenswert auch der Anblick der jüngeren Künstler als diese zum ersten Mal mit einer so großen Fläche konfrontiert wurden. Beim Treffpunkt Europa waren wir mit 100 Quadratmetern Bühne zufrieden, nun aber konnten sich die einzelnen Tanzgruppen tatsächlich richtig entfalten. Aber auch einzelne Tanzpaare liefen so zur Höchstform auf, und ich kam dabei ins Staunen — obwohl ich selbst doch über etwas eigene Tanzerfahrung verfüge.

Jede einzelne der auftretenden Tanzgruppen war ein Genuss für sich, und die jeweiligen Tanzgruppenleiter dürften hoch zufrieden mit deren Leistungen sein. Das Ballpublikum war es auf alle Fälle!

Und auch das Rahmenprogramm des Europa-Balls, der unter dem Motto „Culture meets Politics“ stand, darf als gelungen angesehen werden. Mich freute es dabei sehr, dass der eine oder andere Gemeinderat doch noch über den eigenen Schatten gesprungen ist und sich beteiligte. Gerade unsere Gemeinderäte müssten erkennen, was für „ihre“ Stadt notwendig und gut ist; deshalb darf man nun auch hier hoffen. Böse Zungen behaupten, dass dies nur der bevorstehenden Gemeinderatswahl geschuldet sei — unsere Gemeinderäte haben es jetzt in der Hand, diese im kommenden Jahr vom Gegenteil zu überzeugen!

So ein Ball ist auch am Tag des Ereignisses selbst für die Organisatoren eine Herausforderung. Meine bessere Hälfte und ich waren bereits um 12 Uhr vor Ort und verließen die Harmonie erst wieder nach gut 14 Stunden. Dies alles ist ehrenamtliche Arbeit und so freut es uns immer wieder, wenn auch andere Ehrenamtliche gut mitziehen. Dieses Mal muss ich neben Franz Schirm besonders Natalie Krayl erwähnen, die beide noch aus den Treffpunkt Europa-Zeiten stammen und ganz offensichtlich das Arbeiten weiterhin nicht verlernt haben.

Wie bereits erwähnt, unsere Partnervereine waren allesamt wieder eine Wucht, dennoch muss ich meinen Hut ganz besonders vor Marion Amann, der Chefin von Kunst07, ziehen, denn die Zusammenarbeit mit ihr ist eine reine Freude!

Und seitens der großartigen Harmonie-Hallenmannschaft, zu denen ich auch Voltino zähle, mit denen mir die Zusammenarbeit so richtig Spaß gemacht hat, möchte ich ganz besonders die Voltino-Team-Leiterin Lisa Slunitschek erwähnen.

Wie schon geschrieben, nach einem Ball ist vor einem Ball und so bin ich nun gespannt darauf, was mich beim Europa-Ball 2025 erwarten wird.